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Veröffentlicht am 04.07.2022

Jugendroman-Volltreffer

Falling in love was not the plan
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„Falling in Love was not the Plan” von Autorin Michelle Quach ist eine sehr gelungene Mischung aus amerikanischer Teenage-Romcom und gesellschaftskritischem Denkanstoß. Es greift schwierige Themen wie ...

„Falling in Love was not the Plan” von Autorin Michelle Quach ist eine sehr gelungene Mischung aus amerikanischer Teenage-Romcom und gesellschaftskritischem Denkanstoß. Es greift schwierige Themen wie Sexismus, Rassismus und allgemeines Vorurteilsdenken gekonnt auf und ist dabei gleichzeitig herzerwärmend, humorvoll und mitreißend.
Im Zentrum der Erzählung steht Eliza Quan, eine amerikanische Teenagerin chinesisch-vietnamesischer Abstammung, die angestachelt von Fleiß und Ambitionen ungebremst auf den Posten der Chefredakteurin der Schülerzeitung zusteuert. Sie ist entschlossen, qualifiziert und bestens geeignet für den Job – und wie vor den Kopf gestoßen, als er an einen Anderen geht!
Ausgerechnet Len DiMartile, der gutaussehende Ex-Baseball Jock soll die Stelle bekommen, für die sie so hart gearbeitet hat, obwohl er erst seit Kurzem bei der Schülerzeitung ist und im Grunde nichts vorzuweisen hat, außer seiner Beliebtheit.
In einem Artikel schreibt sich Eliza all ihren Frust von der Seele, besonders darüber wie sich gelebter Sexismus nach wie vor durch den Schulalltag zieht und das Menschen wie Len dadurch profitieren.
Als der verhängnisvolle Text – der nie dafür bestimmt war von fremden Augen gelesen zu werden – am nächsten Tag auf der Titelseite der Schülerzeitung erscheint, hängt der Schulsegen auf einmal gefährlich schief und Eliza findet sich in einer Rolle wieder, in der sie sich selbst vermutlich nie gesehen hätte. Sie wird zum Kopf der feministischen Bewegung an ihrer Highschool und bekommt endlich eine reelle Chance, für mehr Gleichheit zu sorgen. Und während sie lernen muss, dass es beim Feminismus nicht immer eindeutig schwarz oder weiß, richtig oder falsch ist, findet Eliza schon bald heraus, dass auch Len weitaus mehr ist als nur ein Profiteur der Geschlechter-Ungerechtigkeit.
Mir hat dieses Buch wirklich gut gefallen. Michelle Quachs Schreibstil ist sehr leichtgängig, mitreißend und spiegelt hervorragend die Denk- und Handlungsweise der Protagonistin wider, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Sie schreibt außerdem sehr humorvoll und gewitzt, sodass man sich all zu leicht von der zeitgenössischen, romantischen und lustigen Atmosphäre einfangen lassen kann. Auch sprachlich war es sehr ansprechend. Die gewitzte Rhetorik und besonders auch die kulturellen Einflüsse (zB Sprichwörter auf Kantonesisch) haben mir sehr gefallen.
Auch interessant war, dass man es mit Eliza nicht unbedingt mit einer super liebenswerten Protagonistin zu tun hat. Sie ist in der Tat nicht perfekt, aber das macht sie und ihre Entwicklung auch so spannend. Einerseits ist sie scharfsinnig, klug und hat ein nahezu unerschütterliches Vertrauen in sich selbst und ihre Fähigkeiten. Andererseits hat sie auch etwas sehr ich-bezogenes, ist schnell damit andere vorzuverurteilen, ohne diese richtig zu kennen und bildet sich sehr viel darauf ein, genau zu wissen, was richtig oder falsch ist. Es ist interessant zu beobachten, dass sie in diese Rolle der feministischen Anführerin der Schulbewegung rutscht, ohne Feminismus in seiner Gesamtheit und in all seinen Nuancen verstanden zu haben (und das hat sie ganz eindeutig nicht, so wie sie teilweise über ihre Mitschülerinnen und Mitschüler urteilt). Aber am Ende des Tages macht das ihre Figur auch so authentisch. Sie macht Fehler, liegt eben nicht immer richtig und muss noch eine Menge lernen. Eliza ist halt noch ein Teenager.
Doch ihre neue Rolle als feministische Anführerin gibt ihr nicht nur die Chance, vielleicht doch den Job zu bekommen, auf den sie so hart hingearbeitet hat, sie zwingt sie auch ihre Eigenbrötlerische, Mit-der-besten-Freundin-zusammen-gegen-den-Rest-der-Welt Haltung zu überdenken. Die vielen Gespräche, die sich dadurch ergeben, besonders die mit Len und Serena helfen ihr im Laufe des Buches sehr dabei zu erkennen, dass es kein genaues Regelwerk gibt, dem man folgen muss, wenn es darum geht, eine Feministin zu sein.
Die Geschichte lebt durch diese vielschichtigen, Makel-behafteten und interessanten Nebenfiguren, die auf die eine oder andere Weise an Elizas Seite landen. Winona hat es mir besonders angetan. Als quasi Stimme der Vernunft hat sie eigentlich immer etwas Wertvolles zu den Szenen beisteuern können.
Die Romanze mit Len fand ich auch sehr süß ausgearbeitet. Len ist ein sehr einnehmender Charakter und Eliza macht es ihm, um ehrlich zu sein, wirklich nicht leicht. Umso schöner ist es zu verfolgen, wie sie einander langsam besser kennenlernen und beginnen, Verständnis für den jeweils anderen aufzubringen. Ich denke, ich hätte es sehr spannend gefunden auch etwas aus Lens Perspektive lesen zu können.
So gut mir die Charaktere und ihre Dynamik untereinander gefallen, insbesondere da die Handlung sich sehr auf sie, ihre Entscheidungen und Gedankengänge konzentriert, so sehr habe ich auch geschätzt, wie nuanciert die Autorin verschiedene gesellschaftsrelevante Themen eingearbeitet hat. Sie präsentiert hier keinen grundlegenden Leitfaden für Feminismus und Sexismus, taucht nicht in die Abgründe aller Kontroversen ein oder nimmt das Patriarchat auseinander, bleibt dabei aber keineswegs oberflächlich und platt. Was sie tut, ist eine sehr reale und nachfühlbare Situation von Alltagssexismus zu kreieren, ohne dabei in Schwermütigkeit zu verfallen.
Alles in Allem fällt mein Fazit zu „Falling in Love was not the Plan“ von Michelle Quach sehr positiv aus und ich kann es gerade jüngeren Lesern nur ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 28.06.2022

Bin jetzt auch ein Stage Dive Fan

Kein Rockstar für eine Nacht
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„Kein Rockstar für eine Nacht“ ist der Auftaktband zu der vierteiligen Rockstar-Romance-Reihe von Autorin Kylie Scott und erzählt was eine durchzechte Nacht in Vegas so anrichten kann. Mit den Konsequenzen ...

„Kein Rockstar für eine Nacht“ ist der Auftaktband zu der vierteiligen Rockstar-Romance-Reihe von Autorin Kylie Scott und erzählt was eine durchzechte Nacht in Vegas so anrichten kann. Mit den Konsequenzen einer solchen Nacht hat nämlich die Protagonistin Evelyn zu kämpfen, als sie mit dem schlimmsten Kater ihres Lebens und einem fünf-Karat großen Ehering am Finger auf dem Badezimmerboden ihres Hotelzimmers erwacht. Der passende Ehemann dazu lässt auch nicht lange auf sich warten und damit fangen die Probleme an. Evelyn hat niemand geringeren als David Ferris geheiratet und der Gitarrist und Songwriter der erfolgreichen Rockband Stage Dive ist gar nicht begeistert davon, dass seine frisch gebackene Ehefrau scheinbar einen totalen Filmriss hat. Noch weniger begeistert sind nur die tausenden von wütenden Fans des Rockstars, die in Evelyn eindeutig eine Bedrohung für das Wohlergehen von Stage Dive sehen.
Evelyns zuverlässig durchgeplantes Leben hätte kaum schlimmer ins Chaos gestürzt werden können und als das Haus ihrer Eltern bei ihrer Rückkehr von wütenden Fans und gieriger Presse belagert wird, bleibt ihr keine andere Möglichkeit, als den Sturm ausgerechnet an der Seite ihres Ehemanns auszusitzen.
Alles in allem hat mir das Buch wirklich sehr gefallen. Ich wollte schon ewig mal ein Buch von der Autorin lesen und ich bin sehr froh, dass meine Wahl auf dieses hier gefallen ist. Der Schreibstil ist locker leicht, lässt einen quasi durch die Seiten fliegen und besticht außerdem durch seinen humorvollen Einschlag. Geschrieben wir ausschließlich aus der Sicht von Evelyn und so bekommt man sozusagen in Echtzeit mit, was der Wahnsinn des Berühmtseins für einen Einfluss auf das Leben haben kann. Dieser Aspekt hat mir sehr gefallen.
Evelyn und David fand ich als Protagonisten schnell sehr sympathisch und sie haben gut miteinander harmoniert. Nach einem doch sehr unglücklichen Start, entwickelt sich ihre Beziehung schnell in eine neue Richtung und ich fand wirklich schön, wie sich die Dynamik zwischen ihnen allmählich verändert.
Ich hätte es interessant gefunden, auch ein wenig der Handlung aus Davids Perspektive erleben zu können. Seine Figur hat mir sehr gefallen, aber manche Aspekte seines Handelns und Fühlens, ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen, hätten nach meinem Empfinden etwas besser ausgearbeitet werden können. Die letzten Kapitel erklären zwar viel und bieten eine gute Lösung, mir war es allerdings ein wenig zu „einfach“, wie schnell sich alles dann aufgelöst hat.
Erwähnen möchte ich auch noch die tollen Nebencharaktere. Es ist eine dieser Geschichten, bei denen man nicht nur wegen der Protagonisten dranbleiben möchte, sondern auch weil die ganze Atmosphäre der Geschichte so stark von den anderen Figuren mitgetragen wird. Besonders Mal, der Schlagzeuger der Band und Davids ältester Freund, hat es mir sehr angetan und ich möchte jetzt auch unbedingt seinen Teil der Reihe lesen.
Alles in allem konnte ich wunderbar in die Geschichte eintauchen und habe sie in einem Rutsch gelesen, weil ich so problemlos von ihr mitgerissen wurde. Die Charaktere laden zum verweilen ein und machen definitiv Vorfreude auf die anderen Teile der Reihe.

Veröffentlicht am 06.06.2022

Sie starten zu Sechst, doch nur Fünf können es schaffen

The Atlas Six
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„The Atlas Six“ von Autorin Olivia Blake hat mich mit seinem Klappentext definitiv geködert. Magie, geheimnisvolle Entdeckungen und eine Gruppe völlig unterschiedlicher Figuren klangen zugegeben ganz nach ...

„The Atlas Six“ von Autorin Olivia Blake hat mich mit seinem Klappentext definitiv geködert. Magie, geheimnisvolle Entdeckungen und eine Gruppe völlig unterschiedlicher Figuren klangen zugegeben ganz nach meinem Geschmack und da es mein erstes Dark Academia Buch seit einer ganzen Weile werden sollte, war ich direkt doppelt gespannt.
Die Handlung folgt der Gruppe um Callum, Tristan, Nico, Libby, Reina und Parisa. Sie haben eigentlich nichts gemeinsam, kommen aus vollkommen unterschiedlichen Welten, jede und jeder mit seiner eigenen Geschichte, doch sie alle haben herausragende magische Fähigkeiten, die sie zu etwas besonderem machen.
Wie besonders, das hat auch jene Geheimgesellschaft erkannt, die seit jeher das Geheimnis um die Bibliothek von Alexandria hütet. Die sagenumwobene Heimat unschätzbar wertvollen magischen Wissens ist nie zerstört worden, wie es allgemeinhin geglaubt wird und wer sich in den Augen der Gesellschaft als würdig erweist, wird die einmalige Chance geboten, ihre Geheimnisse zu ergründen. Alle zehn Jahre wird sechs Anwärtern die Chance gegeben, sich zu beweisen und der Gesellschaft beizutreten. Doch es sind nur fünf Plätze zu vergeben und schon bald stellt sich die Frage, wer von ihnen bereit ist, alles für Macht und Wissen zu geben.
Ich kann nicht direkt von Begeisterung sprechen, aber mir hat „The Atlas Six“ wirklich sehr gefallen. Es ist eine so außergewöhnliche Idee, dass man sich voll und ganz von der Handlung einnehmen lassen kann. Die Sprache ist teilweise etwas „hochgestochen“, ich habe mich aber in Windeseile daran gewöhnen können und ab da einfach von dem packenden, spannungsvollen Schreibstil mitreißen lassen. Das Setting war so bildhaft und lebendig beschrieben, dass man sich wirklich leicht in die Umgebung hineindenken konnte.
Ein ganz entscheidender Punkt an der Geschichte, ist aber zweifellos das ungewöhnliche Potpourri an Protagonisten, die sich in ihrer Unterschiedlichkeit aufregend und außergewöhnlich ergänzen. Sie sind vielschichtig, tiefgründig, zeigen rohe und nachfühlbare Emotionen und sind insgesamt sehr glaubhaft ausgestaltet. Toll fand ich auch, dass die Autorin darauf verzichtet hat, jeden von ihnen zu einem „Publikumsliebling“ zu machen. Dieses Wechselspiel aus Antipathie und Sympathie hat für mich sehr gut funktioniert und die Figuren und ihren Umgang untereinander um einiges Interessanter gemacht. Immer wieder habe ich ihre Motive und Handlungen hinterfragt und nie war ich mir sicher damit, einen Charakter durchschaut zu haben. Gleiches gilt für meine Gefühle ihnen gegenüber. Ich habe keinen „nur geliebt“ oder „nur gehasst“.
Erwähnenswert finde ich auch, dass die Autorin einen sehr individuellen Ansatz bzw. eine recht neue Vorstellung von Magie darstellt. Es war auf eine Weise mathematischer, auf jeden Fall aber Komplexer als das, was ich so bisher gelesen habe. Ich bin jedes Mal fasziniert, wie viele Facetten von Magie in Büchern man finden kann, ohne das Gefühl zu bekommen, diese Variante schon irgendwo mal gesehen zu haben.
Tatsächlich habe ich mir zwischendurch gedacht, dass sie das Potential dieser Magischen Welt noch weiter hätte ausschöpfen können, aber ich hoffe darauf, dass sie sich das nur für die Folgebände aufbewahrt hat. Ein etwas zügigeres Tempo hätte zwischendurch auch nicht geschadet, aber das ist natürlich sehr subjektiv.
Insgesamt war „The Atlas Six“ für mich ein wirklich aufregendes und mitreißendes Leseerlebnis. Als Auftaktband einer Reihe hätte es nach meinem Empfinden noch ein bisschen Luft nach oben. Es hat mich aber allemal neugierig auf die Fortsetzungen gemacht!

Veröffentlicht am 06.06.2022

he is the salt to her caramel

Tattooed Sweetness
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"Tattooed Sweetness" von Autorin Katlyn S. Coen ist eine wundervolle Geschichte, die wohl jeder romantisch veranlagten Person Hoffnung gibt, dass im echten Leben doch noch der oder die Eine wartet! Aber ...

"Tattooed Sweetness" von Autorin Katlyn S. Coen ist eine wundervolle Geschichte, die wohl jeder romantisch veranlagten Person Hoffnung gibt, dass im echten Leben doch noch der oder die Eine wartet! Aber Achtung, der richtige Deckel sieht vielleicht ganz anders aus, als man es sich vorgestellt hat...
Genau dieser unerwarteten Überraschung sehen sich die beiden Protagonisten dieses Romans gegenüber. Celine Lechner ist eine adrette junge Frau, die sich in ihrem schicken Businesslook genauso pudelwohl fühlt, wie in ihren bürotauglichen 5cm Absätzen und wahnsinnig aufgeregt ist, den nächsten Schritt in ihrer Karriereplanung erreicht zu haben. Die junge Unternehmensberaterin ist kurz davor ihren ersten selbstständigen Businessplan mit einem Kunden zu erstellen.
Phillip Sandmann auf der anderen Seite hat in einem Büro nicht wirklich was verloren. Sein Office ist das Tattoostudio. Sein allseits bereiter Kugelschreiber, ist die Tattoonadel.
Für den ehrgeizigen Künstler gibt es nichts Erfüllenderes als sich den täglichen Ritualen seiner Arbeit hinzugeben, kleine Kunstwerke auf der Haut seiner Kunden zu erschaffen und zu beobachten, wie eine Vision Wirklichkeit wird. Und falls er noch eine freie Stelle auf seinem eigenen Körper ausfindig machen kann – was inzwischen gar nicht mehr so einfach ist – erweckt er auch gerne dort mal seine Kunst zum Leben.
Der am ganzen Körper tätowierte Phillip und die süße, zurückhaltende Celine, welche nicht ein einziges Tröpfchen Tinte unter der Haut trägt sind ein denkbar ungleiches Paar. Sie würden einander nie daten, so viel steht fest - Herrje, sie würden normalerweise vermutlich nicht mal ein Wort miteinander wechseln! Aber wie es der Zufall so will, wird Celines erster Kunde ausgerechnet Phillip Sandmann, der einen Businessplan für die Vergrößerung seines Tattoostudios benötig.
So wird aus den Beiden auf einmal ein Team und obwohl sowohl Phillip als auch Celine in einer Beziehung steckt, kann keiner die einzigartige Anziehung leugnen, die immer stärker zwischen ihnen zu lodern beginnt.
Aber das ist nur Einbildung, oder? Niemals könnte zwischen ihnen etwas sein. Dafür gibt es zu viele Unterschiede, zu viele Vorurteile und zu tiefe Abgründe zu überwinden. Das kann nicht funktionieren... oder etwa doch?
Ob es am Ende heißt „Gegensätze ziehen sich an“ oder eher doch „die Zwei sind einfach zu verschieden“ darf natürlich jeder für sich selbst herausfinden! Ich für meinen Teil hatte große Freude an der Geschichte von Celine und Phillip.
Der Schreibstil von Katlyn S. Coen ist von der Sorte locker, leicht und lebensnah. Sie nimmt den Leser wie selbstverständlich an die Hand und führt ihn bedächtig und ohne Stolperer durch die Geschichte. Sehr ansprechend fand ich auch die Atmosphäre, die in diesem Buch kreiert wurde. Man unterschätzt manchmal, was für einen Unterschied es macht, wenn der Autor oder die Autorin den Handlungsort persönlich kennt und sich dort aufgehalten hat, aber es spiegelte sich in diesem Fall deutlich wider. Die Beschreibungen waren sehr bildhaft und haben es mir sehr leicht gemacht mich nach Mosbach zu denken. Auch die örtlichen Dialekte und Redewendungen haben ihren Teil dazu beigetragen.
Ein Aspekt, der beim Lesen nicht unbedingt einen Nerv bei mir getroffen hat, waren die eingearbeiteten Anglizismen bzw. das doch sehr prominente „Denglisch“ von Phillip. Mir ist es gelungen, mich mit der Zeit daran zu gewöhnen, doch auch wenn es für die Figur eine glaubhafte Ergänzung war, hat es mich einfach nicht begeistern können. Trotzdem schätze ich irgendwie, dass die Autorin hier mal was riskiert hat.
Was die Handlung angeht, will ich nicht über meine Inhaltsangabe hinausgehen, kann aber sagen, dass mich dieses Buch in vielerlei Hinsicht sehr überraschen konnte. Es gibt einige unerwartete Entwicklungen und Komponenten, mit denen man zu Beginn der Geschichte nicht rechnet. Was die Entwicklung von Phillips und Celines Gefühlen zueinander angeht, würde ich hier definitiv von einer Slow Burn Romance sprechen, denn sie lernen sich wirklich erst zögerlich kennen und die Gefühle entwickeln sich und wachsen über einen langen Zeitraum. Es wird aber nicht langweilig, nur weil es bei ihnen nicht „sofort zur Sache geht“. Dafür gibt es zu viele Aspekte in ihrer beider Leben, die die Handlung vorantreiben und einen beim Lesen trotzdem interessiert und neugierig halten. In diesem Kontext ist es der Autorin auch gelungen einige sehr ernste Themen sehr glaubhaft, sensibel und authentisch in die Handlung mit einzubauen. Es wurde nichts unnötig beschönigt oder ausgeschmückt, sondern blieb sehr nah am echten Leben, was mir wiederum gut gefallen hat. Insgesamt haben es diese Punkte für mich zwischenzeitlich sehr schwer gemacht, das Buch für längere Zeit aus der Hand zu legen.
Ein wenig schade fand ich, dass besonders in den späteren Kapiteln einige teilweise sehr große Zeitsprünge stattfinden. So wirkten die unmittelbar vorangestellten Szenen manchmal ein wenig unfertig. Vielleicht lag das aber nur daran, dass ich an der Stelle sehr gerne noch ein wenig weitergelesen hätte. Als ein wenig ‚unfertig‘ habe ich auch die Plotlines mit Celines bester Freundin und Tante empfunden. Beide werden als sehr wichtige Figuren vorgestellt, tauchen mit der Zeit aber immer seltener auf. Hie und da dachte ich auch, dass noch das ein oder andere Gespräch hätte stattfinden sollen. Dieser Punkt fällt für mich nicht sehr ins Gewicht, weil es mich beim Lesen nicht wirklich gestört hat, mir kam nur der Gedanke, dass es mich interessiert hätte, wie die Dinge mit den beiden abgelaufen sind.
Phillip und Celine als Protagonisten haben mich auf jeden Fall abholen können. Sie kommen beide mit vielen Ecken und Kanten und auch der ein oder anderen Delle, doch gerade das hat sie für mich so nahbar gemacht. Durch die regelmäßigen Perspektivwechsel zwischen ihnen lernt man beide auf eine sehr eindringliche und fesselnde Art kennen, bekommt schnell ein Gefühl für ihre Emotionen und Beweggründe. Der sehr starke Kontrast zwischen ihnen macht diese Wechsel natürlich umso interessanter. Man bekommt einen sehr guten Eindruck über die Zahlreichen Vorurteile, die es gegenüber der Tattoo-Szene gibt und erhält gleichzeitig einen tollen Einblick in die tatsächliche Arbeitsweise von Tätowierern. Die Details und Abläufe wirkten hier sehr gut recherchiert.
Ein richtiges kleines Highlight – und ich kann nur jedem, der dieses Buch liest raten, diese nicht zu überspringen – waren das kleine Zusatzkapitel und die Rezepte am Ende des Buches. Quasi das Tüpfelchen auf dem i zu einer tollen Geschichte.

Mir hat „Tattooed Sweetness“ zusammenfassend also sehr gefallen. Es war emotional, facettenreich und überraschend, mit echten, authentischen Protagonisten und einer gut durchdachten Storyline. Sie hat mir wirklich das Gefühl vermittelt, als wäre es eine Geschichte, wie aus dem Leben gegriffen und vermutlich ist auch gerade das der Punkt, der sie so besonders und lesenswert macht.

Veröffentlicht am 15.05.2022

Spannungsvolles Debut

Flug 416
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Berufspilot Bill Hoffman wird in ein unlösbares Dilemma gezwungen. Kaum ist Flug 416 in der Luft – ein Flug, den er kurzfristig von einem Kollegen übernehmen musste – da erhält Bill eine verhängnisvolle ...

Berufspilot Bill Hoffman wird in ein unlösbares Dilemma gezwungen. Kaum ist Flug 416 in der Luft – ein Flug, den er kurzfristig von einem Kollegen übernehmen musste – da erhält Bill eine verhängnisvolle Nachricht: Seine Familie wurde entführt! Und die Entführer verlangen nicht weniger als die drastische Entscheidung zwischen Leben und Tod. Entweder Bill lässt das Flugzeug abstürzen und tötet damit alle Passagiere und sich selbst, oder seine Familie muss sterben. Für wen wird er sich entscheiden?
T.J.Newman ist hier ein wirklich guter Jungfernflug als Thriller-Autorin gelungen. Schon der Klappentext hat gereicht, um meine Neugierde zu wecken und nach kaum etwas mehr als einer Seite gab es keinen Weg zurück. „Flug 416“ ist die Sorte von Geschichte, die einen vor Spannung ganz hibbelig macht und im Eiltempo lesen lässt, weil man nicht abwarten kann herauszufinden, was passiert. Und die Autorin gibt sich reichlich Mühe ihre Leser an der Nase herumzuführen, damit diese nicht von selbst draufkommen. Ob es ihr gelungen ist, liegt vermutlich im Auge des Betrachters. Ich für meinen Teil finde durchaus. Es gibt immer wieder spannende Wendungen und unerwartete Enthüllungen. Das Tempo ist rasant und wann immer die Geschichte zu verschnaufen droht, kommt eine Szene, die dies verhindert.
Der Schreibstil hat mir auch gut gefallen. Er ist flüssig und lebhaft, sodass Atmosphäre und Figuren gut rübergebracht werden.
Der Grund dafür, dass ich nicht die vollen fünf Sterne vergebe, liegt vorwiegend darin, dass mir insgesamt ein wenig Feinschliff gefehlt hat. So ist die Crew an Bord des Flugs toll ausgearbeitet und auch die Abläufe und technischen Details sind auf den Punkt. Zweifellos kommt hier die jahrelange Erfahrung der Autorin als Flugbegleiterin zum Tragen. Aber diese Gewissenhaftigkeit bei der Einarbeitung von Details ist leider nicht durchgängig. Wichtige Passagiere, die mithelfen, werden in schnellen Sätzen umrissen und auch die FBI-Leute bleiben überwiegend eindimensional. Auch wirkten die FBI Szenen im Allgemeinen eher orientiert an Serien-Vorlagen, denn ausführlicher Recherche. Während also ein Teil der Story durch astreines Insiderwissen glänzt, wirken andere Teile im Vergleich dazu unauthentisch.
Schließlich hätte ich auch auf ein paar der offensichtlicheren Pro-Amerikanischen und patriotischen Stereotypen verzichten können, die unverkennbar in der Handlung Platz gefunden haben.
Bis auf diese Kritikpunkte hat mich „Flug 416“ aber wirklich überzeugt. Eine solide Grundidee, ein super Spannungsaufbau und die temporeiche Erzählweise haben sich hier zu einem richtig guten Thriller zusammen getan.