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Veröffentlicht am 20.08.2025

Hat meine Erwartungen nicht erfüllt

My Haunted Heart – Ich sehe dich
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„My haunted Heart: Ich sehe dich“ ist die neue Romance aus der Feder von Mimi Kylling und erzählt die Geschichte von Flora, einer stillen, in sich gekehrten Floristin, und Sawyer. Der die Dunkelheit nach ...

„My haunted Heart: Ich sehe dich“ ist die neue Romance aus der Feder von Mimi Kylling und erzählt die Geschichte von Flora, einer stillen, in sich gekehrten Floristin, und Sawyer. Der die Dunkelheit nach Bishop’s Hope bringt, festgefahrenen BewohnerInnen das Fürchten lehrt und der 23-Jährigen die Liebe schenkt. Und so viel mehr.

Es war jener Tag, an dem sich Flora von ihrer Großmutter verabschieden muss, als sie die Präsenz eines Fremden zum ersten Mal spürt. Als sie die Ahnung überkommt, beobachtet zu werden. Aus den Schatten ihres erinnerungsschweren Gartens.

Nur einmal wollte er sie sehen. Ihr ins Gesicht blicken. Ihren Duft atmen. Ein einziges Mal, bevor nichts mehr eine Rolle spielt. Doch Flora ist betörend. Unberührt. Einsam. Und verdient es, wie eine Königin behandelt zu werden …
Doch nicht von ihm, nicht von Sawyer, der mit seinen Dämonen und dem Schicksal kämpft …

Kylling schildert das Geschehen aus wechselnder Perspektive, was uns die Protagonisten und ihre gegenwärtigen Situationen zu einem gewissen Teil näherbringt.
Flora fühlt sich seit dem Tod ihrer Grandma verlorener als jemals zuvor, da helfen auch Kater Wilson, Layla oder der Reverend der Gemeinde nicht. Bisher war die junge Frau nie verliebt, nie interessiert an Dates mit den Männern des Dorfes, und dass gerade ein wortkarger, unheimlicher Unbekannter ihre Nerven auf die bestmögliche Weise strapaziert, in ihr Mut und Abenteuerlust weckt, entfacht Sorge in Bishop’s Hope... Die Zeit mit Sawyer ist heiß, intensiv und schnell – keines seiner Geheimnisse, nicht seine Vergangenheit, seine Taten oder harsche Worte schrecken Flora ab. Dabei hat Sawyer die Hölle gesehen, erlebt sie jede Nacht wieder und blickt einer Zukunft entgegen, in der die Dunkelheit präsent ist.

Obgleich sich Beweggründe und Ausmaße von Sawyers Obsession erst mit fortschreitendem Verlauf enthüllen, ist von Anfang an deutlich, dass der 25-Jährige gebrochen ist, erschüttert, mit Ängsten ringt, um Fassung. Einblicke hinter seine Fassade, in weiche Seiten, in Traumata und Gefühle, die zerstören können – oder heilen – verleihen der Handlung, in Kombination mit seiner Unberechenbarkeit und der emotionalen Labilität, zumindest leichte Spannungsspitzen. Schüren Interesse.

Jedoch entpuppte sich „My haunted Heart“ insgesamt weder als besonders dark – nimmt man die inneren Kämpfe des Ex-Soldaten beiseite – noch als Suspense-Story. Wer diese Erwartungen vorzeitig loslässt, wird von der Geschichte samt der einen oder anderen Offenbarung, den Problemen der Figuren, Sawyers Erfahrungen und den tragischen Themen sicherlich mitgerissen.
Ich habe mich auf das Marketing verlassen und suchte inmitten von Kleinstadtcharme vergeblich den Adrenalinkick und die Gefahr. Die wattierte Lovestory geht rasch – für die Ausgangssituation mMn viel zu einfach und unkompliziert – voran. Ich konnt das Gerede von „Liebe“ zumindest nicht greifen oder nachvollziehen. Auch Sawyers wiederholendes „Ich bin nicht gut für dich/Es kann kein uns geben …“ wirkte eher unpassend als heroisch, sodass es mir häufiger an konsequentem Verhalten und echter, erwachsener Kommunikation fehlte. Dafür liegt der Fokus zu keiner Zeit auf expliziten Szenen; Körperliches wurde stimmig in die Storyline integriert, ebenso wie die Bedenken von Floras Umfeld, das die Stalking-Allüren nicht romantisiert. Stilistisch vermisste ich die gewohnte Lebendigkeit und Poesie, die malerischen, atmosphärischen Worte, dennoch erzählt die Autorin ihre Romance in einem lockeren und verständlichen Ton.

Mimi Kylling greift einige sensible Punkte auf – von Verlust und Trauer über Akzeptanz, Bewältigung und Vergebung, vor allem jene für sich selbst. Spricht von Krieg und den Opfern, die auch Überlebende bringen. Erinnert uns daran, dass die Sonne immer wieder aufgeht, auch wenn wir sie nicht sehen …

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Deutliche Schwächen im Text selbst und der Handlung

Fleur de Lavande (Band 1) - Wie du liebst
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Privat und beruflich ausgebrannt, frisch getrennt und am Bestsellerstatus vorbeigeschrammt, gönnt sich Viola eine dringend benötigte Auszeit in Südfrankreich bei ihrer besten Freundin Jules. Zwischen tröstenden ...

Privat und beruflich ausgebrannt, frisch getrennt und am Bestsellerstatus vorbeigeschrammt, gönnt sich Viola eine dringend benötigte Auszeit in Südfrankreich bei ihrer besten Freundin Jules. Zwischen tröstenden Worten, Kindheitserinnerungen und Meeresrauschen trifft sie auf Lucas Rausch – geforderter Erbe eines Imperiums und gehypter Profisportler. Trotz Differenzen kommen sich die beiden langsam näher, lernen die gegenwärtige Version des anderen kennen. Erwecken nie vergangenes Herzklopfen erneut. Doch wartet nach der sonnigen Zeit, hinter Lavendelfeldern eine echte Chance?

Gabriella Santos de Lima schreibt in einem sehr gefühlvollen Ton, bringt Emotionen und Empfindung malerisch zur Geltung und erweckt mit ihren Worten die atmosphärische Kulisse zum Leben. Leider steht die mangelnde inhaltliche Qualität der Geschichte im Weg. Zusätzlich sind es die eine oder andere (nicht getätigte) Reaktion, Violas wiederholende Selbstzweifel und ein rasches Ende, welches nicht zu den eingebundenen, sensiblen Themen passt, die die anfängliche Euphorie trüben. Dabei begann „Wie du liebst“ toll; das erste Aufeinandertreffen der Protagonisten sorgte für Unterhaltung, doch Viola macht es den LeserInnen nicht einfach, sie zu mögen. Gefangen in negativen Gedanken, blockt sie Spaß, (eigene) Entwicklungen sowie Einsichten rege ab, sieht nur ihre Fehler, ihr „mehr tun können“ statt Offensichtliches. Luc ist, obgleich seiner anfänglichen ruppigen Distanz, ein klasse Mann. Wenn der Sport selbst und seine Leidenschaft zu diesem auch keine gewichtige Rolle einnehmen, sind es sein familiäres Erbe, der Druck der auf ihm lastet, und ein tragisches Geheimnis, welches konstant die Neugier erhält. Dass Santos de Lima mit Vi nicht nur authentisch den Stress aufzeigt, den das Leben als veröffentlichte Autorin mit sich bringt, der Zwang, sich immer wieder neu zu beweisen, sich zu vergleichen, besser zu sein, sondern auch die Sexualisierung von Männern gibt der Romance etwas Gewichtiges – unabhängig der Umsetzung. Abgesehen der Liebesgeschichte, die ein Auf und Ab ist und mehrfach von fehlender Kommunikation ins Schlingern gebracht wird, sind es hauptsächlich äußere, interessante Umstände, bewegende Offenbarungen und andere Figuren, die dafür sorgen, dass Viola und Luc für sich selbst einstehen und auf Unrecht reagieren. Zudem ist Jules eine Schwester, Freundin und Feministin die der melancholischen, soften Erzählung Humor und Lebendigkeit beschert.

Meiner Meinung nach fehlt es „Fleur de Lavande - Wie du liebst“ nicht nur an einem Korrektorat, sondern auch an Stärke, griffigen Entwicklungen und Tiefe. Wer eine seichte Story sucht, in dem wichtige Punkte (teilweise zwar nur oberflächlich und einfach) zur Sprache kommen, die Urlaubsvibes versprüht und insgesamt „nett“ ist kann hier ruhig einen Blick hineinwerfen.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Nette Rockstar-Romance

Raven’s Melody: Rockstar Romance
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Nach einer neuerlichen Eskapade in Vegas, die mit einer drunken Casino-Tour, einem zerstörten Hotelzimmer und diversen Platzwunden endete, ist Chris Collister drauf und dran, vom Posten als Manager der ...

Nach einer neuerlichen Eskapade in Vegas, die mit einer drunken Casino-Tour, einem zerstörten Hotelzimmer und diversen Platzwunden endete, ist Chris Collister drauf und dran, vom Posten als Manager der Thunderbirds zurückzutreten. Nur ein Deal könnte ihn von seiner Kündigung abhalten. Doch statt alle vier Rockstars büßen zu lassen, ist es an Gitarrist und Sänger Devin „Raven“ Anderson, ein Opfer zu bringen: Er soll Sparrow – Teil jenes Newcomer-Duos, in dessen Ungnade der Star fiel – öffentlich zu daten. … Ob das funktionieren kann?
Aus Sorge, nicht mehr als ein One-Hit-Wonder zu sein und nie die Chance zu bekommen, der Welt zu zeigen, was wirklich in den Sandpipers steckt, lässt sich Sparrow Price auf den wahnwitzigen Vorschlag ihrer Managerin Olivia ein – voller Bedenken und Unsicherheit. Für zwei Monate spielt sie die Fakefreundin des abgehobenen und arroganten Frontmanns der Thunderbirds.
Je besser sie den Rocker und seine Wahrheiten kennenlernt, umso mehr – echte – Zeit sie mit ihm verbringt, umso häufiger stellt sich die sanfte Musikerin die Frage, ob dieses Arrangement vielleicht mehr werden kann als ein PR-Gag …

»Es stand nicht auf meinem Plan, mich zu verlieben.«

Melanie Schütz führt uns in einem leichten, sehr detailreichen und gefühlvollen Stil durch ihre Romance, in der zwar die Liebesgeschichte im Vordergrund steht, jedoch auch die Missstände des Musikbusiness, der Druck, den Rampenlicht mit sich bringt, sowie Trauer und Verlust(ängste) thematisiert werden.
„Raven’s Melody“ begann unterhaltsam und weckte vor allem durch das – hitzige – Miteinander zwischen Raven und Sparrow, ihre zumindest anfänglich aufregende Annäherung und die individuellen Hintergründe große Erwartungen. Jedoch verlor sich die Story mMn in ausufernden Gedankenkreisen und Überlegungen. Dies ließ die Protagonisten und ihre (neue) Situation, Ravens inneres Ringen und Sparrows Zweifel zwar greifbar werden, dämpft zugleich aber auch signifikant das Tempo. Dennoch sind es hauptsächlich die konträren Charaktere, ihre verschiedenen Melodien und ihr unvorhersehbares Zusammenspiel, dass das Interesse aufrechterhält.

Wo der Frontmann der Thunderbirds – flirtend und impulsiv – von jahrelangen durchzechten Nächten, verdrängten Problemen und Höhenflügen gezeichnet ist, ist das schüchterne Küstenmädchen bodenständig und merklich von der Aufmerksamkeit und dem Luxus überfordert. Sowohl ihre Zurückhaltung als auch ihre Empathie treffen in dem harten Bad Boy einen Nerv, der ihn nur zu gerne vergessen lässt, dass das alles – jede Berührung, jedes zarte Lächeln, jedes Date – nur fake ist. Und doch erstickt Verlangen die Distanz, blitzt im Schauspiel Vermissen auf, sorgt Aufrichtigkeit für Nähe. Aber Ravens Erfahrungen lehrten ihn, dass das Leben und die Liebe vergänglich sind …

„Ich lebte das Leben (...) Lebte es hart, lebte es richtig, ausufernd genug für zwei.“

Inmitten des eher soften Verlaufs finden sich Szenen, die Spaß machen, atmosphärische Beschreibungen, die uns nicht nur in die dekadente, nie stillstehende Realität beider, in intensive, losgelöste Nächte und berauschende Auftritte führen, sondern uns im selben Maße an der Ruhe, die das Meer schenkt, und an der Sicherheit, die Heimat bedeutet, teilhaben lassen.
Wenn ich auch die romantische Entwicklung nicht zur Gänze fühlen, den bemüht wirkenden Dialogen stellenweise nichts abgewinnen konnte, fand ich Ravens Versuche, seine „Freundin“ aus der Reserve zu locken, sie mit flotten Sprüchen zu überrumpeln, größtenteils amüsant. Im Gegensatz zu seinem zunehmend anstrengender werdenden Wechselspiel aus heiß-kalt, ja-nein.
Den Rest der Thunderbirds lernen wir leider nur flüchtig kennen, nichtsdestotrotz machen die unterschiedlichen Musiker einen sympathischen, unterstützenden Eindruck. Im Gegensatz zu Liv und dem zweiten Teil der Sandpipers – mit Wren und ihrer „wohlmeinenden“ Art wurde ich einfach nicht warm.
Hingegen sorgt Sparrow mit versteckten Talenten und verborgenen Seiten für Überraschungen – war zu Beginn deutlich, dass sie weder an sich glauben noch für sich, ihre Wünsche einstehen kann, zeigt sie im fortschreitenden, von Hürden durchzogenen Verlauf immer häufiger Souveränität und Selbstbewusstsein.

„Raven’s Melody“ war für mich nicht DAS perfekte Buch, dennoch bietet die Story – neben sensiblen, einfühlsam behandelten Themen – nette Unterhaltung, tolle Settings, Romantik und (guten) Spice.

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Veröffentlicht am 03.07.2025

INTERESSANTES THEMA, UMMANTELT VON EINER AUSSCHWEIFENDEN, ÜBERLADENEN STORYLINE

Hello Stranger
1

Kennt ihr das, wenn ein zu viel das Interesse schmälert?
So ging es mir in „Hello Stranger“ – aber von vorn …

Acht Jahre ist es her, seitdem sich Sadie gegen ein Medizinstudium – und somit gegen ihren ...

Kennt ihr das, wenn ein zu viel das Interesse schmälert?
So ging es mir in „Hello Stranger“ – aber von vorn …

Acht Jahre ist es her, seitdem sich Sadie gegen ein Medizinstudium – und somit gegen ihren Vater – entschieden und den Weg einer Künstlerin – jenen, den auch ihre Mutter einst mit Leidenschaft ging – eingeschlagen hat. Mittlerweile hält sich die junge Frau mit Porträtmalerei und dem Geplänkel mit ihrer besten Freundin gerade so über Wasser, vermeidet peinlich genau jeden nicht notwendigen Kontakt mit ihrer Familie und versucht ihr Glück regelmäßig bei verschiedenen Talentwettbewerben ‐ erfolglos. Bis jetzt. Denn nun hat es Sadie Montgomery endlich geschafft und zählt zu den 20 FinalistInnen des prestigeträchtigsten Porträtwettbewerbs des ganzen Landes. Ihre große Chance! In sechs Wochen muss sie ein Kunstwerk einreichen, dass das Beste ist, was je aus ihrem Pinsel floss …
Doch binnen eines Wimpernschlags ändert sich das Leben der Endzwanzigerin auf drastische Weise und plötzlich ist alles Talent nicht genug …

„Hello Stranger“ beschäftigt sich mit der »erworbenen apperzeptiven Prosopagnosie« – mit einer Erkrankung, von der ungefähr 2 Prozent der Weltbevölkerung betroffen sind und die bekannter ist unter „Gesichtsblindheit“. Dies war auch der Grund, wieso ich den Roman von Katherine Center unbedingt lesen wollte.
Erzählt wird einzig aus der Sicht von Sadie, sodass wir nicht nur Teil von ihrer gegenwärtigen Überforderung, der Verzweiflung und ihrer Angst sind, der mit jedem Tag weiter schwindenden Hoffnung auf eine (schnelle) Genesung, sondern auch innerhalb des Verlaufs etliche Informationen aus ihrer – einsamen, von Trauer durchzogenen – Vergangenheit zusammentragen können. Dass der anstehende Wettbewerb für die Zukunft der Protagonistin – ihre finanzielle Unabhängigkeit und ihre Karriere – ungemein wichtig, sie jedoch nicht mehr in der Lage ist, Porträts zu schaffen, erhöht Sadies inneren Druck. Jeder Schritt außerhalb ihrer Wohnung – tief erschrocken von Fragmenten, wo einst Mimik war, Sicherheit, Orientierung – wird von Gefühlen der Ohnmacht und Unsicherheit begleitet, bringt die Künstlerin an emotionale Grenzen. Und genau jetzt, als Sadie am verletzlichsten ist, sucht sie das Unheil ihrer Jugendjahre heim. Zudem kratzt der zwielichtige Nachbarstyp an ihren Nerven, Peanut braucht dringend Hilfe und Sue? Die steckt in einem ganz eigenen Abenteuer …

War der Beginn vielversprechend, aufgrund des lockeren Stils, etlicher herzerwärmender, skurriler Momente und der mitschwingenden (Selbst-)Ironie unterhaltsam, Sadies Beeinträchtigung interessant, verlor sich die anfängliche Euphorie in vielerlei Hinsicht stetig. Denn nach und nach kommt so einiges zusammen, dass die Gesichtsblindheit und den Umgang mit dieser kontinuierlich in den Hintergrund drängt.
Sadie, auf ihre Art durchaus sympathisch, rebellisch und darauf geeicht, mit Humor auf Niederlagen zu reagieren, verliert mehrfach binnen zwei Sätzen jeden frischen Tatendrang und neuerlichen Schub Selbstbewusstsein. Nur, um sich in etlichen, schier endlosen, irrelevanten Monologen und (wiederholenden) Überlegungen zu verlieren. Dieser Umstand ging mir ebenso rasch auf die Nerven wie die Masse an Konflikten und Missverständnissen. Ein Schritt vor, drei zurück – und das in einer Tour.
▪︎Seiten überblättern, ohne etwas zu verpassen? Ist hier problemlos und oft möglich.
▪︎Den Fokus verlieren, weil ein Gedankenstrom auf den nächsten, ein Drama auf das andere folgt? Ja! Einfach ja.
▪︎Parkers Sticheleien und Auftritte sollten vermutlich als Spannungskomponente fungieren, waren aber unnötig und too much.
▪︎Das distanzierte Vater-Tochter-Verhältnis erhielt zwar eine Basis, das „klärende Gespräch“ empfand ich jedoch als zu einfach/plötzlich – aber am Ende wird eben alles gut, oder?
▪︎Ebenfalls weist der Plot Schwächen und Unstimmigkeiten auf. Ob dies auch der Fall gewesen wäre, wenn sich die Autorin auf eine gute Ausarbeitung von nur ein, zwei Punkten konzentriert hätte?

Aber es gab auch Positives:
▪︎Die romantische Entwicklung bspw.: Vorhersehbar? Auf jeden Fall. Amüsant? Definitiv. Gerade die ernsten Gespräche und der spritzige Schlagabtausch mit Joe sorgten für einige Schmunzler. Das sich verändernde Verhältnis zwischen ihm und Sadie war insgesamt schön zu verfolgen.
▪︎Peanut: Weil Hunde die besseren Menschen sind.
▪︎Center greift „Trauer“ und den individuellen Umgang mit dieser authentisch auf. Manche Verluste tun auch Jahrzehnte später noch weh, und das ist vollkommen ok.
▪︎Der medizinische Aspekt wurde u. A. mithilfe von Dr. Nicole, in Kombination mit Sadies Empfindungen und den bildhaften, teilweise sehr emotionalen Schilderungen vorstellbar dargelegt.
Montgomerys Erfahrungen regen zusätzlich zum Nachdenken an: Denn wenn optische Attraktivität, die wir hauptsächlich in Gesichtern suchen, nicht erkennbar ist, müssten wir unser Gegenüber aufgrund von Taten, Können und Verhalten bewerten. Eine spannende Betrachtungsweise, oder?

Insgesamt schafft „Hello Stranger“ ohne Frage Aufmerksamkeit für Prosopagnosie und die ‚Sichtweise' Betroffener, bietet zeitgleich aber eine vollkommen überladene Storyline. Zwischen ausschweifenden Gedankenkreisen und etlichen Längen finden sich jedoch auch romantische Augenblicke, tiefgehende Überlegungen, Schmerz und eine an sich selbst zweifelnde Frau, die nicht bereit ist, aufzugeben – allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz.

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Interessantes Thema, ummantelt von einer ausschweifenden, überladenen Storyline

Hello Stranger
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Kennt ihr das, wenn ein zu viel das Interesse schmälert?
So ging es mir in „Hello Stranger“ – aber von vorn …

Acht Jahre ist es her, seitdem sich Sadie gegen ein Medizinstudium – und somit gegen ihren ...

Kennt ihr das, wenn ein zu viel das Interesse schmälert?
So ging es mir in „Hello Stranger“ – aber von vorn …

Acht Jahre ist es her, seitdem sich Sadie gegen ein Medizinstudium – und somit gegen ihren Vater – entschieden und den Weg einer Künstlerin – jenen, den auch ihre Mutter einst mit Leidenschaft ging – eingeschlagen hat. Mittlerweile hält sich die junge Frau mit Porträtmalerei und dem Geplänkel mit ihrer besten Freundin gerade so über Wasser, vermeidet peinlich genau jeden nicht notwendigen Kontakt mit ihrer Familie und versucht ihr Glück regelmäßig bei verschiedenen Talentwettbewerben ‐ erfolglos. Bis jetzt. Denn nun hat es Sadie Montgomery endlich geschafft und zählt zu den 20 FinalistInnen des prestigeträchtigsten Porträtwettbewerbs des ganzen Landes. Ihre große Chance! In sechs Wochen muss sie ein Kunstwerk einreichen, dass das Beste ist, was je aus ihrem Pinsel floss …
Doch binnen eines Wimpernschlags ändert sich das Leben der Endzwanzigerin auf drastische Weise und plötzlich ist alles Talent nicht genug …

„Hello Stranger“ beschäftigt sich mit der »erworbenen apperzeptiven Prosopagnosie« – mit einer Erkrankung, von der ungefähr 2 Prozent der Weltbevölkerung betroffen sind und die bekannter ist unter „Gesichtsblindheit“. Dies war auch der Grund, wieso ich den Roman von Katherine Center unbedingt lesen wollte.
Erzählt wird einzig aus der Sicht von Sadie, sodass wir nicht nur Teil von ihrer gegenwärtigen Überforderung, der Verzweiflung und ihrer Angst sind, der mit jedem Tag weiter schwindenden Hoffnung auf eine (schnelle) Genesung, sondern auch innerhalb des Verlaufs etliche Informationen aus ihrer – einsamen, von Trauer durchzogenen – Vergangenheit zusammentragen können. Dass der anstehende Wettbewerb für die Zukunft der Protagonistin – ihre finanzielle Unabhängigkeit und ihre Karriere – ungemein wichtig, sie jedoch nicht mehr in der Lage ist, Porträts zu schaffen, erhöht Sadies inneren Druck. Jeder Schritt außerhalb ihrer Wohnung – tief erschrocken von Fragmenten, wo einst Mimik war, Sicherheit, Orientierung – wird von Gefühlen der Ohnmacht und Unsicherheit begleitet, bringt die Künstlerin an emotionale Grenzen. Und genau jetzt, als Sadie am verletzlichsten ist, sucht sie das Unheil ihrer Jugendjahre heim. Zudem kratzt der zwielichtige Nachbarstyp an ihren Nerven, Peanut braucht dringend Hilfe und Sue? Die steckt in einem ganz eigenen Abenteuer …

War der Beginn vielversprechend, aufgrund des lockeren Stils, etlicher herzerwärmender, skurriler Momente und der mitschwingenden (Selbst-)Ironie unterhaltsam, Sadies Beeinträchtigung interessant, verlor sich die anfängliche Euphorie in vielerlei Hinsicht stetig. Denn nach und nach kommt so einiges zusammen, dass die Gesichtsblindheit und den Umgang mit dieser kontinuierlich in den Hintergrund drängt.
Sadie, auf ihre Art durchaus sympathisch, rebellisch und darauf geeicht, mit Humor auf Niederlagen zu reagieren, verliert mehrfach binnen zwei Sätzen jeden frischen Tatendrang und neuerlichen Schub Selbstbewusstsein. Nur, um sich in etlichen, schier endlosen, irrelevanten Monologen und (wiederholenden) Überlegungen zu verlieren. Dieser Umstand ging mir ebenso rasch auf die Nerven wie die Masse an Konflikten und Missverständnissen. Ein Schritt vor, drei zurück – und das in einer Tour.
▪︎Seiten überblättern, ohne etwas zu verpassen? Ist hier problemlos und oft möglich.
▪︎Den Fokus verlieren, weil ein Gedankenstrom auf den nächsten, ein Drama auf das andere folgt? Ja! Einfach ja.
▪︎Parkers Sticheleien und Auftritte sollten vermutlich als Spannungskomponente fungieren, waren aber unnötig und too much.
▪︎Das distanzierte Vater-Tochter-Verhältnis erhielt zwar eine Basis, das „klärende Gespräch“ empfand ich jedoch als zu einfach/plötzlich – aber am Ende wird eben alles gut, oder?
▪︎Ebenfalls weist der Plot Schwächen und Unstimmigkeiten auf. Ob dies auch der Fall gewesen wäre, wenn sich die Autorin auf eine gute Ausarbeitung von nur ein, zwei Punkten konzentriert hätte?

Aber es gab auch Positives:
▪︎Die romantische Entwicklung bspw.: Vorhersehbar? Auf jeden Fall. Amüsant? Definitiv. Gerade die ernsten Gespräche und der spritzige Schlagabtausch mit Joe sorgten für einige Schmunzler. Das sich verändernde Verhältnis zwischen ihm und Sadie war insgesamt schön zu verfolgen.
▪︎Peanut: Weil Hunde die besseren Menschen sind.
▪︎Center greift „Trauer“ und den individuellen Umgang mit dieser authentisch auf. Manche Verluste tun auch Jahrzehnte später noch weh, und das ist vollkommen ok.
▪︎Der medizinische Aspekt wurde u. A. mithilfe von Dr. Nicole, in Kombination mit Sadies Empfindungen und den bildhaften, teilweise sehr emotionalen Schilderungen vorstellbar dargelegt.
Montgomerys Erfahrungen regen zusätzlich zum Nachdenken an: Denn wenn optische Attraktivität, die wir hauptsächlich in Gesichtern suchen, nicht erkennbar ist, müssten wir unser Gegenüber aufgrund von Taten, Können und Verhalten bewerten. Eine spannende Betrachtungsweise, oder?

Insgesamt schafft „Hello Stranger“ ohne Frage Aufmerksamkeit für Prosopagnosie und die ‚Sichtweise' Betroffener, bietet zeitgleich aber eine vollkommen überladene Storyline. Zwischen ausschweifenden Gedankenkreisen und etlichen Längen finden sich jedoch auch romantische Augenblicke, tiefgehende Überlegungen, Schmerz und eine an sich selbst zweifelnde Frau, die nicht bereit ist, aufzugeben – allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere