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Veröffentlicht am 02.05.2026

Wenn Geschichte plötzlich die Maske fallen lässt

Schneider / Schwerte
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Manchmal liest man ein Sachbuch und merkt schon nach wenigen Seiten: Na wunderbar, jetzt wird es unbequem. Schneider / Schwerte ist genau so ein Fall. Kein netter Spaziergang durch Geschichte, sondern ...

Manchmal liest man ein Sachbuch und merkt schon nach wenigen Seiten: Na wunderbar, jetzt wird es unbequem. Schneider / Schwerte ist genau so ein Fall. Kein netter Spaziergang durch Geschichte, sondern eher ein Gang in einen Keller, in dem jemand viel zu lange das Licht ausgelassen hat.

Angelina Pils nimmt sich Hans Ernst Schneider vor, später bekannt als Hans Schwerte, und legt Schicht für Schicht frei, wie aus einem SS-Offizier ein angesehener Hochschulmensch, Rektor und Vorzeigedemokrat werden konnte. Und ganz ehrlich, beim Lesen sitzt man da teilweise mit hochgezogener Augenbraue und denkt: Das kann doch nicht einfach so funktioniert haben. Tja. Offenbar konnte es das doch.

Besonders stark ist, dass das Buch nicht nur auf diese eine Person starrt. Es geht nicht bloß um einen Mann mit falschem Namen, sondern um ein ganzes System aus Wegsehen, Mitmachen, Anpassen und sehr bequemer Erinnerungslücke. Genau da wird es spannend und auch ziemlich bitter.

Der Stil ist sachlich, aber nicht trocken wie alter Zwieback. Man merkt die wissenschaftliche Tiefe, trotzdem bleibt der Stoff greifbar. Natürlich ist das kein Buch, das man mal eben nebenbei wegatmet. Man muss schon dabei bleiben. Aber wer sich für Nachkriegsgeschichte, Erinnerungskultur und diese seltsamen Brüche in der Bundesrepublik interessiert, bekommt hier richtig viel Futter.

Für mich ist Schneider / Schwerte ein starkes, wichtiges und ziemlich nachhallendes Sachbuch. Nicht gemütlich, nicht leicht, aber genau deshalb lesenswert. Geschichte klopft hier nicht höflich an, sie tritt eher mit schmutzigen Schuhen in den Raum.

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Veröffentlicht am 01.05.2026

Wenn Paris plötzlich nach Verbot und Herzklopfen schmeckt

All the prices we pay - Hearts of Paris
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Paris hat in dieser Geschichte keinen glitzernden Postkartenfilter, sondern fühlt sich dunkel, verboten und gefährlich lebendig an. Zwischen alten Mauern, illegalen Partys und unausgesprochenen Wahrheiten ...

Paris hat in dieser Geschichte keinen glitzernden Postkartenfilter, sondern fühlt sich dunkel, verboten und gefährlich lebendig an. Zwischen alten Mauern, illegalen Partys und unausgesprochenen Wahrheiten entsteht eine Atmosphäre, die sofort neugierig macht und gleichzeitig dieses leise Kribbeln im Bauch auslöst.

Nicolas hat mich besonders berührt, weil er so sehr versucht, perfekt zu funktionieren. Der perfekte Sohn, der perfekte Student, der Mensch, der bloß keine Risse zeigen darf. Gerade dadurch wurde seine innere Zerrissenheit für mich spürbar. Harmony bringt mit ihren pinken Haaren, ihrer wilden Art und ihrer Energie genau das Chaos in sein Leben, das er eigentlich meiden müsste.

Die Verbindung zwischen den beiden lebt nicht nur von Anziehung, sondern auch von Verletzlichkeit. Dieses langsame Näherkommen, das Kämpfen gegen Gefühle und die Angst, gesehen zu werden, haben für mich sehr gut zum New Adult Genre gepasst.

Manchmal hätte ich mir noch etwas mehr Tiefe in einzelnen Momenten gewünscht, aber insgesamt ist es ein intensiver Reihenauftakt mit Herzklopfen, Schattenseiten und Figuren, die nicht einfach nur lieben, sondern erst lernen müssen, sich selbst auszuhalten.

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Veröffentlicht am 01.05.2026

Rom ruft und wir haben schon fast die Koffer gepackt

LONELY PLANET Reiseführer Entdecke Rom
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Rom ist ja so eine Stadt, bei der man schon beim Namen direkt Bilder im Kopf hat: Pizza, alte Steine, enge Gassen, viel zu schöne Plätze und irgendwo garantiert jemand, der dramatisch mit den Händen redet. ...

Rom ist ja so eine Stadt, bei der man schon beim Namen direkt Bilder im Kopf hat: Pizza, alte Steine, enge Gassen, viel zu schöne Plätze und irgendwo garantiert jemand, der dramatisch mit den Händen redet. Genau da setzt dieser Lonely Planet Reiseführer an und macht ziemlich schnell Lust darauf, die Koffer wenigstens gedanklich schon mal halb zu packen.

Wir haben den Reiseführer zusammen als Familie angeschaut und natürlich sofort Pläne geschmiedet. 😬 Erst noch ganz harmlos blättern, dann plötzlich: „Da müssen wir hin“, „Oh, das klingt gut“, „Wie weit ist das vom Hotel?“ und zack, sitzt man innerlich schon mit Pizza Rossa in Testaccio und tut so, als wäre man total entspannt unterwegs.

Besonders schön finde ich, dass der Reiseführer nicht nur die großen Klassiker abklappert. Klar, Petersplatz, Vatikan und römische Ruinen gehören dazu, sonst wäre es ja wie Spaghetti ohne Sauce. Aber diese kleinen lokalen Hinweise geben dem Ganzen Herz. Man bekommt nicht nur Sehenswürdigkeiten serviert, sondern eher das Gefühl: Komm, lauf mal los, da wartet Rom.

Der Reiseplaner und der Faltplan sind für mich echte Pluspunkte. Gerade mit Familie will man nicht jeden Tag komplett planlos durch die Gegend stolpern, auch wenn das in Rom wahrscheinlich trotzdem hübsch aussehen würde. Ein bisschen Struktur, ein bisschen Abenteuer, ein bisschen „wir finden schon zurück“, genau diese Mischung passt hier gut.

Kritisch gesehen bleibt es natürlich ein Reiseführer, kein Zauberportal. Manche Tipps muss man vor der Reise sicher nochmal prüfen, Öffnungszeiten ändern sich und Rom macht sowieso gern, was Rom will. Trotzdem ist das Buch ein richtig schöner Begleiter zum Träumen, Planen und Vorfreuen.

Für mich ein Reiseführer, der nicht nur informiert, sondern dieses kleine Kribbeln auslöst: Mensch, Rom wäre schon verdammt schön.

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Veröffentlicht am 01.05.2026

Wenn Familien schweigen, wird es gefährlich

King Cobra
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Manchmal steigt man in einen Zug und merkt erst unterwegs, dass man nicht nur Richtung Budapest fährt, sondern mitten rein in den alten Familienkeller, in dem seit Jahren keiner mehr gelüftet hat. King ...

Manchmal steigt man in einen Zug und merkt erst unterwegs, dass man nicht nur Richtung Budapest fährt, sondern mitten rein in den alten Familienkeller, in dem seit Jahren keiner mehr gelüftet hat. King Cobra ist genau so ein Buch. Es riecht nach Schnaps, Staub, alten Wunden und diesem unangenehmen Schweigen, das in Familien gern mal als Tradition verkauft wird.

Lazi kommt nach Ungarn zurück, auf der Suche nach dem Gewehr des Großvaters. Klingt erstmal nach Roadtrip mit leicht gefährlichem Gepäck, wird aber schnell zu etwas viel Größerem. Da geht es um Gewalt, Herkunft, Körper, Scham und die Frage, was eigentlich passiert, wenn man nicht mehr brav stillhält. Und ja, zwischendurch dachte ich schon: Junge, dieses Buch nimmt aber keine Abkürzung zum Wohlfühlregal.

Was mir richtig gefallen hat, ist diese Mischung aus Wut und Zärtlichkeit. Darida schreibt nicht glattgebügelt, sondern rau, bildhaft und manchmal mit einem Humor, der genau dann reinknallt, wenn man kurz Luft holen will. Diese unberechenbaren Tanten, die Schnäpse, die Dorfstimmung, das hat Leben. Nicht immer bequem, aber verdammt lebendig.

King Cobra ist kein Buch, das man einfach wegliest und dann hübsch ins Regal stellt. Es kriecht nach, zischt ein bisschen im Kopf herum und zwingt einen, hinzuschauen. Für mich ein starkes, mutiges Debüt mit Ecken, Giftzähnen und Herz.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Wenn Erben zum magischen Blutbad wird

Gifted and Talented
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Magie, Geld, Macht und eine Familie, bei der selbst ein gemeinsames Abendessen jederzeit eskalieren kann. Gifted and Talented liefert genau dieses Gefühl von kontrolliertem Chaos, bei dem man merkt: Hier ...

Magie, Geld, Macht und eine Familie, bei der selbst ein gemeinsames Abendessen jederzeit eskalieren kann. Gifted and Talented liefert genau dieses Gefühl von kontrolliertem Chaos, bei dem man merkt: Hier geht es nicht darum, wer recht hat, sondern wer am Ende noch steht.

Im Zentrum stehen Meredith, Arthur und Eilidh – drei Geschwister, die alle auf ihre eigene Art kaputt, ehrgeizig und verdammt gut darin sind, sich selbst im Weg zu stehen. Jeder bringt seine eigenen Baustellen mit, und statt sie zu lösen, wird lieber taktiert, manipuliert und emotional aufgerüstet. Sympathisch ist hier kaum jemand, aber genau das macht den Reiz aus.

Besonders stark sind die Dialoge und diese ständige Spannung zwischen Nähe und Konkurrenz. Man spürt in jeder Szene, dass diese Familie sich eigentlich braucht, aber nicht weiß, wie man das zeigt, ohne dabei jemanden zu verletzen. Das Ganze verpackt in einer Welt, in der Magie und Technologie ganz selbstverständlich zusammengehören und Macht nicht nur ein Privileg, sondern eine Waffe ist.

Der Fokus liegt klar auf den Figuren und ihren inneren Konflikten, weniger auf schneller Handlung. Das Tempo ist ruhiger, dafür aber intensiv und manchmal auch ziemlich schonungslos. Wer hier nur Action erwartet, wird überrascht sein, wer auf komplexe Charaktere steht, bekommt richtig viel geboten.

Olivie Blake schreibt klug, teilweise verschachtelt, aber genau das passt zu dieser Geschichte. Es fühlt sich an, als würde man direkt in die Köpfe dieser Figuren gezogen werden, inklusive aller Zweifel, Ängste und übergroßen Egos.

Unterm Strich ist das ein bissiges, emotionales und ziemlich cleveres Fantasy-Familiendrama, das nicht perfekt sein will, aber genau dadurch hängen bleibt. Eine Geschichte über Macht, Erwartungen und die Frage, ob man sich selbst eigentlich jemals gerecht werden kann.

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