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Veröffentlicht am 10.10.2020

Traurig und fröhlich, liebevoll und brutal

Der Halbbart
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Das Buch „Der Halbbart“ von Charles Lewinsky, erschienen bei Diogenes, beginnt im Jahr 1313 in einem kleinen Dorf in der Talschaft Schwyz. Die Titelfigur, der Halbbart, ist ein Eigenbrötler, ein sonderbarer ...

Das Buch „Der Halbbart“ von Charles Lewinsky, erschienen bei Diogenes, beginnt im Jahr 1313 in einem kleinen Dorf in der Talschaft Schwyz. Die Titelfigur, der Halbbart, ist ein Eigenbrötler, ein sonderbarer Fremder, der sich abseits des Dorfes einen Unterstand gebaut hat, seinen Lebensraum. Dort trifft ihn der Sebi, ein Junge, der mit seinen beiden älteren Brüdern im Dorf wohnt.

Das Cover zeigt einen Ausschnitt aus dem Bild „Die Kindheit“ von Ferdinand Hodler. Zu sehen ist ein kleiner Junge, der so aussieht, wie ich mir den Sebi vorstelle.

Der Sebi hört dem Halbbart gerne zu, ist sehr wissbegierig und liebt Geschichten. Der Halbbart erzählt nicht viel aus seinem eigenen Leben, doch es ist spürbar, dass er Schlimmes erlebt haben muss.

Der Einstieg ins Buch ist mir nicht ganz leichtgefallen, weil ich mich in einer ganz anderen Welt wiederfand. Der Autor hat mich nämlich direkt mitgenommen in ein fremdes Land und eine Zeit vor 700 Jahren. Der außergewöhnliche Schreibstil unter Verwendung vieler Helvetismen forderte zu Beginn hohe Konzentration beim Lesen, hatte aber bald einen ganz besonderen Charme. Lewinsky lässt den Sebi erzählen von seinen Erlebnissen – als Totengräber, im Kloster, vom Soldatenleben und von seiner großen Leidenschaft, Geschichten nicht nur zu hören, sondern auch selbst welche zu erfinden und zu erzählen. So wird dieses Buch mit seinen vielen kleinen Geschichten ganz großartig zu einer ganz großen Geschichte zusammengefasst. Dabei bringen nicht nur die historischen Ereignisse der damaligen Zeit, wie zum Beispiel der Marchenstreit, Spannung, sondern auch der Glaube an fremde Mächte, Teufel und Engel findet Raum und sorgt in so mancher Situation für Gänsehaut. Doch das Buch ist bei weitem nicht finster, sondern es bringt mich durch Sebis liebevolle Art immer wieder zum Lachen und bietet vor allem durch seine kleine Perpetua ganz besondere emotionale Momente.

Jedes der fast gleichmäßig langen Kapitel trägt eine Überschrift, die wie eine kleine Zusammenfassung zu lesen ist.

Für mich war „Der Halbbart“ mit seinen vielen ganz unterschiedlichen Charakteren ein ganz besonderes Leseerlebnis und ein großes Vergnügen. Von Herzen gern gebe ich meine Empfehlung für das Buch – das übrigens über viele, viele wunderbare Zitate verfügt, wie dieses Beispiel zeigt:

„Geschichten ausdenken ist wie lügen, aber auf eine schöne Art.“

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Veröffentlicht am 10.10.2020

Himmel und Hölle

Rache, auf ewig (Ein Grall-und-Wyler-Thriller 3)
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Jan Grall und Rabea Wyler arbeiten als Profiler. Sie betreiben eine Agentur für private Fallanalyse und werden als Berater vom BKA hinzugezogen, nachdem ein Mann von spitzen Bambussprossen, die ...

Jan Grall und Rabea Wyler arbeiten als Profiler. Sie betreiben eine Agentur für private Fallanalyse und werden als Berater vom BKA hinzugezogen, nachdem ein Mann von spitzen Bambussprossen, die langsam durch seinen Körper gewachsen sind, zu Tode gekommen ist. Der grausame Mord wurde von einem Täter begangen, der sich „Erlöser“ nennt. Und dieser Mordfall scheint erst der Beginn seiner Rache zu sein.
„Rache, auf ewig“ ist nach „Der Alphabethmörder“ und „Rapunzel, mein“ bereits der dritte Thriller von Lars Schütz, in dem ich die Profiler Jan Grall und Rabea Wyler bei ihren Ermittlungen jedesmal begleitet habe. Genau wie in den beiden ersten Fällen hat mich der absolut fesselnde, aber dennoch leicht verständliche Schreibstil von Lars Schütz gepackt und bis zum Schluss nicht losgelassen.
Auf dem roten Cover ist eine große geöffnete Sicherheitsnadel zu sehen, die hier scheinbar durch den Titel „Rache, auf ewig“ gestochen wurde und an den Stichstellen rote Flecken erkennen lässt. Bekomme ich bei dem Anblick bereits eine Gänsehaut, ist das lächerlich gegen die Beschreibung in der Geschichte, in der die Sicherheitsnadel zum Einsatz kommt. Immer wieder gibt es Momente, in denen mir der Atem stockt – manchmal wegen der Grausamkeit und Brutalität, mit der der Mörder vorgeht, manchmal aber auch wegen der Gefahren, in die sich Jan und Rabea in verschiedenen Situationen begeben.
Es war an keiner Stelle vorhersehbar, um wen es sich bei dem Täter handeln könnte. So blieb der Spannungsbogen bis zum Schluss zum Zerreißen gespannt.
Als treuer Lars-Schütz-Fan gebe ich gern eine schaurig-schöne Empfehlung für das Buch. Ich freue mich auf mehr!

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Veröffentlicht am 05.10.2020

Einfach, aber kraftvoll beten

Kraftvoll beten
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„Unserem Vater im Himmel machen unsere gekritzelten Worte und verschnörkelten Gedanken keine Probleme…“

Das Beten gehört zu meinem Leben wie das Essen und Trinken. Darum hat mich das Buch „kraftvoll ...

„Unserem Vater im Himmel machen unsere gekritzelten Worte und verschnörkelten Gedanken keine Probleme…“

Das Beten gehört zu meinem Leben wie das Essen und Trinken. Darum hat mich das Buch „kraftvoll beten“ von Pete Greig, erschienen im Asaph Verlag, neugierig gemacht.

In der Buchbeschreibung heißt es, dass der Autor anhand des Vaterunsers einen Überblick über die wesentlichen Aspekte des Betens gibt und dass er sich intensiv mit der Frage nach nicht erhörtem Gebet beschäftigt.

Nick Gumbel kündigt in seinem Vorwort an, dass es mit diesem Buch endlich einen einfachen Gebets-Leitfaden für normale Leute gibt. Nachdem ich mich dem Buch gewidmet habe, kann ich das nur bestätigen. Pete Greig ist es gelungen, mich mit seiner leichten Schreibweise, vielen interessanten Informationen und Erklärungen und vor allem mit beispielhaften Geschichten zu begeistern. Großartig sind auch die Beiträge bekannter Persönlichkeiten unter der Überschrift „Gebets-Vorbilder“.

Mich hat zum Beispiel die Geschichte unter der Überschrift „Wo ist dein Stuhl?“, in der es um einen Schaukelstuhl als einem „lichten Ort“ geht, überzeugt, dass ich auch einen solchen Platz haben möchte, den ich inzwischen für mich gefunden habe, und merke: Eine Verabredung mit Gott an einem festen Platz und zu einer festen Zeit bringt mich ihm ganz nah.

Ich denke, das Buch wird mich noch lange begleiten. Ich kann es nicht einfach nur einmal durchlesen, sondern es enthält so viele Themen, mit denen ich mich beschäftigen möchte, dass es wohl immer wieder Neues für mich bereithält.

Wer darüber hinaus noch mehr erfahren möchte, erhält zwischendurch Hinweise auf weiterführende Literatur. Am Ende des Buches findet sich eine übersichtliche Auflistung der Quellenangaben.

Ich bin begeistert und empfehle das Buch sehr gern weiter.

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Veröffentlicht am 05.10.2020

Leben und Lieben im Land des Windes und der Elfen

Das Wörterbuch des Windes
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„Wir leiden alle an unseren Verlusten, an falschen Entscheidungen und unserer eigenen Dummheit, und oft genug auch an unserem Stolz.“

Eigentlich sollte die Reise nach Island eine Chance sein, ...

„Wir leiden alle an unseren Verlusten, an falschen Entscheidungen und unserer eigenen Dummheit, und oft genug auch an unserem Stolz.“

Eigentlich sollte die Reise nach Island eine Chance sein, die Ehe von Swea und ihrem Mann zu retten. Doch schon bald wird Swea klar, dass zu viele Lügengeschichten einen Neuanfang unmöglich machen. Hals über Kopf trennt sie sich.
Der Zufall führt sie zu einem Haus am Meer. Dort wohnt Einar, den ich kennenlerne als einen brummigen älteren Mann, der am liebsten allein ist. Trotzdem bietet er Swea an, eine Zeitlang in seinem Haus zu wohnen. Auch Jon Arnason wohnt seit einigen Jahren hier – in einem Nebenhaus, sehr zurückgezogen, man hört und sieht ihn kaum.
Schon bald bekomme ich das Gefühl, dass Einar Geheimnisse hat, was sein früheres Leben angeht. Auch Jon scheint etwas aus seiner Vergangenheit zu verbergen. Das einzige, was die drei unterschiedlichen Menschen miteinander verbindet, ist das am Bein verletzte Pferd Houdini, das Einar gekauft und mitgenommen hat. Und ganz langsam ist spürbar, dass Einar die Gesellschaft Sweas unendlich genießt.
Es ist eine abenteuerliche Zeit, in die Nina Blazon ihre Leser entführt nach Reykjavik auf Island. Der fesselnde Schreibstil, geheimnisvoll und sagenumwoben, lässt mich beim Lesen meine Umwelt vergessen und nimmt mich mit ins Land der Mythen und Legenden. Da fällt es auch nicht schwer, an Elfen zu glauben und selbst den Duft der Elfenkekse in der Nase zu spüren. Es macht so viel Spaß dabei zu sein, wie Swea Freundschaften schließt und dabei entdeckt, wie schön es sein kann, ein ganz anderes, ein viel einfacheres Leben lieben zu lernen.
Ich mag die vielen Gedanken und Träume, die durch eine andere Schriftart sehr leicht zu erkennen sind. Wunderbar, sehr bildhaft sind Landschaft und Natur beschrieben, die man bei Spaziergängen und Wanderungen kennenlernen kann.
Ich bin restlos begeistert von dieser wunderbaren Geschichte, die unendlich viele wärmende Zitate bereithält. Zwei davon möchte ich noch nennen, weil sie so viel über die Menschen und das Land aussagen:
„…funktioniert das soziale Leben wie ein Strickmuster: Alle verstehen sich als große Gemeinschaft, alles ist miteinander verwoben.“
„Geh immer mit dem Wind. Höre auf seine Stimme und lerne von ihm, statt zu kämpfen. Denn es kostet dich mehr Kraft als ihn.“
Ein großartiges Buch, das ich von Herzen gern meine Empfehlung gebe.


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Veröffentlicht am 28.09.2020

Tragische Familiengeschichte

Tage mit Ida
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„Wir wissen doch manchmal selber nicht, wer wir sind. Wie sollen wir dann wissen, wer unsere Liebsten sind?“



Das Mädchen oder die junge Frau auf dem Titelbild, von der nur der geflochtene dicke Zopf ...

„Wir wissen doch manchmal selber nicht, wer wir sind. Wie sollen wir dann wissen, wer unsere Liebsten sind?“



Das Mädchen oder die junge Frau auf dem Titelbild, von der nur der geflochtene dicke Zopf mit den eingebundenen Schneeglöckchen zu sehen ist, hat meine Neugier auf das Buch geweckt. „Tage mit Ida“ von Hiltrud Baier ist erschienen im Verlag Krüger und erzählt eine wunderbar einfühlsame Geschichte über drei Frauen.

Als sich Susanne und Ida im Jahr 1999 über den Weg laufen, kennen sie sich noch nicht. Aber sie scheinen wie mit einem unsichtbaren Band verbunden zu sein. Sie treffen sich wieder. Bei dieser Begegnung erfährt Susanne, dass Ida die Schwester ihrer Mutter Christel ist. Susanne kann es nicht glauben, denn ihre Mutter hat nie von einer Schwester gesprochen. Warum nicht? Wenn sie es von ihrer Mutter nicht mehr erfahren kann, wird Ida ihre Frage beantworten?

Das Buch spielt in zwei Zeitebenen und geht dabei zurück bis in das Jahr 1927. Mir gefallen nicht nur die kurzen Episoden mit den Wechseln zwischen Zeit und Ort außerordentlich gut, sondern auch die Selbstverständlichkeit, mit der es der Autorin gelingt, mich als Leserin mit hineinzunehmen in die Geschichte, in der Susanne und Ida versuchen, Licht in das Dunkel ihrer Familiengeheimnisse zu bringen.

Für mich waren es großartige Tage mit Ida, die viel zu schnell zu Ende gegangen sind. Der außergewöhnliche Schreibstil, die spannende und emotionsgeladene Handlung und die vielen überraschenden Momente, die nicht immer nur schön waren, sondern manchmal den Atem stocken ließen, haben mir ganz besonders wertvolle Lesestunden bereitet. Dabei sind mir die Protagonisten so sehr ans Herz gewachsen, dass ich von einer Fortsetzung der Geschichte – hinein in die Gegenwart – träume. Sehr gern gebe ich meine Leseempfehlung für dieses besondere Buch.

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