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Veröffentlicht am 08.09.2021

Schwierige Wege bringen dich an schöne Orte

Lucy und das Wesen der Dinge
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Nachdem Lucy drei Jahre in einem Museum als Archäologin gearbeitet hat, wird ihr eines Tages ganz urplötzlich gekündigt. Zwar war es nicht der erhoffte Traumjob gewesen, aber nun ist sie arbeitslos und ...

Nachdem Lucy drei Jahre in einem Museum als Archäologin gearbeitet hat, wird ihr eines Tages ganz urplötzlich gekündigt. Zwar war es nicht der erhoffte Traumjob gewesen, aber nun ist sie arbeitslos und die schlechten Neuigkeiten hören an diesem Tag noch lange nicht auf. Kaum ist sie zu Hause angekommen, findet sie eine Sprachnachricht auf ihrem Anrufbeantworter, dass ihr Vater gestorben ist, den sie das letzte Mal vor 16 Jahren gesehen und seit dieser Zeit in Spanien gelebt hat. Ohne lange zu überlegen, bricht Lucy nach Spanien, um auf die Suche nach sich selbst zu gehen.

Als ich gelesen habe, dass es sich bei diesem Buch um einen spirituellen Roman handelt, war ich ziemlich neugierig, was mich erwarten wird, denn ich konnte mir zunächst nichts darunter vorstellen. Nachdem ich dieses Buch nun gelesen habe, muss ich sagen, dass ich die Mischung aus Roadtrip und Lucys Suche nach sich selbst sehr gelungen finde. Während Lucy versucht herauszufinden, was wirklich wichtig im Leben ist, lernt sie den Hotelbesitzer Aramis kennen, der ihr dabei hilft, ihre Sichtweise auf bestimmte Dinge zu verändern. Er wirkt wie ein spiritueller Meister, der schon einiges im Leben durchgemacht hat und nun seine Weisheiten an die jüngere Generation abgeben kann.

Dabei waren mir einige Tipps von Aramis schon durchaus bekannt wie z.B. die Umwandlung von negativen Glaubenssätzen, um negative Blockaden zu lösen. Dies empfand ich allerdings nicht als schlimm, denn es war auch interessant zu erfahren, wie Lucy diesen Tipp in ihrem Kontext anwenden kann.

Darüber hinaus bietet das Buch am Anfang jeden Kapitels eine Botschaft, die sich mehr oder weniger auf das nachfolgende Kapitel bezieht und wunderschöne Illustrationen, die man gerne auch mal länger betrachtet. Sowieso ist die Aufmachung des Buches sehr hochwertig gestaltet.

Allerdings ist das Buch wahrscheinlich nicht für jeden das Passende, denn man muss sich bewusst auf dieses Buch einlassen. Es ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und einem die Möglichkeit bietet, vom Alltag zu entschleunigen, indem man einfach mal einen Schritt zurückgeht und das Buch genießt. Das Buch bietet wenig Action, aber dafür umso mehr Anregungen für das eigene Leben. Für mich hat das Buch funktioniert, da ich Lucy einfach sehr sympathisch fand und ich neugierig war, wie sie nun ihr weiteres Leben gestalten wird. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es mit Lucy weitergehen wird, denn sie ist noch nicht am Ende ihrer Reise angekommen!

Aus diesem Grund kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der einfach mal vom stressigen Alltag entschleunigen und Lucy dabei begleiten will, auf die Suche nach sich selbst zu gehen.

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Veröffentlicht am 03.09.2021

Man sollte immer darauf achten, was man der Öffentlichkeit preisgibt..

Eskalation
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Die Nageldesignerin Dina Martins betreibt mit ihren beiden Freundinnen Linda und Alexa ein kleines Nagelstudio. Als sie eines abends auf einer einsamen Landstraße mit ihrem Firmenauto unterwegs ist, bekommt ...

Die Nageldesignerin Dina Martins betreibt mit ihren beiden Freundinnen Linda und Alexa ein kleines Nagelstudio. Als sie eines abends auf einer einsamen Landstraße mit ihrem Firmenauto unterwegs ist, bekommt sie plötzlich einen unheimlichen Anruf. Der Autofahrer hinter ihr erteilt ihr genaue Anweisungen, wie sie sich nun zu verhalten hat, wenn ihr kein Unheil geschehen soll. Was Dina am Anfang noch als einen harmlosen Streich abtut, verwandelt sich in einen einzigen Albtraum, als dieser Autofahrer vor ihren Augen einen Polizisten erschießt..

Schon im Vorfeld hat mich das Buch sehr neugierig gemacht, obwohl ich Thriller eigentlich weniger zu meinen bevorzugten Genres zähle. Doch, nachdem ich den Klappentext gelesen habe, wollte ich unbedingt wissen, was es mit diesem mysteriösen Autofahrer auf sich hat, der des nachts Frauen auf einsamen Landstraßen auflauert und sie bedroht. Fast gleichzeitig hatte ich auch eine gewisse Gänsehaut bekommen, denn die Situation, in der sich Dina am Anfang des Buches befindet, kennt man ja nur zu gut.

Gerade diese ungute Atmosphäre, die mir eine Gänsehaut verursacht hat, fand ich einfach großartig, denn es bleibt bis zum Ende spannend, wer sich hinter diesem mysteriösen Autofahrer verbirgt. Immer wieder tauchen auf Seiten der Presse oder der Polizei neue Erkenntnisse auf, die mir die Haare zu Berge gestellt haben, weil ich die Entwicklungen so nicht habe kommen sehen. Auch die Auflösung am Ende fand ich überraschend, aber tut der Spannung keinen Abbruch.

Zudem musste ich regelrecht mit Dina Martin und ihren Freundinnen mitfiebern, da man während der eigentlichen Handlung immer mal wieder einen Einblick in ihren Alltag erhält und sie so einem ans Herz wachsen. Jede von ihnen hat mit ihren eigenen alltäglichen Problemen zu kämpfen sei es, dass sie Opfer häuslicher Gewalt wurden, ihr Ehemann sie mit einer anderen betrügt oder sie nicht mehr das Nagelstudio über Wasser halten können. Vor diesem Hintergrund wirkt es regelrecht unfair, dass sie ausgerechnet die Ziele eines wahnsinnigen Mörders werden. Vor allem hat mir Linda sehr gut gefallen, da sie später eine tragende Rolle in der Geschichte einnimmt und man merkt, wie mutig und klug sie ist.

Ebenso hat es mir sehr gut gefallen, dass die Kapitel sehr kurz gehalten (manchmal nur 2-3 Seiten pro Kapitel) und die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven geschildert wurde: der Presse, der Polizei, des mysteriösen Autofahrers, Dina, Dinas Ehemann, Linda und Alexa. Am Anfang wirken die schnellen Perspektivwechsel noch etwas verwirrend, aber mit der Zeit fliegt man nur noch durch die Seiten.

Aus diesem Grund kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der einen spannenden Thriller sucht, der ein so realistisches Szenario thematisiert, dass man eine regelrechte Gänsehaut bekommt.

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Veröffentlicht am 11.06.2021

Gewissenszwang ist die schlimmste Form der Unterdrückung

Die Töchter des Nordens
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Schwester hält es keinen Tag länger in ihrem bisherigen Leben aus. Die Welt, die sie früher gekannt hat, gibt es nicht mehr. England steht am Abgrund, die Zentralregierung ist zerfallen und die Menschen ...

Schwester hält es keinen Tag länger in ihrem bisherigen Leben aus. Die Welt, die sie früher gekannt hat, gibt es nicht mehr. England steht am Abgrund, die Zentralregierung ist zerfallen und die Menschen organisieren sich in einzelnen Siedlungen, um ums Überleben zu kämpfen. Nahrung gibt es nur noch in Dosen und wird stark rationiert. Jeder muss einer Arbeit nachgehen, auch wenn sie noch so sinnlos erscheint und niemand darf mehr frei entscheiden, ob er Kinder bekommen möchte, da man das Recht auf ein Kind nur durch eine Lotterie gewinnen kann. Schwester sieht ihren einzigen Ausweg darin zu fliehen und sich auf die Suche nach Carhullan zu begeben, die letzte selbstbewirtschaftete Farm in der Hand von Frauen, die sich gegen das System auflehnen.

Innerhalb eines Tages habe ich dieses Buch regelrecht verschlungen. Packend und intensiv wird in sieben Akten die Reise von Schwester nach Carhullan erzählt und wie sie dort ein neues Leben beginnt. Zwar ist sie am Anfang noch davon überzeugt, dass Carhullan ihre einzige Option ist, um wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen, aber schon bald merkt sie, dass selbst Carhullan nicht vor Unterdrückung zurückschreckt, um übergeordnete Ziele zu erreichen. Gerade dieser Aspekt hat mir besonders gut gefallen.

Denn als ich den Klappentext im Vorfeld gesehen und die Frage gelesen habe „Können Frauen eine bessere Welt erschaffen?“, hatte ich schon meine Befürchtungen, dass das Buch eine sehr einseitige Sicht auf die Dinge einschlägt nach dem Motto: „Wenn Frauen an der Macht sind, dann kann es nur besser laufen“, allerdings haben sich diese Befürchtungen nicht bewahrheitet. Dieses Buch zeigt unverfälscht und ohne Wertung eine Gruppe von Menschen, die nicht davor geschützt ist, sich im Laufe der Zeit zu verändern. Am Anfang erschaffen sie ein Paradies für Frauen, in dem Frauen so leben können, wie sie wollen, aber bald schon verändert sich das Klima in dieser Gruppe. Die Entbehrungen nehmen zu, der Ton wird rauer und es herrschen Zustände wie in einem Gefängnis oder in einem Militärlager. Verantwortlich dafür ist die Anführerin dieser Gruppe, Jackie Nixon.

Jackie Nixon ist ein Charakter in diesem Buch, der sehr stark polarisiert. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, ist derb und laut und wirkt in manchen Szenen regelrecht entrückt, wenn sie auf einem Tisch tanzt, als endlich der König von England gestorben ist. Sie führt mit strenger Hand Carhullan und schreckt auch nicht davor zurück, ihre Farm in ein regelrechtes Militärlager zu verwandeln, um endlich ihre Rache am System zu bekommen. Allerdings war sie nicht immer so gewesen. Sie wollte früher alte Denkmuster aufbrechen und etwas Neues mit der Farm erschaffen, um Frauen eine Zuflucht zu bieten. Jedoch ist selbst eine Jackie Nixon nicht davor geschützt, vom Leben gezeichnet zu werden. Als ihr das Wichtigste auf der Welt genommen wird, ändert sich ihre komplette Haltung und sie geht zum Angriff über.

Darüber hinaus hat es mir auch sehr gut gefallen, wie verschiedene Fragen während der Handlung aufgeworfen werden. Ein Gespräch ist mir dabei sehr in Erinnerung geblieben, als Jackie Nixon Schwester fragt, ob sie denkt, dass eine Frau, wenn sie Gewalt anwendet, dies eher als Aggressor tut oder weil sie sich verteidigen will und ob eine Frau nicht auch mal von sich aus Gewalt anwenden kann. Zwar diente dieses Gespräch schon damals dazu herauszufinden, wie Schwester generell zu diesem Thema eingestellt ist, aber trotzdem haben mich diese Gespräche nachdenklich gestimmt.

Aus diesem Grund kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der ein Buch über eine dystopische Zukunft von England lesen und erleben möchte, wie die Einstellung einer Anführerin eine gesamte Gruppe beeinflussen kann.

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Veröffentlicht am 23.05.2021

Es ist nicht immer einfach für seine Träume zu kämpfen, aber es ist es immer wert!

Die Hofgärtnerin − Frühlingsträume
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Schon seit ihren frühen Kindheitstagen ist Marleene von der Pflanzen- und Blumenwelt begeistert. Begierig saugt sie jede Information auf, die ihr ihr Vater liefert, denn ihr Vater ist Gärtner in der Hofgärtnerei ...

Schon seit ihren frühen Kindheitstagen ist Marleene von der Pflanzen- und Blumenwelt begeistert. Begierig saugt sie jede Information auf, die ihr ihr Vater liefert, denn ihr Vater ist Gärtner in der Hofgärtnerei der Familie Goldbach in Oldenburg. Am liebsten würde Marleene auch später eine Gärtnerlehre absolvieren, aber da gibt es ein Problem: Marleene ist eine Frau und im Jahre 1881 war es undenkbar, dass eine Frau eine solche Tätigkeit aufnimmt. Als dann noch ihr Vater plötzlich verstirbt, steht sie mit ihrer Mutter vor dem Nichts und muss eine Stelle als Zimmermädchen in einem Hotel aufnehmen. Doch eines Tages hält Marleene diesen Zustand nicht mehr aus und trifft eine folgenschwere Entscheidung: Aus Marleene wird Marten, der neue Lehrling der Hofgärtnerei der Familie Goldbach.

Der Klappentext hat mich direkt von Anfang an gepackt. Eine Frau, die gegen alle gesellschaftlichen Widerstände ihre Träume verfolgt? Dieses Buch musste ich einfach lesen. Ich fand es auf der einen Seite schön, Marleene auf ihrem Weg zu begleiten, aber habe auch auf der anderen Seite ein wenig mit ihr gelitten, dass sie einfach nicht die sein darf, die sie ist, wenn sie ihre Träume verwirklichen möchte. Marleene ist einfach eine durch und durch sympathische Person, die an erster Stelle ihre Familie setzt, bevor sie an sich denkt. So überlegt sie lange hin und her, ob sie ihren Plan wirklich in die Tat umsetzen soll, weil sie Angst hat, dass sie danach ihre Mutter nicht mehr versorgen kann. Sie verkauft sogar ihre wenigen Habseligkeiten, die ihr geblieben sind, nur um genug finanzielle Mittel zu haben, um den Plan in die Tat umzusetzen.

Ich fand es im Laufe des Buches einfach ungerecht, wie Frauen zur damaligen Zeit behandelt worden sind. Ihnen wurde die Fähigkeit zum logischen Denken aberkannt, sie bekamen keinen Mathematik-Unterricht, sodass sie noch mehr in ihrer Berufswahl eingeschränkt worden sind, und darüber hinaus war sowieso die landläufige Meinung, die natürliche Aufgabe der Frau sei der Haushalt und die Mutterschaft. Niemand hinterfragt dieses Frauenbild. Jeder schnürt die Frauen in dieses gesellschaftliche Zwangskorsett und empfinden es als das Normalste der Welt. Umso mehr hat es mich gefreut, dass Marleene sich dagegen auflehnt und eben dann als Mann verkleidet eine Gärtnerlehre beginnt. Dadurch zeigt sie auch, dass Frauen doch dazu fähig sind, eine solche „Männer-Tätigkeit“ auszuüben, auch wenn es gesellschaftlich nicht ihre Aufgabe zu sein scheint.

Interessant fand ich auch in diesem Zusammenhang die Rolle von Dorothea von Wallenhorst innerhalb der Geschichte. Als Tochter aus gutem Hause hat sie die Möglichkeit, als einer der ersten Frauen auf eine Gartenbauschule zu gehen. Zwar ist sie mit dem Abschluss dieser Schule eine ausgebildete Gärtnerin, wird aber in der Hofgärtnerei alles andere als so behandelt. Obwohl sie einen Abschluss hat, bekommt sie nur genauso viel Geld wie ein Lehrling und muss die schwere Gartenarbeit mit einem Arbeitskorsett und einem Rock bewältigen. Zudem wird sie von ihren „Arbeitskollegen“ nur belächelt und nicht ernst genommen. Allerdings lässt sich Dorothea davon nicht unterkriegen. Sie sagt offen ihre Meinung und ist eine Stimme für die Frauen dieser Zeit. Am Anfang war mir Dorothea noch unsympathisch, aber dies änderte sich schnell. Sie ist einfach eine bewundernswerte und starke Frau, die sich trotz ihres Standes für eine bessere Welt einsetzt.

Darüber hinaus fand ich auch am Ende des Buches, als Julius und Marleene an den Plänen zu dem neuen Garten des Großherzogs gearbeitet haben, die Botschaft berührend, die sich daraus ergeben hat. Es sollte kein angelegter Garten sein, sondern ein offener, natürlicher, in der die Pflanzen so wachsen dürfen, wie sie es auch in der Natur machen würden. Der Großherzog möchte weg von den alten ausgetreten Wegen und eine neue Zeit einläuten. Vielleicht auch eine neue Zeit für die Frauen? Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie die Reise von Marleene weitergehen wird, denn es wird einen 2. Band geben. Diese Nachricht am Ende zu lesen, hat mich auf jeden Fall sehr gefreut.

Aus diesem Grund kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der das perfekte Buch für einen frühlingshaften Tag sucht und dazu Frauen auf ihrer Reise in ihre Unabhängigkeit begleiten möchte! Ich für meinen Teil drücke ihnen auf jeden Fall ganz fest die Daumen!

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Veröffentlicht am 08.04.2021

Von Siegel und Flüchen und anderen Tintenkleckser..

Tinte & Siegel
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Aloysius MacBharrais betreibt zwar eine kleine Druckerei an der High Street in Glasgow, aber seine wahre Profession ist es, ein Siegelagent zu sein. Damit diese Stelle in der Zukunft nicht unbesetzt bleibt, ...

Aloysius MacBharrais betreibt zwar eine kleine Druckerei an der High Street in Glasgow, aber seine wahre Profession ist es, ein Siegelagent zu sein. Damit diese Stelle in der Zukunft nicht unbesetzt bleibt, ist es wichtig, frühzeitig einen Nachfolger zu finden und auszubilden. Einen Nachfolger zu finden fällt Al nicht schwer, allerdings hat er Probleme, seine Auszubildenden auch zu behalten. Nachdem sein siebter Schüler Gordie das Zeitliche gesegnet hat, weil er unglücklich an einem Scone mit Rosinen erstickt ist, obwohl die Sieben Als Glückzahl ist, bekommt er allmählich wirklich Zweifel, ob er überhaupt in der Lage ist, jemanden auszubilden. Als er dann auch noch herausfindet, dass Gordie in eine Art illegalen Feenhandel verstrickt war und einen Hobgoblin namens Buck Foi in seinem Zimmer als Gefangenen gehalten hat, versucht Al endlich Licht ins Dunkel zu bringen.

Ich hatte am Anfang des Buches zunächst meine Probleme in die Geschichte rund um den Siegelagenten Aloysius MacBharrais zu finden. Nachdem ich schon Bücher wie „der letzte Held von Sunder City“ oder „Ork City“ gelesen habe, dachte ich, dass auch „Tinte&Siegel“ in eine ähnliche Richtung gehen würde. Zu weiten Teilen geht der Humor auch in eine ähnliche Richtung, wenn man bedenkt, dass Al mit einem pinkfarbenen Hobgoblin redet, der sich freiwillig Buck Foi nennt, weil er das Wortspiel mit vertauschten Anfangsbuchstaben so lustig findet, aber z.B. in Bezug auf den Hauptcharakter unterscheiden sich die Bücher vollkommen voneinander. Aloysius mit seinen über 70 Jahren ist mehr wie ein Großväterchen, der es zwar noch krachen lassen kann, aber doch eher geruhsamer geworden ist. An manchen Punkten erscheint er auch manchmal zu nett und unterscheidet sich davon sehr von dem „einsamen, sarkastischen Helden“, den ich eigentlich erwartet hattet. Zudem hatte ich auch am Anfang meine Probleme zu verstehen, was Aloysius jetzt eigentlich genau macht und warum er als Schotte Probleme mit irischen Göttern hat. Erst im letzten Viertel des Buches werden diese Fragen beantwortet, was für meinen Geschmack etwas zu spät war.

Allerdings hatte ich auch meinen Spaß mit dem Buch. Sieht man von den Anfangsproblemen ab, habe ich die Gespräche zwischen Al und dem Hobgoblin Buck Foi sehr genossen. Die beide schenken sich am Anfang ihrer zwanghaften Gemeinschaft nicht viel und ein Wortgefecht löst das Nächste aus. Dies schweißt sie aber mit der Zeit eng zusammen und irgendwann kann man sogar von so etwas wie einer Freundschaft sprechen. Zudem fand ich es auch interessant, mehr über Hobgoblins zu erfahren, da von dieser Art bis zu diesem Buch noch nichts gehört habe. Generell fand ich es auch interessant, mehr von der irischen Feen- und Götterwelt zu erfahren. So macht man im Laufe der Geschichte Bekanntschaft mit der irischen Göttin Glíodhna und den „Tuatha dé Danann“, den neun Druiden. Zwar hat es mich am Anfang etwas herausgebracht, wenn ein Schotte Geschäftsbeziehungen mit irischen Göttern unterhält, aber dies hat einen logischen Grund und danach war ich auch in dieser Hinsicht besänftigt.

Ein Charakter, den ich auch sehr unterhaltsam fand, war Aloysius Managerin Nadia. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und lässt munter ihre Launen an ihrer Umgebung aus. Darüber hinaus trägt sie gerne eine Sinfonie aus Schwarz mit einem Lippenstift der Marke „Vaters Asche“ oder „Satans schwärzestes Loch“. Mir war Nadia direkt sympathisch und ich fand es wirklich interessant, mehr von ihrer Vergangenheit zu erfahren. Mit ihrer dominanten und schroffen Art passt sie einfach perfekt zum eher ruhigen Aloysius und dem hinterlistigen und unbeherrschten Buck Foi. Das Trio ist einfach köstlich!

Zudem fand ich es auch irgendwie lustig, dass Al immer nur über ein Handy mit einer Sprach-App, die einen englischen Akzent hat, mit den anderen kommuniziert. Dies führt auch zu allerhand absurden Situationen, auch weil man am Anfang noch nicht wirklich versteht, warum Al das Ganze macht.

Deswegen bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich jedem dieses Buch empfehlen kann, der sich von einem zähen Einstieg nicht abschrecken lässt und eine Geschichte mit einem urkomischen Trio sucht.

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