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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.10.2025

Spannend und anschaulich zugleich

Die Psychoanalytikerin
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Vera Albers hat nach dem Großen Krieg die Praxis ihres gefallenen Mannes, eines Arztes, übernommen und ist dort nun als durchaus gefragte Psychoanalytikerin tätig - eine interessante und zugleich schwierige ...

Vera Albers hat nach dem Großen Krieg die Praxis ihres gefallenen Mannes, eines Arztes, übernommen und ist dort nun als durchaus gefragte Psychoanalytikerin tätig - eine interessante und zugleich schwierige Arbeit, denn die ehemaligen Kriegsteilnehmer, die bei ihr ihre psychischen Traumata aufarbeiten, sind nicht an Frauen in dieser Position gewöhnt und stellen sie entsprechend auf die Probe.

Doch auch mit den wenigen Frauen, die bei ihr vorsprechen, ist es nicht unbedingt einfach - ihre häufigste Patientin versucht zum Beispiel, sich auch freundschaftlich anzunähern. Dennoch liebt Vera ihren Job, der ihr auf unterschiedliche Weise das Leben erleichtert.

Eines Tages spricht die Polizei vor - einer ihrer Klienten ist tot. Allmählich erfährt sie mehr - sowohl über den Fall als auch über die Vergangenheit des Verstorbenen und gerät tiefer hinein in die gesamte Angelegenheit.

Hier liegt nicht nur ein spannender Fall vor - nein, mindestens genauso interessant ist die Darstellung der historischen Umstände, der Situation in Hamburg kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Melanie Mezenthin versteht sich meisterhaft auf die gekonnte, umsichtige Darstellung historischer Fakten und deren Einbindung in ihre Romane - man möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen!

Veröffentlicht am 15.10.2025

Köstliche Kneipen in Japan

Oishii!
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Beim Betrachten dieses Buchs läuft mir sofort das Wasser im Munde zusammen und ich beginne zu überlegen, was ich als nächstes daraus zubereiten will. Fast alles ist so "Oishii" (japanisch für ...

Beim Betrachten dieses Buchs läuft mir sofort das Wasser im Munde zusammen und ich beginne zu überlegen, was ich als nächstes daraus zubereiten will. Fast alles ist so "Oishii" (japanisch für lecker oder köstlich), dass ich sofort Appetit bekomme. In diesem Buch geht es nämlich um Izakayas in Japan: das sind Lokale, in denen man alkoholische Getränke erhält, wobei es dort in Japan immer etwas zu essen dazu gibt, manchmal sogar mit einer verbundenen Bestellverpflichtung.

Mir gefällt es sehr, mir die unterschiedlichen Izakayas anzuschauen und auszusuchen, was ich wohl als erstes bestellen würde. Es gibt eine Menge von Rezepten, die aus japanischer Sicht sehr unkompliziert sind und aus deutscher eigentlich auch - es ist nur alles zunächst ein bisschen fremd, vor allem die Zutaten.

Ein tolles Buch nicht nur für Japan-Fans und/oder Kneipengänger!

Veröffentlicht am 29.09.2025

Spannend und eindringlich

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Vor allem aber ausgesprochen emotional ist dieser Roman, in dessen Mittelpunkt Margret und Hardy stehen. Sie begegnen einander in einem Kinderheim kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, nicht ahnend, ...

Vor allem aber ausgesprochen emotional ist dieser Roman, in dessen Mittelpunkt Margret und Hardy stehen. Sie begegnen einander in einem Kinderheim kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, nicht ahnend, dass sie - abgesehen von einer kleinen Pause - ihr ganzes Leben miteinander verbringen werden.

Margret ist schon fast ein Backfisch, Hardy gerade aus dem Kleinkindalter heraus, als sie einander in der Hölle begegnen. Denn in diesem katholischen Kinderheim im Sauerland ist nichts kindgerecht, die Kinder werden wie Sträflinge behandelt, nein, gar wie Erzfeinde. Margret muss nach ihrer Rettung durch Verwandte erfahren, dass die Hölle sogar noch schlimmer sein kann - dasselbe erfährt Hardy in einem anderen Kinderheim. Dort aber finden sie einander wieder und dank Margrets Mut und Initiative gehen sie Jahre später eigene Wege - zusammen.

In einem parallelen Handlungsstrang begegnen wir ihrer Familie - Tochter Sabine, Enkelin Julia und Urenkelin Emily - jede von ihnen ist zu großen Teilen in Köln-Kalk bei der kalten Margret und dem warmherzigen Hardy aufgewachsen.

In diesem Roman erfährt man in allen Einzelheiten, was es heißt, mit Altlasten zu leben - und zwar für immer. Der neue Roman von Susanne Abel kann ohne Weiteres mit den beiden Vorhängern mithalten - auch hier konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen und war traurig, als es zu Ende war. Die Autorin beschäftigt sich vor allem mit den Schwächsten der Gesellschaft - den Kindern und Jugendlichen, beziehungsweise steigt sie in das Leben ihrer Protagonisten ein, wenn diese noch klein bzw. jung sind. Hier zeigt Susanne Abel einmal mehr, was warmherzige Literatur bedeuten kann - fern von Kitsch und Schwülstigem bringt sie die Dinge auf den Punkt. Ein Roman, wie er treffender und damit wertvoller nicht sein könnte!

Veröffentlicht am 27.09.2025

Vorübergehend aussortiert

Der Tote im Kamin
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Frank Grasby, Inspector in York, schmückt sich eher mit Missgeschicken als mit Erfolgen und wird daher in ein winziges Kaff namens Elderby abgeschoben, bis sich die Wogen glätten. Auch, wenn er sich dort ...

Frank Grasby, Inspector in York, schmückt sich eher mit Missgeschicken als mit Erfolgen und wird daher in ein winziges Kaff namens Elderby abgeschoben, bis sich die Wogen glätten. Auch, wenn er sich dort nur um Diebstähle kümmern soll, beschert ihm gleich der Tag seiner Ankunft eine geheimnisvolle Leiche in einem Kamin - ein Opfer, das niemand kennt. Bald folgt der nächste Todesfall und schon bevor er die Bewohner des Ortes alle kennt, weiß Grasby schon nicht, wem dort überhaupt zu trauen ist. Wir schreiben das Jahr 1952 und es geistern noch diverse Mähren über das Überleben Hitlers und seinem Versteck auf der britischen Insel wie auch andere haarsträubende Geschichten.

Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter und mehr noch mit der amerikanischen Praktikantin Deedee nimmt Grasby die Fährte unverdrossen auf - wird er in einen Komplott geraten oder befindet er sich bereits mittendrin!

Dieser alles andere als dörflich-gemütliche Krimi ist ebenso spannend wie amüsant, dazu kommt die überzeugende Darstellung der Charaktere und natürlich der Lokalkolorit. Ein ausgesprochen lesenswerter Krimi, der mir viel Freude bereitet hat!

Veröffentlicht am 21.09.2025

Der Tod kann uns immer und überall ereilen

Lügennebel
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Und leider auch in sehr jungen Jahren. In diesem, mittlerweile bereits vierten Fall der Are-Serie, wird das sehr deutlich. Das Opfer, eine erst 19jährige junge Frau, die ein wenig über die Stränge schlug. ...

Und leider auch in sehr jungen Jahren. In diesem, mittlerweile bereits vierten Fall der Are-Serie, wird das sehr deutlich. Das Opfer, eine erst 19jährige junge Frau, die ein wenig über die Stränge schlug. Sie war mit Studienfreunden aus Uppsala für ein verlängertes Wochenende nach Are gereist, um Ski zu fahren und sich zu entspannen - wer hätte ahnen können, dass sie nicht wiederkehren würde?

Wer wie ich Hannas vorherige Fälle mit großem Genuss verfolgt hat, der darf sich freuen: es geht mindestens genauso spannend weiter. Ich empfand diesen Fall als besonders spannend: auch wenn einiges verdächtig erscheint, ist am Ende wenn auch nicht alles, so doch vieles ganz anders, als es zunächst scheint.

Kurz nach dem Mord folgt auch noch ein gefährlicher Brand auf dem in den Gebäuden, in denen die Freunde untergekommen sind: Hanna und ihr Kollege Daniel haben wieder gut zu tun und wir lernen auch andere Kollegen des Teams besser kennen.

Viveca Sten schreibt wie gewohnt so fesselnd und mitreißend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte und die gut 500 Seiten in zwei Tagen durch hatte. Ich habe mich durch den Fall gefressen, muss ich sagen. Denn nicht nur der Stil der Autorin vermag zu begeistern, nein, mehr noch ist es der Inhalt. Wieder einmal hält die Autorin geschickt die Balance zwischen Zufällen und Fakten. Diesmal empfand ich auch die Liebesgeschicke der Ermittler:innen als durchaus geschickt eingebaut, so dass dieser Fall aus meiner Sicht ein absolut rundes Ding ist.