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Veröffentlicht am 24.04.2026

Die Nebenpfade im Leben betreten

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Als Sophie bei Ebay Kleinanzeigen auf kaufen klickt, ist sie von sich selbst überrascht und vielleicht auch etwas schockiert. Sie hat 3000 Euro , also ihr komplettes Sparguthaben in ein Haus investiert, ...

Als Sophie bei Ebay Kleinanzeigen auf kaufen klickt, ist sie von sich selbst überrascht und vielleicht auch etwas schockiert. Sie hat 3000 Euro , also ihr komplettes Sparguthaben in ein Haus investiert, dass irgendwo in der Einöde im Osten Deutschlands liegt.

Wow, das ist mal ein Move! Sophie lässt ihr Studium erst einmal „pausieren“, kündigt ihr WG Zimmer und macht sich mit nicht mehr als einem Rucksack und einem Fahrrad per Bahn einmal quer durchs Land auf den Weg zu ihrem Haus. Das Haus ist eine Bruchbude, aber im Gegensatz zu Anderen, die jetzt schreiend davongelaufen wären, will Sophie nicht aufgeben und bleibt. Sie hat zwar keine Ahnung, aber es gibt nichts, was man per Youtube Video nicht lernen könnte.

Ich mochte das Debüt von Anna Katharina Scheidemantel wirklich sehr. Ihre Protagonistin ist zwar zunächst etwas naiv aber sie lernt schnell Entscheidungen zu treffen, Probleme zu lösen und wird mit den Konsequenzen ihres irrwitzigen Kaufes erwachsen.

Sie lernt, dass es ungemein befriedigend ist etwas mit den eigenen Händen zu schaffen, weiß schnell die Ruhe und die neue Freiheit zu schätzen. Doch ob das Leben als Landfrau ihr Weg sein wird oder nicht und die Frage, die damit einhergeht, wer sie eigentlich sein möchte im Leben, das muss sich erst noch herauskristallisieren.

Ich hatte das Hörbuch vorliegen, welches von Chantal Busse wunderbar eingesprochen wurde und empfehle das Buch unbedingt weiter an Personen, die so ein Aussteigerleben gerne mal in ihrem Safe Space durchspielen möchten. Also, man bekommt schon Lust auf Hühnerhaltung!

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Veröffentlicht am 11.04.2026

Alternative Leben

Die Namen
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„ Die Namen“ von Florence Knapp ist eine Geschichte, die ich aufgrund ihrer sehr besonderen Grundidee schon faszinierend fand. Bestimmt der eigene Name den späteren Charakter eines Menschen ganz entscheidend?

Cora ...

„ Die Namen“ von Florence Knapp ist eine Geschichte, die ich aufgrund ihrer sehr besonderen Grundidee schon faszinierend fand. Bestimmt der eigene Name den späteren Charakter eines Menschen ganz entscheidend?

Cora hat ihr zweites Kind bekommen, einen kleinen Jungen. Wird sie ihn nach seinem Vater Gordon benennen, wie es Tradition ist in der Familie bei männlichen Nachkommen? Das will sie eigentlich nicht, denn ihr Mann ist gewalttätig und ihr Sohn soll nicht genauso werden wie sein Vater. Julian würde ihr als Vorname viel besser gefallen und hat die vielversprechende Bedeutung Himmelsvater. Oder wird das Baby den Namen Bear bekommen, den sich seine Schwester Maia für ihn wünscht, weil man nur Gutes mit ihm verbindet. Einen Bear möchte man knuddelnd, er steht aber auch für Stärke.

Die Autorin spielt alle 3 Varianten durch. Wie hätte sich ein kleiner Gordon entwickelt, wie ein Julian und was wäre aus ihrem Sohn geworden, hätte er den Namen Bär erhalten. Natürlich steht auch die Frage im Raum, ob es Cora schafft sich aus der von häuslicher Gewalt geprägten Beziehung zu lösen und welche Rolle ihre Kinder dabei spielen.

Die Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Sie war stimmig und gut erzählt, nur den Epilog hätte es für mich nicht gebraucht.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Lebensbande

Lebensbande
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In dieser Geschichte geht es um 3 starke Frauen, deren Wege sich in der Zeit des 2.Weltkriegs kreuzen und die zu Freundinnen werden, die sich gegenseitig unterstützen und füreinander eintreten und sich ...

In dieser Geschichte geht es um 3 starke Frauen, deren Wege sich in der Zeit des 2.Weltkriegs kreuzen und die zu Freundinnen werden, die sich gegenseitig unterstützen und füreinander eintreten und sich für die andere selbst in Gefahr bringen.

Die Autorin erzählt auf 2 Zeitebenen, wobei wir uns in der Gegenwart in den 90er Jahren nach dem Mauerfall in Kühlungsborn befinden. Hier lebt eine der Frauen und die Vergangenheit und ihre düsteren Geheimnisse scheinen sie plötzlich wieder einzuholen, als sie ein Brief der Rentenanstalt erreicht und sie ihre Erwerbstätigkeit vor 1953 erklären soll. Sie schreibt schließlich ihre Geschichte auf und so erfährt der Leser nach und nach die spannende Lebensgeschichte von Nora, Lene und Lotte, die viel durchgemacht haben und denen dieser sinnlose Krieg so viele Jahre gestohlen hat. Lene, die immer fürchten musste, dass ihr stotternder Sohn von den Nazis als minderwertig eingestuft und getötet werden würde und deren Liebe zu einem Holländer einfach nicht möglich war, ihre Cousine Nora, die als Krankenschwester ihr Bestes tut um den kleinen Leo zu retten und die gemeinsam mit ihrer Freundin Lotte in Kriegsgefangeschaft in Russland gerät.

Es ist schlimm, was der Krieg anrichtet und diese Geschichte nach wahren Begebenheiten hat mich sehr berührt. Mechthild Bormann schreibt spannend, fesselnd und leicht und dass, trotz der Schwere der Themen.

Die Autorin macht Geschichte einfach nahbar, und ich war erschüttert, was diese Frauen durchgemacht haben.

Sehr empfehlenswert, aber keine leichte Kost!

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Zwischen Freiheit und Fürsorge - eine Mutter - Tochter Geschichte

Halbinsel
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Die Vorstellung, dass die erwachsene Tochter , die längst ausgezogen ist und ein erfolgreiches Leben jenseits ihres Elternhauses führt, plötzlich wieder zu Hause einzieht und ihren Lebensweg komplett in ...

Die Vorstellung, dass die erwachsene Tochter , die längst ausgezogen ist und ein erfolgreiches Leben jenseits ihres Elternhauses führt, plötzlich wieder zu Hause einzieht und ihren Lebensweg komplett in Frage stellt, ist krass.

Genau das passiert Annett, nachdem ihre Tochter Linn während eines Vortrages einen Zusammenbruch erleidet.

Linn möchte sich zunächst ein paar Wochen bei ihrer Mutter an der Nordsee erholen, doch dann löst sie ihren Hausstand auf , renoviert ihr altes Kinderzimmer und nimmt eine Hilfstätigkeit in einer Bäckerei an.

Annett macht sich Sorgen und die Spannungen zwischen Mutter und Tochter nehmen zu. Sie müssen sich aussprechen, doch das ist nicht einfach. Linn hat sich seit dem Abitur mit dem Klimawandel befasst, ihr Studium und ihr weiterer Werdegang, alles war darauf ausgerichtet etwas zu bewirken. Jetzt ist sie in der Realität angekommen, frustriert und desillusioniert. Hat sie überhaupt noch eine Zukunft?

Warum sind an die Wünsche ihrer Mutter immer Erwartungen geknüpft?

Auf der anderen Seite wird Linn jetzt, wo sie wieder Zuhause wohnt erst die Leistung ihrer Mutter bewusst, sie alleine großgezogen zu haben.

Die Trauer über ihren Mann, der so plötzlich in jungen Jahren verstorben ist, musste diese konsequent an die Seite schieben, denn sie hatte ein Kind zu versorgen.

Die Geschichte beinhaltet viele innere Monologe von Annett, wobei sich auch immer wieder ihrer toter Mann in ihre Gedanken schleicht und sie überlegt, was er jetzt wohl gesagt hätte. Linn‘s Gedanken fallen etwas in den Hintergrund und werden hauptsächlich indirekt von Annett wiedergegeben. Ich hätte Linn‘s Sicht gerne noch etwas näher beleuchtet gesehen.

Mir gefiel Kristine Bilkau‘s ruhiger Erzählstil aber gut und ich konnte mich besonders gut in Annett hineinversetzen.

Das Ende ist offen und lässt Platz für einen eigenen Schluß. Das mag ich nicht immer, aber zu dieser Geschichte passt es gut.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Berührende Migrationsgeschichte

Vatermal
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„Vatermal“ ist eine Familiengeschichte, die unter die Haut geht.

Der Sohn, Arda, liegt mit Organversagen im Krankenhaus und es ist unklar, ob er es schaffen wird. Abwechselnd wird er von seiner Mutter ...


„Vatermal“ ist eine Familiengeschichte, die unter die Haut geht.

Der Sohn, Arda, liegt mit Organversagen im Krankenhaus und es ist unklar, ob er es schaffen wird. Abwechselnd wird er von seiner Mutter und seiner Schwester besucht, die seit 10 Jahren nicht mehr miteinander gesprochen haben. Vom Krankenbett aus schreibt er Briefe an seinen abwesenden Vater, über sein Leben, seine Träume, seine Gefühle.

Schon das Wort „Papa“ oder „Baba“ aufzuschreiben klingt für Arda seltsam, denn sein Vater ist für ihn eine Leerstelle, die er nur mit Erzählungen seiner Mutter und seiner Schwester füllen kann. Sein Vater ist zurück in die Türkei gegangen und hat Ümran mit den Kindern mittellos zurückgelassen.

Arda wächst mit seiner überforderten Mutter und seiner Schwester Ayla, im Ruhrgebiet auf. Er erzählt von seinem Leben mit Schikane und Rassismus, von Perspektivlosigkeit und geplatzten Träumen, einem Leben ohne Pass und ohne Geld. Die Figuren wirken sehr authentisch und der Roman wird sehr ehrlich und kraftvoll mit Zuhilfenahme von Jugendsprache zeitweise auch grob, dann wieder zart und humorvoll erzählt.

Die Tragik dieser Geschichte hat mich sehr berührt und ich werde sicher noch eine Weile darüber nachdenken.

Unbedingt lesen!

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