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Veröffentlicht am 21.06.2018

Den Lebenstraum träumt man zu Ende

Von Mäusen und Menschen
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George schüttelte sich wieder. „Nein“, sagte er. „Ich will, dass du hier bei mir bleibst.“ Schlau sagte Lennie: „Erzähl mir wie früher!“

„Was soll ich dir erzählen?“ „Über die anderen Kerle und über uns.“


Inhalt


Der ...

George schüttelte sich wieder. „Nein“, sagte er. „Ich will, dass du hier bei mir bleibst.“ Schlau sagte Lennie: „Erzähl mir wie früher!“

„Was soll ich dir erzählen?“ „Über die anderen Kerle und über uns.“


Inhalt


Der einfältige aber bärenstarke Lennie und sein Begleiter George ziehen durchs Land und verdingen sich als Erntehelfer. Lange können sie nicht an einem Ort bleiben, denn Lennie gerät immer wieder in Schwierigkeiten, aus deren Konsequenz ihnen nur die Flucht bleibt. Und George hat es sich zur Aufgabe gemacht, so wie er es seiner verstorbenen Tante versprochen hat, sich um Lennie zu kümmern, selbst wenn das bedeutet, dass er sich nicht frei und ungezwungen bewegen kann, dass er Tag und Nacht den Aufpasser für einen erwachsenen Mann spielt, der allein nicht zurechtkommen würde. Manchmal erfüllt ihn diese Verantwortung mit Schrecken, dann kommt er ihr wieder gerne nach, denn Lennie ist ein herzensguter Mensch, der wenig Ansprüche stellt und sich nur nach Gesellschaft sehnt. Für Lennie hat George einen Lebenstraum entworfen, ein Idealbild, welches eines schönen Tages sicher in Erfüllung gehen wird. Und davon erzählt er ihm immer und immer wieder. Von einem eigenen Stück Land, einer kleinen Farm mit angebauter Scheune, vielen Tieren, auch den weichen Kaninchen und den zutraulichen Hündchen – er und Lennie werden dort leben und alles wird gut. Doch George ist zu sehr Realist um zu glauben, dass dieser Wunsch sich noch umsetzten lässt, nachdem Lennie vollkommen ahnungslos eine mörderische Dummheit begangen hat, und so beschließt er, dass wenigstens Lennie diesen Traum zu Ende träumen darf.


Meinung


Dieses Meisterwerk amerikanischer Erzählkunst aus der Feder des 1968 verstorbenen Autors John Steinbeck war einst Schullektüre und ich habe mich nun erneut an dieser dichten, emotionalen und doch sehr schlichten Erzählung erfreut. Klar wird hier vor allem eins, um eine bewegende Geschichte zu erzählen braucht es nicht viele Seiten, nicht viele Protagonisten, noch nicht einmal ein außergewöhnliches Szenario, sondern in erster Linie das Geschick, sich auf Greifbares zu berufen und Emotionen dort einzufangen, wo sie sinnvoll und nachvollziehbar werden. Und das passiert hier mit leichter Hand und absolut kompromisslos.


Dem Autor gelingt es, klare Sachverhalte zu äußern, diese in einen glaubwürdigen Kontext zu setzen und schließlich nichts weiter zu tun, als die Menschlichkeit und die diversen Charaktereigenschaften Einzelner in einen kleinen Gruppenverband zu integrieren. Und plötzlich ist man mittendrin in einer sinnhaften, aussagekräftigen Geschichte, die betroffen und trotzdem glücklich macht. Dabei streift er unwahrscheinlich viele Themen, ohne ihnen tatsächlich auf den Grund zu gehen. Er beleuchtet Freundschaften, offenbart Loyalitäten, zeigt unveränderliche Verbindlichkeiten und lässt seine Protagonisten vor allem menschlich und fehlbar erscheinen. Ich denke, dieser Gedanke hinter der eigentlich kurzen inhaltlichen Geschichte, die zudem eine willkürliche ist, schenkt diesem Roman seine Bedeutsamkeit.


Nach der Lektüre aber auch währenddessen hatte ich stets das Gefühl, mich gedanklich mit den Inhalten beschäftigen zu wollen, ungesagte Worte auszusprechen und die Beweggründe der handelnden Personen nachvollziehen zu wollen. Und immer wieder erschließt sich ein neuer Gedankengang, mit anderen Aussagen. Wirklich eine grandiose Geschichte, die wahrscheinlich die Interaktion des Lesers mit anderen geradezu fördert und vielleicht deshalb ein optimales Beispiel für interessanten Schulstoff bietet.


Fazit


Ich vergebe 5 Lesesterne für diesen bewegenden Roman, der erst in seiner gedanklichen Fülle zu einer konkreten und doch verbindlichen Aussage führt. Es sind die leisen, verborgenen Zwischentöne, die hier wichtig sind, die wenigen überschaubaren Ereignisse, die gezielte Fokussierung auf eine Art Gruppendynamik und nicht zuletzt die Möglichkeiten, die in jedem Menschen stecken, der nicht nur auf sich selbst fixiert ist, sondern bereit, andere so anzunehmen wie sie sind. Ein wirklich beeindruckendes Buch und ein literarisches Porträt über das Menschsein. Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 12.06.2018

Zurück auf den amischen Weg

Tödliche Wut
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„Aber in diesem Fall geht es vor allem um Kinder, die verloren sind, die durchs Netz fallen, amische wie englische. Manche von ihnen wurden geliebt, manche ignoriert. Anderen wiederum wird von ihren Eltern ...

„Aber in diesem Fall geht es vor allem um Kinder, die verloren sind, die durchs Netz fallen, amische wie englische. Manche von ihnen wurden geliebt, manche ignoriert. Anderen wiederum wird von ihren Eltern oder der Gesellschaft nur Gleichgültigkeit oder Geringschätzung entgegengebracht.“


Inhalt


Kate Burkholder beschäftigt sich in ihrem 4. Fall mit dem Verschwinden mehrerer amischer Jugendlicher in einem begrenzten Radius um ihre Stadt Painters Mill in Ohio. Zunächst gibt es keine Leiche, nur einige verdächtige Tatorte, an denen größere Mengen Blut gefunden wurden. Die Serie der verschollenen Teenager reicht schon etliche Jahre zurück, was Parallelen zum aktuellen Fall aufwirft, denen man nicht mehr problemlos nachgehen kann, weil zum Beispiel Zeugen verstorben sind. Doch Kate setzt alles daran, das Motiv des Entführers herauszufinden, denn die weiblichen amischen Mädchen waren alle sehr aufmüpfig und haben sich über die strengen Regeln der Gemeinde hinweggesetzt. Auf dem Hof der Familie Mast findet sie schließlich eine mögliche Erklärung, doch der Täter, der mittlerweile auch zum Mörder geworden ist, ist ihr schon viel zu nah …


Meinung


Nach wie vor bin ich von dieser Thrillerserie überzeugt, denn es gelingt der Autorin mit jedem neuen Fall einen anderen Aspekt ins Zentrum der Geschichte zu rücken und so wird es für den Leser nie langweilig. Obgleich man sehr schnell die Hintergründe und Zusammenhänge aus vorangegangenen Texten abrufen kann, weil sich gerade in der persönlichen Rahmenhandlung um die Polizistin Kate Burkholder einiges doppelt, erhält jeder Band auch einen individuellen Anstrich, der zum Lesen animiert.

Positiv überrascht hat mich hier ein eher verschlungener Pfad zum tatsächlichen Verbrechen, denn lange ist gar nicht klar, ob es hier um Tötungsdelikte geht, oder eher um das Verschwinden diverser Jugendlicher, die nicht bereit dazu sind, sich den Regeln ihrer Glaubensgemeinschaft zu unterwerfen. Es bleibt auch im folgenden Text eher unblutig, denn hier liegt der Fokus besonders auf den Befindlichkeiten der Jugendlichen, die weder vom Elternhaus die notwendige Unterstützung empfangen, noch dazu in der Lage sind, ohne weiteres ihr Zuhause zu verlassen.

Dieser Gewissenskonflikt, den gerade Kate Burkholder als ehemalige Amische bestens nachvollziehen kann, wirft hier einige Schatten über das ansonsten so idyllische Leben der Gläubigen. Ein Dasein voller Entbehrungen lockt die jungen Leute nicht und wenn sie der Gemeinde den Rücken kehren bedeutet das zwangsläufig den Verlust ihrer familiären Bindungen. Der Aspekt dieser Ausgrenzung lässt diesen Fall sehr wichtig erscheinen, vielleicht auch weil man ihn gut auf andere Lebensumstände übertragen kann, die Jugendliche generell beschäftigen.


Fazit


Ich vergebe 5 Lesesterne für diesen spannenden Thriller, der sehr erfrischend und allgemeingültig daherkommt. Nicht nur die gemächliche Entwicklung der Beziehung zwischen Chief Burkholder und ihrem Kollegen Tomasetti bleibt glaubhaft, sondern auch der Fall an sich. Mir hat der vorliegende Band sogar etwas besser gefallen als der Vorgängerroman „Blutige Stille“, gerade weil hier eher das tägliche Grauen im Vordergrund steht und die Dinge, die Fanatiker bereit sind, ihren Nächsten anzutun. Ich freue mich auf den nächsten Band und empfehle die Autorin mit ihrer Reihe uneingeschränkt weiter, denn die Amischen stecken anscheinend voller Rätsel und Offenbarungen.

Veröffentlicht am 24.04.2018

Dunkle Geheimnisse in der amischen Gemeinde

Blutige Stille
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„Im Kopf eines Mörders spielen sich finstere und boshafte Dinge ab, er wird geleitet von vielen schwarzen Gedanken und einem geheimen Hunger, wie ihn sich die meisten Menschen nicht einmal vorstellen können.“


Inhalt


Kaum ...

„Im Kopf eines Mörders spielen sich finstere und boshafte Dinge ab, er wird geleitet von vielen schwarzen Gedanken und einem geheimen Hunger, wie ihn sich die meisten Menschen nicht einmal vorstellen können.“


Inhalt


Kaum zu glauben, aber wahr, in der beschaulichen Kleinstadt Painters Mill wird die Familie Plank, Mitglieder der ortansässigen amischen Gemeinde regelrecht niedergemetzelt. Während die Eltern, das Baby und die beiden Söhne fast schon gnädig erschossen wurden, mussten die beiden Teenager Mädchen eine leidvolle Verstümmelung ertragen. Für die Ermittlerin Kate Burkholder nimmt dieser grausige Fall, extreme Formen an, nicht nur, weil jegliches Motiv für den Massenmord zu fehlen scheint, sondern auch, weil es schauerliche Parallelen zu ihrer eigenen Vergangenheit gibt. Sie erbittet sich Hilfe von ihrem Kollegen John Tomasetti, mit dem sie etwas mehr als nur kollegiale Freundschaft verbindet. Doch die dürftigen Indizien bereiten den beiden Kopfzerbrechen und ein Tagebuch der ermordeten Mary Plank, die ihren Mörder vielleicht sogar geliebt hat, doch niemals einen Namen erwähnte und auch keine auffallenden körperlichen Merkmale. Kate ahnt, dass in Painters Mill ein skrupelloser Mörder lebt, doch welche Rolle spielen die integrierten Zeugen, von denen es anscheinend mehr als zwei gibt …


Meinung


Linda Castillo hat sich mit ihrer Reihe um die engagierte Ermittlerin Kate Burkholder und ihren spannenden Kriminalfällen in der amischen Gemeinde einen festen Platz in der Liga der Thriller-Autoren gesichert. Mit den mittlerweile 9 Bänden erwartet den motivierten Leser, nicht nur eine ganze Reihe Unterhaltungsstoff, sondern auch ein gut durchdachtes Konzept, bei dem der Hauptprotagonistin und ihrem vom Leben gebeutelten Freund, genau der richtige Stellenwert eingeräumt wird. Dieser Punkt ist meines Erachtens auch der ausschlaggebende für den nicht zu verachtenden Suchtfaktor, den diese Reihe erzeugt. Denn eher untypisch für eine Krimireihe kann man die Bände hier durchaus in beliebiger Reihenfolge lesen, da die Fälle in sich geschlossen sind, so dass sich die Einhaltung der Chronologie vielmehr aus der privaten Lebensgeschichte der Ermittlerin ableitet.


Doch auch der Spannungsfaktor ist nicht zu verachten, die Beschreibung der Orte, der ganze Handlungsrahmen, die gut gewählten Nebencharaktere – all das macht das Lesen zu einem echten Vergnügen, insbesondere weil man immer genau zum richtigen Moment das nächste Puzzleteilchen serviert bekommt, um sich selbst die Frage zu stellen, wer nun am ehesten als potentieller Täter in Frage käme. Langeweile verspürt man nicht, vielmehr ein echtes Kopfkino dank des gut gewählten Settings und der interessanten Einblicke in das Leben der tiefgläubigen, bescheidenen Amischen, von denen man den Außenseiterstatus förmlich erwartet und merkt, mit welchen Vorurteilen sie tagtäglich zu kämpfen haben.


Fazit


Ich vergebe 5 Lesesterne für diesen gut konzipierten Thriller, der mich einmal mehr für die Reihe einnehmen konnte. Ich werde sie definitiv weiterverfolgen und freue mich auf weitere Lesestunden mit dem Ermittlerpaar Burkholder/ Tomasetti. In Erinnerung bleibt hier wohl eher die Gesamtkonzeption als der einzelne Roman, denn inhaltlich findet man hier nicht den nervenaufreibenden Thrill, der sich aus der Kenntnisnahme eines gestörten Täters ergibt, sondern vorrangig eine schlüssige Rahmenhandlung, die mit sprachlichen Bildern aufwartet, die man sich sehr gut vors innere Auge rufen kann. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 20.03.2018

Der Vergleich zwischen lebendig und tot

Still Chronik eines Mörders
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„Der Tod nicht nur als Weg aus diesem Leben heraus, sondern als Lebensweg. Sich dort einbringen, wo dieses Dasein nicht allein durch die Beschwerlichkeit des Existierens zur Marter wird, sondern Bitterkeit ...

„Der Tod nicht nur als Weg aus diesem Leben heraus, sondern als Lebensweg. Sich dort einbringen, wo dieses Dasein nicht allein durch die Beschwerlichkeit des Existierens zur Marter wird, sondern Bitterkeit erfährt durch das Vorhandensein der Mitmenschen.“


Inhalt


Karl Heidemann, der als Baby nur schreit, weil er die Geräuschkulisse der Welt nicht erträgt, der seine Kindheit nach der erschreckenden Einsicht seiner Eltern in einem umgebauten Kellerraum verbringt und erst beim Selbstmord seiner Mutter an die Oberfläche kommt, entdeckt voller Faszination die Metamorphose zwischen lebendig und tot. Und ihm ist ausschließlich und endgültig klar, dass die Menschen einen großen Fehler begehen, wenn sie ihr Leben über die Schönheit, den Frieden, die Stille des Todes stellen. Wozu all das Aufbegehren, wenn doch die Erlösung erst mit dem Tod eintritt? Er beschließt nun selbst dafür zu sorgen, seinen Mitmenschen das Wunder des Sterbens näherzubringen, in dem er sich zum Mörder entwickelt. Und erst als er in seiner Jugend das taubstumme Mädchen Marie kennenlernt, die von ihrem gewalttätigen Vater misshandelt wird, tritt ein Motiv in sein Bewusstsein. Karl kann nicht nur töten, er wird sich auch rächen und er hat dafür alle Zeit der Welt.


Meinung


Thomas Raab, der erfolgreiche österreichische Autor, der sich mit seinen Kriminalromanen um den Restaurator Willibald Metzger einen Namen gemacht hat, entwirft mit seiner Chronik über einen Mörder, ein faszinierendes, tiefgründiges und beeindruckendes Porträt über einen verzweifelten Menschen, der einfach auf Grund eines körperlichen Defizits und daraus resultierender Fehler seiner Erzieher, eine dunkle Seite entwickelt hat, die er bald vielversprechender erachtet als ein Leben in der menschlichen Gemeinschaft. Und auch wenn sich dieser Thriller scheinbar an der Idee von Patrick Süßkinds Roman „Das Parfum“ orientiert, steht er diesem in nichts nach. Während hier der Hörsinn der Auslöser für die Geburt eines Mörders ist, war es dort der Geruchssinn und beide Bücher sind doch ganz einmalig und in ihrer Gesamtheit ein erschreckendes Bildnis über die Verfehlungen der menschlichen Seele.


Der Autor widmet sich intensiv und von Kindesbeinen an der Entwicklung des Karl Heidemann, so dass der Leser sehr gut die eigentlichen und die endgültigen Verfehlungen der Umgebung unterscheiden kann. Dabei wählt er eine distanzierte Erzählperspektive, die alles sehr objektiv und ohne Melodramatik auskommen lässt. Generell ein formschöner Satzbau, der Nachklang erzeugt und nicht auf Effekthascherei abzielt. Er legt Wert darauf zu zeigen, dass auch im landläufigen Begriff von „böse“ manchmal nur die Unkenntnis von „gut“ verankert ist und sich durchaus ein alternativer Lebensweg beschreiten lässt, sofern die äußeren Möglichkeiten gegeben sind. Und dieser Fakt ist das Besondere des Buches. Denn trotz der grausamen Handlungen des Täters, kommt man nicht umhin, in Karl einen Menschen zu sehen, der Gefühle hat, der sucht und Nähe finden möchte, dem aber die Still des Todes doch so angenehm erscheint, dass er sie dem Wirbel des Lebens vorzieht.


Thomas Raab vermag es, Mitgefühl und Verständnis heraufzubeschwören, dort wo eigentlich keines sein sollte. Er bedient sich gekonnt diverser Nebenfiguren, die Karl immer ein Stück des Weges begleiten, die ihn formen und prägen und dennoch nicht aufhalten können. Auch sein Schachzug mit der Liebe, die ganz plötzlich und unverhofft in Karls Leben tritt, ebnet den Weg hin zu einem Menschen, der sich Gedanken macht über den Sinn des Lebens und explizit über seine Stellung im Gefüge. Dieser Thriller, der mehr einer Studie der menschlichen Psychologie zu sein scheint, fängt so viele verschiedene Facetten ein, dass ich voller Begeisterung den Handlungsverlauf folgen konnte. Nie war es zu grausam, nie zu unverständlich, nie zu abstrakt, sondern eher wie eine fortwährende Spirale, die immer tiefer hinein in das Gedankengut eines Serienmörders führt.


Fazit


Ich vergebe 5 Lesesterne für diesen ungewöhnlichen, tiefgründigen Thriller, der viele Elemente eines guten Spannungsromans beinhaltet und sich mehr mit dem Seelenleben des Einzelnen, mit einer persönlichen Geschichte voller Unwegbarkeiten auseinandersetzt, als mit dem Ergebnis selbst. Dabei greift die Erzählung auf vielfältige Grundsätze zurück und beschäftigt sich mit Motivation ebenso wie mit Abwehr, mit Liebe gleichermaßen wie mit dem Tod, mit fehlendem Gewissen und greifbarer Gewissheit. Karl Heidemann - dass Synonym für einen Mörder, der sein Leben der Stille gewidmet hat und doch nicht bewirken konnte, dass andere ihn restlos verstehen, selbst ich nicht als Leser, doch das tut dieser grandiosen Geschichte keinen Abbruch.

Veröffentlicht am 02.03.2018

Der Meister der Düfte

Das Parfum
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„Was er begehrte, war der Duft gewisser Menschen: jener äußerst seltenen Menschen nämlich, die Liebe inspirieren. Diese waren seine Opfer.“


Inhalt


Jean-Baptiste Grenouille kämpft sich ins Leben und ...

„Was er begehrte, war der Duft gewisser Menschen: jener äußerst seltenen Menschen nämlich, die Liebe inspirieren. Diese waren seine Opfer.“


Inhalt


Jean-Baptiste Grenouille kämpft sich ins Leben und nistet sich dort ein. Obwohl er von allen Menschen die ihm begegnen verachtet oder mit Argwohn betrachtet wird, gelingt es ihm zu einem hinreichend erwachsenen Jüngling heranzureifen und sich unbemerkt und wie eine Zecke solange an einen Wirt zu hängen, wie dieser ihm nützlich erscheint. Nur um sich dann still und leise auf den Weg zu noch Größerem zu machen und dabei eine Spur des Todes zu hinterlassen. Schon sehr früh sind ihm die Menschen seiner Umgebung verhasst, denn ihre Gerüche erzeugen bei ihm nur Ekel. Er hat das unbeschreibliche Talent, jedweden Gegenstand auf seine Geruchskomponenten zu reduzieren und nimmt seine Umwelt vielmehr durch die Nase als durch die Augen wahr. So verhilft er fast maroden Parfümerien und ihren Inhabern wieder zu Wohlstand und Ansehen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Sein Ziel ist es vielmehr einen Duft zu kreieren, bei dem alle Menschen verzückt sind und sich in der Liebe verlieren. Sein Plan ist die Gewinnung eines besonderen Parfums, welches ihm zum Glück verhelfen soll. Und er weiß auch schon, welche Komponenten er dafür benötigt. Doch der Liebreiz manifestiert sich olfaktorisch in jungen, rothaarigen Mädchen, die an der Schwelle zur Pubertät stehen und diese sind nicht so leicht einzufangen, wie pflanzliche Duftstoffe …


Meinung


Dieses Buch, war einst Schullektüre und ich habe es vor 20 Jahren bereits gelesen und hatte es als ein äußerst einprägsames Werk in Erinnerung. Nun konnte ich mich erneut davon überzeugen, dass Patrick Süßkind mit diesem ungewöhnlichen Buch ein wirklich faszinierender Kriminalroman gelungen ist, der vielmehr Reize anspricht als so manch anderes Buch. Denn hervorzuheben und immer wieder ausschlaggebend für die Bedeutsamkeit der Geschichte ist diese geniale Idee: Ein Mann ohne Duft, ausgezeichnet mit einem Wahnsinnstalent, ersinnt eine Wahnsinnstat und kann auf herkömmlichem Wege nicht gestoppt werden, da jeder der ihm begegnet, nicht ahnt, was seine wahren Beweggründe sind. Der Meister der Düfte begibt sich auf einen höchst persönlichen Feldzug und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch Frankreich, die dieser nicht so schnell vergessen wird.


Im Zentrum der Erzählung steht Grenouille, als ein verachtenswerter Protagonist, der dennoch so genial wie gefährlich ist. Der Autor legt hier nicht nur großen Wert darauf, diesen verkümmerten Menschen zu beschreiben, sondern er ersinnt eine fulminante, derart fesselnde Handlung, die kraftvoll und äußerst mitreißend wirkt. Das Besondere ist dieses eigentümliche Zusammenspiel zwischen tatsächlicher Handlung, innerlicher Überlegungen des Handelnden und der sichtbaren Ausübung seiner Kunst. Als Leser wird man verschreckt und taucht dennoch immer tiefer ins Geschehen ein. Ein minimaler Kritikpunkt meinerseits ist das etwas haarsträubende Finale dieses großen, zeitgenössischen Romans, der einen finsteren Helden stilisiert. Wo endet das Leben, eines Mörders, dem prinzipiell alle Wege offenstehen? Und warum endet es so krass? Bei diesem Roman hätte ich mir zugegeben ein etwas verschwommenes, gern auch weniger dramatisches Ende gewünscht, eines was keinen Schlusspunkt setzt, sondern die Vermutung offenlässt, dass es noch nicht vorbei sein könnte …


Fazit


Ich vergebe volle Punktzahl für diesen sehr speziellen Roman der unmittelbar und sehr resolut, beschränkt auf wenige Faktoren und eine eher überschaubare Anzahl an Personen, das Grauen entwirft, dem man sich nicht entziehen kann. Es ist für mich ein großer Wurf des Autors, der dem Gedankengang des Lesers neue Impulse verleiht, der folgerichtig und objektiv schildert, was passieren könnte, wenn besagte Dinge tatsächlich zusammentreffen. Ich freue mich, dass ich dieses Buch nun in die Reihe meiner Must-Reads aufnehme, die ich getrost weiterempfehlen kann, weil sie mich definitiv überzeugen konnten.