Höllisch? Eher voller Rückblenden in ein rücksichtsloses Unisystem
KatabasisKatabasis ist das dritte Buch der Autorin, welches ich gelesen habe. Ich wollte das Buch wirklich mögen, hatte mich sehr darauf gefreut. Allein die Reise durch verschiedene Höllen, angelehnt u. a. an Dantes ...
Katabasis ist das dritte Buch der Autorin, welches ich gelesen habe. Ich wollte das Buch wirklich mögen, hatte mich sehr darauf gefreut. Allein die Reise durch verschiedene Höllen, angelehnt u. a. an Dantes Inferno, kombiniert mit den vielfältigen Recherchen der Autorin, klang so vielversprechend. Und dennoch konnte es mich nicht so sehr begeistern wie ihre vorherigen Romane.
Die Idee hinter der Story ist schnell zusammengefasst: Ein umstrittener Professor für Magie an der Universität von Cambridge ist bei einem seiner Experimente in diverse Einzelteile zerlegt worden. Alice Law, Doktorandin der Analytischen Magie, will ihren Doktorvater aus dem Höllenreich zurückholen, damit er ihren Studienabschluss mit einem aussagekräftigen Empfehlungsschreiben versehen kann. Doktorand Peter Murdoch schließt sich ihr kurzentschlossen aus dem vermeintlich selben Grund an.
Die Handlung beginnt quasi zum Zeitpunkt der Reise in die Hölle, welche hier aus acht Höfen samt Vorhölle besteht. Schon als der Preis der Reise genannt wird wunderte ich mich, warum zur Hölle die beiden diesen hohen Preis dafür in Kauf nehmen. Das Gefühl verstärkte sich mit jeder Rückblende, mit welchen der Roman regelrecht durchsetzt ist. Stärke und Schwäche des Werkes zugleich. Statt den Leserinnen und Lesern eine spannende Reise durch die acht Höfe der Hölle zu bieten prangert die Autorin durch sehr viele beispielhafte Rückblenden das universitäre System vor einigen Jahrzehnten an. Ein System, welches von Männern für Männer gemacht war und es ermöglichte, dass StudentInnen und DokorandInnen wie Sklaven bis an den Rand zur Erschöpfung für Forschungsarbeiten ausgenutzt wurden. Die magischen Hintergründe versucht die Autorin durch Verknüpfungen diverser Disziplinen und Fachbegriffe zu erklären, was m. E. eher den Effekt hat, wie willkürlich mit Begriffen aus Mathematik, Physik, Religion und Philosphie um sich zu werfen. Auch ist es ihr nicht gelungen, die laut ihrer Aussage so hochintelligenten Charaktere Alice und Peter wirklich als intelligent darzustellen. So soll Magie mittels besonderer Kreide auf der Nutzung von Paradoxa funktionieren, nur leider weist das an einer Stelle von der Autorin bzw. von Peter beispielhaft genutzte Paradoxon bereits an erster Stelle der Logikkette einen gravierenden Denkfehler auf, dass ich enttäuscht war, was die Autorin mir da als Magie weismachen wollte. Auch ihr Aussage kurz darauf (Zitat S. 448) Ein Paradoxon bedeutet, dass wir irgendwo unterwegs etwas ganz fundamental verbockt haben (Zitat Ende), machte es nicht besser. Und auch weitere, an anderer Stelle genannte Rätsel wirkten eher wie auf Fünftklässler-Niveau statt hochintelligent.
So löblich und wichtig das Aufzeigen von Missständen in Gegenwart und Vergangenheit auch ist, hier ging eine potentiell unterhaltsame Handlung fast vollständig unter in Rückblenden, Diskussionen, Grübeleien und erneuten Rückblenden. Also deutlich mehr Erzählung statt aktive Handlung. Von den Höllen selbst bekommt man kaum etwas mit und auch da hat die Autorin das Thema universitäre Missstände weiter behandelt. Hinzu kommt, dass mir Alice und Peter einfach nicht sympathisch wurden und dass ich ihre Handlung bereits von Beginn an nicht nachvollziehen konnte.
Ich empfand das Buch weder wirklich magisch noch spannend, vielmehr über Längen zäh und bis auf den Höllenfürsten, der einen kurzen Auftritt hat, sowie eine weitere Person im Höllenbereich, die Charaktere anstrengend bis unsympathisch. Es wurden für meinen Geschmack zuviele Fachdisziplinen wie willkürlich durcheinander gewürfelt und das Magiesystem sowie die angeblich hochintelligenten Charaktere nicht überzeugend als solche dargestellt.