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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.06.2021

Eindringliches Plädoyer für die Meinungsfreiheit und gegen die Cancel Culture

Cancel Culture
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In diesem Sachbuch beschäftigt sich der Autor Kolja Zydatiss mit dem Phänomen „Cancel Culture“ und zeigt auf, was es damit auf sich hat und welche Gefahren sich dahinter verbergen.

Als „Cancel Culture“ ...

In diesem Sachbuch beschäftigt sich der Autor Kolja Zydatiss mit dem Phänomen „Cancel Culture“ und zeigt auf, was es damit auf sich hat und welche Gefahren sich dahinter verbergen.

Als „Cancel Culture“ bezeichnet man den Versuch, unliebsame, aber eigentlich durch die Meinungsfreiheit gedeckte Äußerungen zu unterdrücken, in dem man versucht, denjenigen, der diese Meinung vertritt, stummzuschalten bzw. auszugrenzen. Dies kann zu körperlichen oder verbalen Angriffen bis hin zur Störung von Veranstaltungen bzw. öffentlichen Auftritten führen. Auch ein enormer öffentlicher Druck, um z. B. Menschen von Veranstaltungen auszuladen bzw. diese ganz abzusagen oder die Veröffentlichung von Büchern und Artikeln zu verhindern, gehört dazu und kann im Extremfall sogar zum Jobverlust führen. Betroffen sind davon nicht nur die Personen, die direkt im Mittelpunkt der Attacken stehen. Es wird damit auch ein deutliches Signal an alle Personen mit ähnlichen Meinungen gesendet und dabei aufgezeigt, was auch ihnen blühen könnte, wenn sie ihre Meinung weiterhin öffentlich vertreten.

Der Autor beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit dem Thema. Seit 2016 arbeitet er mit wechselnden Aufgaben für verschiedene Online- und Printmedien, wie „Novo Argumente“ oder „Achse des Guten“. In Letzterem erscheint aktuell seine Kolumne „Der/die Ausgestoßene der Woche“, die sich mit aktuellen Fällen der „Cancel Culture“ beschäftigt. Diese intensive Auseinandersetzung mit dem Thema merkt man dem Buch auch jederzeit an.

Das Buch ist in drei Abschnitte gegliedert und in einem gut verständlichen Schreibstil gehalten, bei dem man nicht ständig im Fremdwörterlexikon nachschlagen muss. Die verwendeten Quellen sind gut gekennzeichnet und direkt auf den jeweiligen Seiten benannt. Im ersten Teil beschreibt der Autor die Problematik und belegt sie mit einigen markanten Beispielen, die einen beim Lesen zunächst mal sprachlos machen. Im zweiten Abschnitt beschäftigt er sich mit den Hintergründen und den Leuten bzw. Gruppieren, die dieses perfide Spiel betreiben. Im dritten Teil stehen die Gefahren für die Meinungsfreiheit und letztendlich auch für die Demokratie im Fokus, zugleich werden aber auch Ansätze aufgezeigt, diese unselige Entwicklung zu überwinden.

Auch wenn man jederzeit merkt, mit welcher persönlichen Meinung der Autor dem Thema gegenübersteht, ist er doch um eine ausgewogene Betrachtung bemüht, die alle Aspekte berücksichtigt. Und auch wenn ich nicht jeder Aussage oder These im Buch vorbehaltlos zustimmen kann, liefert es unter dem Strich doch einen guten Ansatz, sich mit dem wichtigen Thema auseinanderzusetzen und sich am Ende eine eigene Meinung zu bilden oder sich zumindest über andere Quellen tiefer mit der Materie zu beschäftigen.

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Veröffentlicht am 27.05.2021

Band 4 bietet diesmal etwas mehr Mystery und etwas weniger Crime, konnte mich aber erneut gut und spannend unterhalten

Ronda Baker History Crime Band 4
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Mit diesem im Jahr 2015 erschienenen Buch legt die Autorin Renate Behr den vierten und vorerst letzten Kriminalroman um die Romanautorin und Journalistin Ronda Baker-Summer vor, die sich mit Kriminalfällen ...

Mit diesem im Jahr 2015 erschienenen Buch legt die Autorin Renate Behr den vierten und vorerst letzten Kriminalroman um die Romanautorin und Journalistin Ronda Baker-Summer vor, die sich mit Kriminalfällen aus der Vergangenheit beschäftigt.

Zwei Jahre ist Ronda von Träumen verschont worden, die sie auf die Spur längst vergangener und vergessener Verbrechen an und von Indianern bringt. Während einer Urlaubsreise mit ihrem Mann Miles und den gemeinsamen Kindern Jay-Jay und Betty weist sie Betty, die ihre Fähigkeit geerbt zu haben schein, auf ein Grab hin, das in Wirklichkeit leer ist. Uns so steckt Ronda schnell wieder mitten in einer gefährlichen Ermittlung, die nicht nur sie, sondern auch ihre Familie an ihre Grenzen und sogar noch ein ganzes Stück darüber hinaus bringt.

Wer glaubt, dass die Ermittlungen in einem so lange zurückliegenden Kriminalfall nur aus dem Stöbern in verstaubten Akten besteht, wird hier schnell eines Besseren belehrt. Mit einem ruhigen, aber dennoch ungemein packenden Schreibstil treibt die Autorin ihre gut aufgebaute Geschichte voran und baut dabei schnell ordentlich Spannung auf, die sich am Ende in packenden Showdown entlädt. Hier bietet die Autorin zudem eine schlüssige Auflösung, die keine wesentlichen Fragen offenlässt. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten Charakteren in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen.

Das Ronda auch diesmal immer wieder von Träumen übermannt wird, die sie zurück in die Vergangenheit führen und dort auf die Protagonisten ihrer Nachforschungen treffen lässt, bringt noch einen ordentlichen Schuss Mystery in das Geschehen, der diesmal sogar deutlich größer ausfällt als bei den vorangegangenen Büchern. Doch auch mit etwas weniger Crime-Anteil liefert das Buch ausreichend spannende Unterhaltung. Zudem werden die Träume mit alten Indianerlegenden verknüpft und kommen so durchaus schlüssig rüber.

Renate Behr gelingt es auch diesmal wieder, die Passagen rund um die Indianer ziemlich authentisch erscheinen zu lassen. Hier zeigt sich die genaue Recherchearbeit der Autorin, die voll zum Tragen kommt und der Geschichte zudem das gewisse Etwas verleiht.

Auch dieser Band bietet wieder eine überzeugende Mischung aus spannendem Kriminalroman mit Mystery-Elementen und fundiertem historischem Roman, die mich erneut gut unterhalten konnte.

Mit diesem Buch endet nun die Reihe um Ronda Baker und ihre Familie vorerst (?). Aber wer weiß schon, ob die Träume nicht doch irgendwann zurückkommen.

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Veröffentlicht am 07.05.2021

Abwechslungsreiche Sammlung mit 10 Kurzgeschichten aus dem phantastischen Bereich

Verlorene Geschichten
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In dieser Storysammlung veröffentlicht der Autor Lucian Caligo insgesamt 10 abwechslungsreiche Kurzgeschichten aus dem phantastischen Bereich, die einen guten Überblick über die große Bandbreite an unterschiedlichen ...

In dieser Storysammlung veröffentlicht der Autor Lucian Caligo insgesamt 10 abwechslungsreiche Kurzgeschichten aus dem phantastischen Bereich, die einen guten Überblick über die große Bandbreite an unterschiedlichen Möglichkeiten aufzeigt, die das Genre bietet.

So wechselt die Stimmung in den Beiträgen zwischen düster und humorvoll. Der Schreibstil ist dabei durchgehend packend und mit vielen bildhaften Beschreibungen wird auch das Kopfkino ordentlich angekurbelt. Die Figurenzeichnung kann in Kurzgeschichten naturgemäß nicht so intensiv erfolgen wie in Romanen, dennoch gelingt es dem Autoren auch hier, seine Figuren mit Leben zu füllen, so das man als Leser eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann.

Wie in solchen Sammlungen üblich, kann nicht jeder Beitrag den persönlichen Lesegeschmack treffen. Dennoch sollte hier jeder Fan von Kurzgeschichten aus dem phantastischen Bereich den einen oder anderen Beitrag ganz nach seinem Geschmack finden.

Mein persönliches Highlight war hier die Geschichte „Kopfgeldjäger – Gekündigt!“, die mal wieder in das gelungene Steampunk – Western – Setting von Trappland führt. Aber auch die Geschichten „Darik´s Memoiren – Die Sache mit dem Kobold“, „Lagerfeuergeschichten“ und „Der Fluch des Ritters Anastasius“ stechen so ein wenig hervor. Echte Ausreißer nach unten gibt es dabei nicht, jeder Beitrag hat seinen besonderen Reiz und bietet einen hohen Unterhaltungswert.

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Veröffentlicht am 27.04.2021

Ruhiger Kriminalroman mit gut gezeichneten Protagonisten

Nacht über dem Campus
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Mit diesem Kriminalroman legt die Autorin Nicole Peters den zweiten Band ihrer Reihe um die Rechtsanwältin Helen Freitag vor. Auch wenn das Buch meiner Meinung nach nicht ganz die Klasse des Auftaktbandes ...

Mit diesem Kriminalroman legt die Autorin Nicole Peters den zweiten Band ihrer Reihe um die Rechtsanwältin Helen Freitag vor. Auch wenn das Buch meiner Meinung nach nicht ganz die Klasse des Auftaktbandes erreicht, bietet es dennoch gute Krimiunterhaltung und überzeugt vor allem durch ein gut aufeinander abgestimmtes Figurenensemble.

Obwohl hier einige Erzählfäden aus dem Auftaktband weitergeführt werden, braucht man grundsätzlich keine Vorkenntnisse, um das Buch lesen zu können. Alle für das Verständnis erforderlichen Informationen zu den Protagonisten und ihrer Vorgeschichte werden gut in die laufende Handlung eingebunden, ohne dabei den Lesefluss zu stören.

Neben ihrer eigentlichen Tätigkeit als Rechtsanwältin hat Helen Freitag zusätzlich einen Lehrauftrag als Dozentin an der Hochschule der Gesetzlichen Unfallversicherung in Hennef angenommen. Als einer ihrer Studenten tot in seinem Zimmer auf dem Campus der Hochschule aufgefunden wird, ist dies ein Schock für Helen. Denn Oliver Schönbom hatte kurz vor seinem Tod noch vergeblich das Gespräch mit ihr gesucht. Steht sein Tod im Zusammenhang dazu und hätte Helen ihn somit vielleicht verhindern können ? Da die Polizei zunächst eher in Richtung Selbstmord ermittelt, nimmt Helen die Sache selbst in die Hand und spannt dabei auch ihren Freund, den Journalisten Ralf Peter „Rabe“ Voss, und ihre Auszubildene Marie Glücklich in die Ermittlungen ein.

Auch diesmal nimmt sich die Autorin zu Beginn wieder ausreichend Zeit und Raum ihre vielschichtig angelegten Protagonisten und das neue Setting sorgfältig einzuführen. So braucht die gut aufgebaute und aus wechselnden Perspektiven erzählte Geschichte zwar ein wenig, bis sie richtig ins Rollen kommt, liefert aber auch dank des packenden Schreibstils von Beginn an ein atmosphärisch dichtes Geschehen, bei dem sich die neuen Protagonisten gut in das bereits bekannte Ensemble eingliedern. Ein echter Lichtblick ist dabei Rabes Schwester Kathi, die nach einem Kurzauftritt im ersten Band diesmal als ermittelnde Kriminalkommissarin eine deutlich größere Rolle spielt und dabei ordentlich frischen Wind in das Geschehen bringt. Ihre erfrischende und zuweilen auch unbekümmerte Art tut bei den überwiegend eher verkopften Figuren der Geschichte einfach gut. Die überzeugende Auflösung lässt am Ende zwar keine wesentlichen Fragen offen und ist auch ziemlich schlüssig, allerdings flacht hier die Spannungskurve meiner Meinung nach doch etwas zu früh ab. Dies kann den insgesamt positiven Gesamteindruck aber nur unwesentlich trüben.

Wer auf ruhige Kriminalromane mit starken Figuren steht, wird hier unter dem Strich sehr gut bedient und unterhalten.

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Veröffentlicht am 19.04.2021

Packende Dystopie, die mit einer ungewöhnlichen Erzählperspektive aufwartet

Gefährten der Hoffnung
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In dieser Dystopie schickt der Autor Jens Krämer seine Hauptfiguren auf eine spannende Odyssee, die von Witten bis nach Italien führt. Dabei überzeugt er vor allem durch eine ungewöhnliche Erzählperspektive, ...

In dieser Dystopie schickt der Autor Jens Krämer seine Hauptfiguren auf eine spannende Odyssee, die von Witten bis nach Italien führt. Dabei überzeugt er vor allem durch eine ungewöhnliche Erzählperspektive, denn in einem der beiden Stränge, in denen er seine Geschichte erzählt, wird die vom Waldkauz Zach eingenommen.

In einer trostlosen Welt, die nach eine verheerenden Masernepidemie nun von Mutanten bevölkert ist, die eine ziemliche Bedrohung für die verbliebenen Menschen darstellen, hat sich der ehemalige KSK-Soldat Erik mit seiner Frau Irinskat und deren Tochter Nanuk in Witten eine neue und zunächst auch sicher erscheinende Heimat aufgebaut. Als Plünderer Irinskat und Nanuk entführen, liegt diese Welt von einem auf den anderen Moment in Trümmern. Mit dem Waldkauz Zach und dem Bärenhund Odin an seiner Seite nimmt Erik die Verfolgung auf, während der sich später auch die italienische Kriegerin Giada den ungleichen Gefährten anschließt.

Mit einem packenden Schreibstil und jeder Menge Einfallsreichtum treibt der Autor seine gut aufgebaute Geschichte voran. Neben dem Hauptstrang wird in einem Nebenstrang Eriks Vorgeschichte ab den Anfängen der Epidemie beleuchtet und dabei auch dessen Geheimnis aufgedeckt, das in der Gegenwart ebenfalls eine bedeutsame Rolle spielt. Was das überraschende Wiedersehen mit ehemaligen Weggefährten angeht, ist in beiden Strängen zuweilen aber doch etwas zu viel Zufall im Spiel, dadurch wirkt das Ganze am Ende auch etwas überkonstruiert. Und werden die Hauptfiguren insgesamt gut gezeichnet und vielschichtig angelegt, fehlt es einigen Nebenfiguren bisweilen dann doch etwas an Tiefe.

Unter dem Strich konnte mich diese packende und zugleich erschreckende Dystopie aber doch gut und spannend unterhalten. Besonders der Waldkauz Zach als Ich-Erzähler sorgt hier mit seiner erfrischenden Sichtweise für deutliche Pluspunkte, die der Geschichte das gewisse Etwas verleihen.

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