Profilbild von Tamagotchi

Tamagotchi

Lesejury Star
offline

Tamagotchi ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Tamagotchi über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.04.2023

Serienmorde - damals und heute

Das Wiegenlied: Thriller
0

Dies ist bereits der 13. Thriller aus der Zons-Reihe, die mir besonders gut gefällt. Seit ich einmal dieses Städtchen am Rhein besucht und das mittelalterliche Flair empfunden habe, gefällt mir die Reihe ...

Dies ist bereits der 13. Thriller aus der Zons-Reihe, die mir besonders gut gefällt. Seit ich einmal dieses Städtchen am Rhein besucht und das mittelalterliche Flair empfunden habe, gefällt mir die Reihe noch besser und beim Lesen der Bücher fühlt man sich dorthin versetzt.
Inhaltlich geht es um zwei Mordserien, die eine hochaktuell, und die andere liegt Jahrhunderte zurück. Beide weisen jedoch deutliche Gemeinsamkeiten auf. Gibt es einen Verknüpfungspunkt? Sowohl damals wie auch heute werden die Morde von einem bekannten Wiegenlied begleitet....
Der erste Mord in der Vergangenheit erfolgt auf der Klosterwiese, wo eine Nonne brutal erstochen aufgefunden wird. Zu aller Entsetzen wurde sie mit einem Teufelssymbol gebrandmarkt. Der sympathische Stadtsoldat Bastian Mühlenberg ermittelt mit den Methoden, die damals zur Verfügung standen. Doch bevor er auch nur eine hoffnungsvolle Spur findet, wird die nächste Nonne ermordet....
In der Gegenwart wird ein Ehepaar in seinem Haus brutal ermordet aufgefunden, und auch hier wurde das Teufelssymbol hinterlassen, eingebrannt auf der Handfläche. Oliver Bergmann ermittelt und hat schon bald einen Verdächtigen gefunden, der jedoch nicht lange der einzige bleibt.
So spielt dieser Thriller auf 2 verschiedenen Zeitebenen, die sich bezüglich Spannung die Waage halten, beide sind äußerst verzwickt und fesselnd.
Catherine Shepherd versteht es meisterhaft, eine Verbindung zwischen beiden Zeiten herzustellen, die man anfangs nicht erahnen kann. Die Spannung hält durchgehend an, so dass man das Buch nicht weglegen möchte, bis man die nächsten Hinweise erhält. Ein Pageturner wie gewohnt! Die Autorin heizt die Spannung bereits im Prolog an und hält sie durch zahlreiche Cliffhanger im Gang. Auf diese Weise kann man wunderbar miträtseln, auch wenn man immer wieder einsehen muss, dass man sich getäuscht hat.
Die beiden Hauptprotagonisten gefallen mir sehr gut. Da ist zum einen der Stadtsoldat Bastian Mühlenberg in der Vergangenheit, der sehr ruhig, zuverlässig und hilfsbereit auftritt und immer noch zu seiner alten Liebe Anna eine gedankliche Verbindung hat. Von allen respektiert führt er seine Ermittlungen durch. Auch Oliver Bergmann in der Gegenwart ist ein ehrgeiziger, intelligenter und trotzdem ruhiger Ermittler, kein actiongeladener Superheld, der ständig in Schlägereien verwickelt ist. Wir erfahren zwar einiges über das Privatleben der beiden, jedoch steht dies nicht im Mittelpunkt, sondern ist nur unterhaltsame Ergänzung. So sollte es sein!
Alles in allem hat mich das Buch sehr spannend unterhalten und ich spreche eine klare Leseempfehlung aus. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Zons-Thriller.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.03.2023

Was geschah damals in Klotten?

Mörderfinder – Mit den Augen des Opfers
0

Fallanalytiker Max Bischoff wundert sich sehr, als Kriminalrätin Eslem Keskin, die ihn bislang immer ihre Verachtung spüren ließ, ihn um Hilfe bittet. Sie bittet ihn, nach Klotten an der Mosel zu kommen, ...

Fallanalytiker Max Bischoff wundert sich sehr, als Kriminalrätin Eslem Keskin, die ihn bislang immer ihre Verachtung spüren ließ, ihn um Hilfe bittet. Sie bittet ihn, nach Klotten an der Mosel zu kommen, um dort private Ermittlungen aufzunehmen. Keskins Freundin ist dort vor kurzem an Krebs gestorben und hat ein Tagebuch mit merkwürdigen Andeutungen zurückgelassen. Bischoff soll herausfinden, was vor 20 Jahren in Klotten passierte, wofür Keskins Freundin sich die Schuld gab.
Bischoff stößt in dem kleinen Weindorf überwiegend auf Ablehnung, aber nach und nach gelingt es ihm, an die Umstände des Cold Case heranzukommen. Plötzlich geschieht jedoch ein Mord, der offensichtlich auch mit den alten Vorfällen zu tun hat.
Das Buch war vom Prolog an spannungsgeladen, denn dort begegnet uns ein Mensch, der von tiefem Hass erfüllt ist, und natürlich möchte man gern mehr über die Gründe wissen. So rätselt man das ganze Buch hindurch, wer denn nun der Mörder ist und was sich damals abgespielt hat. Im letzten Drittel war ich überzeugt, den Täter zu kennen, aber schon wieder lag ich voll daneben.
Dieser Thriller präsentiert sich auf zwei Erzählebenen, da sind einerseits die Ermittlungen und andererseits die geplante Rache des Mörders. Beide fand ich gleich stark. Die Gedanken des Mörders erscheinen in Kursivdruck. Etwas irritierend fand ich, dass auch die Gedankengänge von Max in Kursivdruck auftreten, wenn er sich in andere Personen hineinversetzt. Aber durch den inhaltlichen Zusammenhang wusste man sofort Bescheid.
Dieses Buch ist ein solcher Pageturner, dass man es am liebsten nicht aus der Hand legen möchte, man muss sich regelrecht dazu zwingen. Bei jeder Lesepause habe ich noch kurz in das nächste Kapitel hineingelesen, um zu sehen, worum es sich dreht. Immer wieder gab es Wendungen im Geschehen und neue Erkenntnisse.
Die einzelnen Charaktere werden detailliert beschrieben. Man kann ihren Gedanken folgen, ihre Gefühle nachvollziehen und sich gut in sie hineinversetzen. Sehr interessant und tiefgründig fand ich Marvin Wagner, seine Kommentare und Spitzfindigkeiten haben mich manches Mal zum Schmunzeln gebracht.
Alles in allem ist dies ein Buch, das ich gern weiter empfehle, da es die Spannung über 300 Seiten aufrechterhält und mich sehr gut unterhalten hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.01.2023

Wieviel kann ein Mensch ertragen?

Das letzte Versprechen
0

Das habe ich mich ständig gefragt, während ich dieses Buch gelesen habe. Denn es ist nach einer wahren Begebenheit geschrieben, es existieren Tagebücher darüber, alle per Hand geschrieben und illustriert.
Hera ...

Das habe ich mich ständig gefragt, während ich dieses Buch gelesen habe. Denn es ist nach einer wahren Begebenheit geschrieben, es existieren Tagebücher darüber, alle per Hand geschrieben und illustriert.
Hera Lind erzählt anhand dieser Aufzeichnungen das extrem harte Leben der Anni Eckardt, die mit fünf Jahren aus ihrer Familie und ihrer Heimat gerissen wird, weil die Banatdeutschen für die Gräueltaten der Nazis leiden sollen.
Schön hätte ich es gefunden, wenn eine Übersichtsskizze existiert hätte, damit man die geographische Lage erkunden könnte. Das habe ich dann im Netz gemacht, denn das Banat war mir überhaupt kein Begriff. Über Minderheiten erfährt man in der Schule nichts, und so habe ich zunächst mal meine historischen Kenntnisse erweitert, was mich tief berührt hat, denn die Banatdeutschen lebten zunächst in völliger Eintracht mit den Serben zusammen, bis der Krieg alles zerstörte. Die Männer wurden abgezogen, um für Deutschland zu kämpfen, die verbliebenen Bewohner wurden deportiert, überwiegend nach Sibirien.
Schonungslos, aber realistisch erzählt die Autorin über das schreckliche Leiden der Familie Pfeifer, wir begleiten Anni und ihre Großeltern in ihr trostloses und entbehrungsreiches Lagerleben bzw. Heimleben und Annis Mutter Amalie auf ihrem Weg nach Sibirien und die katastrophale Zeit im dortigen Arbeitslager. Bisweilen habe ich eine Lesepause eingelegt, um erstmal zu reflektieren, was Menschen anderen Menschen angetan haben. Man verschließt gern die Augen davor, aber das Grauen hat wirklich stattgefunden.
Und auch nach ihrer Rückkehr ist dies nicht beendet, denn die Heimkehrer werden mit ihren Traumata allein gelassen, sie müssen sich mühsam durchschlagen, werden teilweise ausgegrenzt und gleichzeitig versuchen sie, ihre verstörenden Erlebnisse zu verarbeiten. Der Autorin gelingt es hervorragend diese Atmosphäre einzufangen, man leidet förmlich mit. Besonders ergreifend fand ich die Zeit, als Annie ihre Großeltern verlassen muss, um wieder bei ihrer Mutter zu leben, die zu keiner Liebe mehr fähig ist und dem Mädchen keinen Trost vermitteln kann. Da war ich den Tränen nah.
Auch Annis Leben als erwachsene Frau mit allen Tiefschlägen und Freuden wird geschildert, und man beobachtet, dass Anni fortwährend aufopferungsvoll und freundlich mit ihren Mitmenschen umgeht und sich selbst vernachlässigt, wie sie es in ihren schlimmsten Jahren gelernt hat.
Hera Linds Schreibstil ist sehr atmosphärisch und hat mich in seinen Bann gezogen. Ich konnte oft nicht aufhören mit meiner Lektüre. Die Authentizität geht unter die Haut, und oft habe ich mich gefragt, ob ich das alles geschafft hätte.
Alles in allem ist dies ein Buch, das man nicht so schnell vergisst, es hinterlässt deutliche Spuren und ich kann es nur empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.12.2022

Die ständige Suche nach aufrichtiger Liebe

Ein Abend mit Marilyn
0

Dieses Buch dreht sich um das 'Marilyn Ding'. Dieser Begriff steht für den Fluch, ein Lustobjekt zu sein bzw. darauf reduziert zu werden. Für Marilyn hat dies zwar durchaus viele Vorteile, aber andererseits ...

Dieses Buch dreht sich um das 'Marilyn Ding'. Dieser Begriff steht für den Fluch, ein Lustobjekt zu sein bzw. darauf reduziert zu werden. Für Marilyn hat dies zwar durchaus viele Vorteile, aber andererseits offenbart sich hier ihre nicht erfüllte Suche nach wirklicher Liebe zu dem Menschen Marilyn.
Vorteilhaft ist, dass sie sich (fast) alles erlauben kann, z.B. ständiges Zu-Spät-Kommen, aber andererseits erlebt sie, dass sie nur benutzt wird, um das Ego anderer Menschen mit Ansehen, Macht, Erfolg und Geld zu füllen.
Sehr geschickt hat die Autorin Marilyns Leben in einzelne Rückblicke gesteckt. Das Buch ist nicht eine konventionelle Biographie, sondern spielt nur an einem Abend, dem Abend vor ihrem 36. Geburtstag. Einflussreiche Leute sind in einem Restaurant zusammen gekommen, um mit ihr zu feiern, aber sie lässt auf sich warten, weil mal wieder alles um sie herum zusammenbricht und nur noch Tabletten Hilfe versprechen. Während des Wartens wird retrospektiv Tür um Tür geöffnet, um Marilyns Leben darzulegen. Keiner der anwesenden Gäste ahnt, dass sie 8 Wochen später tot sein wird.
Ich habe sehr viel Mitleid für diese Frau verspürt, die schon als Baby zu Pflegeeltern gegeben wurde, ständig wechselnde Bezugspersonen hatte und die in einer trostlosen Welt der Verlogenheit als Star verehrt wurde. Tränen hatte ich in den Augen, als ihr das einzige Lebewesen, das ihr Liebe entgegenbringt, ein kleiner streunender Hund, auf hinterhältige Weise genommen wird.
Sehr unsympathisch ist mir ihre Managerin Paula, die nur ihre eigenen Allüren befriedigen will und Marilyn quasi ihre Würde nimmt, indem sie sie wie eine Marionette auftreten lässt. Sie nimmt sogar medizinische Eingriffe an ihrem Schützling vor, um das trügerische Bild in der Öffentlichkeit aufrechtzuerhalten.
Mich hat dieses Buch gefesselt und fasziniert, da ich Einblicke in das Leben dieser haltlosen Frau erhielt, die ich mir so nicht vorgestellt habe. Auch der transparente Schreibstil hat mir sehr gefallen. Ich werde mir demnächst nochmal einen Marilyn-Film ansehen, mit diesem Hintergrundwissen wird dies bestimmt eine ganz neue Erfahrung. Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Buch!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.12.2022

Turbulente Zeiten

Labyrinth der Freiheit
0

Wir treffen in diesem 3. Band der Wege-der-Zeit Reihe die drei loyalen Freunde wieder - Carl, Artur und Isi - die wir schon seit ihrer Jugendzeit begleiten dürfen, damals in Thorn/Westpreußen. Sie haben ...

Wir treffen in diesem 3. Band der Wege-der-Zeit Reihe die drei loyalen Freunde wieder - Carl, Artur und Isi - die wir schon seit ihrer Jugendzeit begleiten dürfen, damals in Thorn/Westpreußen. Sie haben den Krieg mehr oder weniger gut überstanden und leben weiterhin in Berlin. Sie stehen fest zusammen und nichts scheint ihre Freundschaft erschüttern zu können, obwohl die Zeiten hart sind.
Direkt zu Beginn des Buches entgehen die Drei nur knapp einem Mordanschlag, wobei Isi besonders hart getroffen wird, da sie ihr ungeborenes Kind verliert. Artur setzt alles daran, die Täter ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Schon bald ist klar, dass eine rechte Gruppierung dahinter steht, die Jagd auf die Verantwortlichen geht los, und die Freunde müssen so manche heikle Situation durchleben, denn die 20er Jahre waren alles andere als golden.
Zumindest politisch gesehen baut sich allerhand Bedrohliches auf. Es sind eher düstere Zeiten, besonders in wirtschaftlicher Hinsicht: die Inflation nimmt enorme Ausmaße an, überall herrschen Armut und Angst. Sehr gut gefallen hat mir, dass ich soviel Hintergrundinformationen zur Zeit nach dem ersten Weltkrieg bekommen habe, die Weimarer Republik und ihre turbulenten Zeiten. Der Autor hat intensiv recherchiert und hier ein Bild zusammengefügt, das den Leser die Atmosphäre der Unsicherheit der damaligen Zeit spüren lässt. Das hat mich sehr beeindruckt.
Auch die Darstellung der drei Hauptpersonen ist sehr gelungen, in all ihren Schattierungen. Wir lernen Isi von einer ganz anderen Seite kennen, als sie in ausweglose Trauer abdriftet, wir treffen Carl als rücksichtslosen Mann, der andere Menschen zu seinen Zwecken ausnutzt und Artur, der sonst nur hemmungslos um sich schlägt, entpuppt sich als feinfühlig und verletzlich.
Von Anfang an hat das Buch mich wieder sehr angesprochen, und ich war schnell versunken im Berliner Alltagsgeschehen mit seiner aufgewühlten Atmosphäre. Der flüssige Schreibstil sorgt für beste und kurzweilige Unterhaltung. Auch der Humor kommt nicht zu kurz (z.B. die vielen Küsse von Alma, oh nein!). Großartige, detailreiche Beschreibungen, liebevoll skizzierte Figuren, historischer Hintergrund und eine große Bandbreite von Gefühlen sind die Hauptzutaten für einen aufwühlenden Roman, den ich uneingeschränkt empfehlen kann und der die volle Sternchenzahl verdient hat. Man wünscht sich, dass man die drei Freunde nochmal wieder trifft und es einen vierten Band gibt....

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere