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Veröffentlicht am 05.06.2021

Ein Verwirrspiel um alte Schuld und neue Verbrechen, das erschütternd und bewegend ist.

Der Bruder
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Irenas Bruder Beni ist seit mehr als 30 Jahren vermisst. Ein Kindermörder wurde damals für sein Verschwinden verantwortlich gemacht, ohne, dass man seine Leiche finden konnte. Inzwischen nun ist Irenas ...

Irenas Bruder Beni ist seit mehr als 30 Jahren vermisst. Ein Kindermörder wurde damals für sein Verschwinden verantwortlich gemacht, ohne, dass man seine Leiche finden konnte. Inzwischen nun ist Irenas Vater tot und die Gerichtsmedizinerin kehrt in ihr Heimatdorf zurück, weil sie sich um den Verkauf des Familienanwesens kümmern muss. Auch die Ungewissheit über das wirkliche Schicksal ihres Bruders lässt sie einfach nicht ruhen und so beginnt Irena neue Befragungen in der Gegend anzustellen. Zur gleichen Zeit verschwindet in der Nähe ein kleiner Junge auf dem Weg zum Kindergarten. Die Berner Polizei nimmt die Ermittlungen auf und auch Irenas Neugier ist geweckt.

„Der Bruder“ ist ein vielschichtiger und atmosphärischer Kriminalroman, in dem die Journalistin Milla Nova zum dritten Mal auf die Jagd nach einem Verbrecher geht. Genau wie ihr Freund Sandro Bandini, der als Chef der Abteilung Leib und Leben mit seinem Team nach dem verschwundenen Fabio Della Fortuna sucht. Zu seinem Leidwesen aber ist ihnen Milla stets einen Schritt voraus und gerät durch ihre Unbedachtheit in Gefahr. Doch nicht nur sie denkt wenig über ihre Handlungen nach. Auch Irena hat sich in ihre Nachforschungen verbissen und besucht sogar den verurteilten Kindermörder, der für immer hinter Gittern sitzt. Dabei erhärtet sich ihr Verdacht, dass dieser nichts mit Benis Verschwinden zu tun hat und jemand anderes verantwortlich dafür ist.

Überschaubare Kapitel, ein Schreibstil, der sich angenehm kurzweilig liest und ein weiterer Handlungsstrang, der sich um den blinden Nathaniel rankt, sind verantwortlich dafür, dass der Leser das Buch kaum aus der Hand legen kann. Denn zum einen möchte er wissen, was damals mit Beni geschehen ist, zum andern bangt er um Nathaniels Leben, der zusammen mit seinem Blindenhund Alisha ebenfalls verschwunden ist. Und dann gibt es noch den kleinen Fabio, nach dem die Polizei mit allen ihr zur Verfügung stehenden Kräften sucht und nicht zu vergessen Milla und Irena, deren Alleingänge überaus gefährlich sind. Ein spannungsgeladener Plot, der durch seine vielen Baustellen abwechslungsreiche Lesestunden verspricht und gleichzeitig ungeahnte Wendungen beschert.

Fazit und Bewertung:
Milla Novas dritter Fall entpuppt sich als Verwirrspiel um alte Schuld, neue Verbrechen und eine Vergangenheit, die tief in den Köpfen der Menschen ihre Spuren hinterlassen hat. Ein Kriminalroman, der auf einer wahren Verbrechensserie beruht und dessen Handlung erschütternd und bewegend ist.

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Veröffentlicht am 04.06.2021

Der fesselnde Auftakt einer neuen Krimireihe - wendungsreich, tiefgründig und schockierend.

Dunkelkammer
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Der einst als Fotograf tätige Kurt Langer ist seit Jahren obdachlos. Nur der Alkohol ist noch sein Freund, während er in einem Zelt am Waldrand hausiert. Doch der Winter in Innsbruck ist kalt. Um nicht ...

Der einst als Fotograf tätige Kurt Langer ist seit Jahren obdachlos. Nur der Alkohol ist noch sein Freund, während er in einem Zelt am Waldrand hausiert. Doch der Winter in Innsbruck ist kalt. Um nicht zu erfrieren, bricht er in eine Wohnung ein und findet eine mumifizierte Leiche ohne Kopf. Sofort ruft seinen früheren Kollegen David Bronski an, der auch gleich nach Innsbruck kommt, um als erster am Tatort zu sein. Aber nicht nur die Tote, die sich bei genauerer Betrachtung als die vermisste Milliardärin Zita Laufenberg entpuppt und ihr seltsamer Zustand geben ihm Rätsel auf. Auch ein Foto in der Wohnung, das seine verschwundene Tochter Judith zeigt, lässt ihn nicht mehr ruhen. Gemeinsam mit seiner Schwester Anna und der Reporterin Svenja Spielmann geht er den Dingen auf den Grund und versucht er herauszufinden, was 20 Jahre zuvor geschehen ist.

„Dunkelkammer“ ist ein atmosphärisches und aufwendig inszeniertes Hörbuch, das 434 Minuten lang atemlose Unterhaltung verspricht. Gleich eine ganze Riege an bekannten Schauspielern und Sprecher sind dazu mit an Bord. Wie zum Beispiel Florian Lukas, der mit dem Kinoerfolg „Der Eisbär“ bekannt geworden ist, Boris Aljinovic, der als Kommissar Felix Stark im Berliner „Tatort“ Verbrecher jagte oder Cathlen Gawich, die als deutsche Stimme von Elizabeth Banks als Stimme von Elizabeth Banks in der mehrteiligen Kinoverfilmung "Die Tribute von Panem" zu hören ist. Ein krimineller Genuss, der tief in eine Geschichte eintauchen lässt, die ungeheuerlich ist. Denn ohne Skrupel zu hegen wird hier mit dem Leben von Menschen gespielt, die schwere Schicksalsschläge ertragen mussten und deshalb nicht in der Lage sind, die perfiden Spielchen eines kranken Psychopaten zu ertragen.

Haut- und Angelpunkt der Story ist der Pressefotograf David Bronski, der in Berlin für eine renommierte Tageszeitung tätig ist und viele Jahre zuvor seine vier Monate alte Tochter Judith und später seine Ehefrau Mona verloren hat. Ein Mann, der von Trauer zerfressen ein besonders bizarres Hobby betreibt, das auf Unverständnis und Abneigung stößt. Er fotografiert tote Menschen, entwickelt ihre Bilder in der Dunkelkammer und findet in den makabren Porträts seinen Trost. Dadurch nimmt ihn der Hörer anfangs als kalten und berechnenden Egomanen wahr, der seine beruflichen Erfolge über alles stellt und merkt erst spät, dass auch ein David Bronski tiefergehende Gefühle besitzt. Diese treiben ihn dann auch in eine Recherche hinein, bei der er bis an seine Grenzen geht und daurch lange Zeit zum Spielball eines Mörders wird.

Fazit und Bewertung:
„Dunkelkammer“ ist der gelungene Auftakt einer neuen Krimireihe um den Pressefotografen David Bronski, der wendungsreich, tiefgründig und schockierend in Erscheinung tritt und als Hörbuch fesselnd unterhält.

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Veröffentlicht am 23.05.2021

Ein atmosphärischer Küsten-Krimi, der amüsante Lesestunden verspricht und gleichzeitig zum Miträtseln einlädt.

Der Möwenschiss-Mord
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Drei Häuser gibt es in Tjarkshausen im Wangerland. Eine Mühle, die dem Rentner Ino gehört, ein Backsteinhaus, in dem die Haushälterin Gerda wohnt und ein weitläufiges Anwesen, auf dem eine Großfamilie ...

Drei Häuser gibt es in Tjarkshausen im Wangerland. Eine Mühle, die dem Rentner Ino gehört, ein Backsteinhaus, in dem die Haushälterin Gerda wohnt und ein weitläufiges Anwesen, auf dem eine Großfamilie zu Hause ist. Und ganz in der Nähe liegt ein kleiner Campingplatz, den der Adelige Sir Archi betreibt und der zum Hauptschauplatz einer Mordermittlung wird. Dabei fängt alles ganz harmlos an, mit einem simplen Beschattungsauftrag, den das Rentnertrio Ino, Gerda und Theda von dem Unternehmer Falko von Walde erhält. Der nämlich glaubt, dass seine Gattin ein Techtelmechtel mit dem benachbarten Wohnwagenbesitzer hat. Doch bevor die Hobbydetektive dem nachgehen können, ist Falko von Walde tot. Erschlagen mit der Markisenkurbel seines Nebenbuhlers, der ausgerechnet der im Ruhestand befindliche Kommissar Traugott Fürchtenicht ist.

„Der Möwenschiss-Mord“ ist der zweite Fall für Ino, Gerda und Theda, die im vergangenen Frühjahr den Mord an dem Kurdirektor Alois Winterscheid aufklären konnten. Damals war auch der kurz vor der Pension stehende Hauptkommissar Traugott Fürchtenicht als Ermittlungsleiter dabei, während der Eigenbrötler Ino als bekennender Gegner von Alois geplanten Touristenattraktion unter Mord-Verdacht stand. Diesmal aber wendet sich das Blatt und Ino stellt zusammen mit Gerda und Theda die notwendigen Nachforschungen an und der einstige Kommissar wird verdächtigt, ein Mörder zu sein. Dabei ist er nicht er Einzige mit einem stichhaltigen Motiv. Auch seine Frau Else, ihr gemeinsamer Sohn Frieder oder der Möchtegern-Krimiautor Dirk Hauken kommen als Täter infrage. Und zu guter Letzt gibt es noch den Männer-Tischtennisverein, dessen Spendenkasse in Falko von Waldes Vorzeltteppich gewandert ist oder die alte Frau Griese, die in volltrunkenem Zustand bereits den Mord gestanden hat.

Mit viel Liebe zu Land und Leuten, einer ordentlichen Portion Humor und gut erdachten Wendungen hat Regine Kölpin einen Küsten-Krimi geschrieben, der kurzweilig und spannend unterhält. Der Mordfall hat es in sich und der verantwortliche Polizeihauptkommissar Marius Meine befürchtet zurecht, dass das Rentnertrio ihm den Rang abläuft. So werden trickreiche Verhörmethoden und subtile Überredungskünste eingesetzt, Zeugen mit gut gekühltem Klaren abgefüllt und eine Drohne wird genutzt, die den entscheidenden Hinweis bringt. Doch das Beste an diesem Kriminalroman sind die Figuren, die wunderbar schrullig und ein wenig überzeichnet sind und von denen jede für sich gesehen, eine nicht zu unterschätzende Rolle  spielt. Regionale Redewendungen und typische Verhaltensweisen kommen hinzu und runden den atmosphärischen Küsten-Krimi gekonnt ab.

Fazit und Bewertung:
Es macht Spaß, den zweiten Fall von Ino, Gerda und Theda zu lesen, die als neu gegründete Detektei Ino Tjarks @ Co in einem Mordfall ermitteln. Ein regionaler Krimi, der amüsante Lesestunden verspricht und gleichzeitig zum Miträtseln einlädt.

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Veröffentlicht am 22.05.2021

Ein True-Crime-Krimi, der erschüttert und bewegt.

Tief in der Erde
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Die zehnjährige Anna Schön wird auf dem Weg nach Hause entführt. Noch am gleichen Abend beginnt die Suche nach ihr. Aber Anna bleibt verschwunden. Nur ihr Fahrrad taucht am Waldweg auf, den Anna für ihren ...

Die zehnjährige Anna Schön wird auf dem Weg nach Hause entführt. Noch am gleichen Abend beginnt die Suche nach ihr. Aber Anna bleibt verschwunden. Nur ihr Fahrrad taucht am Waldweg auf, den Anna für ihren Heimweg benutzt. Später erhalten die Eltern einen Brief. Sie sollen Lösegeld zahlen, damit Anna bald wieder bei ihnen ist. Doch zur Geldübergabe kommt es nicht. Erst während einer erneuten Suche der Polizei fällt einem Beamten eine merkwürdige Stelle im Wald auf. Zwischen verdorrten Kiefern, die keine Wurzeln haben, wird die Leiche der kleinen Anna in einer Kiste entdeckt.

30 Jahre danach findet ein Inizienprozess statt, an dem auch die Journalistin Julia Neubacher teilnimmt. Sie lernt im Gerichtssaal den Täter kennen, der vehement leugnet, etwas mit dem Tod der kleinen Anna zu tun zu haben. Wie viele der Beobachter ist sich auch Julia unsicher, ob nur er verantwortlich für die damaligen Geschehnisse ist. Zum Schluss wird er verurteilt und eine erdrückende Ungewissheit bleit zurück.

„Tief in der Erde“ ist ein Kriminalroman, der auf einem wahren Fall aus dem Jahr 1981 basiert. Damals wurde die zehnjährige Ursula Herrmann auf ihrem Heimweg nahe Eching am Ammersee entführt und später von der Polizei erstickt in einer Kiste im Wald gefunden. Für ihr Buch hat Christa von Bernuth eigene Recherchen angestelltund auf ihnen basierend, Realität und Fiktion zu einer Handlung verwoben, die den damaligen Ereignissen nahekommt. Mit einem Schreibstil, der sachlich und einfühlsam ist, schildert sie die Umstände der grausamen Tat. Doch die Gewissheit, dass der Mörder gefunden wurde, gibt es auch in ihrem Kriminalroman nicht.

In verschiedenen Zeitebenen, aus der Sicht verschiedener Personen heraus werden die tragischen Ereignisse erzählt. Auf den ersten Seiten lernt der Leser die Journalistin Julia kennen, die an dem Prozess gegen den vermeintlichen Mörder von Anna teilnimmt. Danach taucht er in das 1981 ein und ist hautnah dabei, als Anna verschwindet und die Suche nach ihr erfolglos verläuft. Er erlebt, dass die Täter völlig überfordert mit ihren Plänen sind und Anna deswegen sterben muss. Ein ergreifender Roman, der viel von Anna selbst, ihrer Familie und den manchmal viel zu halbherzig geführten Ermittlungen erzählt.

Fazit und Bewertung:
Ein True-Crime-Krimi, der erschüttert und bewegt und wie der zugrunde liegende Fall, viele Fragen offenlässt.

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Veröffentlicht am 15.05.2021

Ein Psychothriller, der Sogwirkung entfacht.

Ich will dir nah sein
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Lester Sharp ist ein Sonderling, der gerne in fremden Wohnungen verweilt, wenn niemand zu Hause ist. Dort stöbert er in Schränken und auf Schreibtischen herum, sieht sich vertrauliche Dokumente an und ...

Lester Sharp ist ein Sonderling, der gerne in fremden Wohnungen verweilt, wenn niemand zu Hause ist. Dort stöbert er in Schränken und auf Schreibtischen herum, sieht sich vertrauliche Dokumente an und versucht, alles von den Bewohnern zu erfahren. Deshalb ist es für ihn perfekt, dass er in einem Fundbüro tätig ist und verloren gegangene Schlüssel an sich nehmen kann. Allerdings nur die, die einen Hinweisen auf ihre Besitzer haben. Doch nicht nur auf diese Weise lebt er seine krankhaften Neigungen aus. Auch zu jungen Frauen fühlt er sich hingezogen und spioniert ihnen nach. Wie der jungen Tänzerin Erin, die neben ihn in eine freie Wohnung zieht und schnell zum Objekt seiner Begierde wird.

„Ich will dir nah sein“ ist ein Psychothriller, in dessen Mittelpunkt ein gefährlicher Stalker steht, der keine Grenzen akzeptieren will. Deshalb kam es in der Vergangenheit zum Eklat, was eine Behandlung bei einer Therapeutin nach sich zog. Das allerdings ohne, dass es eine Änderung gab. Denn noch immer begibt sich Lester Sharp auf Beutezug, akzeptiert nicht, dass es Grenzen existieren und kommt seinen Mitmenschen viel zu nah. Ein Unsympath, den niemand in seiner Nähe haben will und doch wird die junge Tänzerin Erin ihn nicht mehr los. Immer wieder trifft sie ihn im Treppenhaus, entdeckt ihn bei ihren Vorstellungen im Publikum und wird sogar im Urlaub von ihm verfolgt.

Erzählt wird der mit einer bedrohlichen Stimmung einhergehende Thriller aus drei Perspektiven heraus. Zum einen verfolgt der Leser, welche perfiden Spielchen Lester Sharp treibt, wenn er in Erins Wohnung ist, zum anderen lernt er den Makler Rhys White kennen, der später Erins Freund und Vertrauter wird und die ganze Zeit über nimmt er an Erins Leben teil, das durch die Übergriffe ihres Nachbarn unerträgliche Züge annimmt. Ein clever arrangiertes Psychospiel, welches um Rückblicke in die Vergangenheit ergänzt worden ist, die aufzeigen, welche Gefahr von Lester Sharp ausgeht. Dabei sind es anfangs nur Kleinigkeiten, die aufhorchen lassen, während die Situation später immer beängstigender wird.

Fazit und Bewertung:
Ein Psychothriller, der Sogwirkung entfacht und bis zu seinem unvorhersehbaren Ende mit einer unheimlichen Atmosphäre punkten kann. Eine gute Leseempfehlung für alle, die es subtil und unblutig mögen.

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