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Veröffentlicht am 28.07.2025

Eine Porzellanmanufaktur in Scherben – Meine Lesereise ins zerstörte Deutschland

Die Porzellanmanufaktur – Zerbrechlicher Frieden
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Wenn ein Buch schon im Titel das Zerbrechen ankündigt, bin ich als Leser gewarnt. Bei diesem Auftakt der Thalmeyer-Trilogie zerbrechen tatsächlich einige Dinge – nicht nur das Porzellan, sondern auch meine ...

Wenn ein Buch schon im Titel das Zerbrechen ankündigt, bin ich als Leser gewarnt. Bei diesem Auftakt der Thalmeyer-Trilogie zerbrechen tatsächlich einige Dinge – nicht nur das Porzellan, sondern auch meine anfängliche Skepsis gegenüber yet another Familiensaga.

Was mich sofort gepackt hat: Die Autorin traut sich, 1947 nicht zu verklären. Das Deutschland, in dem Marie plötzlich eine Porzellanmanufaktur führen muss, ist kein romantisches Nachkriegsidyll, sondern ein Land voller Pragmatiker, Schwarzmarkthändler und Opportunisten. Karl Metsch als Antagonist verkörpert diesen Typus perfekt – ein Mann, der Macht wie Kaolin hortet und beide gleichermaßen skrupellos einsetzt.

Marie als Protagonistin funktioniert für mich größtenteils. Sie ist keine strahlende Heldin, sondern eine junge Frau, die ins kalte Wasser geworfen wird und oft genug untergeht, bevor sie wieder an die Oberfläche kommt. Ihre Unsicherheit wirkt authentisch, besonders in den Szenen, wo sie gegen die Vorurteile der Geschäftspartner ankämpft. Allerdings – und hier beginnen meine Vorbehalte – bekommt sie manchmal zu schnell zu viel Weisheit und Durchsetzungskraft verpasst, als hätte die Autorin Angst, sie könnte zu schwach wirken.

Das größte Problem liegt im Erzähltempo. Die Geschichte schwankt zwischen informativen Passagen über Porzellanherstellung (die ich als Sachbuch-Fan durchaus schätze) und dramatischen Wendungen, die wie aus dem Nichts kommen. Joachims Schicksal wird beispielsweise so lange aufgebaut, dass seine tatsächliche Rolle fast enttäuschend wirkt. Sophie hingegen bleibt zu sehr Nebenfigur, obwohl sie das Potenzial für deutlich mehr hätte.



Die Autorin verliert sich gelegentlich in ihrer eigenen Recherche. Man merkt, dass sie viel über die Zeit weiß, aber sie vertraut dem Leser nicht genug zu, diese Informationen organisch aufzunehmen. Stattdessen werden historische Details manchmal wie Geschichtsunterricht eingestreut.

Die Liebesgeschichte mit John McNarney? Funktioniert überraschend gut, weil sie nicht kitschig daherkommt. Die kulturellen Unterschiede und die Unsicherheit der Zeit spiegeln sich in ihrer Beziehung wider. Nur das Ende fühlt sich etwas zu konstruiert an – als müsste unbedingt ein Cliffhanger für Band zwei her.



Trotz dieser Schwächen hat mich das Buch mitgenommen. Die Atmosphäre des Wiederaufbaus, die Zerrissenheit zwischen Tradition und Neuanfang, die Frage nach weiblicher Autorität in einer Männerwelt – das alles trägt. Und ja, ich werde Band zwei lesen, allein schon, um zu sehen, ob die Autorin ihre erzählerischen Baustellen in den Griff bekommt.

Für Fans historischer Romane ist das ein solider Einstieg mit Luft nach oben. Für alle anderen: Wartet vielleicht auf die Kritiken zu Band zwei.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Drei Frauen, drei Jahrhunderte - ein atmosphärischer Vampirroman mit Höhen und Tiefen

Bury Our Bones in the Midnight Soil
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V.E. Schwab liefert mit diesem Vampirroman eine atmosphärisch dichte Geschichte ab, die mich über weite Strecken fasziniert hat. Die Grundidee, drei Frauen aus verschiedenen Jahrhunderten – 1511, 1827 ...

V.E. Schwab liefert mit diesem Vampirroman eine atmosphärisch dichte Geschichte ab, die mich über weite Strecken fasziniert hat. Die Grundidee, drei Frauen aus verschiedenen Jahrhunderten – 1511, 1827 und 2019 – zu verfolgen und ihre Schicksale miteinander zu verweben, ist brillant umgesetzt.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist Schwabs Fähigkeit, die unterschiedlichen Zeitepochen so authentisch und lebendig zu gestalten. Jede Ära fühlt sich stimmig an, und die Protagonistinnen wirken als Produkte ihrer Zeit, ohne klischeehaft zu werden. Besonders die Regency-Handlung hat es mir angetan – hier stimmt einfach alles.

Der Schreibstil ist gewohnt elegant, die Satzkonstruktionen sind wunderschön, und Schwab versteht es, Atmosphäre zu schaffen. Die Symbolik und die Themen von Einsamkeit, Freiheit und der Natur des Vampirseins sind durchdacht und berührend. Auch neue Charaktere wie Matteo bringen willkommene Leichtigkeit in die oft düstere Geschichte.

Allerdings hat mich der sehr langsame Pace zunehmend gestört. Es gibt viel Zwischengeplänkel und häufige Rückblenden, die den Lesefluss hemmen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte sich in Details verliert, anstatt voranzuschreiten.

Das Ende lässt mich leider unbefriedigt zurück. Nach einer so komplexen Charakterentwicklung und interessanten Wendungen hätte ich mir eine befriedigendere Auflösung gewünscht.

Fazit: Ein atmosphärischer Vampirroman mit wunderschönem Schreibstil und faszinierenden Charakteren, der jedoch unter seinem langsamen Tempo und einem unbefriedigenden Ende leidet.

3,5/5 Sternen

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Künstlerseele trifft Blutdurst

My Roommate is a Vampire - Ein Mitbewohner zum Anbeißen
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Als ich diesen Roman in die Hand nahm, hatte ich ehrlich gesagt keine großen Erwartungen. Noch ein Vampirroman? Wirklich? Aber was soll ich sagen – manchmal braucht man genau das, was man zu kennen glaubt, ...

Als ich diesen Roman in die Hand nahm, hatte ich ehrlich gesagt keine großen Erwartungen. Noch ein Vampirroman? Wirklich? Aber was soll ich sagen – manchmal braucht man genau das, was man zu kennen glaubt, um überrascht zu werden. Von der ersten Seite an wurde ich in das chaotische Leben der Protagonistin hineingezogen. Ihr "nicht ganz perfektes Leben" (und das ist noch untertrieben!) hat mich sofort zum Schmunzeln gebracht. Zugegeben, das Setting ist nicht gerade revolutionär. Künstlerisch begabte, leicht chaotische Frau trifft auf mysteriösen, unverschämt gut aussehenden Typen mit einem dunklen Geheimnis. Aber hey – manchmal funktionieren Klischees einfach! Die Autorin schafft es, diese bekannten Elemente mit so viel Selbstironie und Witz zu verpacken, dass ich über die Vorhersehbarkeit mancher Wendungen gerne hinweggesehen habe.

Der Schreibstil der Autorin ist erfrischend direkt und flüssig zu lesen. Keine gestelzten Dialoge oder übertriebenen Beschreibungen – hier wird gesprochen, wie Menschen wirklich sprechen. Die Protagonistin fühlt sich an wie eine gute Freundin, die mir bei einem Glas Wein von ihrem verrückten Leben erzählt. Allerdings ist mir ein kleiner Logikfehler im Zeitablauf aufgefallen. Die schriftlichen Einblicke wie Tagebucheinträge, Chats und die kleinen Zettel, die in der Wohnung verteilt sind, finde ich besonders charmant. Sie verleihen der Geschichte eine zusätzliche Dimension und machen Cassies Welt noch lebendiger. Natürlich gibt es auch Momente, in denen ich die Augen verdreht habe. Muss der Vampir WIRKLICH so unfassbar perfekt aussehen? Muss die Protagonistin WIRKLICH so unbeholfen sein, dass sie ständig in seine Arme stolpert? Aber irgendwie gehört das zum Charme des Buches. Es nimmt sich selbst nicht zu ernst und lädt die Leser ein, einfach mitzugehen auf dieser unterhaltsamen Reise.

Es ist ein charmanter Zeitvertreib, nicht mehr und nicht weniger. Wer tiefe philosophische Erkenntnisse oder strenge Logik erwartet, ist hier allerdings falsch. Große Realität sucht man vergebens – aber ist das nicht genau der Punkt eines Vampirromans? Ich mag den Schreibstil und die Leichtigkeit, die der Roman mit sich bringt. Es ist wie eine Tüte bunter Gummibärchen – nicht nahrhaft, aber eine süße Freude, die man sich gönnt, wenn der Alltag zu grau wird.

Der Schluss nimmt dann doch noch etwas an Spannung auf, was mich positiv überrascht hat – auch wenn das Ende insgesamt etwas eilig wirkt. Es fühlt sich an, als hätte die Autorin plötzlich bemerkt, dass ihre Seitenzahl begrenzt ist und musste schnell zum Ende kommen. Schade eigentlich, denn gerade als es richtig interessant wurde, war es auch schon vorbei.

Fazit: Alles in allem war es ein amüsantes Leseerlebnis. Ein Roman, der perfekt ist für verregnete Sonntagnachmittage, Urlaubstage am Strand oder schlaflose Nächte. Nicht weltbewegend, aber herzerwärmend, witzig und mit genau der richtigen Dosis Romantik und übernatürlichem Drama.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Schöne Regency-Reihe

Bridgerton – Der Duke und ich
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Der historische Liebesroman spielt im London der Regency-Ära und erzählt die Geschichte von Daphne Bridgerton und Simon Basset, dem Herzog von Hastings. Geschickt vereint der Roman die gesellschaftlichen ...

Der historische Liebesroman spielt im London der Regency-Ära und erzählt die Geschichte von Daphne Bridgerton und Simon Basset, dem Herzog von Hastings. Geschickt vereint der Roman die gesellschaftlichen Konventionen der Zeit mit einer fesselnden romantischen Handlung.



Die Stärken des Buches liegen in der charmanten Protagonistin Daphne, den spritzigen Dialogen und der authentisch eingefangenen historischen Atmosphäre. Besonders die Beziehung zwischen Daphne und Simon wird eindrucksvoll dargestellt – ihre anfängliche Freundschaft entwickelt sich allmählich zu tieferen Gefühlen und wirkt dabei sehr glaubwürdig.



Dennoch gibt es auch problematische Aspekte in der Handlung, insbesondere hinsichtlich des Konsenses und der Beziehungsdynamiken. Einige Szenen und Entscheidungen der Charaktere könnten aus heutiger Perspektive kritisch betrachtet werden.



Insgesamt ist „Der Duke und ich“ ein unterhaltsamer historischer Liebesroman, der trotz seiner Schwächen durch lebendige Charaktere und eine fesselnde Romanze besticht. Das Buch bildete die Grundlage für die erfolgreiche Bridgerton-Reihe und deren spätere Netflix-Adaption.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Gute Idee, ungleichmäßige Umsetzung

The Exes
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The Exes war für mich eines dieser Bücher, bei denen ich nach den ersten Seiten dachte, das könnte wirklich gut werden. Die Prämisse ist stark: Natalie sucht die große Liebe, hat dabei aber eine Vergangenheit, ...

The Exes war für mich eines dieser Bücher, bei denen ich nach den ersten Seiten dachte, das könnte wirklich gut werden. Die Prämisse ist stark: Natalie sucht die große Liebe, hat dabei aber eine Vergangenheit, die sich nicht so einfach wegschweigen lässt, nämlich drei tote Ex-Freunde und eine unheilvolle Neigung, zufällig in der Nähe zu sein, wenn etwas passiert. Als sie James kennenlernt und glaubt, endlich alles zu haben was sie sich je gewünscht hat, beginnt das eigentliche Spiel.

Was mich als Leserin leider zunehmend abgeholt hat, war das Pacing der ersten Hälfte. Der Roman braucht sehr lang, um wirklich Fahrt aufzunehmen. Die vielen Zeitsprünge und Rückblenden, die Leodora Darlington einsetzt, um Natalies Vergangenheit zu enthüllen, unterbrechen den Erzählfluss immer genau dann, wenn er gerade beginnt, Zugkraft zu entwickeln. Ich habe mich mehrfach dabei ertappt, wie ich auf das Ende eines Rückblickes gewartet habe, statt mitzufiebern. Das ist für einen Thriller ein ernstes Problem.

Die zweite Hälfte des Buches ändert das Tempo deutlich, und hier zeigt Darlington, dass sie durchaus weiß wie man Twists setzt. Einige Wendungen haben mich wirklich überrascht, andere wirkten gegen Ende zunehmend konstruiert und haben mich eher ungeduldig als gespannt zurückgelassen. Das Gefühl, dass die Autorin ein Ziel vor Augen hatte und rückwärts auf dieses Ziel hingeschrieben hat, ließ sich leider nicht ganz abschütteln.

Was das Buch für mich dennoch interessant macht, ist das Thema selbst: weibliche Rache, die Frage nach Moral und Rechtfertigung, eine Protagonistin die sich in einer gesellschaftlichen Realität bewegt die Frauen systematisch verletzt. Diese Ansätze sind da, aber sie werden nicht ganz zu Ende gedacht. Natalie bleibt als Figur ein Stück weit blass, und das nimmt der Geschichte die psychologische Tiefe die sie brauchen würde, um wirklich unter die Haut zu gehen.

Meine Empfehlung: Wer Thriller liebt, die vor allem in der zweiten Hälfte Tempo machen, und wer bereit ist, eine etwas holprige erste Hälfte in Kauf zu nehmen, kann hier durchaus gut unterhalten werden. Wer psychologische Komplexität sucht oder eine Protagonistin mit der man wirklich mitfiebert, könnte enttäuscht sein. 3 von 5 Sternen für ein Buch mit guter Idee und ungleichmäßiger Umsetzung.

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