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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.09.2019

672 Seiten und keine war zu viel

Das Verschwinden der Stephanie Mailer
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Das war mein erster Roman von Joel Dicker und was soll ich sagen? Er konnte mich echt begeistern. Das Witzige daran ist, dass ich das selber nie vermutet hätte. Es gibt sehr wenige Bücher, bei denen ich ...

Das war mein erster Roman von Joel Dicker und was soll ich sagen? Er konnte mich echt begeistern. Das Witzige daran ist, dass ich das selber nie vermutet hätte. Es gibt sehr wenige Bücher, bei denen ich begeistert bin, wenn ich eine extrem hohe Seitenzahl sehe. Ich glaube, bisher habe ich mich nur bei Harry Potter tatsächlich darüber gefreut. Aufgrund vieler guter Kritiken zu Joel Dickers Werken wollte ich es trotzdem gern probieren. Ein Glück, dass ich es getan habe!
Dieses Buch hier hat in meinen Augen jede Seite und jedes Wort sowas von verdient. Es beginnt ganz ruhig: Wir lernen die Figuren und die Stadt kennen. Relativ schnell taucht auch Stephanie Mailer auf und weist Jesse Rosenberg darauf hin, dass er in seinem ersten großen Fall einen fatalen Fehler begonnen hat und danach verschwindet sie spurlos. Während Rosenberg dem Hinweis von Stephanie nachgeht und die Polizei-Akten zu dem 20 Jahre alten Fall wälzt, kommen immer mehr Personen und Handlungsorte hinzu. Dabei geht Dicker geschickt vor und führt die Protagonisten nach und nach ein und eröffnet die Nebenschauplätze ebenfalls etappenweise. Ich war nie überfordert vom Auftauchen dieser vielen Personen. Ich blieb lediglich im Unklaren, ob die Nebenschauplätze tatsächlich für den Fall relevant sind. Vermutet hatte ich erst, dass der Autor den Leser nur verwirren will. Je mehr Handlungsstränge jedoch auftauchten, umso sicherer war ich mir, dass es doch Verbindungen geben muss. Interessanterweise wurde das Buch dadurch (in meinen Augen) nicht langweilig. Ich fand alle Handlungen so interessant, dass ich es sich vielleicht sogar noch spannender anfühlte, da ich immer mehr erfahren wollte. Klar stagnierten die Ermittlungen dadurch hin und wieder – für den Spannungsaufbau fand ich es jedoch grandios ausgearbeitet. Immer wieder zog der Autor das Tempo an. So richtig packend wurde es, als die Handlungsstränge nach und nach verschmolzen, auch wenn ich noch längst keinen blassen Schimmer hatte, wie die Puzzleteile ineinander passen sollten.
Diese grandios verwobene Story wurde in meinen Augen von den Figuren des Buchs getragen. Jeder Klischeebelastung zum Trotz hat der Autor ihnen so viel Leben eingehaucht und Tiefe verliehen, dass ich sie alle genau vor mir gesehen habe. Keine Person mochte ich nicht – sie waren alle auf ihre Art authentisch und ihr Handeln, so absurd es anmutete, war nachvollziehbar, weil ich ihre Hintergründe und ihr „Leben“ kannte.
Motive und Täter blieben für mich undurchschaubar. Allerlei Verstrickungen und Intrigen sorgten immer wieder für Wendungen, die das ganze vermeintliche Wissen über den Fall wie ein Kartenhaus zum Einsturz brachten. Ich konnte die Verzweiflung der Ermittler total verstehen!
Der bildliche und flüssige Sprachstil (Hut ab für die Übersetzungsleistung) tat sein Übriges für meinen Lesefluss. Ich war gefangen in der Geschichte. Ich fühlte den Sog dieser Erzählung als wäre ich eine Bürgerin Orpheas. Ich habe die Bilder in meinem Kopf beim Lesen verfolgt wie einen Hollywood-Blockbuster mit bester Besetzung. Das „Ende“ – mindestens die letzten 150 Seiten – haute nochmal alles raus, was man sich als Leser wünschen konnte. Ich bin und bleibe begeistert von dieser schriftstellerischen Höchstleistung!

Veröffentlicht am 29.07.2019

Raffiniert, überraschend und spannend

STILL ALIVE - Sie weiß, wo sie dich findet
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"Still alive - Sie weiß, wo sie dich findet" ist ein wahrer Pageturner!
Claire Douglas hat mit einem raffinierten Aufbau einen umheimlich spannenden und nervenzerreibenden Thriller geschrieben, der mich ...

"Still alive - Sie weiß, wo sie dich findet" ist ein wahrer Pageturner!
Claire Douglas hat mit einem raffinierten Aufbau einen umheimlich spannenden und nervenzerreibenden Thriller geschrieben, der mich mehrfach mit tollen Wendungen überraschen konnte.

Kurz zum Inhalt:
Libby und ihr Mann Jaime haben zum Beginn ihrer Ehe eine schwere Zeit durchlebt. Als sich im Briefkasten das Angebot zu einem Haustausch findet, zögern die beiden nicht lang und nutzen die Chance ein paar Tage an der Küste zu verbringen. Es häufen sich jedoch seltsame Vorfälle, die Libby beunruhigen. Recht schnell ahnt man, dass sie nicht einfach nur besorgt ist. Sie hat etwas zu verbergen. Aber was?

Claire Douglas hat mit "Still alive" einen sehr abwechslungsreichen Thriller geschrieben. Im Gegensatz zum recht beliebten "Gegenwart-wechselt-mit-Vergangenheits-Modus" schreibt die Autorin zunächst nur in der Gegenwart. Dieser Teil des Buchs umfasst überwiegend den Haustausch. Ich konnte mich ganz toll in diese tolle Villa denken und die Meerluft fast riechen, als ich es gelesen habe. Auch die Gänsehaut-Momente hat Claire Douglas ganz toll eingefangen. Im zweiten Teil erfahren wir dann etwas über Libbys Vergangenheit und begleiten sie auf ihre Thailand-Reise, die im ersten Teil schon öfter angedeutet wurde. Auch hier kam bei mir direkt Urlaubsfeeling auf. Der Schreibstil ist so flüssig und bildlich, dass man super in dieses Buch abtauchen kann. Teil zwei war meine Lieblingspassage. Hier gab es mehrere Wendungen, die mich mit offenem Mund zurückließen. Den dritten und letzten Teil würde ich als Showdown bezeichnen. Nach und nach lüften sich die Geheimnisse und man erfährt, was geschehen ist. Natürlich wird es im letzten Teil dann auch etwas actionreicher - aber nicht viel. Die Autorin bedient eher die psychologische Komponente - und das fantastisch.

Das Buch wurde in der Ich-Perspektive geschrieben, was ich persönlich unheimlich gern mag. Ich kann mich immer noch besser in die Figuren denken und habe einen leichteren Zugang zu ihnen. Hier wäre das nicht einmal unbedingt nötig gewesen. Die Hauptfiguren konnten mich sofort überzeugen. Sie sind gut gezeichnet, nicht oberflächlich und außerdem handeln sie authentisch. Besonders der letzte Punkt ist mir immer sehr wichtig.

"Still alive - Sie weiß, wo sie dich findet" ließ mich einmal tief durchseufzen als ich es beendet hatte: Ein Thriller, wie ich ihn mir wünsche.
Ich empfehle dieses Buch jedem Thriller- und Spannungsfan, der auf ausgeklügelte Plottwists steht und Lust hat, ein Buch in kurzer Zeit zu wegzulesen, weil man einfach wissen muss, wie es weitergeht. Für mich war es ein unheimlich spannendes und tolles Buch, dass ich so schnell nicht vergessen werde.

Veröffentlicht am 26.07.2019

Horror oder Märchen?

Harz
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Harz hat in Skandinavien so richtig abgeräumt! Ane Riel hat mit ihrem Roman den dänischen, norwegischen und schwedischen Krimipreis gewonnen. Als ob es nicht schon genug wäre, natürlich auch noch den Preis ...

Harz hat in Skandinavien so richtig abgeräumt! Ane Riel hat mit ihrem Roman den dänischen, norwegischen und schwedischen Krimipreis gewonnen. Als ob es nicht schon genug wäre, natürlich auch noch den Preis für den besten skandinavischen Kriminalroman.

Vorweg: Für mich ist es aber kein Kriminalroman. Auch nicht unbedingt ein (PsychThriller. Ich kann mich gar nicht recht entscheiden, wie ich es einstufen soll, da ich noch nichts Vergleichbares gelesen habe. Ich tendiere zur Bezeichnung „Familiendrama mit Horror-Elementen“. Am besten hat es Ane Riel in ihrem Buch vermutlich selbst formuliert: „Ich weiß nicht, ob ich unser Leben als Märchen oder als Horrorgeschichte bezeichnen soll. Vielleicht ein bisschen von beidem? Ich hoffe, du kannst das Märchen sehen.“ – Maria zu ihrer Tochter Liv

Den Inhalt des Buchs möchte ich nicht vorweg nehmen – die Leser werden mit vielerlei Kuriositäten der Familie Haarder konfrontiert. Tote Großmütter am Weihnachtsbaum, extreme Fettleibigkeit, Messi-Verhalten, ein Kind, dass in einem Baucontainer wohnt, Einbalsamierungen und viele weitere ungewöhnliche Umstände.

Zunächst beginnt das Buch in der Gegenwart mit der Erzählung von Liv. Danach erfährt man in einer Rückblende etwas über die Kindheit und Jugend ihres Vaters. Es wird auch darauf eingegangen, wie Jens und Maria Haarder sich kennenlernten. Erst danach kehrt die Geschichte zurück zu Liv. Später im Buch kommen dann noch Eindrücke von Jens selbst und vom Gastwirt des Dorfes hinzu. Der Gastwirt macht merkwürdige Feststellungen in seinem Lokal, die mit der Familie Haarder in Verbindung stehen. Davon ahnt er jedoch nichts.

Liv ist für mich die tragende Figur in diesem Psychogramm einer nicht ganz normalen Familie – nett ausgedrückt. Einer Familie, in der Liebe zu Obsession wird. Eine Familie, in der die Grenzen von Eigenarten überschritten werden und in psychischen Erkrankungen enden. Eine Familie, die sich vielleicht hätte selber retten können, retten müssen. Liv zu Liebe! Liv ist für ihr Alter unheimlich intelligent, manchmal altklug, in anderen Momenten aber wieder ganz naiv und träumerisch. Ich fand diese Mischung durchaus glaubhaft dargestellt aufgrund der Umstände unter denen sie aufgewachsen ist und der Erziehung, die sie erlebte. Besonders gefiel mir ein Ausspruch von Liv zu Beginn: „Eigentlich habe ich nie darüber nachgedacht, was ich bin. Ich glaube, ich bin das, was sie sehen. Und ab und zu sehe ich etwas, das sie nicht sehen.“ Aber Liv ist nicht die Hauptfigur in „Harz“. Ihr Vater Jens ist das Bindeglied in dieser unheimlichen Geschichte. Das hätte ich aufgrund des Klappentextes nicht vermutet und hat die Geschichte daher auch in einen ganz andere Richtung getrieben, als ich erwartet hätte. Jens ist absolut empathisch, sensibel und tief im Innern – so bin ich überzeugt – ein wirklich guter Mensch. Aber Jens kann nicht loslassen, keine Dinge, keinen Müll und erst recht nicht seine Familie! Egal, ob tot oder lebendig. Jens hat sich nicht helfen lassen und konnte sich auch nicht selbst helfen. Und so nimmt das Schicksal der Familie seinen Lauf.

Wer jetzt immer noch nicht überzeugt ist, dem habe ich die aussagekräftigsten Beschreibungen aus vielen Rezensionen zusammengetragen:
Bewegend und verstörend, eindringlich, anders, schwer zu ertragen, beklemmend, überraschend und bizarr, erschütternd und krank, Gänsehaut, verstörend, berührend, fesselnd und faszinierend, makaber, großartig und spannend, erzählerische Wucht, zart und brutal, schockierend!

Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und volle Punktzahl – mit Bonussternchen!

Veröffentlicht am 13.06.2019

Famoses Debüt - sprachlich einzigartig und bildgewaltig - spannend und wendungsreich

Liebes Kind
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Entweder man findet es großartig oder man kann damit nicht viel anfangen. Das ist zumindest mein Empfinden, wenn ich durch die Rezensionen für „Liebes Kind“ scrolle. Ich möchte mit meiner Bewertung jedoch ...

Entweder man findet es großartig oder man kann damit nicht viel anfangen. Das ist zumindest mein Empfinden, wenn ich durch die Rezensionen für „Liebes Kind“ scrolle. Ich möchte mit meiner Bewertung jedoch jedem interessierten Leser mitteilen, dass es sich definitiv lohnt, herauszufinden zu welcher Gruppe man gehört. Denn sollte man zu denen zählen, die es fantastisch fanden, wird man dieses Buch so schnell nicht vergessen.
„Liebes Kind“ ist das 432 Seiten umfassende Thriller-Debüt von der Autorin Romy Hausmann. Ihr Debüt hat einen unfassbar tollen Start hingelegt. Nach einem Einstieg unterhalb der Top Ten landete es direkt auf Platz 2, verweilte dort und ergatterte sich in einer Woche sogar Platz 1. Und ja, man muss es erwähnen: Mittlerweile existiert ein riesiger Hype um dieses Buch – und es ist immer noch in den Top 3 der Belletristik-Paperbacks!


Ich habe das Buch einige Zeit vor Erscheinungstermin bereits auf meiner Wunschliste notiert und es auch direkt vorbestellt. Es gibt Bücher, die möchte ich einfach direkt lesen. Dieses hier gehörte aufgrund des Klappentextes und des außergewöhnlichen Covers definitiv dazu. Prägnant und doch irgendwie schlicht, wirkt es sehr geheimnisvoll – genau wie der Klappentext. Der überall auftauchende Vergleich „Dieser Thriller beginnt, wo andere enden.“ ist dabei nicht nur treffend, sondern für mich ein Kaufargument, denn wie viele Thriller dieser Art kennt man schon?


Zum Inhalt von „Liebes Kind“ möchte ich definitiv nichts sagen. Überall würden Spoiler lauern und ich möchte doch niemandem den Lesegenuss nehmen. Ich verrate nur, dass für mich viele Wendungen und Überraschungen zu finden waren, die dieses Buch zu einem wahren Pageturner machen konnten. Allein die ersten Sätze lassen jedem Leser das Blut in den Adern gefrieren (oder zumindest den Mund offen stehen). „Am ersten Tag verliere ich mein Zeitgefühl, meine Würde und einen Backenzahn. Dafür habe ich jetzt zwei Kinder und eine Katze. Ihre Namen habe ich vergessen, bis auf den der Katze, Fräulein Tinky.“ Ich dachte mir nur: „Wie bitte?!“, und las es noch einmal. Genau solche Bücher braucht es im Thriller-Einheitsbrei.
Die Geschichte wird aus mehreren Ich-Perspektiven erzählt. Es sprechen abwechselnd das Entführungsopfer, der Vater der vermissten Lena Beck und das Mädchen aus der Hütte, Hannah. Neben diesen Kapiteln finden sich jedoch auch Zeitungsartikel, die über die Vermisste berichten. Das hat mir persönlich sehr gut gefallen. Es lockerte aber nicht auf. Es brachte die ganze Geschichte noch mehr an die Realität und machte mich noch ergriffener.

Ohne zu viel vom Inhalt zu verraten, möchte ich nun doch noch kurz auf die Figuren eingehen. Beginnend mit dem Vater von Lena: Matthias Beck. Er war für mich eine der schwierigsten Figuren in diesem Buch. Seine Kapitel zu lesen, war oft „unbequem“. Ich empfand Mitgefühl. Der Verlust seiner Tochter, seines Sonnenscheins, hat ihn gebrochen. Leider war Matthias Beck auch eine ziemliche impulsiv reagierende Figur. Oft machte er es mit seinen Versuchen, etwas zu unternehmen, noch schlimmer. Oft wollte ich ihn schütteln und ihn zur Vernunft bringen.

Noch ergreifender waren dann die Kapitel aus Sicht des Entführungsopfers. Romy Hausmann schilderte hier teils sehr eindringlich und ungeschönt die Ankunft und den Alltag in der Hütte. Ich bin fast schon froh, dass es nur teilweise um die tatsächlichen Ereignisse in der Hütte ging. Was dort geschah, hat mir den Atem stocken lassen. Wirklich. Ich saß echt da (auf der Couch in Sicherheit) und hielt die Luft an. Ich lese viele Thriller. Aber wie hier die Regeln im Zusammenleben beschrieben wurden, das hat mich wirklich getroffen. Es war so, als stand ich tatenlos daneben und sah was dieses Monster der jungen Frau antat. Es war hart.
Die letzte Perspektive, die es gab, kam aus Sicht von Hannah. Sie war mir die liebste aller Figuren. Sie war so kindlich, aber auch so anders, so unheimlich. Ja, obwohl sie ein Kind war, war sie echt gruselig. Das Leben in der Hütte prägte sie und ihr Vater hat sie geformt. Ich war mir nie sicher, ob Hannah nicht mehr wusste, ob Hannah ein Ziel verfolgt, ob Hannah wirklich ein liebes Kind ist. Das machte diese Kapitel für mich jedes Mal zu einem Highlight!


„Liebes Kind“ zeichnet sich dadurch aus, das es anders ist. Nicht nur der Aufbau des Buchs, auch die Sprache. Alles fühlte sich so echt an. Ich fand es famos, wie Romy Hausmann schreibt. Die teils kurzen prägnanten Sätze. Die Wiederholungen. Die Wikipedia-ähnlichen Definitionen von Hannah. Die Bildgewalt der Wörter. Die Autorin hat sich direkt in mein thriller-liebendes Leserherz geschlichen und wird dort so schnell nicht mehr herausfinden. Also egal, was ihr bisher über das Buch gehört habt, macht euch selber ein Bild! „Liebes Kind“ hat es verdient! Von mir gibt es volle Punktzahl!

Veröffentlicht am 06.06.2019

Spannend und beängstigend

Dry
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Alyssa dreht den Wasserhahn auf, aber nichts passiert. In den Nachrichten wird berichtet, dass die Wasservorräte in Südkalifornien erschöpft sind. Die Bürger sollen sich jedoch keine Sorgen machen: Bald ...

Alyssa dreht den Wasserhahn auf, aber nichts passiert. In den Nachrichten wird berichtet, dass die Wasservorräte in Südkalifornien erschöpft sind. Die Bürger sollen sich jedoch keine Sorgen machen: Bald wäre das Wasser wieder da. Tja, wie reagiert man in so einer Situation? Ja, genau mit Hamsterkäufen und leichter Panik. Im Supermarkt ist die Hölle los. Das Wasser ist ausverkauft. Genau wie alle anderen Getränke und später sogar Eis. Die Menschen wollen Südkalifornien verlassen, aber auf den Autobahnen geht gar nichts mehr, Flüge sind überbucht und fallen aus… das Chaos beginnt und die Menschen verändern sich.
Ich fand dieses Buch unheimlich packend, da es so nah an der Realität schien. Allein letztes Jahr hatten wir auch einen furchtbar heißen Sommer und man wurde im Radio auch bereits darauf hingewiesen Wasser sparsam zu nutzen. Was für eine Katastrophe hier vom Autoren-Duo geschildert wird, hat mich absolut berührt. Ich fand nichts davon übertrieben. Die Stimmung des Buchs hat mich richtig gepackt und ich hatte beim Lesen plötzlich ständig Durst. Verrückt, welche Signale mein Gehirn da anscheinend gesendet hat.
An den Aufbau des Buchs musste ich mich erst gewöhnen. Am Anfang waren es ganz schön viele Namen und Orte, die auf mich einprasselten. Das Buch ist dabei in mehrere Teile gegliedert (je nach Stadium des Tap-out), es wird aus verschiedenen Perspektiven berichtet und es gibt außerdem noch eingestreute Snapshots. Das fand ich total interessant. Diese Schnappschüsse waren immer Momentaufnahmen des Chaos – manchmal mit direkten Auswirkungen für die Hauptfiguren, manchmal dienten sie jedoch nur dazu, die Situation in Kalifornien zu schildern.
Die Hauptfiguren fand ich durch die Bank weg alle sehr interessant gezeichnet. Ich entwickelte Sympathien und Antipathien, litt mit ihnen oder hoffte und bangte. Es handelt sich hierbei jedoch um ein Jugendbuch. Das merkt man den Figuren an. Ich mag es aber und fand es authentisch.
Auch die Auflösung des Ganzen und das Ende empfand ich passend für ein Jugendbuch.
Mit „Dry“ ist dem Autoren-Duo ein toller, realitätsnaher, dystopischer Roman gelungen, der z.B. Fans von „The Walking Dead“ sehr gut unterhalten sollte. Ich gebe 5 Sterne für dieses Buch, was mich auch Tage später noch beschäftigt.