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caro_phie

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2025

Überraschend und nachdenklich stimmend

Von hier aus weiter
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Marlene will nicht mehr nach dem Tod ihres Ehemanns. Und so zieht sie sich zurück, lehnt Besuche und Anrufe von Bekannten und Freunden ab und plant ihren eigenen Suizid. Bis eines Tages ihr ehemaliger ...

Marlene will nicht mehr nach dem Tod ihres Ehemanns. Und so zieht sie sich zurück, lehnt Besuche und Anrufe von Bekannten und Freunden ab und plant ihren eigenen Suizid. Bis eines Tages ihr ehemaliger Schüler Jack vor der Tür steht und sie mit seiner gutmütigen Art und seiner Geduld Stück für Stück zurück ins Leben holt.

Mit viel Humor aber dennoch mit Feingefühl nähert sich Susann Pasztór dem schwierigen Thema, wie man seine Lebensfreude zurückgewinnt, wenn man eine nahestehende Person verloren hat.

Es ist ein Buch, das vorhersehbar wirkt in seiner Handlung und es doch ganz und gar nicht ist. Aus zweiten werden dritte Chancen und bis zur letzten Seite hält es Plot twists bereit, die mich gleichzeitig überrascht und unglaublich nachdenklich gestimmt haben.

Wieso schwimmt man so schnell bereitwillig in den immer gleichen Bahnen statt Veränderungen anzunehmen und sein eigenes Leben aktiv zu gestalten? Wieso gibt es diesen gesellschaftlichen Druck eines möglichst geradlinigen Lebens?

Auch für mich, als deutlich jüngere Leserin, war das Buch absolut lesenswert und ich würde es jedem ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Zum Träumen und Weiterrecherchieren

Gemüsepower
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Es ist Februar. Die ersten Samen sind gesät und doch scheint der Garten noch im Winterschlaf zu liegen. Doch Lucia Schauerhammer weist mich in ihrem Buch “Gemüsepower” darauf hin, dass auch jetzt schon ...

Es ist Februar. Die ersten Samen sind gesät und doch scheint der Garten noch im Winterschlaf zu liegen. Doch Lucia Schauerhammer weist mich in ihrem Buch “Gemüsepower” darauf hin, dass auch jetzt schon wichtige Arbeiten erledigt werden können, um die kommende Gartensaison vorzubereiten.

Übersichtliche To Do Listen bilden den Anfang eines jeden Kapitels des saisonal gegliederten Gartenbuchs. Danach folgen hilfreiche Tipps zu nachhaltigen Gartenanbaumethoden, Gemüsesorten, die man in den jeweiligen Monaten anbauen kann und vertiefendes Wissen bspw. zu Beikräutern, Kompostieren und Haltbar machen. Besonders schön fand ich auch die gelegentlich auftauchenden Rezepte, die einem helfen größere Mengen an Hollunderblüten, Zucchini oder Tomate zu verarbeiten.

Das Buch ist sehr ästhetisch aufgebaut. Viele Fotos vom Garten der Autorin laden zum Träumen ein. Dazwischen auch immer wieder Fotos der Autorin selbst bei der Arbeit. So schön das auch aussieht, hätten meiner Meinung an vielen Stellen informativere Grafiken den Platz besser nutzen können.

Ein ähnliches Gefühl stellte sich bei mir auch beim genaueren Lesen des Buches ein. An vielen Stellen fehlt mir die Tiefe. So wird beispielsweise das Thema Mischkultur nur in wenigen Sätzen angerissen. Um ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, was im Garten passiert und warum, reicht es an vielen Stellen nicht.

Zudem finde ich den Untertitel des Buchs “Jede Menge Gemüse auf kleiner Fläche” in die Irre führend. Denn das was Lucia Schauerhammer auf den Fotos präsentiert ist keinesfalls ein kleiner Garten, sondern ein Market Garden von 4500 Quadratmetern. Vorgestellte Techniken setzen häufig voraus, dass man Gemüse in langen Reihen anpflanzen kann. Allein das Hochbeet als Alternative für wenig Platz wird immer wieder aufgegriffen

Lucia Schauerhammers Buch wird ein Buch bleiben, in das ich immer wieder mal gerne reinschauen werde. Ein Buch, das mich das ganze Jahr lang immer wieder begleiten wird, allerdings eher als Inspiration als für eine systematische Beetplanung der knapp neun Quadratmeter Beetfläche, die mein wirklich “kleiner” Garten hergibt.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Kunstvolle Skizze der Wendezeit in Rot, Blau und Grün

Adlergestell
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Man kann sie sich bildhaft vorstellen, die Kindheit in den 90er Jahren am Stadtrand von Berlin, dort wo unentwegt die Autos über das Adlergestell rasen. Die Kinder, die mit ihren eckigen Scout-Ranzen das ...

Man kann sie sich bildhaft vorstellen, die Kindheit in den 90er Jahren am Stadtrand von Berlin, dort wo unentwegt die Autos über das Adlergestell rasen. Die Kinder, die mit ihren eckigen Scout-Ranzen das erste Mal die Schule betreten und ab diesem Tag nach der Schule immer direkt zum kleinen Laden rennen, wo sich jetzt der Kapitalismus in einer riesigen Auswahl Süßigkeiten manifestiert. Unter ihnen Chaline, Lenka und die Erzählerin, die schon bald Center-Shock kauend die neuen Autos, die nun überall in der Siedlung stehen, beschmieren und deren Mercedes-Sterne abbrechen.

Es ist ein Aufwachsen zwischen zwei Welten: der vergangenen der Erwachsenen und der neuen Welt, die ihre Heilsversprechen einer schöneren Welt über die Röhrenfernseher verbreitet. Bilder, die sich in Blau, Grün udn Rot auflösen, wenn man so nah an den Fernseher tritt, dass die Augen wehtun.

Kunstvoll verwebt Laura Laabs die Geschichte der drei Mädchen mit den Schicksalen ihrer Verwandten und diesen neuen Eindrücken zu einem atmosphärischen Gesellschafts- und Zeitbild, das ich wahnsinnig beeindruckend fand.

Deshalb hätte es für mich die zweite Zeitebene in der Gegenwart, in der Laura Laabs die Schicksale ihrer Protagonistinnen weiterzeichnet, nicht gebraucht. Fast wirkt es als würde die Autorin ihrem Buch eine Erklärung abringen wollen, warum gerade in den östlichen Bundesländern nun rechtsradikale Kräfte wieder an Momentum gewinnen. Aber dafür bleibt meiner Meinung nach insbesondere ihre Erzählerinnenfigur zu schemenhaft.

Abgesehen davon ist Adlergestell jedoch ein tolles Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und dessen bildhaft, atmosphärische Sprache mich sehr beeindruckt hat.

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Veröffentlicht am 29.04.2025

Wut in einer Welt, die keine Wut duldet

Fischtage
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Ella ist 16 und sie ist wütend. Es ist eine Wut, die rot und heiß ist, die in ihrem Bauch beginnt, langsam in ihr aufsteigt, kaum zu bändigen ist und fast zwangsläufig dazu führt, dass Ella die Person ...

Ella ist 16 und sie ist wütend. Es ist eine Wut, die rot und heiß ist, die in ihrem Bauch beginnt, langsam in ihr aufsteigt, kaum zu bändigen ist und fast zwangsläufig dazu führt, dass Ella die Person vor ihr niederbrüllt.

Es ist eine Wut, die dazu führt, dass Ella sich von fremden Menschen fernhält, keine Freunde sucht, am liebsten alleine auf ihrem Fensterbrett sitzt und zeichnet. Umso schwerer wiegt es, als ihr Bruder Luis plötzlich verschwindet. Denn auch wenn sie sich zunehmend entfremdet haben, ist er doch ihr kleiner Bruder und sie doch seine Lieblingsschwester, vor der er früher keine Geheimnisse hatte.

Und so macht sich Ella auf die Such nach Luis - zusammen mit einem sprechenden Plastikfisch. Dieser Plastikfisch, dessen Präsenz sich mir bis zum Ende nicht ganz erschlossen hat, und die extrem dicht erzählte Handlung, in der viele Charaktere blass bleiben, haben mich mehr als einmal das Buch beinahe weglegen lassen - entnervt von dem Jugendabenteuerromanhaftigen und der vermeintlich fehlenden Tiefe.

Erst im Nachhinein fügt sich die Geschichte zu einem Ganzen, zu einer Suche für Ella, nicht nur nach ihrem Bruder, sondern auch nach einem Weg mit ihrer Wut umzugehen - in einer Welt, die unter Umständen Wut nicht verzeiht - und gleichzeitig die Entdeckung dieser Welt hinter den geschützten Wänden des Elternhauses, die faszinierend und bedrohlich zugleich ist.

Und so klappe ich das Buch zu, seltsam versöhnt durch die letzten Seiten und mit einem großen Platz im Herzen für diese unangepasste, trotzige Protagonistin, für die ich so hoffe, dass sie sich einen Teil ihrer Wut bewahrt.

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Veröffentlicht am 29.04.2025

Subtil und zutiefst persönlich

Ein Raum zum Schreiben
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Es ist bei einem Abendessen mit Jo Nesbø und einem noch unbekannten jungen Autor, als Kristin Valla sich die Frage stellt, warum sie sich nicht mehr als Autorin bezeichnet, wann sie diese Rolle abgelegt ...

Es ist bei einem Abendessen mit Jo Nesbø und einem noch unbekannten jungen Autor, als Kristin Valla sich die Frage stellt, warum sie sich nicht mehr als Autorin bezeichnet, wann sie diese Rolle abgelegt hat und wie sie zum Schreiben zurückfinden kann. Sie sucht ihre Antwort in einem kleinen Haus an der französischen Mittelmeerküste, das sie sich kauft in der Hoffnung einen Raum zum Schreiben zu finden. Und sie sucht sie bei den Generationen an Autorinnen vor ihr, die, entgegen aller Widrigkeiten und gesellschaftlicher Konventionen, sich neben ihrer Rolle als Hausfrau oder Mutter eben diesen Raum erkämpft haben.

„Ein Raum zum Schreiben“ ist ein differenziertes Buch über Frauen in der Literatur. Ein Buch, in dem sich Kristin Valla einreiht in die lange Geschichte von Frauen in der Literatur und das zugleich die Unterschiede zu früheren Generationen an Autorinnen aufzeigt.

Immer wieder spannt Kristin Valla den Bogen von ihrem kleinen Haus zu den Anstrengungen ihrer „Vorgängerinnen“. Eine Idee, die mich zunächst fasziniert hat, über die 260 Seiten jedoch etwas repetitiv wurde. Teilweise suchte ich vergeblich den größeren gesellschaftlichen Diskurs, der sich eingehend mit den Privilegien vieler eben jener Autorinnen auseinandersetzt, die ihnen das Schreiben überhaupt erst ermöglichten bzw. auch heute noch ermöglichen.

Letztendlich ist es ein persönliches Buch, das nicht mit der Erwartung an ein feministisches Manifest gelesen werden sollte. Vielmehr sind es kurze Passagen, feine Beobachtungen von Kristin Valla, die zum Nachdenken anregen, die mich immer wieder innehalten ließen und auch jetzt noch nachhallen.

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