Profilbild von pfalzir

pfalzir

Lesejury Star
offline

pfalzir ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit pfalzir über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2021

authentisch

Verschieben wir es auf morgen
0

Ich kannte die Schauspielerin Miriam Maertens und auch ihre Schauspielfamilie nicht. Das Buch hat mich vom Thema her angesprochen, weil es mich selbst betrifft. Im Buch habe ich dann festgestellt, dass ...

Ich kannte die Schauspielerin Miriam Maertens und auch ihre Schauspielfamilie nicht. Das Buch hat mich vom Thema her angesprochen, weil es mich selbst betrifft. Im Buch habe ich dann festgestellt, dass sie wie ich in München-Großhadern lungentransplantiert wurde. Miriam erzählt zum größten Teil ihre Lebensgeschichte und auch ihren Kampf gegen die Krankheit Mukoviszidose. Es zeigt sich, dass sie aus reiner Willenskraft so viel mehr erreichen konnte, als aus medizinischer Sicht möglich war.

Mich persönlich interessierte besonders alles rund um ihre Transplantationsgeschichte. Im Gegensatz zu Miriam Maertens war ich Gott-sei-Dank der Transplantation nie so feindlich gegenüber eingestellt. Im Gegenteil, für mich war sie nach all den Leidensjahren eher ein Licht am Ende des Tunnels. Viele der Erfahrungen und Eindrücke rund um die Transplantation habe ich so ähnlich auch selbst erlebt und finde die Erzählung recht authentisch. Schmunzeln musste ich als sie einen netten und kompetenten jungen Arzt namentlich erwähnt. Ihn treffe ich nämlich selbst in den letzten Jahren regelmäßig in der Transplantationsambulanz.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.08.2021

Lebenswege

Wir für uns
0

Zwei Frauen: Josie ist unerwartet schwanger von Bengt, der allerdings verheiratet ist und kein weiteres Kind mehr möchte. Dann die 71-jährige Kathi die gerade ihren Mann Werner beerdigen musste. Der Anfang ...

Zwei Frauen: Josie ist unerwartet schwanger von Bengt, der allerdings verheiratet ist und kein weiteres Kind mehr möchte. Dann die 71-jährige Kathi die gerade ihren Mann Werner beerdigen musste. Der Anfang ist davon geprägt, dass wir uns fürchterlich darüber aufregen dürfen, wie dieser Bengt mit Josie umgeht. Und wie sie sich die 9 Jahre darauf eingerichtet hat, einmal in der Woche ein paar Stunden eine Beziehung zu haben. Ansonsten fehlt ihr alles, was eine junge Frau von einer Liebe erwarten dürfte. Es gab keine gemeinsamen Unternehmungen oder Urlaub, keine Wochenenden, kein Freundeskreis.

Noch deutlicher als um die vielzitierte Freundschaft ging es mir in dieser Geschichte allerdings um die Probleme in der eigenen Familie. Die Beziehung zur Mutter, das gegenseitige Verstehen bzw. das Nicht-Verstehen. Und bei beiden Frauen auch um ihre Beziehung zu Männern. Josies Affäre mit Bengt war sicher nicht auf Augenhöhe und auch Kathi interpretiert ihre Ehe nicht als sehr harmonisch und liebevoll. Es gab viel Schweigen, Werner war in den gemeinsamen Jahren oft nicht damit einverstanden, dass sie so viel Zeit ihrem Laden widmen musste. Und im Nachhinein erfahren wir, dass er sie betrogen hatte.

Die Geschichte liest sich angenehm, es bleibt immer ein bisschen Spannung, wie beide mit der Veränderung in ihrem Leben zurecht kommen und welche Entscheidungen sie treffen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.07.2021

Gut erzählt

Der Brand
0

Die Geschichte wird von Rahel erzählt, von Anfang an spüren wir, dass ihre Ehe mit Peter am Kriseln ist. Von dem bevorstehenden Urlaub in Bayern verspricht sie sich die Gelegenheit, vieles zu klären. Kurzfristig ...

Die Geschichte wird von Rahel erzählt, von Anfang an spüren wir, dass ihre Ehe mit Peter am Kriseln ist. Von dem bevorstehenden Urlaub in Bayern verspricht sie sich die Gelegenheit, vieles zu klären. Kurzfristig wird diese Buchung abgesagt, weil das gemietete Ferienhaus abgebrannt ist. Fast zeitgleich bittet eine alte Bekannte die beiden, deren Hof in der Uckermark zu betreuen. Ruth war eng mit Rahels Mutter befreundet, ihr Mann Viktor ist schwer erkrankt und sie fährt zu ihm an die Nordsee um ihn während seiner Reha zu begleiten. Also fahren Rahel und Peter in die Uckermark und teilen die Arbeit mit den Tieren und dem Haus und Garten untereinander auf.

In einer ruhigen Erzählweise schildert uns Rahel die Tage auf dem Hof. Rahel selbst hat aus ihrer Kindheit viele Erinnerungen an diesen Ort und das Paar. Und so erfahren wir bei allen möglichen Beschreibungen der jetzigen Tagesabläufe vieles aus der Vergangenheit. Aber auch ihre jetzigen Probleme mit Peter und den Beziehungen zu ihren beiden Kindern werden reflektiert.

Mich hat diese Betrachtung einer Ehe angesprochen. Wie das leise Verschwinden der Liebe beschrieben wird, das fehlende Miteinandersprechen, die Probleme mit dem Älterwerden, weniger Intimität und Nähe. Und die Frage, ob es mit diesen Veränderungen noch eine gemeinsame Zukunft gibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.06.2021

Schwesternliebe

So wie du mich kennst
0

Karla und ihre jüngere Schwester Marie waren sowas wie Seelenverwandte. Sehr behütet sind sie in einer dörflichen Gemeinschaft aufgewachsen. Im Erwachsenenalter blieb Karla im gewohnten Umfeld nahe ihrer ...

Karla und ihre jüngere Schwester Marie waren sowas wie Seelenverwandte. Sehr behütet sind sie in einer dörflichen Gemeinschaft aufgewachsen. Im Erwachsenenalter blieb Karla im gewohnten Umfeld nahe ihrer Eltern während Marie sich in einen Amerikaner verliebt hat und mit ihm in seine Heimat gezogen ist. In allem was wir an Gedanken von Karla lesen wird klar, wie sehr sie sich mit ihrer kleinen Schwester verbunden fühlte und dass deren Wegzug und auch die Wahl ihres Ehemannes für Karla nicht leicht zu akzeptieren war.

Doch nun ist Marie tot. Die Umstände ihres Unfalls sind rätselhaft, die Eltern und Karla fassungslos in ihrer Trauer. Gemeinsam beschließen sie dass nach der Beerdigung Karla nochmal nach New York fliegt um sich dort um die persönlichen Dinge Maries zu kümmern und den Hausstand aufzulösen. Vor Ort in Maries Wohnung wird Karla mit Erinnerungen an Gespräche und gemeinsame Erlebnisse mit Marie überflutet. Sie spürt deren Leben nach, trifft ihre Freunde. Aber mit der Auflösung der Wohnung kommt sie kaum weiter, so viele Dinge die sie über Marie entdeckt sind lähmend und verstörrend. Besonders schmerzhaft ist, dass Karla erkennt, dass ihre kleine Schwester ihr doch nicht alle Geheimnisse ihres Lebens anvertraut hatte. Durch ihre häufigen Telefonate und ein paar gemeinsame Wochen in New York hatte sie bisher immer den Eindruck, alles über Marie zu wissen.

Ich fand es ein gelungenes Stilmittel, dass Marie zu großen Teilen selbst zu Wort kommt. So erfahren wir Leser deutlich mehr von Marie und was sie in den letzten Jahren durchgemacht hat als es ihre Schwester im Nachhinein erforschen könnte. Eine ruhig erzählte, traurige Lebensgeschichte die es auch gut verträgt, dass nicht alle Geheimnisse und offene Fragen geklärt werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2021

Ein langes Leben

Sturmvögel
0

Auf der Insel auf der Emmy aufgewachsen ist steht der titelgebende Begriff Sturmvögel für die Seeleute die meist als Walfänger auf dem Meer arbeiten und saisonmäßig wieder in der Heimat eintreffen. Emmy ...

Auf der Insel auf der Emmy aufgewachsen ist steht der titelgebende Begriff Sturmvögel für die Seeleute die meist als Walfänger auf dem Meer arbeiten und saisonmäßig wieder in der Heimat eintreffen. Emmy nutzt diesen Begriff ihr ganzes Leben lang wenn sie die Lebensläufe anderer Menschen betrachtet.

Es gefällt mir wie wir zum Start der Geschichte die 87-jährige Emmy präsentiert bekommen: sie ist eigenständig, nicht auf den Mund gefallen und sieht ihr Umfeld mit viel Biss und Humor. Und sie will nicht bevormundet werden. Auch nicht von ihren Kindern. Diese drei wiederum werden nicht sehr sympathisch dargestellt: Hilde die Älteste immer pflichtbewusst aber nörgelnd, der Sohn Otto ist meistens klamm und schaut dass er was abstauben kann. Die jüngste, Tessa ist beruflich recht erfolgreich, lässt sich aber nicht gerne für die Familie einspannen.

Wir erfahren die gesamte Lebensgeschichte von Emmy, dem Inselkind. Sie war, geprägt von der Liebe ihres Vaters, schon als Mädchen selbstbewusst und auch vorlaut. Das hat ihr im fernen Berlin und durch die harten Kriegsjahre geholfen. Die Geschichte war glaubwürdig, der Schreibstil flüssig und sehr angenehm zu lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere