Cover-Bild Der Markisenmann
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Heyne
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 336
  • Ersterscheinung: 21.03.2022
  • ISBN: 9783453273771
Jan Weiler

Der Markisenmann

Roman
Was wissen wir schon über unsere Eltern? Meistens viel weniger, als wir denken. Und manchmal gar nichts. Die fünfzehnjährige Kim hat ihren Vater noch nie gesehen, als sie von ihrer Mutter über die Sommerferien zu ihm abgeschoben wird. Der fremde Mann erweist sich auf Anhieb nicht nur als ziemlich seltsam, sondern auch als der erfolgloseste Vertreter der Welt. Aber als sie ihm hilft, seine fürchterlichen Markisen im knallharten Haustürgeschäft zu verkaufen, verändert sich das Leben von Vater und Tochter für immer.

Ein Buch über das Erwachsenwerden und das Altern, über die Geheimnisse in unseren Familien, über Schuld und Verantwortung und das orange-gelbe Flimmern an Sommerabenden.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.04.2024

Coming of Age im Ruhrgebiet

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Als die fünfzehnjährige Kim die Sommerferien bei ihrem bis dahin unbekannten Vater verbringen soll, ist sie schwer enttäuscht: Ronald Papen ist ein erfolgloser Markisenverkäufer, von hässlichen noch dazu.
Aus ...

Als die fünfzehnjährige Kim die Sommerferien bei ihrem bis dahin unbekannten Vater verbringen soll, ist sie schwer enttäuscht: Ronald Papen ist ein erfolgloser Markisenverkäufer, von hässlichen noch dazu.
Aus Langeweile begleitet sie ihn auf seinen Touren durchs Ruhrgebiet und damit steigen nicht nur die Verkaufszahlen, sondern auch Vater und Tochter lernen sich kennen.

Das Cover dieses Buches hat schon oft meine Aufmerksamkeit erregt. Nicht, weil es besonders hübsch wäre, sondern weil es einfach nur das Muster der typischen orangen DDR-Markisen zeigt. Und genauso langweilig wie das Cover scheint Protagonist Ronald Papen auf den ersten Blick zu sein: Er wohnt in einer Halle auf einem Fabrikgelände, fährt tagein, tagaus durch das Ruhrgebiet, um Markisen zu verkaufen und hat ein paar schrullige Angewohnheiten.
Aber genauso wie das Buch seine Leser*innen, überrascht Papen seine Tochter mit dem gar nicht so langweiligen Inhalt.

Im Laufe der Geschichte baut sich eine rührselige Beziehung zwischen Vater und Tochter auf, wir erfahren ebenso wie Kim immer mehr über den schweigsamen Markisenmann, am Ende der Ferien sogar das große Familiengeheimnis: den Grund, warum Ronald Papen sich fünfzehn Jahre lang nicht bei seiner Tochter gemeldet hat.

"Der Markisenmann" ist ein Coming-of-Age-Roman der besonderen Art und damit meine ich nicht nur den ungewöhnlichen Schauplatz - das Ruhrgebiet -, sondern vor allem seine Figuren.
Allen voran natürlich Papen selbst mit all seinen seltsamen Angewohnheiten, aber auch sämtliche Nebencharaktere, die auf den ersten Blick eher durchschnittlich wirken, schließt man nach kürzester Zeit ins Herz.
Es entstehen viele kuriose Situationen, auf den Verkaufstouren und nach Feierabend in der Kneipe, die mich oft zum Lachen gebracht haben.
Gleichzeitig schafft es Jan Weiler, mit den kleinsten Alltagssituationen große Gefühle zu erzeugen und erzählt Kims Geschichte so warmherzig, dass ich oft einen Kloß im Hals hatte.

Das Buch kann ich uneingeschränkt empfehlen, es lässt sich leicht lesen und wirkt auf den ersten Blick zwar ganz banal, hat mich aber mit seiner Tiefgründigkeit überrascht. Es ist eine Liebeserklärung an das Ruhrgebiet mitsamt seinen eigenwilligen, aber herzensguten Einwohnern, ein Buch über das Erwachsenwerden und über Schuld und Vergebung.
Für mich ist es auf jeden Fall jetzt schon ein Jahreshighlight.

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Veröffentlicht am 29.10.2022

Ein Jahreshighlight

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Dieses Buch macht schon durch seine schreienden Farben auf sich aufmerksam.
Genial ist, dass diese Farben in der Geschichte eine große Bedeutung haben. Denn es handelt sich dabei um das Farbmuster einer ...

Dieses Buch macht schon durch seine schreienden Farben auf sich aufmerksam.
Genial ist, dass diese Farben in der Geschichte eine große Bedeutung haben. Denn es handelt sich dabei um das Farbmuster einer Markise.

Diese und eine weitere, nicht minder Augenkrebs fördernde Kombi, werden von Kims Vater an den Mann bzw. die Frau gebracht.
Warum er nur diese zwei Markisen in seinem Repertoire hat, muss der Leser selbst herausfinden.

Kim wird nach einem schlimmen Zwischenfall von ihrer Mutter über die Sommerferien zu ihrem Vater geschickt. Kim kennt den Mann nicht und landet im Leben eines Fremden.
Ab sofort darf sie die umfunktionierte Abstellkammer einer Halle, ihr Zimmer nennen.
In dieser Halle lebt ihr Erzeuger zusammen mit seinen zwei Markisenausführungen.
Für Kim steht schnell fest, dass sie nicht bleiben wird. Bevor sie jedoch abhaut, will sie sich einmal umsehen.

Die Geschichte hat mich ziemlich überrascht. Es geht um das Erwachsenwerden, Familiengeheimnisse und darum, dass nicht immer alles ist, wie es zu sein scheint.

Kim's Vater ist eine großartige Persönlichkeit.
Die Entwicklung ihrer Beziehung ist einfach schön anzusehen. Kim lernt von ihrem Vater, auch mit einfachen Dingen zufrieden zu sein. Während Kim ihrem Vater neue Wege und Möglichkeiten aufzeigt.

Für mich eine außerordentlich, eindrucksvolle Geschichte über Verantwortung und Schuld.
Ein ausgezeichnetes Buch, welches für mich zu einem Jahreshighlight geworden ist.

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Veröffentlicht am 22.09.2022

"Mumbai" oder "Kopenhagen"?

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Das ist in etwa die gleiche Auswahl wie zwischen Pest und Cholera. So jedenfalls fühlt es sich für die fünfzehnjährige Kim an, als sie entdeckt, mit was ihr Vater mehr schlecht als recht sein Geld verdient, ...

Das ist in etwa die gleiche Auswahl wie zwischen Pest und Cholera. So jedenfalls fühlt es sich für die fünfzehnjährige Kim an, als sie entdeckt, mit was ihr Vater mehr schlecht als recht sein Geld verdient, nämlich mit dem Verkauf von unleugbar häßlichen Balkonmarkisen in zwei Designs. "Ein gigantischer Vorrat an Markisen, mit denen man halb Deutschland verschatten konnte." (S. 49) Sechs Wochen Sommerferien bei ihrem Vater, den sie bis dahin noch nie gesehen hat und von dem sie nichts weiß. Mutter, Stiefvater und Stiefbruder sind allein in Florida, wegen des "Vorfalls", und Kim sitzt in der Lagerhalle ihres Vaters mitten im Ruhrgebiet und weiß noch nicht, dass dieser Sommer ihr Leben verändern wird. Dass sie den Haustürverkauf ihres Vater in die Hand nimmt, ist erst der Beginn.

Vorweg: Ich habe mich weggeworfen vor Lachen. Die Verkaufstouren von Vater und Tochter, die Abende bei Klaus in Rosi's Pilstreff oder später im MBC, das Fußballspiel zwischen Schalke 04 und Dinslaken, das Skatturnier der Arbeiterwohlfahrt in Rheinhausen. Lauter Maximalausschläge auf der Gute-Laune-Skala. Der staubtrockene Humor, die Vergleiche und Metaphern haben mir sehr gefallen. ("Skat ist das Fliegenfischen unter den Kneipensportarten." S. 234)

Jan Weiler hat aber nicht nur einen urkomischen, kurzweiligen Roman geschrieben, sondern auch einen traurigen und nachdenklich stimmenden. Es geht um gescheiterte Beziehungen, den Platz im Leben und um Verrat und Schuld. Für Vater und Tochter stellt sich die zentrale Frage gleichermaßen: Warum hast Du das getan?

Die Geschichte wird in der Rückschau aus der Sicht von Kim geschildert. Daher liegt hier durchaus ein Coming-of-Age-Roman vor. Ihr Charakter ist den Lesern am nächsten, aber auch ihren Vater Ronald Papen und ihren Stiefvater Heiko Mikulla lernt man zusehends besser kennen und auch verstehen.

Eine absolute Leseempfehlung. Man lernt viel in diesem Roman, über Beschattung, die ehemalige DDR und über Eis und Wurst im Ruhrgebiet: "Bei Eis immer Venezia, denn das Venezia ist das Akropolis der Eisherstellung." (S. 164)

Es gibt viel Musik in diesem Roman und am Ende des Buches den QR-Code zum Soundtrack, der auch bei einem Audio-Streaming-Dienst hinterlegt ist. Großartige Idee.

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Veröffentlicht am 17.07.2022

Ein unerhört gutes Buch!

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Der Markisenmann
Jan Weiler

Die 15-Jährige Kim Papen wächst bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater im Kölner Villenviertel auf. Eigentlich hat sie alles, was man sich für Geld kaufen kann, nur an Elternliebe ...

Der Markisenmann
Jan Weiler

Die 15-Jährige Kim Papen wächst bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater im Kölner Villenviertel auf. Eigentlich hat sie alles, was man sich für Geld kaufen kann, nur an Elternliebe fehlt es komplett. Ihr Stiefvater Heiko behandelt sie wie ein Anhängsel, als etwas, was er dazubekam, als er ihre Mutter heiratete. Er stichelt sie, zieht sie auf und beachtet sie nicht. Als ihr kleiner Stiefbruder geboren wird, verstärkt sich die Situation und Kim erfährt keine Aufmerksamkeit mehr.
Von ihrem leiblichen Vater besitzt sie nur eine verschwommene Fotografie - er verliess die Familie als sie 2 Jahre alt war, seitdem hat sie nie wieder etwas von ihm gehört. Ständig denkt sie sich Entschuldigungen aus, weshalb ihr Vater sich nicht meldet.

„>>Ich habe keine Zeit.<<
>>Ich habe kein Interesse an dir.<<
>>Ich darf nicht.<<
>>Ich trau mich nicht.<<
Keiner diese Sätze passte, auch nicht der Gedanke, dass er mich nicht hätte finden können. Schliesslich hatte ich ihn ja auch aufgespürt, zumindest in meinem Tagtraum.“ (S. 9)

„Wenn mein Stiefvater Heiko meinen Vater erwähnte, nannte er ihn den >>feinen Herrn Papen<<. Ich wusste noch nicht, was Sarkasmus war, aber diesen feinen Herrn stellte ich mir als einen Mann mit Sonnenbrille und dreiteiligem Anzug vor, sehr groß, wie alle Väter sind, sehr freundlich auch, aber beschäftigt mit ernsten Details eines unbegreiflichen Berufes.“ (S. 9)

Kims Vernachlässigung nimmt immer mehr zu, und da sie mit guten Noten nicht punkten kann, beginnt sie die Schule zu schwänzen und zu klauen. An einem Nachmittag, beim Grillen kommt es zu einem Unfall, wo ihr Bruder durch Kims Kurzschlusshandlung verletzt wird.
Kim wird kurzerhand über die Sommerferien zu dem Mann abgeschoben, den sie seit 13 Jahren nicht mehr getroffen hat: Ihren Vater.
So wird Kim in den Zug gesetzt und nach Duisburg geschickt, wo der "feine Herr Papen" sich als kleiner, bescheidener Markisenvertreter entpuppt, ein Mann, der in einer verfallenen Halle wohnt, ein altes Auto fährt und bescheidener sowie ehrlicher nicht sein könnte.

Jan Weiler hat mit dem Markisenmann ein unglaublich feines Buch geschrieben. Es ist nicht nur eine tiefgründige Geschichte, gespickt mit einem Hauch von Sarkasmus und Humor, vielmehr ist es ein Buch über Freundschaft, Verantwortung und begangene Fehler, welche unverzeihlich und nicht mehr umkehrbar sind.
Für mich ist dieses Buch nicht nur eine ganz besondere Sommergeschichte, sondern ein Buch mit Tiefgang, ein Jahreshighlight und ein MUST READ.
5 / 5

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Veröffentlicht am 30.06.2022

Jahreshighlight

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Obwohl Kim in einem wohlhabenden Haushalt quasi im Luxus aufwächst, fühlt sie sich, wie das 5.te Rad am Wagen. Nicht zuletzt da ihr Stiefvater immer wieder kleine Sticheleien und Spitzen über ihren Erzeuger ...

Obwohl Kim in einem wohlhabenden Haushalt quasi im Luxus aufwächst, fühlt sie sich, wie das 5.te Rad am Wagen. Nicht zuletzt da ihr Stiefvater immer wieder kleine Sticheleien und Spitzen über ihren Erzeuger fallen lassen. Eines Tages auf einer Party hat sie einen Aussetzer, infolgedessen ihr Halbbruder schwere Brandwunden erleidet. Ihr Halbbruder kommt ins Krankenhaus. Anschließend fahren ihre Eltern in den Urlaub nach Amerika ohne sie. Denn für Kim hat ihre Familie einen ganz anderen Urlaub geplant. Sie soll ihn bei ihrem Leiblichen Vater Papen verbringen. Dieser lebt in einer alten Lagerhalle, zusammen mit einen riesigen Restposten von Markisen aus DDR Produktion. Kim zieht es fast den Boden unter den Füßen weg, als sie realisiert, das sie für 6 Wochen dort hausen soll. Ist sie anfangs noch von Fluchtgedanken getrieben, arrangiert sie sich nicht nur mit ihren neuer Lebensrealität, sondern findet daran Gefallen. Sie lernt das ganze Gegenteil vom Leben im Luxus kennen und gewinnt zusehens an Bodenhaftung. Auch das Verhältnis zu ihrem Vater wird immer enger. So das er am Ende ihrer gemeinsamen Zeit sein großes Geheimnis offenlegt.

Der Autor hat es geschafft mich mit seinen mitreisenden Schreibstil zu packen. Nicht zu letzt da er sich nicht nur dem Thema Wohlstandsverwahrlosung, Kindsmisshandlung sondern auch der Nachwirkung der Stasi auf das soziale Zusammenleben widmet.

Es wird nicht nur Kims Geschichte erzählt, wie sie von ihren Eltern vernachlässigt und regelmäßig drangsaliert wird, sondern auch ihr Scheitern an der Gesellschaft und Schule. Ein Leben im Überfluss mit allem Luxus macht auf lange Sicht auch nicht glücklich. Ihre Leistungen in Schule lassen immer weiter nach und sie verliert den Anschluss. Das sie dann nach ihrem schicksalhaften Aussetzer zu ihrem Vater kommt ist für sie ein Segen. Sie erlebt wie es ist geliebt zu werden, die kleinen Freuden des Lebens zu schätzen. Ihr Wertekompass wird durch ihren Vater nach und nach wieder ins Lot gebracht. Es entwickelt sich eine herzliche Tochter-Vater- Beziehung, von der beide profitieren. Den zum ersten Mal seit über 14 Jahren hat er zusammen mit seiner Tochter Erfolg bei dem Verkauf von Markisen als fahrender Händler im Ruhrgebiet.

Auch wenn die Figuren in dieser Geschichte alles andere als leicht sind, wachsen sie einen unglaublich ans Herz. Vor allem weil sie sich nicht unterkriegen lassen, sondern ihren Weg finden. Charakterlich wachsen und ihren Wertekompass, im Falle von Kim komplett neu justieren. Die Selbstbestrafung von Papen, in dem er über ein Jahrzehnt an dem Vertrieb von Markisen mit Konstruktionsfehler festhält, zeigt nicht nur welche Schuld sondern auch Scharm seit all den Jahren mit sich herumträgt. Aber gerade das Aufeinandertreffen von 2 gescheiterten Persönlichkeiten, die noch dazu Vater und Tochter sind, sich zusammenraffen und zusammen ein kurzes gemeinsames Erfolgsmärchen schaffen ist einfach unglaublich.

Fazit: Dieser Roman ist meinem neuen Lieblingsbuch geworden. Nicht zuletzt wegen dieses tollen Schreibstil. Zugegeben der Inhalt bzw. die Themen sind nicht immer einfach, aber wie sich die Figuren im Laufe der Geschichte entwickeln ist einfach nur genial. Ich kann dieses Buch nur jede wärmstens an Herz legen. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung.

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