Profilbild von Karin1910

Karin1910

Lesejury Star
offline

Karin1910 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Karin1910 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.10.2020

Fast so interessant wie eine echte Zeitreise

Handbuch für Zeitreisende
0

Nach Lektüre dieses Buches finde ich es wirklich schade, dass Zeitreisen (noch?) nicht möglich sind. Der passende Reiseführer wäre immerhin bereits geschrieben und dieser animiert zu unterhaltsamen Gedankenspielen ...

Nach Lektüre dieses Buches finde ich es wirklich schade, dass Zeitreisen (noch?) nicht möglich sind. Der passende Reiseführer wäre immerhin bereits geschrieben und dieser animiert zu unterhaltsamen Gedankenspielen im Sinne eines „Was wäre wenn…“.
Er enthält Hinweise zu beliebten Reisezielen, erwähnt aber auch interessante Ziele abseits der üblichen Pfade, gibt allerlei nützliche Tipps zu Themen wie Hygiene, Ernährung oder passendem Benehmen und verhehlt auch Risiken und potentielle Gefahren nicht.
So erfährt man hier beispielsweise, warum Granada zwischen 1350 und 1450 eine Reise wert ist, wann die beste Gelegenheit ist, bedeutende Wissenschaftler persönlich kennen zu lernen oder auch, was man beachten muss, wenn man den Menschen der Vergangenheit die Segnungen der Gegenwart nahebringen möchte.
Dabei haben sich die Autoren wirklich die Mühe gemacht, ein in sich konsistentes Szenario über die Funktionsweise von Zeitmaschinen zu entwerfen.
Auch ihre Beschreibung der Vergangenheit wirkt realistisch und wissenschaftlich fundiert – ohne die Schönfärberei vieler Romane, sondern mit teilweise detaillierten Beschreibungen von Gewalt, Krankheiten, aber auch dem Risiko, dass die Reise langweiliger werden könnte als erwartet.
Für meinen Geschmack war da sogar schon manchmal ein bisschen zu viel Realismus. Und auch ein bisschen zu viele Ermahnungen im Stil von „Was Sie in der Gegenwart nicht tun würden, sollten sie auch in der Vergangenheit nicht tun“.
Das Buch ist aber jedenfalls voll mit spannenden Informationen und Überlegungen – manche hätten vielleicht noch ausführlicher sein können - und weist auch auf Dinge hin, über die man im Zusammenhang mit früheren Lebenswelten selten nachdenkt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 11.10.2020

Ein Jahr im Innviertel

Alles Gute vom Onkel Franz
0

Ähnlich wie in „Der Onkel Franz oder die Typologie des Innviertlers“ hat Klaus Ranzenberger auch hier wieder eine Reihe von Geschichten und Anekdoten versammelt, die im Innviertel spielen und als deren ...

Ähnlich wie in „Der Onkel Franz oder die Typologie des Innviertlers“ hat Klaus Ranzenberger auch hier wieder eine Reihe von Geschichten und Anekdoten versammelt, die im Innviertel spielen und als deren Protagonist häufig der „Onkel Franz“ – das Innviertler Pendant zur Tante Jolesch – auftritt.
Diesmal sind sie passend zum Jahresverlauf angeordnet und erzählen beispielsweise von einem amüsanten Zusammentreffen am 1. Jänner, den Tücken eines Wellness-Urlaubs, einem Stammtischausflug zum Oktoberfest, einer politisch korrekten Nikolofeier oder einen verunglückten Verkupplungsversuch zu Silvester.
Obwohl manche der beschriebenen Ereignisse sich auch an einem beliebigen anderen Ort hätten zutragen können, ist doch viel Lokalkolorit zu spüren, insbesondere in der direkten Rede oder wenn die Vielfalt sprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten ausgelotet wird.
Auch finden sich immer wieder heitere Einblicke in die Psychologie des Innviertlers – bzw der Menschen generell.
So bietet dieses Buch eine unterhaltsame Lektüre, die auch dazu anregt, über eigene ähnliche Erlebnisse nachzudenken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 11.10.2020

Packender Roman über eine schillernde Königin und einen Schreiber mit Geheimnissen

Das Buch der Königin
0

Dieser Roman beleuchtet das Schicksal einer interessanten Persönlichkeit des Mittelalters: Konstanze von Sizilien ist heute, wenn überhaupt, nur als Mutter des bedeutenden Staufer-Kaisers Friedrich II ...

Dieser Roman beleuchtet das Schicksal einer interessanten Persönlichkeit des Mittelalters: Konstanze von Sizilien ist heute, wenn überhaupt, nur als Mutter des bedeutenden Staufer-Kaisers Friedrich II bekannt. Doch auch ihr eigenes Leben nahm einen aufsehenerregenden Verlauf:
Nach einer behüteten Kindheit im Palermo, damals ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen, wird sie bald mit den Schattenseiten der Macht konfrontiert. Als klar wird, dass sie die letzte Erbin des normannischen Geschlechts der Hauteville ist, entschließt sie sich im Jahr 1186 mit über 30 Jahren doch noch zu einer Heirat, und zwar mit König Heinrich, dem Sohn des großen Kaisers Friedrich Barbarossa.
Die sizilianische Krone und einen Erben – das ist alles, was ihr Ehemann von ihr will. Vor allem mit letzterem hapert es aber und auch sonst verschlechtert sich das Verhältnis zwischen den beiden immer mehr.
Parallel dazu wird die Geschichte des fiktiven Gottfried von Streitberg erzählt. Nach dramatischen Ereignissen, deretwegen er als Mörder gesucht wird, muss er gemeinsam mit seiner Schwester aus seiner Heimat fliehen. Er erweist sich als begabter Schreiber und Buchmaler und landet schließlich an Heinrichs Hof, wo er auch Konstanze kennenlernt und sich daranmacht, ein ganz außergewöhnliches Werk zu verfassen.

Romane über reale historische Personen sind natürlich immer schwierig und es ist wohl kaum möglich, deren wahren Charakter richtig zu erfassen, erst recht, wenn sie wie hier Gegenstand diverser Propaganda waren. Ich habe aber jedenfalls den Eindruck, dass die Autorin gründlich recherchiert hat. Außerdem runden weiterführende Literaturhinweise die Darstellung ab.
Die Handlung wird in einem eher schlichten, jedoch mitreißenden Stil erzählt, mit kurzen Kapiteln und häufigen Schauplatzwechseln. Etwas eigenartig ist lediglich, dass es sowohl Passagen gibt, die von Konstanze in Ich-Form geschildert werden, als auch solche, die aus ihrer Sicht in der dritten Person geschrieben sind.
Nichtsdestotrotz konnte ich mich gut in die verschiedenen Protagonisten hineinversetzen, und es ist schön, sie bei ihren Abenteuern zu begleiten. Es findet nur bisweilen etwas zu viel Schwarz-Weiß-Malerei statt.
Außerdem ist es insbesondere im Handlungsstrang um Gottfried unrealistisch, wie gut sich immer wieder alles fügt und wie leicht einige Probleme gelöst sind, und es gibt auch ein paar Ungereimtheiten bzw fallen Themen mit Konfliktpotential irgendwann einfach „unter den Tisch“.

Dadurch wird der positive Gesamteindruck aber kaum beeinträchtigt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.08.2020

Ermittlungen im Umfeld der Festspiele

Jedermannfluch
0

Auch der achte Teil dieser Regionalkrimi-Reihe ist im wunderschönen Salzburg angesiedelt. Martin Merana und Co haben einmal mehr im Umfeld eines bedeutenden Kulturbetriebes zu ermitteln. Diesmal ist das ...

Auch der achte Teil dieser Regionalkrimi-Reihe ist im wunderschönen Salzburg angesiedelt. Martin Merana und Co haben einmal mehr im Umfeld eines bedeutenden Kulturbetriebes zu ermitteln. Diesmal ist das Ensemble der weltberühmten Jedermann-Aufführung von dramatischen Todesfällen betroffen.
Isolde Laudess, deren Schwester als Buhlschaft brilliert, die selbst aber nur eine kleine Rolle in dem Stück ergattert hat, stirbt unter seltsamen Umständen. Bald wird klar, dass es sich um einen Mord handelt. Sie galt als schwierige Persönlichkeit mit wenig Talent. Ist der Täter im Kollegenkreis zu suchen? Oder hängt der Fall mit einem illegalen Autorennen vor vier Monaten zusammen? Die Kriminalpolizei ermittelt in verschiedene Richtungen.

Wie gewohnt gehen Merana und seine Kollegen den Fall mit klassischen Methoden der Kriminalistik an, durch Befragungen im Umfeld der Opfer und Sich-Einfühlen in die Szenerie. Großartige Technik oder wilde Action-Szenen sucht man hier vergeblich.
Martin Merana tritt diesmal nur in seiner Eigenschaft als Ermittler in Erscheinung, sein Privatleben spielt anders als bei manchen Vorgängern keine Rolle.
Etwas schade fand ich, dass seine Kollegin Carola Salman nur ein paar Kurzauftritte hat. (Wenn es sich hier um eine Fernsehserie handelte, würde ich mutmaßen, dass die Schauspielerin rausgeschrieben werden soll. Bei einer Buchreihe wohl keine sinnvolle Erklärung.)
Die sommerliche Festspiel-Stadt Salzburg stellt aufs Neue eine eindrucksvolle Kulisse für eine interessante Geschichte dar. Sie wird vom Autor auch leidenschaftlich und farbenfroh beschrieben. (Dass manches nicht zur derzeitigen „neuen Corona-Normalität“ passt, konnte er beim Schreiben natürlich noch nicht ahnen.)
Jedoch gab es teilweise schon fast etwas zu viel Kulisse. Bei der Beschreibung des Ambientes geraten die eigentlichen Ermittlungen gelegentlich aus dem Fokus.
Nichtsdestotrotz wird einige Spannung aufgebaut und man kann beim Lesen auch gut selbst mitraten und Zusammenhänge herstellen. Die Auflösung konnte mich allerdings nicht ganz überzeugen.

Alles in allem dennoch ein gut geschriebener und unterhaltsamer Krimi. Ich freue mich schon auf den nächsten Band!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.08.2020

Unterhaltsam, aber zu kurz

Ein Inselreich
0

Chefinspektor Eberhard Graf staunt nicht schlecht, als sein Vorgesetzter ihn auf eine Dienstreise in die Südsee schickt. In der Nähe Kiribatis soll sich ein Land namens Neu-Österreich befinden, dessen ...

Chefinspektor Eberhard Graf staunt nicht schlecht, als sein Vorgesetzter ihn auf eine Dienstreise in die Südsee schickt. In der Nähe Kiribatis soll sich ein Land namens Neu-Österreich befinden, dessen Hauptmann um Amtshilfe bei der Wiener Gendarmerie ersucht hat.
Noch größer ist Grafs Erstaunen, als sich der vermeintliche Scherz als wahr herausstellt. Er landet tatsächlich auf einer Insel, die seit 150 Jahren eine österreichische Kolonie beherbergt, gegründet von verschollen geglaubten Mitgliedern einer Expedition im 19. Jahrhundert und auch im Jahr 2016 immer noch eine Art Donaumonarchie in Miniaturausgabe – einschließlich Nationalitätenkonflikten, Doppeladler und Bildern von Kaiser Franz-Josef an der Wand. Dort muss er nicht nur einen Mord aufklären, sondern sich zunächst einmal mit den seltsamen örtlichen Gegebenheiten vertraut machen.

Die Grundidee dieses Romans gefällt mir sehr gut. Er ist wirklich originell und mal was ganz anderes als der Einheitsbrei, den der Buchhandel sonst oft zu bieten hat.
Die Geschichte wird zwar eher sachlich erzählt, dennoch blitzt immer wieder einiger Humor auf. Sei es bei der Beschreibung der Behördenarbeit in Wien oder der Charakterisierung der diversen Stämme auf der Insel. Natürlich werden bei all dem zahlreiche Klischees bedient. Dass vieles unrealistisch wirkt, war ebenfalls zu erwarten und schmälert den Unterhaltungswert kaum.

Allerdings ist das Buch mit nur 150 Seiten ziemlich kurz, weshalb die Beschreibungen sehr an der Oberfläche bleiben und viele interessante Ansätze nicht näher ausgeführt werden.
Auch kommt keine echte Spannung auf. Es ist leicht vorhersehbar, wer der Täter ist. Vor allem das Ende hat mich nicht überzeugt, hier wird vieles zu schnell abgehandelt.
Alles in allem dennoch eine amüsante Lektüre. Ich würde von dem Autor gern mehr lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere