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Veröffentlicht am 05.09.2024

Mord in Yorkshire

Mord im Yorkshire-Moor
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In „Mord im Yorkshire Moor“ ermitteln Detective Inspektor Malcolm Halloran und seine Freundin, die Bibliothekarin, Kitt Hartley bereits zum dritten Mal. Inzwischen hat ihre Beziehung weitere Fortschritte ...

In „Mord im Yorkshire Moor“ ermitteln Detective Inspektor Malcolm Halloran und seine Freundin, die Bibliothekarin, Kitt Hartley bereits zum dritten Mal. Inzwischen hat ihre Beziehung weitere Fortschritte gemacht, trotz der schrecklichen Geschehnisse in der Vergangenheit. Da droht ein neuer Mord, Halloran in tiefe Abgründe zu stürzen.

Eigentlich fühlt sich Malcolm Halloran so gut wie schon lange nicht mehr. Seine Beziehung zu Kitt Hartley bedeutet ihm sehr viel. Endlich ist sein Leben auch außerhalb seiner Arbeit wieder lebenswert. Um so härter trifft es ihn, dass er nach einer gemeinsamen Liebesnacht, über einen neuen Mordfall unterrichtet wird. Einen Mord, identisch mit dem, dem seine Frau Kamala vor fünf Jahren zum Opfer fiel. Obwohl Halloran den Täter damals überführt hatte, kommen Zweifel in ihm auf. Hat der Täter aus dem Gefängnis heraus erneut einen Mord zu verantworten? Wer sind seine Helfer? Längst überwunden geglaubte Gefühle drängen wieder in sein Bewusstsein und lassen Malcolm so ausrasten, dass seine Chefin ihn erst einmal suspendiert. Kitt möchte ihrem Freund helfen und ihre Beziehung retten. Deshalb fahren sie in Hallorans alte Heimat, damit er sich den alten Dämonen stellen und den Fall aufklären kann.

Die Geschichte nimmt sofort an Fahrt auf. Trotz seiner Suspendierung fährt der Inspektor unbeirrt zu dem Gefängnis, in dem der Mörder seiner Frau einsitzt. Er ist der festen Meinung, dass sein ehemaliger Kollege, der Serienmörder Kerr auch hinter dem neuen Mord steckt. Vom damaligen Täter erfährt er nichts Neues, sondern wird nur verspottet. Wie unter einem Zwang stehend, muss Malcolm weiter ermitteln. Kitt versteht seine psychische Situation und begleitet ihn nach Irendale, wo er früher lebte und die Mordserie vor fünf Jahren und auch der neue Mord stattfand. Der zuständige Detective Inspector Bailey, sein ehemaliger Constable, ist mit der Mitarbeit der beiden einverstanden, solange sie sich im Hintergrund halten.
Malcolm ist besessen von einer erneuten Täterschaft Kerrs oder seinem nahen Umfeld, was zu erneuten unangenehmen Ausrastern führt. Obwohl verschiedene Verdächtige ermittelt werden und es auch zu einer Verhaftung kommt, schafft es der ansonsten so besonnene Halloran nicht, objektiv zu sein. Erst als seine Freundin in eine lebensbedrohende Lage gerät, kommt er langsam zur Besinnung. Kitt ermittelt in eine völlig andere Richtung als die beiden Inspektoren und findet auch erste Hinweise. Doch erst als das Paar die Ermittlung gezwungenermaßen aufgibt und sich schon auf der Heimfahrt befindet, stößt Kitt auf das entscheidende Indiz.

Mir gefällt der Schreibstil von Helen Cox. Als Leser ist man von Beginn an mitten in der Geschichte drin. Sie schafft es, den Leser zu fesseln und den Spannungsbogen zu halten. Obwohl Malcolm den Täter von Beginn an zu kennen glaubt, gibt es zahlreiche Verdächtige mit unterschiedlichen Motiven. Die relativ kurzen Kapitel, der immer wieder aufblitzende Humor – Kater Jago sabotiert die Beziehung seines Frauchens - und die klare Sprache erlauben flüssiges Lesen. Die Geschichte ist nachvollziehbar und logisch. Wieder tauchen Runen auf, aber auch Zitate aus „Beowulf“, einem frühmittelalterlichen Heldengedicht, geben Rätsel auf. Das sorgt für zusätzliche Spannung, ohne zu dominieren. Lange wusste ich nicht, wer hinter dem Mord steckt, das hat mir besonders gut gefallen. Ein kleiner Kritikpunkt bezieht sich auf die wiederholt versteckten Hinweise auf die sexuellen Präferenzen von Malcolm und Kitt. Für den Fall völlig unerheblich. Fifty Shades of Grey? Na und?

Die meisten Charaktere sind mir inzwischen vertraut und ich habe sie gern wieder getroffen. Nur die schrille Ruby kam für meinen Geschmack dieses Mal etwas zu kurz. Auch die anderen Charaktere sind authentisch und glaubhaft, ob Mörder oder Kollege. Malcolm Halloran zeigt uns in diesem Band eine andere Seite seines Charakters. Umgab ihn schon immer auch etwas Dunkles, so verliert der sonst so britisch beherrschte Mann hier fast völlig seine Selbstkontrolle. Dabei beschreibt die Autorin glaubhaft das Trauma, unter dem er leidet und dessen Folgen lassen sich nun nicht länger verdrängen. Die intelligente, gebildete Kitt steht ihm loyal zur Seite, was nicht immer ganz einfach ist, da er sie u.a. mit Misstrauen konfrontiert, das sie nicht verdient. Sie wirkt inzwischen viel moderner und selbstbewusster als noch in Band 1. Auch nach dem Anschlag auf sie, fängt Kitt sich nach kurzem Schrecken wieder, und löst letztendlich den Fall.

Das Cover passt sehr gut zu einem Krimi, der in Yorkshire spielt. In kräftigen Farben, mit Cottage, Schaf und aufgeschichteter Steinmauer. Dieser Band fügt sich ausgezeichnet in die Reihe ein. Die Kapitelseiten sind mit einem hübschen Scherenschnitt geschmückt. Das passt alles hervorragend zusammen und wirkt sehr britisch.

Mir hat das Buch gut gefallen. Die Charaktere sind stimmig, wie gewohnt. Der Kriminalfall war spannender als in den vorigen Bänden. Der Humor kam nicht zu kurz und auch die Rätsel fehlten nicht. Das Beste? Dass Ende September 2024 der nächste Band herauskommt. Ich werde Kitt und Malcolm auch beim nächsten Fall begleiten.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Amalfi sehen und sterben?

Amalfi Mortale. Kein Urlaub ohne Mord
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Eleanor Dash begibt sich auf eine Lesereise nach Italien, die ihr Verlag organisiert hat. Grund dafür ist das 10-jährige Jubiläum ihres Bestsellers „In Rom“, der eine erfolgreiche Romanserie begründet ...

Eleanor Dash begibt sich auf eine Lesereise nach Italien, die ihr Verlag organisiert hat. Grund dafür ist das 10-jährige Jubiläum ihres Bestsellers „In Rom“, der eine erfolgreiche Romanserie begründet hat, die inzwischen neun Bände aufweist. Begleitet wird Eleanor von ihrer Schwester und Assistentin Harper sowie einigen Schriftstellerkollegen, Fans und der Hauptfigur ihrer Buch-Reihe, Conor Smith. Die Jubiläumsreise scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Zunächst behauptet Conor, dass mehrere Anschläge auf ihn erfolgt seien, dann wird Eleanor selbst beinah das Opfer einer heimtückischen Attacke. Befindet sich ein Mörder unter ihnen?

Catherine Mack kam die Idee zu „Amalfi mortale. Kein Urlaub ohne Mord“ auf einer Reise durch Italien. Ihre Protagonistin Eleanor erlebt Ferien der besonderen Art, auf die jeder gern verzichten kann. Der Cosy Crime ist leichte Lektüre, die meine Erwartungen nicht ganz erfüllt hat.

Wer will Conor umbringen? Dafür hat nahezu jeder der Reiseteilnehmer ein Motiv. Die Ex-Ehefrau, mehrere Verflossene, die Opfer seines misslungenen Anlagemodells oder Eleanor selbst? Die Bestsellerautorin möchte Conor jedenfalls im neuesten Band ihrer Erfolgsreihe sterben lassen und ihn so endgültig loswerden. Denn sie wird von ihm um 20 Prozent ihrer Tantiemen erpresst und hat es satt. Dann erfolgt ein Anschlag auf Eleanor und sie muss sich fragen, ob wirklich Conor das Ziel des Mörders ist oder sie selbst. Während sie noch grübelt, stirbt tatsächlich jemand aus ihrer Gruppe.

Eleanor ist eine erfolgreiche Autorin Mitte Dreißig, die nur bedingt sympathisch ist. Sie wirkt ziemlich chaotisch und wäre ohne Harper aufgeschmissen. Mir ist ein Rätsel, wie eine derart verpeilte Person jemals einen Roman beenden konnte. Einfühlungsvermögen und Aufmerksamkeit sind nicht ihre Stärke. Sie kreist hauptsächlich um sich selbst, aber bekennt sich immerhin zu ihren Lügen und Fehlern. Die anderen Charaktere bleiben etwas blass und ihre Beweggründe für die Reise sind nicht unbedingt nachvollziehbar.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Eleanor erzählt. Und damit sind wir bei den Fußnoten. Zunächst fand ich die Idee ganz charmant. Als direkte bzw. augenzwinkernde Kontaktaufnahme der Autorin mit ihrer Leserin. Aber 234 Fußnoten auf 395 Seiten sind, für mich jedenfalls, zu viel des Guten und stören den Lesefluss ziemlich.

Nach einer eher halbherzigen Tätersuche mit zahlreichen Wendungen werden schließlich Mörder und Motiv offen gelegt. Dabei entpuppt sich Eleanor teilweise als scharfsinnig, andrerseits wecken offensichtliche Ungereimtheiten ihren Argwohn nicht, wie die Tatsache, dass einer der Charaktere keinerlei Ahnung von seinem Job hat. Trotzdem sind Täter und Motiv schlüssig.

Insgesamt fand ich den Cosy Crime gut lesbar und mit wenig Gewalt auskommend, was ich grundsätzlich passend für dieses Genre finde. Gefehlt hat es mir an Humor und Spannung. Erst nach knapp zwei Dritteln des Romans geschieht der Mord. Bis dahin plätschert die Handlung vor sich hin, unterhaltsam zu lesen, aber wenig spannend. Auch das versprochene Lokalkolorit kommt etwas zu kurz.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Jane Austen im Fränkischen Seenland

16 Uhr 50 ab Ellingen
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Reporter Markus und Fotografin Elif sollen einen Beitrag über historische Schreittänze aus der Zeit Jane Austens und deren Fans schreiben. Sie erfahren, dass in einem Schlosshotel im fränkischen Städtchen ...

Reporter Markus und Fotografin Elif sollen einen Beitrag über historische Schreittänze aus der Zeit Jane Austens und deren Fans schreiben. Sie erfahren, dass in einem Schlosshotel im fränkischen Städtchen Ellingen ein „Regency-Event“ stattfindet, das abschließend ein Ball in historischen Kostümen krönt. Sofort mieten sie sich dort ein, denn diese Veranstaltung verspricht eher spektakuläre Bilder als der Besuch einer Tanzschule. Beide sind keine Fans der Szene, doch was sie erwartet, übertrifft ihre Vorstellung bei weitem ...

Autorin Sigrun Arenz entführt uns in ihrem Cosy Crime „16 Uhr 50 ab Ellingen“ in die Welt von Bridgerton und Downtown Abbey. Das Ambiente hat mir gut gefallen, doch der Fall erfüllte nicht ganz meine Erwartungen.

Britische und deutsche Regency-Enthusiasten reisen nach Ellingen. Die meisten Teilnehmer des Tanz-Spektakels kennen sich vom „Jane-Austen-Festival“ in Bath. Das neu eröffnete Schlosshotel erweist sich als idyllisch, auch wenn der historische Ballsall wegen eines Wasserschadens nicht nutzbar ist. Stattdessen steht ein frisch renoviertes Nebengebäude für den Ball bereit. Das Event startet mit Kutschfahrten, Workshops und Afternoon-Tea. Kleinere Streitigkeiten beschäftigen die Teilnehmer. Während die einen Reißverschlüsse an ihrem Kostüm im nicht sichtbaren Bereich akzeptieren, lehnen die Traditionalisten solche Anachronismen ab. Also business as usual bis am Tage des Balls eine Teilnehmerin tot aufgefunden wird - ermordet, wie sich bald herausstellt.

Sigrun Arenz schreibt flüssig und bildhaft. Sie lässt die Leidenschaft der Fans für die historischen Tänze des frühen 19. Jahrhunderts nachvollziehbar erscheinen.Der Krimi ist wie ein Regency-Tanz aufgebaut, beginnend mit der „Aufforderung“ über die „Aufstellung“ bis hin zum „Ausklang“ After the dance. Das hat mir gut gefallen.

Jeder der Regency Fans scheint Geheimnisse zu verbergen und auch der Ballsaal gibt Rätsel auf, denn der angebliche Wasserschaden entpuppt sich als mutwillige Zerstörung der historischen Bausubstanz. Markus und Elif beginnen zu recherchieren und befinden sich bald auf Mördersuche.

Der Mord wird schlussendlich zufriedenstellend aufgeklärt, aber mich hat das Motiv für die Tat nicht völlig überzeugt. Auch das von mir geliebte Mitraten war nur bedingt möglich, da einige wichtige Fakten erst gegen Ende offen gelegt werden. Die Hauptcharaktere Elif und Markus haben mich überzeugt, doch den übrigen Protagonisten fehlte es leider an Tiefe. Mancher Verdacht und angebliche Motive wirken etwas bemüht. Insgesamt mangelt es, auch für einen Cosy Crime an Spannung. Der unblutige Fall erweist sich als leichte Unterhaltung bei einem leckeren Afternoon-Tea an einem gemütlichen Winternachmittag.


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Veröffentlicht am 08.12.2025

Die Vergangenheit wirft lange Schatten

Flutrache
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Heike van Hoorn lässt Kriminalkommissar Stephan Möllenkamp und sein Team erneut ermitteln. Der Besitzer einer Sicherheitsfirma, der sein Flugticket nach Mexiko bereits in der Tasche hatte, wurde erschossen. ...

Heike van Hoorn lässt Kriminalkommissar Stephan Möllenkamp und sein Team erneut ermitteln. Der Besitzer einer Sicherheitsfirma, der sein Flugticket nach Mexiko bereits in der Tasche hatte, wurde erschossen. War er auf der Flucht vor seinem Mörder?

Der bereits 4. Fall der Küstenkrimireihe mit Kommissar Möllenkamp und der Journalistin Gertrud Boekhoff war für mich der erste mit diesen Ermittlern. Ich wurde gut unterhalten, doch ganz hat mich der Krimi nicht überzeugt.

Lars Kröger wird ermordet am Fuß einer riesigen Lenin-Statue entdeckt. Da er Deutscher war, der bizarre Fundort seiner Leiche aber in den Niederlanden liegt, wird eine Länder übergreifende Ermittlungskommission gebildet. Schnell gerät eine kurdische Motorradgang in Leer in den Fokus der Ermittler. Ihr Chef hat Kröger nachweislich mehrfach bedroht und schreckte dabei auch nicht vor Gewalt zurück. Die Journalistin Gertrud entdeckt eine andere Spur. Ihr Vater glaubt den Ermordeten wiederzuerkennen, doch trug dieser damals einen anderen Namen. Kriminalkommissar Stephan Möllenkamp verfolgt beide Spuren. Schnell erweist sich der Fall als harte Nuss. Die Ermittlungen fördern neue Erkenntnisse zutage, aber zunächst keine heiße Spur. Dem niederländisch-deutschen Team, das gut zusammenarbeitet, wird voller Einsatz abverlangt. Und dann ist da ja noch der Terroranschlag auf Ostfrieslands führende Köpfe. Wer hat ihnen Drohbriefe zugeschickt, die möglicherweise Milzbranderreger enthalten?

Heike van Hoorn schreibt flüssig und bildhaft. Gelegentlich blitzt ihr Humor auf, wenn beispielsweise der leitende niederländische Ermittler mit einem Wohnmobil bei der Kripo Leer vorfährt, obwohl er Camping hasst. Ihre Charaktere wirken bodenständig und glaubwürdig. Mit Möllenkamp bin ich zunächst nicht warm geworden, aber die Lokalreporterin Gertrud hat mir gleich gefallen. Auch die Nebencharaktere verfügen über eigenes Profil.

Eine Besonderheit der Reihe ist, dass sie um die Jahrtausendwende spielt, im vorliegenden Band im Jahr 2001. Das ist insofern von Belang, weil im Sommer 2001 erstmals Briefsendungen mit Anthrax, also Milzbranderregern, in den USA auftauchten. Diese spielen auch hier eine Rolle. Ferner lag das Ende der DDR nur ein gutes Jahrzehnt zurück.

Die deutsche Geschichte spielt im Krimi eine große Rolle. Die Motivsuche für die aktuellen Ereignisse führen den Lesenden in den Zweiten Weltkrieg und in die DDR zurück. Beide historischen Ereignisse haben ihre Spuren hinterlassen.

Im historischen Kontext liegt gleichzeitig Stärke und Schwäche des Krimis. Die Ereignisse sind gut recherchiert, aber insgesamt wirkt die Erzählung überfrachtet. Zu viele Handlungsstränge werden gesponnen, die nicht alle zur Klärung des Falls notwendig sind. Kommunismus, Drittes Reich, Verfolgung, KZ, Fluchthilfe, Geldwäsche, Verrat, PKK, Angst vor Überfremdung, Reichsbürger, Terror mittels verdächtiger Briefe, Entführung, Folter. Das alles in einen Krimi zu packen, ist ein schwieriges Unterfangen und nur teilweise gelungen. An ein, zwei Stellen rutscht der Humor in Klamauk und ein, zwei Zufälle waren zu viel. Heike van Hoorn kann schreiben und es gelingt ihr gut, Spannung aufzubauen. Allerdings sollte sie künftig berücksichtigen, dass weniger oft mehr ist.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Ligurischer Albtraum

Ligurisches Erbe
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Bestsellerautor Sebastian Wolf fährt mit seiner Terrierhündin Jackie nach Ligurien, um seinen neuesten Thriller zu schreiben. Zuletzt war er vor 10 Jahren in der Casa Principessa, dem Ferienhaus seines ...

Bestsellerautor Sebastian Wolf fährt mit seiner Terrierhündin Jackie nach Ligurien, um seinen neuesten Thriller zu schreiben. Zuletzt war er vor 10 Jahren in der Casa Principessa, dem Ferienhaus seines Freundes Martin im kleinen Dorf Montalto Ligure. Damals war er mit seiner Frau Ella dort und gemeinsam genossen sie unbeschwerte Tage in der Sonne Italiens. Seit 6 Jahren ist Sebastian Witwer und er hat gemischte Gefühle, was die Rückkehr an diesen speziellen Ort betrifft. Während er sich in seiner Bleibe gemütlich einrichtet, wird in der örtlichen Kirche San Giovanni Battista Padre Crosetto erdrosselt. Sein Tod markiert den Beginn einer grausamen Mordserie im pittoresken Dorf Montalto Ligure.

„Ligurisches Erbe“ ist das Romandebüt des Sachbuchautors, Journalisten und Historikers Armin Fuhrer und der Auftaktband zu seiner Reihe „Krimiautor Sebastian Wolf ermittelt“.

Allzu schnell folgt dem ersten Mord der zweite. Dieses Mal trifft es eine ältere Frau, die in der Nähe ihres Hauses beim Blumengießen erdrosselt wird. Die Polizei ist ratlos. Es gibt keine verwertbaren Spuren. Nur die Täterschaft desselben Mörders in beiden Fällen scheint festzustehen. Der Leser weiß, dass dies zutrifft. Denn in den kursiv gedruckten Passagen des Textes erhalten wir Einblick in die Gedankenwelt des Mörders. Was diesen antreibt und zum Töten zwingt, erscheint bizarr, aber absolut tödlich. Inzwischen begegnet Wolf den Erinnerungen an glücklichere Zeiten, lernt aber auch die sympathische Melanie kennen, die deutsche Wirtin des einzigen Ristorante in Montalto Ligure. Hat er das Flirten noch drauf?

Der Autor schreibt flüssig und bildhaft. Seine Beschreibung von Land und Leuten wirkt authentisch. Die Buchcharaktere sind stimmig: Der sensible Erfolgsautor Sebastian, der allmählich aus seinem emotionalen Schneckenhaus herausfindet, die sympathische Melanie, die ebenfalls schon Tragisches erlebt hat, der missmutige, ignorante Commissario Brignone, der aufgeschlossene, ehrgeizige Ispettore Flavotti oder der zuverlässige Lehrer und Bürgermeister Rossetto. In die Figur von Sebastians bestem Freund, dem Geschichtsprofessor Martin, kann der Autor sein Wissen als Historiker einfließen lassen. Zumal dessen Kenntnisse und Verbindungen eine wichtige Rolle für den Fall spielen.

Der Krimi hat mich gut unterhalten, wenn ich auch das Mordmotiv sehr speziell fand. Die Passagen aus der Perspektive des Täters haben mir da nur bedingt weiter geholfen. Erstaunlich aus meiner Sicht ist das unüberlegte Handeln des Commissarios, der jegliches Fingerspitzengefühl vermissen lässt und anscheinend willkürlich Leute festnehmen lässt. Handelt so ein Kriminalbeamter mit jahrzehntelanger Berufserfahrung, bloß weil ihm die Hitze zusetzt und er keinen Tatverdächtigen findet? Völlig unverständlich war für mich aber die nicht nachvollziehbare Veränderung des Hauptcharakters im letzten Teil des Buches. Kaum besteht für sein eigenes Leben Gefahr schon sorgt er sich nicht mehr um seine Mitmenschen, auch nicht um die, die ihm nahestehen. Seine Konzentration auf die eigene Sicherheit und sein fehlendes Kümmern ermöglichen den letzten Mord. Ich will nicht spoilern, aber warum handelt Wolf nicht verantwortungsbewusster? Warum lässt er in einer derart gefährlichen Situation sein Handy in der Küche liegen? Für mich passt dieses gedankenlose, egoistische Verhalten überhaupt nicht zu ihm. Auch setzen ihm die Folgen seines Unterlassens wenig zu und das Leben geht einfach weiter.

Der Autor verfügt über einen angenehmen flüssigen Schreibstil, der sich gut lesen lässt. Hinsichtlich der Charakterentwicklung seiner Hauptfigur und des Spannungsbogens sehe ich noch Luft nach oben. Bis auf seinen folgenschweren Fehler und sein egoistisches Verhalten als Gefahr droht, hat sich Sebastian Wolf mit seiner quirligen Jackie durchaus für weitere Fälle empfohlen.

Von mir gibt es 3,5 Punkte. Ohne Wolfs nicht nachvollziehbares, gedankenloses Verhalten wäre meine Bewertung deutlich positiver.

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