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Veröffentlicht am 09.04.2020

Rhodos ist immer eine Reise wert

Wer, wenn nicht wir
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Musiklehrerin Viola und Notfallchirurg Florian sind schon seit der Schulzeit ein Paar, doch nach 2 Ehejahrzehnten ist bei ihnen die Luft raus. Mit ihren beiden fast erwachsenen Kindern Jonathan und Josephine ...

Musiklehrerin Viola und Notfallchirurg Florian sind schon seit der Schulzeit ein Paar, doch nach 2 Ehejahrzehnten ist bei ihnen die Luft raus. Mit ihren beiden fast erwachsenen Kindern Jonathan und Josephine wohnen sie zwar als Familie unter einem Dach, jedoch leben sie mittlerweile eher nebeneinander her, keiner interessiert sich noch für die Belange des anderen. Deshalb beschließen Viola und Florian, sich friedlich zu trennen, damit jeder noch einmal die Chance auf ein neues Glück hat. Dumm nur, dass der teure bezahlte Luxusurlaub kurz bevor steht und nicht mehr stornierbar ist. Kurzerhand wird ein Zimmer dazu gebucht und jeder der beiden fliegt getrennt vom anderen auf die griechische Insel Rhodos, vielleicht begegnet man sich ja in dem riesigen Luxusresort, vielleicht auch nicht. Erste Urlaubsbekanntschaften sowie die gastfreundliche griechische Hoteliersfamilie tun ihr Übriges dazu, dass sich die beiden ständig über den Weg laufen. Die zwei Wochen auf Rhodos machen Viola und Florian nach und nach deutlich, was ihnen in ihrer Ehe gefehlt hat…
Barbara Leciejewski hat mit „Wer, wenn nicht wir“ einen wunderschönen Roman voller Emotionen vorgelegt, der den Leser von Beginn an zu fesseln weiß. Mit flüssigem, einfühlsamem Erzählstil lädt sie den Leser auf eine Griechenlandreise der besonderen Art ein. Vor der herrlichen Kulisse der Roseninsel Rhodos lässt sie ihre Protagonisten so einiges erleben, wie es viele Leser schon aus eigener Erfahrung auf einer Pauschalreise erlebt haben mögen, jedoch immer mit Augenmerk auf ihre sehr menschlichen Protagonisten, die an einem Scheideweg ihres Lebens stehen und eine Entscheidung für sich treffen müssen. Neben farbenfrohen malerischen Landschaftsbeschreibungen und der berühmten griechischen Gastfreundschaft sind es vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen, die die Autorin mit guter Beobachtungsgabe zu Papier gebracht hat. Alles wird so plastisch geschildert, dass der Leser während der kompletten Lektüre das Gefühl hat, selbst als unsichtbarer Gast hautnah dabei zu sein. Ob es der lästige Aufreißer oder die kleine Sexbombe ist, die sich jedem an den Hals werfen, oder die zwischen Abba und Zirtaki pendelnden Mottoabende: die Autorin hat ein gute Auge für Details. Aber auch Ehethemen kommen aufs Tablett wie das nebeneinander her reden oder die Gleichgültigkeit für die Interessen des anderen. All diese Feinheiten, die in einer Ehe wichtig sind und doch so oft vergessen werden, finden in diesem Buch während der Handlung Erwähnung.
Liebevoll ausstaffierte und sehr nahbare Charaktere bestimmen die Szenerie, in der sie sich glaubhaft und authentisch bewegen, wobei sie dem Leser schnell ans Herz wachsen und es ihm leicht machen, mit ihnen zu fühlen. Es ist geradezu wunderlich, wie oft einem als Leser das eine oder andere so bekannt vorkommt. Viola ist eine patente Frau, die ihren Traum von einer Musikerkarriere aufgegeben hat, um für die Familie da zu sein. Insgeheim trauert sei diesem Traum immer noch nach, hat einige Selbstzweifel und kann sich noch nicht vorstellen, wie das Leben allein für sie sein wird. Florian ist als Notfallmediziner sehr stark eingespannt, er ist nicht so abgebrüht, wie er sich manchmal gibt, sondern trägt so manches Krankenschicksal gedanklich mit nach Hause. Hedi ist eine schüchterne junge Frau, die an den Falschen geraten ist und den Richtigen erst erkennen muss. Arne ist ein schmieriger Aufreißer, der den Frauen regelrecht hinterherjagt. Sokrates hat ein Herz aus Gold und ist leidenschaftlicher Gastgeber. Aber auch Josephine, Jonathan, Sybille oder Alessandro geben der Geschichte wertvollen Input.
„Wer, wenn nicht wir“ ist eine Urlaubsreise der besonderen Art, voller griechischer Wärme, Lebensfreude, Selbsterkenntnis und Chancen, die ergriffen werden wollen. Wunderbar erzählt und wie aus dem Leben gegriffen. Wenn es doch immer so einfach wäre! Ein wunderbarer Roman, der die Sonne im Herzen aufgehen lässt, absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 09.04.2020

Die unglückliche Rückkehr des Leo Lanteri

Die sardische Hochzeit – Die Verlobte
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Nach dem wunderschönen Debütroman „Marina, Marina“ warte ich schon sehnsüchtig auf das neue Buch „Die sardische Hochzeit“ von Grit Landau, das im Mai erscheinen wird. Vorab gab es eine kleine Vorgeschichte ...

Nach dem wunderschönen Debütroman „Marina, Marina“ warte ich schon sehnsüchtig auf das neue Buch „Die sardische Hochzeit“ von Grit Landau, das im Mai erscheinen wird. Vorab gab es eine kleine Vorgeschichte mit dem Titel „Die Verlobte“, die ich voller Neugier verschlungen habe.
Die Autorin überzeugt erneut mit einem wunderbar flüssigen und bildhaften Schreibstil, der es leicht macht, sofort in der Geschichte zu versinken und in die Vergangenheit ins Jahr 1919 zurückzureisen, wo man kurz nach dem ersten Weltkrieg im italienischen Sant’Amato Station macht und Leo Lanteri kennenlernt, der endlich in seine Heimat zurückgekehrt ist. Seine jüngere Schwester Mafalda ist überglücklich, allerdings muss sie schon bald feststellen, wie sehr sich ihr Bruder durch seine Kriegserlebnisse verändert hat. Von dem freundlichen und liebevollen Mann ist nichts mehr übrig geblieben. Seine schroffe, unfreundliche und aggressive Art verletzt nicht nur die Familie, er weist auch jeden zurück, der ihm einmal nahe stand. So ergeht es auch seiner Verlobten Silvia, von der sich Leo abwendet und sie freigibt. Als er mitansehen muss, wie Silvia sich mit dem grobschlächtigen Faschisten Farina verlobt, brennen Leo alle Sicherungen durch. Er verprügelt Farina dermaßen, dass dieser dabei zu Tode kommt. Leo ist in Sant’Amato nicht mehr sicher, so hilft ihm sein Vater in einer Nacht und Nebelaktion bei der Flucht nach Sardinien…
Der kurze Vorgeschmack war schon so spannungsgeladen und emotional, dass man als Leser hofft, endlich weiterlesen zu können. So viele Fragen, was nun aus Leo in Sizilien wird. Ob er dort wirklich sicher ist? Wird er seine Kriegsalpträume überwinden und ein normales Leben führen können. Was wird nun aus Silvia und Mafalda? Werden sie Leo wiedersehen? Die Neugier ist unbändig und kann nur gestillt werden, wenn man das Buch bald in den Händen halten darf. Grit Landau hat mit ihrem ersten Buch keinen Zufallstreffer gelandet, denn auch „Die sardische Hochzeit“ verspricht ein einmaliges Leseerlebnis zu werden.

Veröffentlicht am 07.04.2020

"Das Geheimnis der Eleganz liegt in der Schlichtheit." (Christian Dior)

Merci, Monsieur Dior
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1947 Frankreich. Die Nachkriegszeit hat Frankreich fest im Griff, die Folgen sind überall spürbar, aber so langsam macht sich Hoffnung breit, die Menschen packen an und wünschen sich auch wieder ein wenig ...

1947 Frankreich. Die Nachkriegszeit hat Frankreich fest im Griff, die Folgen sind überall spürbar, aber so langsam macht sich Hoffnung breit, die Menschen packen an und wünschen sich auch wieder ein wenig Leichtigkeit und Luxus in ihrem Leben. Die 21-jährige Célestine will sich vom Korsett der kleinbürgerlichen Provinz befreien sowie ihrer geplanten Zukunft als Ehefrau entfliehen und macht sich von der Normandie auf nach Paris, wo sie fürs Erste bei ihrer Freundin Marie unterschlüpfen kann. Auf der Suche nach einem Job erhält sie die Möglichkeit, sich bei dem Modeschöpfer Christian Dior vorzustellen. Schon bald gewinnt sie Monsieur Diors Vertrauen und ihre Aufgaben werden anspruchsvoller. Der zurückgezogen lebende Couturier entwirft, inspiriert durch Célestine, eine neue Modekollektion, die bald einschlägt wie eine Bombe. Wird auch Célestine Glück und Zufriedenheit in Paris finden, nach der sie sich so gesehnt hat?
Agnés Gabriel hat mit „Merci, Monsieur Dior“ einen wunderbaren unterhaltsamen Roman vorgelegt, dessen Handlung vor historischem Hintergrund den Leser von der ersten Zeile an zu fesseln weiß. Der flüssige gefühlvolle und bildhafte Erzählstil entführt in die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, wo in ganz Europa die Aufbauphase im Gange war, die Menschen sich nach dauerhaftem Frieden, einem Auskommen, genug zu Essen und auch etwas Luxus sehnten nach all den Jahren der Entbehrungen. Gemeinsam mit Célestine darf der Leser in ein Paris reisen, dass trotz all seiner Kriegsblessuren noch immer die Hauptstadt der Mode und der Schönheit ist. Der scheue Couturier Christian Dior, dessen eigenes Modelabel erst 1946 gegründet wurde, stellte seine erste eigene Kollektion im April 1947 vor und begründete den Aufstieg des Modeschöpfers über viele Jahre. Die Autorin versteht es wunderbar, das anstrengende Modegeschäft mit der Erschaffung der Kreationen dem Leser unterhaltsam zu präsentieren und ihm gleichzeitig ein Gefühl für das harte Geschäft der Haute Couture zu vermitteln. Die Verflechtung von historisch belegten Fakten und fiktiver Erzählung ist hier sehr gut gelungen, spiegelt sie doch die damalige Zeit und Stationen aus dem Leben des berühmten Modeschöpfers wieder, während der Einwurf von Célestine als Muse und wichtiger Mensch in Diors Leben zwar erfunden, aber genauso hätte passieren können.
Die Charaktere sind bis ins Detail liebevoll ausgearbeitet und lebendig in Szene gesetzt. Glaubwürdig und sehr real wandeln sie durch die Handlung, die der Leser fasziniert beobachtet und ihnen gerne folgt. Célestine ist für ihr junges Alter eine mutige und starke Frau, die weiß, was sie will. Zudem ist sie eine ausgezeichnete Köchin und zeichnet sich durch Integrität und Warmherzigkeit aus, die ihr schnell so manche Tür öffnet. Christian Dior war Zeit seines Lebens ein zurückhaltender und sehr scheuer Mann, der sich nur wenigen offenbarte. Er ging in seinem Metier völlig auf, in dem er die Verbindung von Mode und Kunst in seinen Entwürfen einzufangen versuchte und die Welt ihn dafür verehrte. Die Nebenprotagonisten wurden ebenfalls gut ausgestaltet und würzen die Geschichte mit ihren Auftritten.
„Merci, Monsieur Dior“ ist ein wunderbarer Ausflug in die Modewelt, um dort dem Genie Christian Dior über die Schulter zu schauen. Gefühlvoll und mit viel Liebe erzählt, schleicht sich die Geschichte schnell ins Herz des Lesers, der gebannt diese Zeitreise antritt und mit einem Seufzer beendet. Absolute Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 05.04.2020

Dramatische Zeiten

Gut Greifenau - Goldsturm
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Die Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs, die Folgen der Misswirtschaft sowie die Hyperinflation sind im ganzen Land zu spüren, auch das Pommersche Gut Greifenau bleibt davon nicht verschont. Rebecca und ...

Die Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs, die Folgen der Misswirtschaft sowie die Hyperinflation sind im ganzen Land zu spüren, auch das Pommersche Gut Greifenau bleibt davon nicht verschont. Rebecca und ihr Ehemann Konstantin haben alle Hände voll zu tun, um sich und ihre Lieben durch diese unsicheren Zeiten zu bringen und stehen immer mit einem Bein am finanziellen Abgrund, was sie mit Julius‘ Hilfe immer wieder kurzfristig durch Landverkäufe abwenden können. Gleichzeitig ist ein Erbe nötig, um das Gut in der Familie zu halten, doch die eigene Verwandtschaft stellt sich als besonders intrigant heraus, will sie dies doch unbedingt verhindern. Währenddessen lebt Katharina mit Julius Urban recht komfortabel, doch Katharina hat ihren Traum von einem Medizinstudium noch nicht aufgegeben, auch wenn sie bald Mutter wird…
Hanna Caspian hat die Gebete ihrer Leserschaft erhört und mit „Goldsturm“ den vierten Band ihrer historischen Gut Greifenau-Reihe vorgelegt, der in punkto Spannung, Drama und Familienintrigen den drei Vorgänger das Wasser reichen kann und den Leser wieder in das vergangene Jahrhundert entführt, der sich sofort wieder gern als alter Bekannter unter die Familie und Dienstboten mischt, um den weiteren Verlauf hautnah mitzuerleben. Es ist geradezu wie ein „Nachhause kommen“, denn die Charaktere sind einem inzwischen ans Herz gewachsen und so teilt man ihre Sorgen und Nöte mit ihnen und verfolgt, wie sie angesichts schwerer Zeiten zurechtkommen. Die Autorin lässt mit ihrem flüssigen, bildhaften und fesselnden Schreibstil wieder wunderbar das Kopfkino des Lesers anspringen, so erlebt er die harten und entbehrungsreichen Zeiten auf dem Gut mit, ist bei so mancher Intrige dabei und sieht die verzweifelten Versuche der Bewohner, diese schwierigen Zeiten irgendwie durchzustehen. Das außerordentliche Geschick der Autorin, ihre fiktiven Geschichte mit sehr guter historischer Hintergrundrecherche zu bereichern, macht den Roman geradezu prädestiniert für Geschichtsstunden, denn die eingebrachten Informationen wie z.B. über die Hyperinflation und deren Folgen sind sehr lehrreich. Der Spannungsbogen ist auch in diesem Roman wieder bis aufs Äußerste gedehnt, der Leser fiebert mit jeder Zeile mit und kann das Buch nicht aus der Hand legen.
Die liebevoll lebendig erschaffenen Charaktere haben einen weiteren Entwicklungssprung hinter sich, bleiben dabei sehr authentisch und glaubwürdig, so fällt es dem Leser nicht schwer, an ihrer Seite zu kleben, um mit ihnen gemeinsam die schwere Zeit mitzuerleben und zu –leiden. Rebecca ist an ihren Aufgaben gewachsen, lässt sich nicht mehr so schnell einschüchtern und gibt auch mal Paroli. Sie bildet mit Konstantin eine Einheit, die sich gerade in schweren Zeiten bewährt. Ihre Stärke, Schicksalsschläge einzustecken, ist bewundernswert. Katharina hat eigentlich ein sorgenloses Leben, denn Julius bietet ihr alles auf einem Silbertablett. Doch ihren größten Wunsch will er nicht unterstützen und bringt ihre Ehe damit in Gefahr. Feodora ist eine Hexe, die sich nur wohlfühlt, wenn sie andere gegeneinander ausspielen kann und reibt sich am Ende die Hände, wenn es geklappt hat. Aber auch Albert, Ida, Frau Schott, Alexander oder Caspar sind unverzichtbar in dieser Geschichte und drücken der Handlung ihren besonderen Stempel auf.
Mit „Goldsturm“ hat Hanna Caspian einmal mehr bewiesen, welches Erzähltalent sie besitzt, um ihre Leser in den Bann zu schlagen. Das besondere dieser Reihe ist nicht nur der historische Hintergrund und die Geschichte an sich, vor allem sind es die lebendigen Protagonisten, die einem ans Herz gewachsen sind und mit denen man das Leben teilt. Wieder einmal perfekt in Szene gesetzt und mit einer absoluten Leseempfehlung ausgestattet! Chapeau – besser geht es nicht!

Veröffentlicht am 04.04.2020

Wie ein Licht in dunkler Nacht

Der Leuchtturm von Hope Harbor
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Seine schönsten Kindheitssommer hat der Militärarzt Ben Garrison bei seinem Großvater Skip in Hope Harbor verbracht und ihn sowohl auf seinem Boot als auch zu Spaziergängen am Leuchtturm begleitet. Nun ...

Seine schönsten Kindheitssommer hat der Militärarzt Ben Garrison bei seinem Großvater Skip in Hope Harbor verbracht und ihn sowohl auf seinem Boot als auch zu Spaziergängen am Leuchtturm begleitet. Nun ist Skip tot und Ben kehrt nach langer Zeit in den kleinen Küstenort zurück, um den Nachlass zu regeln. Dazu gehört zu Bens großer Überraschung auch der Leuchtturm, den Skip vor einigen Jahren von der Stadt gekauft hat. Ben, der dem Militärdienst den Rücken gekehrt hat, will alles so schnell wie möglich abwickeln und verkaufen, um sich dann auf den Weg nach Ohio zu machen, wo er die Aussicht auf eine Partnerschaft in einer Arztpraxis hat. Die Begegnung mit Marci Weber, der Eigentümerin der lokalen Zeitung, hat er allerdings nicht eingeplant. Als Marci hört, dass der Leuchtturm verkauft und womöglich einem Gebäudekomplex weichen soll, setzt sie alles daran, dies zu verhindern. Ob sie Ben von ihren Plänen überzeugen kann?
Irene Hannon hat mit „Der Leuchtturm von Hope Harbor“ einen weiteren wunderschönen Episodenroman über das kleine fiktive Küstenstädtchen Hope Harbour vorgelegt, dass für Kenner inzwischen ein Sinnbild für gefühlvolle Begegnungen, romantische Liebesgeschichten und aktuelle Themen geworden ist. Der flüssige, bildhafte, einfühlsame und fesselnde Schreibstil lässt den Leser schnell gedanklich ins malerische Hope Harbor reisen und sich unter die bereits liebgewonnenen Küstenbewohner mischen darf, während er neben Ben und Marci auch Gregg und Rachel näher kennenlernt. Neben der wunderschön gezeichneten Landschaft erlebt der Leser ein Wechselbad der Gefühle teils begleitet von kriminalistischen Spannungselementen, aber auch von alltäglichen Sorgen, alten Erinnerungen, belastende Dinge aus der Vergangenheit sowie die Neuausrichtung des Lebens aufgrund von gravierenden Veränderungen. Themen wie Stalking oder Invalidität finden hier ebenso ihren Raum wie auch unterdrückte Gefühle, Aussprachen oder das Gemeinschaftsprojekt „Rettet den Leuchtturm“, das für einige der Beginn eines neuen Lebens bedeutet. Die Autorin versteht es meisterhaft, all dieses wunderbar miteinander zu verknüpfen und währenddessen auch die christliche Botschaft der Nächstenliebe, des Vertrauens und Verzeihens miteinzubinden.
Die Charaktere sind so liebevoll gestrickt und mit Leben versehen, dass der Leser sich in ihrer Mitte wie unter alten Freunden fühlt, gespannt ihre Wege verfolgt und er mit ihnen fiebert. Ben ist ein sehr einfühlsamer und feinfühliger Mann, der mit dem Arztberuf genau die richtige Wahl getroffen hat. In seiner Vergangenheit hat er einige unschöne Erfahrungen machen müssen, doch lässt er sich davon nicht unterkriegen. Ben strahlt Ruhe, Kompetenz und Hilfsbereitschaft aus. Marci ist ein Temperamentsbolzen, die ihr Herz auf der Zunge trägt. Sie ist nicht die Geduldigste und schießt schnell mal über das Ziel hinaus. Aber sie ist eine freundliche und offene Frau, die andere gern unterstützt. Gregg ist seit einem Kriegseinsatz verletzt und lässt sich seitdem gehen, was seiner noch jungen Ehe mit Rachel gar nicht bekommt. Rachel ist eine fleißige und intelligente Frau, die ihren Ehemann nicht verlieren möchte und ihm ein Ultimatum stellt. Taco-Koch Charley ist wieder einmal die Schlüsselfigur, mit seiner besonnenen Art gibt er so manche Weisheit von sich, die anderen die Augen öffnen. Aber auch das Möwenpärchen Floyd und Gladys sorgt für einige Schmunzler, denn ihr Auftritt verblüfft immer wieder aufs Neue.
„Der Leuchtturm von Hope Harbor“ ist ein wunderschöner und tiefgründiger Roman, den man, einmal begonnen, nicht mehr aus der Hand legen kann. Mit hinreißendem Gespür für Charaktere und Geschichten lässt die Autorin den Leser an der Handlung teilhaben und zaubert ihm am Ende ein Gefühl von Zufriedenheit und Wohlgefühl ins Gesicht. Einfach wunderbar und sehr empfehlenswert!