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Veröffentlicht am 11.07.2017

Dir wird nichts geschehen

Dir wird nichts geschehen
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Lois ist Fitnessfreak und Polizistin mit Leib und Seele. Sie bekommt den Auftrag Britt zu finden. Britt, 11 Jahre alt, ist nach dem Turntraining verschwunden. Der Entführer verspricht ihr: Dir wird nichts ...

Lois ist Fitnessfreak und Polizistin mit Leib und Seele. Sie bekommt den Auftrag Britt zu finden. Britt, 11 Jahre alt, ist nach dem Turntraining verschwunden. Der Entführer verspricht ihr: Dir wird nichts geschehen!
Es stellt sich heraus, dass der Entführer Britts aus dem Gefängnis ausgebrochener Vater ist, der sich nun rächen will. Wird Britt wirklich nichts geschehen?

Interessant finde ich, dass hier beide Seiten gut beschrieben sind. Britt und Lois sind sehr menschlich. Beide machen große Fehler und lassen sich von ihren Emotionen mitreißen. Doch Beide haben auch nicht genug Emotionen, denn Beide reflektieren ihr Handeln viel zu wenig und geben der Logik einen übernatürlich großen Stellenwert.
So wird Britt zum Beispiel etwas angetan, dass für das kleine Mädchen eine viel größere Bedeutung haben müsste. Beinahe bricht sie in Panik aus, aber das kann sie sich jetzt ja jetzt nicht leisten, oder? Stattdessen schlägt sie also ein Rad und schwupps hat sich das wieder mit der Panik.

Ein paar Fehler finden sich hier auch. Zum Beispiel fragt man sich, warum eine 11jährige nicht in der Lage ist den Notdienst zu rufen. Oder wieso eine Polizistin bei Flirtversuchen sofort an Heiratsavancen denkt.

Abgesehen von den oben genannten Punkten gefiel mir das Buch sehr gut. Es liest sich leicht und schnell, da es sich um sehr einfache Sätze handelt. Spannung kommt auch auf. Die Protagonisten fand ich sehr sympathisch. Die Polizeiarbeit wird wirklich gut beschrieben. Insgesamt ein lesenswertes Buch für Zwischendurch.

Veröffentlicht am 11.07.2017

Rache

Rache
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Dieses Buch enthält 11 wirklich gut geschriebene Kurzgeschichten über die finstere Seite der menschlichen Seele. Man kann sie nur einzeln gelesen wirklich genießen. Ich empfehle das Buch Jedem, der ab ...

Dieses Buch enthält 11 wirklich gut geschriebene Kurzgeschichten über die finstere Seite der menschlichen Seele. Man kann sie nur einzeln gelesen wirklich genießen. Ich empfehle das Buch Jedem, der ab und zu mal Lust auf einen Thriller hat, aber oft keine Zeit hat, um einen ganzen Thriller zu lesen.
Jeder wird hier wohl seine Favoriten finden, da die Kurzgeschichten sehr unterschiedlich sind. Wenn man die Geschichten schnell hintereinander liest, mag das Gefühl entstehen, dass die Geschichten immer gleich aufgebaut sind. Doch das stimmt nicht. Gemeinsamkeit ist hier nur, wie mit den Affekten umgegangen wird.
Der Schreibstil ist faszinierend. Die Charaktere werden dreidimensional. Zwischendurch lockert schwarzer Humor die Geschichten etwas auf.
Es gibt für mich auch ein paar negative Punkte. Die Geschichten sind teilweise etwas verwirrend. Mit den Geschichten in denen kurze Stellungnahmen ein Gesamtbild erschaffen sollen, konnte ich nichts anfangen. Die fand ich furchtbar langweilig.
Doch auch ich habe meine drei Favoriten gefunden. Ich möchte dem Leser nichts vorwegnehmen, deswegen werde ich hier nicht schreiben, welche das waren. Nur soviel: Haie war für mich die beste Geschichte des ganzen Buches.

Veröffentlicht am 11.07.2017

Passagier 23

Passagier 23
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Das Buch fängt sehr spannend an und man weiß lange Zeit nicht worauf die Geschichte hinausläuft. Viele Perspektivenwechsel steigern die Spannung. Der Leser hetzt von Seite zu Seite, auf der Suche nach ...

Das Buch fängt sehr spannend an und man weiß lange Zeit nicht worauf die Geschichte hinausläuft. Viele Perspektivenwechsel steigern die Spannung. Der Leser hetzt von Seite zu Seite, auf der Suche nach einem roten Faden, der erst einmal nicht greifbar wird. Das ist auch gut so, denn so steigt die Spannung ins Unermessliche. Und hier noch ein kleiner Hinweis für alle, die vor lauter Spannung gerne mal nach hinten blättern und das Ende lesen: Es wird euch überhaupt nichts nutzen!
Aber das Buch hat auch ein paar Schwächen. Ein Problem ist für mich, dass mir zwei bestimmte, wichtige Damen, die für mich sehr sympathisch hätten sein müssen, kein Stück sympathisch sind. Die eine Frau hat eine Ausdrucksweise und ein Benehmen an sich, dass mich einfach abstößt. Lieber wäre mir hier eine Art Mrs. Marple gewesen. Und die andere wird für mich einfach nicht greifbar genug.
Weiterhin habe ich das Gefühl, dass der Herr Fitzek hier einfach zu viel will. Das Ende hat eine Stelle mit einer Verfolgungsszene und einer Familienzusammenführung, aus der hätte man ein ganzes Buch machen oder sie einfach weglassen können. Andererseits macht das Ende, so wie es ist, Hoffnung auf ein weiteres Buch.Und damit sind wir auch schon wieder bei den positiven Punkten.

Dieser Thriller ist gleichzeitig ein typischer und kein typischer Fitzek und das macht ihn auch so erfrischend und spannend. Den Punkt für "sympathische Charaktere" ziehe ich nur wegen den Damen ab, denn sie spielen eine tragende Rolle. Die anderen Personen sind sehr gut gezeichnet und ich will mehr von ihnen lesen.
Mein Fazit lautet, dass man das Buch mal gelesen haben muss. Es ist nicht das Beste von Sebastian Fitzek. Das bleibt wohl auch immer "Die Therapie" für mich. Aber auch bei Weitem nicht der schlechteste Thriller von ihm.

Veröffentlicht am 10.07.2017

Der Mörder und das Mädchen

Der Mörder und das Mädchen
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Dieses Buch. Seufz. Ich habe keine Ahnung, wie ich das rezensieren soll.

Es fing mit einem wirklich guten Schreibstil an. Einfache Sätze. Das sind meist die, mit denen man die meisten Emotionen rüberbringen ...

Dieses Buch. Seufz. Ich habe keine Ahnung, wie ich das rezensieren soll.

Es fing mit einem wirklich guten Schreibstil an. Einfache Sätze. Das sind meist die, mit denen man die meisten Emotionen rüberbringen kann. Nichts ist den Emotionen im Weg. Keine verschachtelten Sätze, die über mehrere Zeilen gehen, so dass man schnell den Überblick verliert. Diese Art zu schreiben ist nicht ganz einfach, denn schnell wirken die Sätze abgehackt. Sofie Sarenbrant und die Übersetzerin Hanna Granz meistern diesen Schreibstil aber sehr gut. Flüssig zu lesen ist "Der Mörder und das Mädchen". Auch die kurzen Kapitel beschleunigen den Lesefluss. Und obwohl am Anfang noch nur minimale Spannungsspuren vorhanden sind, sagt man schnell den Lieblingssatz aller Bibliophilen: „ Nur noch ein Kapitel!“

Bis hier hin hat Sarenbrant also alles richtig gemacht. Doch schnell fällt auf, dass es hier an einigem fehlt. Zum Beispiel an Mitgefühl zwischen den Figuren.

Die missbrauchte Mutter Cornelia erzählt ihrer besten Freundin Josefine von ihrem Missbrauch. Diese sorgt aber nicht dafür, dass Mutter und Kind so schnell wie möglich aus dieser Missbrauchssituation herauskommen, besonders da das Kind schon psychische Symptome aufweist, sondern scheint nichts weiter zu tun, als ihrer Freundin uninteressiert zuzuhören. Cornelia und ihre Tochter Astrid sind auf sich gestellt. Und das ist für mich nicht logisch nachvollziehbar. Wie kann man als erwachsene Frau und Mutter dreier Kinder einer anderen Frau dabei zuhören, wie diese erzählt, dass sie sich die Haare abschneiden hat lassen, weil ihr Mann sie an ihren Haaren hinter sich her geschliffen hat, ohne etwas tun zu wollen?

Auch mit Emmas Charakter habe ich meine Probleme. Sie ist Polizistin und wird von ihrem Ex gestalkt. Als Polizistin und schwangere Frau würde vermutlich jeder dieses Verhalten so schnell wie möglich unterbinden. Emma jedoch ignoriert das Stalking und tut so, als wäre das nur eine Eigenart ihres Exfreundes.

Wenn Cornelia nicht so schnell ein großer Sympathieträger geworden wäre und ich "Der Mörder und das Mädchen" nicht in einer Leserunde gelesen hätte, hätte ich vermutlich das Buch schnell zur Seite gelegt und dort verstauben lassen. Dann wären mir aber Kapitel 24 bis 105 entgangen. Ja, man muss bis Seite 92 kommen, um zur Spannung vorzustoßen. Bis dahin hat man Cornelia liebgewonnen, mag Emma und versteht Astrid und Josefine nicht richtig, was sie aber nicht unsympathisch macht.

„Moment mal, sind da denn keine Männer drin?“ wirst du, lieber Leser meiner Rezension, vielleicht jetzt fragen. Doch, schon. Aber die lassen sich bis auf den Fremdgeher Benjamin auf zwei Nenner zusammenfassen. Psychopathen und Polizisten. Da wird es schwer mit den Verdächtigen, nicht wahr? Ja. Schnell hat man einen Verdächtigen. Und dann noch einen. Aber dann ist auch mal wieder Schluss. Man kann ja schließlich nicht jeden verdächtigen, oder?

Die Spannung steigert sich mit jeder Seite und manchmal bleibt man an Logiklücken, die nur auf den ersten Blick ebensolche zu sein scheinen, hängen. Bei genauerem Nachdenken gibt alles bis auf das Zwischenmenschliche einen Sinn, weswegen irgendwann der Eindruck entsteht, als hätte man einen Minikosmos unter dem Mikroskop und würde dem dunklen Virus der modernen Gesellschaft beim Wuchern zuschauen. Dieser Virus setzt sich aus Egoismus und Erfolg zusammen. Die Taten des Mörders scheinen in diesem Zusammenhang beinahe wie ein logisches Gegenmittel.

Ich empfehle „Der Mörder und das Mädchen“, welches der dritte Band der Reihe um die Polizistin Emma, aber der erste ins Deutsche übersetzte, ist, gerne, auch wenn ich das Gefühl habe, dass es als Spiegel der modernen Gesellschaft UND Thriller nicht ganz funktioniert. Es könnte jedoch eine andere Wirkung haben, wenn dem Leser von vornherein klar ist, dass hier auch unterschwellig Kritik geübt wird und "Der Mörder und das Mädchen" nicht nur spannender Zeitvertreib sein soll. Insgesamt ein teilweise sehr spannendes Buch, welches mich nachdenklich gemacht hat.

Veröffentlicht am 15.04.2019

Witchmark

Witchmark. World Fantasy Award für den besten Fantasy-Roman des Jahres 2019
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Der Roman „Witchmark“ ist ein Debüt der Autorin C.L. Polk und könnte in unserer Welt spielen. Es herrscht eine Stimmung wie nach dem ersten Weltkrieg, was in unserer Welt 1918 geschah. Das Auto kommt gerade ...

Der Roman „Witchmark“ ist ein Debüt der Autorin C.L. Polk und könnte in unserer Welt spielen. Es herrscht eine Stimmung wie nach dem ersten Weltkrieg, was in unserer Welt 1918 geschah. Das Auto kommt gerade in Mode, die ersten Autos gab es in unserer Welt schon Ende des 19. Jahrhunderts. Auch liest sich die Zusammenfassung eines der Bücher, die erwähnt werden, wie „Rebecca“ von Daphne du Maurier, ein Buch, dass in unserer Welt 1938 erschienen ist.

Und doch merkt man, abgesehen von diesem scheinbaren Zeitenmix schnell, dass es sich hier um eine Parallelwelt handeln muss, denn der größte Unterschied, zu unserer Welt, ist, dass hier die Menschen nicht wegen Hautfarbe, Sexualität oder Gender diskriminiert werden, sondern wegen der Schwäche oder Stärke ihres magischen Talents. Und so dürfen sich die mit dem stärkeren magischen Talent, die Sturmsänger, Leute mit schwächerem magischen Talent, die Hexen, aussuchen und diese, auch gegen deren Willen, an sich binden. Diese Unfreiheit, die eine Art Sklavenhaltung ist, hat dementsprechend auch schlimme Auswirkungen auf die Hexen. Auch Hexenjagden gibt es, denn viele Hexen verstecken sich lieber, um in Freiheit zu leben. Wenn eine Hexe aber gefunden wird, wird sie in eine Irrenanstalt gebracht, bevor sie durch ihre, nicht mit einem Sturmsänger geteilte Magie, dem Wahn verfällt. Hexen erkennen einander an ihrem Hexenmal („Witchmark“), weswegen es wichtig ist, die Fähigkeit zu erwerben, dieses zu verstecken.

Eine der Hexen ist Dr. Singer. Er ist die Hauptfigur des Fantasyromans „Witchmark“, der damit beginnt, dass ebendieser auffliegt. Ein Mann wurde ermordert und stirbt auf Dr. Miles Singers Tisch. Ab diesem Zeitpunkt schlüpft Dr. Singer in die Rolle einer Art Dr. Watson. Es findet sich auch schnell ein Gegenstück zu der Figur des Sherlock Holmes in „Witchmark“. Aber erstens entsteht hier eine Liebe von Watson zu Holmes und zweitens besteht ja immer noch die Gefahr aufzufliegen, weil Miles Hexe ist. Auch eine Art Moriaty und Irene Adler werden hier schnell gefunden.

Aber dies sind nicht die einzigen Anspielungen auf Werke anderer Autoren. So gibt es am Schluss eine Szene, die mich stark an eine Folge der ersten Staffel der neuen Doctor Who Serie erinnert hat. Wer sie kennt, dem wird es ähnlich gehen.

„Witchmark“, dessen Einband übrigens im Dunklen leuchtet, liest sich locker und leicht. Es ist angenehm zu lesen. Man fliegt von Seite zu Seite, da man unbedingt wissen möchte, wie alles sein Ende findet.

Zwar bleibt „Witchmark“ in seiner Spannung hinter den Werken, auf die es anspielt, jedoch ist es sehr innovativ. So werden die Fälle nicht auf die wunderbare Sherlock Art aufgedröselt, man erlebt kaum Ermittlungen. Auch in Dr. Who schleicht man mit den Hauptfiguren viel mehr auf die Lösung zu. Hier versteckt sich das alles hinter dem ewigen Wunsch Dr. Miles in Freiheit leben zu dürfen. Selbst gegen jegliche Vernunft oder Mitgefühl für andere seiner Art. Auch wird meiner Ansicht nach viel zu wenig Atmosphäre aufgebaut. Etwas von dem Dr. Who und Sherlock Holmes leben. Aber die Idee Sherlock Holmes und Magie zusammenzupacken ist wunderbar innovativ.

Andererseits entsteht so das Gefühl, als bliebe „Witchmark“ hinter seinem möglichen Potenzial zurück. C. L. Polk hat spannende Ideen, die sie leider nicht ausbaut. Man könnte durch mehr Atmosphäre und mehr sorgfältiges Fallaufbauen so viel mehr Spannung erzeugen. Magie und Ermittlungen könnten ein wunderbares Spiel erzeugen, dass einerseits Kontrast (zum Beispiel in Form von nichtmagischer Polizeiarbeit- wo ist Inspektor Lestrade?) und andererseits Harmonie (wie sieht magische Ermittlungsarbeit mit einem Gehirn, wie dem von Sherlock Holmes, aus?) zur Geltung bringt. So liest sich das Buch zwar gut und hinterließ ein zufriedenes Gefühl, dennoch entsteht bei genauerem Nachdenken bei mir auch Enttäuschung.

Ebenso, dass der Sherlock Holmes Part in seiner Schönheit so alles übertreffend ist, scheint stellenweise sehr aufgetragen, gleichwohl es diese Figur mysteriös macht. Doch da man hier kaum nennenswerte Ermittlungsarbeit von diesem erlebt, bleibt er eine mysteriöse, gut aussehende Hülle. Viel lieber hätte ich mehr von seiner Wut, wenn schon nicht von seinem Gehirnschmalz, oder anderen Emotionen gelesen, als Dr. Singers Bewunderung.

Und dennoch, weil es sich angenehm und sehr spannend gelesen hat, kann ich dieses Buch empfehlen. Ich bin gespannt, was wir von C. L. Polk noch erwarten können. Da „Witchmark“ jedoch für mich in sich abgeschlossen ist, wundert es mich sehr, dass es einen zweiten Teil geben soll. Einerseits würde ich diesen auch sehr gerne lesen, weil ich hoffe, dass in diesem das Potenzial der Ideen C. L. Polk endlich ausgeschöpft werden, andererseits kann ich mir nicht vorstellen, wie dies aussehen soll und befürchte einen verkrampften Versuch einen in sich abgeschlossenen Band in die Länge zu ziehen. Ich bin sehr gespannt und hoffe das Beste.