Ein grandioser History-Schmöker

Leserunde "Die fremde Königin" von Rebecca Gablé

Cover-Bild Die fremde Königin
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Mit Autoren-Begleitung
Rebecca Gablé (Autor)

Die fremde Königin

Historischer Roman

Jürgen Speh (Illustrator)

"Könige sind wie Gaukler. Sie blenden die Untertanen mit ihrem Mummenschanz, damit die nicht merken, dass das Reich auseinanderfällt"

Anno Domini 951: Der junge Gaidemar, ein Bastard vornehmer, aber unbekannter Herkunft und Panzerreiter in König Ottos Reiterlegion, erhält einen gefährlichen Auftrag: Er soll die italienische Königin Adelheid aus der Gefangenschaft in Garda befreien. Auf ihrer Flucht verliebt er sich in Adelheid, aber sie heiratet König Otto.

Dennoch steigt Gaidemar zum Vertrauten der Königin auf und erringt mit Otto auf dem Lechfeld den Sieg über die Ungarn. Schließlich verlobt er sich mit der Tochter eines mächtigen Slawenfürsten, und der Makel seiner Geburt scheint endgültig getilgt. Doch Adelheid und Gaidemar ahnen nicht, dass ihr gefährlichster Feind noch lange nicht besiegt ist, und als sie mit Otto zur Kaiserkrönung nach Rom aufbrechen, droht ihnen dies zum Verhängnis zu werden ...

Rebecca Gablé, Bestsellerautorin und Schöpferin der populären Waringham-Saga, hat nun mit ihrem Historienepos "Otto der Große" ein weiteres Meisterwerk geschaffen. Nach "Das Haupt der Welt" ist "Die fremde Königin" der zweite Band der mittelalterlichen Romanreihe.



Timing der Leserunde

  1. Bewerben 09.02.2017 - 12.03.2017
  2. Lesen 03.04.2017 - 30.04.2017
  3. Rezensieren 01.05.2017 - 14.05.2017

Bereits beendet

Schlagworte

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Rebecca Gablé richtet einen Gruß an alle Teilnehmer!
Während den zwei Wochen der Rezensionsphase, könnt ihr eure Fragen zum Buch im Thread "Fragen an Rebecca Gablé" an sie richten.

Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 16.05.2017

Der zweite Ausflug in die deutsche Geschichte

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Inhalt
Garda, 951: Adelheid, die verwitwete Königin Italiens, wird von Berengar von Ivrea gefangen gehalten. Sie soll seinen Sohn heiraten, damit die Königswürde auf seine Familie übergeht, dabei war es ...

Inhalt
Garda, 951: Adelheid, die verwitwete Königin Italiens, wird von Berengar von Ivrea gefangen gehalten. Sie soll seinen Sohn heiraten, damit die Königswürde auf seine Familie übergeht, dabei war es Berengar, der ihren Mann vergiften ließ. Doch nach viermonatiger Gefangenschaft gelingt es ihr, aus dem Verlies zu fliehen und sich in Sicherheit zu bringen.
Hilfe erhält sie dabei von Gaidemar, einem Bastardsohn aus der Verwandtschaft König Ottos. Schon bald ist er von Adelheid fasziniert, die auch nach so langer Gefangenschaft ungebrochen und immer gefasst ist. Doch in Pavia wartet König Otto auf sie, um ihr ein Angebot zu machen, das sie kaum ausschlagen kann…

Meine Meinung
Die Romane der Autorin Rebecca Gablé stehen für mich für Bücher, die man kaum aus der Hand legen kann, gute Unterhaltung, eingebettet in die tatsächlichen historischen Begebenheiten, dass man so ganz nebenbei noch sehr viel über deutsche und englische Geschichte lernen kann. Und jedes Mal geht es mir wieder so, dass ich Romane dieser Autorin schneller durchlese als manch andere Bücher anderer Autoren, die nur halb so viele Seiten haben.
Man merkt, ich liebe diese Bücher. Dennoch soll dies kein reines Loblied auf sie sein, sondern eine kritische Betrachtung.
Der vorliegende Roman beschreibt die Zeit König Ottos von seiner Hochzeit mit Adelheid bis zur Kaiserkrönung, deckt also etwa elf Jahre ab. In dieser Zeit passiert sehr viel, es gibt Krieg innerhalb der Familie, aber auch mit den Ungarn, den Slawen und den Italienern, und eine der Hauptpersonen ist eigentlich immer mitten drin. Aber auch die Politik spielt eine große Rolle, denn die Herzöge des Reiches sind alle mit Otto verwandt und verschwägert, und auch die kirchliche Macht liegt zum Teil in den Händen der Familie, was nicht nur positive Seiten hat. Hier muss man schon mal ein wenig Konzentration aufwenden, um die Gründe für das Hin und Her über die Dauer des Buches nicht aus den Augen zu verlieren. Wer das nicht mag, ist mit diesem Roman wie auch mit Büchern der Autorin im Allgemeinen nicht gut beraten. Viele Ereignisse sind dabei bis heute überliefert, andere Informationen jedoch nur oberflächlich in den alten Texten enthalten oder sehr widersprüchlich, so dass das Gerüst der Romanhandlung durch die Historie zwar vorgegeben ist, jedoch auch noch genügend Freiraum für die Autorin vorhanden ist, der Phantasie freien Lauf zu lassen und die Handlung mit Leben zu füllen.
Dabei werden die meisten Charaktere aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Insbesondere Adelheid zeigt so viele verschiedene Seiten, dass ich selbst zum Ende hin nicht wusste, ob ich sie als Romanfigur mochte oder nicht, mal war sie mir richtig sympathisch, dann wieder eher das genaue Gegenteil. Sie ist eine sehr gute Politikerin, sehr darauf bedacht, Situationen zum Vorteil ihrer Familie auszunutzen, selbst wenn das bedeutet, ihrem Gatten Informationen vorzuenthalten. Dennoch hat sie auch eine sehr menschliche Seite, die besonders, aber nicht nur im Umgang mit ihren Kindern deutlich wird.
Eine weitere Hauptperson ist Gaidemar, ein fiktiver Charakter aus Ottos Familie. Wer schon den einen oder anderen Roman von Rebecca Gablé gelesen hat, weiß, wie sie ihre fiktiven Charaktere zeichnet: Sie sind in der Regel prinzipientreu und edel, stehen zu ihrem Wort, selbst wenn es sie in Schwierigkeiten bringt, und Freundschaften sind ihnen sehr wichtig. Und genau dies trifft auch auf Gaidemar zu, er ist eindeutig der Sympathieträger in diesem Roman, nur selten bricht er aus seiner Rolle aus, dann aber überrascht dies umso mehr. Dadurch, dass wir ihn erst als jungen Mann von gut zwanzig Jahren kennen lernen, erfahren wir nicht besonders viel über seine Vergangenheit. Er ist ein Panzerreiter, der in einer Ziehfamilie aufgewachsen ist. Er hadert mit seiner Herkunft als Bastard, insbesondere aber damit, dass er nicht weiß, wer seine Eltern waren, macht jedoch das Beste daraus. Im Vergleich zu den fiktiven Hauptcharakteren anderer Romane der Autorin steht jedoch ein wenig im Hintergrund, es ist nicht seine Geschichte, die im Mittelpunkt steht, vielmehr hatte ich den Eindruck, dass die Historie hier das Zentrum der Handlung biödet und Gaidemar nur einen bestimmten Anteil darin hat.
Auch nach inzwischen zehn historischen Romanen weiß ich noch nicht, ob ich es mag oder nicht, wie Frau Gablé ihre Helden zeichnet, denn eigentlich sind sie sich charakterlich zu ähnlich. Dann aber, wenn die fiktiven Hauptcharaktere stärker in den Hintergrund rücken wie hier, fehlt mir irgend etwas. Und so hätte ich hier gerne mehr über Gaidemar gelesen, vielleicht die eine oder andere Episode, die ihn näher beschreibt, um ihn von anderen Gablé-Charakteren zu unterscheiden.
Viele der Personen aus diesem Roman kommen bereits im vorhergehenden Band vor, darunter auch Ottos Bruder Heinrich von Bayern, der hier Henning genannt wird, um es dem Leser zu erleichtern, den Überblick über die ganzen Personen zu behalten. Zwar werden die meisten Charaktere auch hier wieder passend eingeführt, so dass man Das Haupt der Welt nicht zwingend gelesen haben muss, es erleichtert das Verständnis aber sehr, wenn man ihn kennt, schon alleine, um das Verhältnis Ottos zu seinen Brüdern nachvollziehen zu können, denn hier die ganze Vorgeschichte nachzuerzählen hätte einfach den Rahmen gesprengt.
Der Schreibstil ist so, wie man es auch von anderen Romanen der Autorin kennt, nämlich flüssig zu lesen. Komplizierte Sachverhalte werden leicht verständlich dargestellt, Kampfszenen so beschrieben, dass man erkennt, wie brutal der Krieg war, ohne dass dies jedoch ausgemerzt wird. Gleiches gilt für die enthaltene Liebesgeschichte, die sich zwar im Buch findet, aber eben nicht den Hauptteil der Geschichte ausmacht. Auch auf glückliche Zufälle, die die Handlung gerade noch rechtzeitig drehen, verzichtet die Autorin weitestgehend, nur eine Szene gegen Ende könnte man als solchen bezeichnen, ich fand die Situation jedoch schlüssig.
An Zusatzmaterialien wird auch hier nicht gespart. Neben einem ausführlichen Nachwort findet man hier auch wieder ein Personenregister, in dem die wichtigsten Personen enthalten sind, sowie eine Karte, auch ein paar hübsche Illustrationen sind enthalten.

Fazit
Wer schon mit anderen Romanen von Rebecca Gablé wenig anfangen konnte, wird hier wenig Neues finden. Wer sich jedoch für ihre Art, in die Vergangenheit einzutauchen, begeistern kann, wird sich auch hier wieder für viele Stunden an sein Buch gefesselt sehen. Auch wenn dieser Roman vielleicht nicht der beste der Autorin ist, konnte er mich wieder sehr gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 11.05.2017

Die fremde Königin

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Während Rebecca Gablé im ersten Band der Reihe, „Das Haupt der Welt“, die Geschichte Ottos I. von 929-941 beschrieb, umspannt „Die fremde Königin“ die Jahre 951-962.

Adelheid von Burgund, Königin von ...

Während Rebecca Gablé im ersten Band der Reihe, „Das Haupt der Welt“, die Geschichte Ottos I. von 929-941 beschrieb, umspannt „Die fremde Königin“ die Jahre 951-962.

Adelheid von Burgund, Königin von Italien, befindet sich in der Gefangenschaft Berengars, der die Macht über ihr Herrschaftsgebiet an sich reißen möchte. Mit ihrer Rettung wird der junge Panzerreiter Gaidemar beauftragt. Er steht im Dienst König Ottos, an dessen Hof Adelheid eskortiert werden soll und den sie kurz nach ihrer erfolgreichen Flucht ehelicht. Im Laufe ihrer Regentschaft wird die Macht des Königspaares einige Male auf die Probe gestellt, oft auch aus den Reihen der eigenen Familie. Treuer Begleiter der Königsfamilie bleibt Gaidemar, dessen Aufstieg der Leser begleitet.
Bei ihm handelt es sich übrigens um eine fiktive Figur, wie gewohnt verknüpft Rebecca Gablé das Schicksal historisch verbürgter Persönlichkeiten mit dem ihrer Feder entsprungenen Helden. Eine entsprechende Kennzeichnung befindet sich im Personenregister.

Die Autorin schafft es, den Leser sicher durch die Ränkespiele zu führen, ohne dass dieser zwischen den häufig wechselnden Bündnissen und Intrigen den Überblick verliert.

Mit Adelheid hat das Buch eine starke, intelligente Protagonistin, die sich auch in politische Belange einmischt und dabei die Balance zwischen ihren persönlichen Befindlichkeiten und ihrer Stellung als Königin finden muss.
Auch wenn der Titel nahelegt, dass Adelheid die Hauptrolle gebührt, so stand für mich eher Gaidemar im Mittelpunkt des Romans. Dieser ist seiner Zeit vielleicht etwas voraus und trotz kleinerer Makel der strahlende Held der Geschichte, für meinen Geschmack hätte er gern ein paar Kanten mehr haben dürfen.
Besonders die Charakterisierung der Bösewichte war mir leider etwas zu einseitig, an ihnen wurde meist nicht ein gutes Haar gelassen.
Die große Romanze des Buches, die wohl eher zum Mitschmachten angelegt war, hatte für mich einen merkwürdigen Beigeschmack und wäre aus meiner Sicht nicht nötig gewesen – auch das etwas gekünstelte vorhersehbare Happy End erzeugte bei mir eher Stirnrunzeln.
Im Großen und Ganzen wirkten aber die meisten Figuren glaubwürdig und luden dazu ein, mit ihnen mitzufiebern.

Da ich bereits „Das Haupt der Welt“ gelesen hatte, habe ich mich gefreut, auf einige bekannte Gesichter zu stoßen. Aber auch ohne dieses Vorwissen sollte „Die fremde Königin“ gut verständlich sein.
Der flüssige Schreibstil machte die Lektüre sehr angenehm und kurzweilig, sodass ich sie auch Lesern, die sich schnell von der Seitenzahl abschrecken lassen, empfehlen kann.
Auch die Schlachtszenen – für mich in historischen Romanen oft eher ein notwendiges Übel – wurden wenig langatmig und dennoch glaubwürdig abgehandelt.

Als Laie kann ich nicht viel zur historischen Korrektheit der Handlung sagen, mir sind jedenfalls keine groben Schnitzer aufgefallen. Hatte ich mich bisher außerhalb des Geschichtsunterrichts noch nicht mit jener Zeit beschäftigt, so hat mich das Buch doch angeregt, ein paar Dinge nachzuschlagen.
Auch wer sich schon näher damit beschäftigt hat dürfte auf seine Kosten kommen, denn die Rahmenhandlung um die tatsächlichen Begebenheiten wurde gut ausstaffiert.

„Die fremde Königin“ ist zwar nicht mein Lieblingswerk der Autorin geworden, hat mir aber schöne Lesestunden beschert und keinesfalls enttäuscht. Sollte es eine Fortsetzung geben, werde ich auf jeden Fall weiterlesen.

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Veröffentlicht am 13.05.2017

Historische Fakten verpackt in guter Unterhaltungsliteratur

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Wie habe ich mich gefreut, als ich erfahren habe, dass ich zu den glücklichen Gewinnern der Leserunde bei Lesejury gehörte. Ich durfte Rebecca Gablés neuen Roman "Die fremde Königin" bereits vor dem Erscheinungstermin ...

Wie habe ich mich gefreut, als ich erfahren habe, dass ich zu den glücklichen Gewinnern der Leserunde bei Lesejury gehörte. Ich durfte Rebecca Gablés neuen Roman "Die fremde Königin" bereits vor dem Erscheinungstermin lesen und erhielt dafür das unveröffentlichte Manuskript. Am 27.04.2017 ist "Die fremde Königin" nun erschienen und endlich darf ich euch davon erzählen. In dem Buch gehen wir zurück zu Otto dem Großen, über den die Autorin bereits in "Das Haupt der Welt" geschrieben hat.

Rebecca Gablé (geboren 1964) studierte Anglistik und Germanistik mit dem Schwerpunkt mittelalterlicher Literatur. Nachdem sie ihr Studium absolviert hatte, arbeitete sie ein Jahr lang als Dozentin für altenglische Literatur an der Universität in Düsseldorf. Inzwischen ist sie freie Autorin. 1996 erschien ihr Debütroman "Jagdfieber", welcher für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert wurde. Ein Jahr später erschien ihr erster historischen Roman "Das Lächeln der Fortuna" und wurde ein Bestseller. Seither sind acht weitere historische Romane erschienen. 2006 erhielt Rebecca Gablé für ihren Roman "Die Hüter der Rose" (ihrem zweiten Waringham Roman) den Sir-Walter-Scott-Preis.

Zum zweiten Mal führt uns Rebecca Gablé in das historische Deutschland zu Zeiten Ottos dem Großen. Gaidemar, ein Panzerreiter und ein Bastard mit königlichem Blut, wird nach Garda geschickt, um die italienische Königin Adelheid aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. Es kommt wie es kommen muss und der Panzerreiter verliebt sich Hals über Kopf in die Königin. Doch diese heiratet König Otto und ist somit unerreichbar, vor allem für einen Bastard ohne Land und ohne Namen. Gaidemar wird zur Leibwache der Königin, Freund der Prinzen Liudolf und Wilhelm und gewinnt zunehmend an Ansehen. Aber er hat auch gefährliche Feinde, die ihm nach dem Leben trachten.

Rebecca Gablé ist wieder einmal ein gut recherchierter historischer Roman gelungen, wenngleich ich sagen muss, dass er an ihre bisherigen Werke nicht heran reicht. Zwar stürzt die Autorin den Leser wie gewohnt direkt hinein in die Handlung, allerdings gibt es so viele historische Fakten zu klären, dass die Geschichte zu Beginn noch etwas blass und trocken daher kommt. Wieder tauchen unheimlich viele Charaktere im Buch auf, sodass man manchmal Schwierigkeiten hat, alle im Blick zu behalten. Wer ist mit wem verwandt, wer wem treu ergeben, wer plant einen Verrat? Die Autorin musste sehr viele Fakten auf kleinem Raum zusammen bringen, sodass es manchmal zu einer knappen Aneinanderreihung der vielen Ereignisse kommt, welche etwas ermüdend auf mich wirkten. Aber was soll man sagen, auch so hat das Buch schon einen Umfang von über 750 Seiten. Da ist es bei den vielen Ereignissen zu jener Zeit nicht verwunderlich, dass die Unterhaltung etwas auf der Strecke bleibt.
Die Charaktere haben mir gut gefallen. Da die Geschichte aus mehreren unterschiedlichen Perspektiven berichtet wird (Gaidemar, Adelheid, Liudolf…) blieb es leider aber auch nicht aus, dass die Protagonisten nicht wie von der Autorin sonst gewohnt tiefgängig sind. Sie bleiben teilweise blass, stehen am Rande als Beobachter der Geschehnisse. Ich hätte mir hier noch ein wenig mehr Tiefgang gewünscht. Ich konnte mich dennoch sehr gut in die verschiedenen Protagonisten hinein versetzen und fieberte dem einem mit, während ich dem anderen den Tod wünschte. Das muss man als Autor erst einmal schaffen! Besonders hat mir der Panzerreiter Gaidemar gefallen, der es nicht leicht in seinem Leben hat. Er kam auch nicht immer als Retter der Lage daher, sondern durfte auch seine dunkle Seite zeigen, welche für den Leser zum Teil schockierend ist, zur damaligen Zeit aber nicht ungewöhnlich. Somit haben wir hier zwar wieder einen typischen Gablé-Protagonisten, der treu, selbstlos, tapfer und ergeben ist. Gleichzeitig hebt er sich durch seine teilweise kaltblütige Art und Weise aber zu den früheren Protagonisten der Autorin ab.

Rebecca Gablés Schreibtstil ist wie gewohnt sehr verständlich, ohne dabei einfach zu wirken. Im Gegenteil, die Autorin bedient sich einer gehobenen Sprache, die für uns vielleicht manchmal etwas gestelzt wirkt, aber damit zur damaligen Zeit äußerst passend ist. Und das ist bei historischen Romanen sehr wichtig, um die Authentizität zu gewährleisten. Die Figuren müssen nicht nur wie zu jener Zeit handeln, sondern sollten sich auch in Wort und Geste danach gebaren. Das ist Frau Gablé wieder einmal gelungen.

Ein lesenswertes Buch, welches aber nicht ganz an ihrer vorherigen Bücher heran kommt. Wie dem auch sei, ich habe wieder einiges aus der deutschen Geschichte lernen können, ohne dabei langweilige Sekundärliteratur wälzen zu müssen. Das hat die Autorin übernommen und wieder einmal ein gut recherchiertes historisches Werk vorgelegt. Sie ist nicht umsonst eine meiner liebsten Autoren historischer Unterhaltungsliteratur.

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Veröffentlicht am 03.05.2017

Eintauchen in historische Welten

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Das Buch „Die fremde Königin“ wurde von Rebecca Gablé, bekannt vor allem für ihre gut recherchierten Historienromane, geschrieben. Es ist der 2. Band eines Historienepos über König Otto I und seine Regentenzeit.
Die ...

Das Buch „Die fremde Königin“ wurde von Rebecca Gablé, bekannt vor allem für ihre gut recherchierten Historienromane, geschrieben. Es ist der 2. Band eines Historienepos über König Otto I und seine Regentenzeit.
Die junge, verwitwete Königin Adelheid von Italien wird von Berengar von Ivrea gefangen gehalten, da er sie dazu zwingen möchte, seinen Sohn zu ehelichen. Doch Adelheid weigert sich rigoros. Zu ihrer Rettung ausgesandt wird einer der Panzerreiter Ottos des Ersten, Gaidemar. Gaidemar ist ein Bastard ungekannter Herkunft, jedoch von adeligem Geblüt. Die Flucht aus Italien schweißt Adelheid und Gaidemar unweigerlich zusammen und der junge Reiter verliebt sich in sie.
Natürlich muss diese Liebe unerfüllt bleiben, denn Adelheid wird zu Ottos zweiter Gemahlin, was natürlich seinen Kindern nicht gut gefällt, fürchtet doch gerade sein ältester Sohn Luitolf um sein Thronerbe.
Dennoch wird Gaidemar ein enger Vertrauter der Königin und bekommt Dank seiner Beziehungen auch die zuvor verlorene Gunst des Königs wieder. Gemeinsam stehen sie einige Schlachten durch und Gaidemar verlobt sich schlussendlich mit einer slawischen Fürstentochter.
Dass dies nicht unbedingt das Happy End sein kann, können sich Leser von Rebecca Gablé sicherlich denken. Denn auf dem Weg zu einem möglicherweise glücklichen Ende passieren den Charakteren in ihren Büchern viele Abenteuer und erleben sie schwere Schicksalsschläge. Immer wieder gelingt es ihr, dass man mit den handelnden Personen mitfiebert und die Geschehnisse ziehen einen in ihren Bann.
Ich konnte tief in die Geschichte eintauchen und war wie immer ein wenig traurig, als ich das Buch ausgelesen habe. Zwar kenne ich den Vorgängerroman, es ist aber nicht unbedingt notwendig, ihn gelesen zu haben, um die Handlung von „Die fremde Königin“ nachvollziehen zu können, da der Band in sich geschlossen ist. An manchen Stellen hatte ich jedoch Schwierigkeiten, die vielen Personen zu unterscheiden und sich zu erinnern, was ihnen zuvor passiert ist.
Ich kann das Buch jedem Leser empfehlen, der sich für Historienromane interessiert, denn es ist gut recherchiert und fiktive Charaktere und historische Persönlichkeiten werden wunderbar kombiniert. Ich staune immer wieder, welchen Stoff für Romane die Geschichte bietet. Insgesamt wird dem Leser die Epoche Ottos I sehr gut nahegebracht und ich konnte einiges lernen, was mir aus dem Geschichtsunterricht nicht bekannt war.
„Die fremde Königin“ hat mir wieder ein besonderes Lesevergnügen beschert und ich gebe dem Buch 4 Sterne!

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Veröffentlicht am 02.05.2017

Ausflug ins Frühmittelalter

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Wie schon in „Das Haupt der Welt“ befasst sich Rebecca Gable auch in diesem Roman mit der deutschen Geschichte. Im Mittelpunkt steht Otto der Große, der mit harter und doch weiser Hand über sein Reich ...

Wie schon in „Das Haupt der Welt“ befasst sich Rebecca Gable auch in diesem Roman mit der deutschen Geschichte. Im Mittelpunkt steht Otto der Große, der mit harter und doch weiser Hand über sein Reich herrscht. Dabei muss er sich aber nicht nur gegen äußere Feinde wie Ungarn und Slawen durchsetzen, sondern ist auch mit Widersachern innerhalb seiner eigenen Familie konfrontiert.

Ihren Ausgang nimmt die Handlung im Garda des Jahres 951, wo die italienische Königin Adelheid monatelang in einem Verlies festgehalten wird, bis der Panzerreiter Gaidemar ihr in Ottos Auftrag zur Flucht verhilft.
Adelheid heiratet Otto und ist fortan darum bemüht, nicht nur ihre ehelichen Pflichten zu erfüllen, sondern sich als kluge und umsichtige Ratgeberin auch in das Regierungsgeschäft einzubringen.
Auch Gaidemars Leben durchläuft diverse Änderungen. Obwohl er ein Bastard ist, erringt er Wertschätzung und Vertrauen einiger mächtiger Persönlichkeiten und gelangt in einflussreiche Positionen, muss aber auch viele Gefahrensituationen und Schicksalsschläge meistern.

Es gelingt der Autorin hervorragend, die Vergangenheit wiederauferstehen zu lassen. Der Roman dürfte sehr gut recherchiert sein, es fließen viele interessante Informationen zu den geschichtlichen Hintergründen ein.
Mit Ausnahme von Gaidemar treten überwiegend reale historische Persönlichkeiten auf, weshalb sich der Inhalt nahe an reale Geschehnisse anlehnt. Da die Überlieferung aus dieser Epoche aber lückenhaft ist, hatte die Autorin doch einigen Spielraum für dichterische Freiheiten. Was Wahrheit und was Fiktion ist, wird dann in einem ausführlichen und informativen Nachwort erläutert.

Es wird immer wieder Spannung aufgebaut und die Handlung kann mit wirklichen Überraschungen aufwarten.
Einiges ist allerdings ziemlich vorhersehbar und vor allem am Ende fügen sich viele Dinge zu perfekt.
Außerdem hatte ich gewisse Schwierigkeiten, mit den Protagonisten richtig warm zu werden. Sie werden teilweise zu distanziert geschildert. Schön fand ich aber das Wiedersehen mit einigen aus dem ersten Teil bekannten Figuren, zum Beispiel Tugomir.

Nichtsdestotrotz ist dies ein lesenswerter historischer Roman, der sich eines interessanten Themas annimmt. Ich habe von Frau Gable allerdings schon bessere Bücher gelesen

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