Regionaler Charme, starke Hauptfigur
Blutroter SommerDie Krimireihe um Ermittlerin Carla Seidel, angesiedelt im Wendland, entfaltet gerade für mich mit Bezug zur Region einen besonderen Reiz. Die ruhige, fast abgeschiedene Landschaft mit ihren vielen Bauernhöfen ...
Die Krimireihe um Ermittlerin Carla Seidel, angesiedelt im Wendland, entfaltet gerade für mich mit Bezug zur Region einen besonderen Reiz. Die ruhige, fast abgeschiedene Landschaft mit ihren vielen Bauernhöfen bildet dabei einen spannenden Kontrast zu dem brutalen Verbrechen, mit denen Carla im Laufe des Buches konfrontiert wird.
Im vorliegenden Band wird sie zu einem besonders verstörenden Tatort gerufen. Ein junges Mädchen wurde aufgebahrt und anschließend verbrannt. Ein grausames Verbrechen, das nicht nur emotional erschüttert, sondern auch kriminalistisch eine enorme Herausforderung darstellt. Sämtliche Spuren scheinen mit verbrannt worden zu sein, was die Ermittlungen erheblich erschwert. Als kurz darauf eine zweite Leiche auftaucht, gewinnt der Fall zusätzlich an Dynamik und Dringlichkeit.
Carla Seidel bleibt dabei die Figur, die man bereits aus den vorherigen Teilen kennt: ehrgeizig, unbeirrbar und bereit, sich vollkommen in ihre Arbeit zu vertiefen. Besonders interessant ist erneut das Zusammenspiel mit ihrer Tochter Lana, deren feines Gespür für Emotionen eine ungewöhnliche, fast schon intuitive Ergänzung zu Carlas analytischer Ermittlungsarbeit darstellt.
Die Handlung wird durch die Einbindung zweier großer Bauernhöfe und deren komplexer Familienstrukturen zusätzlich verdichtet. Trotz der zu Beginn hilfreichen Ahnentafeln fällt es nicht immer leicht, den Überblick über die Vielzahl an Figuren zu behalten. Hier verlangt die Geschichte Aufmerksamkeit und Konzentration, belohnt diese aber mit einer vielschichtigen und spannenden Entwicklung.
Auch die zwischenmenschlichen Konflikte im Ermittlerteam sorgen für zusätzliche Tiefe. Besonders der unterschwellige Widerstand, mit dem Carla als Frau in ihrem Beruf konfrontiert wird, wirkt authentisch und nachvollziehbar.
Trotz der gelungenen Spannung und der insgesamt fesselnden Erzählweise bleibt ein kleiner Kritikpunkt: Das Motiv hinter den Taten erschließt sich mir nicht vollständig und wirkt bis zum Schluss etwas schwer greifbar. Dadurch fehlt der Geschichte ein Stück weit die Abrundung, die die vorherigen Teile stärker geboten haben.
Fazit: Ein spannender, atmosphärisch dichter Krimi mit regionalem Charme und einer starken Hauptfigur. Trotz kleiner Schwächen in der Motivdarstellung überzeugt das Buch insgesamt und macht Lust auf weitere Fälle mit Carla Seidel.