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Veröffentlicht am 18.01.2023

Über das Leben in der Eifel zwischen 1919 und 1949

Ginsterhöhe
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"Es ist so schön hier, so friedlich", sagte Leni leise. "Man kann kaum glauben, dass so schreckliche Dinge passieren."

Wollseifen in der Eifel, 1919 - der Kriegsheimkehrer Albert kommt in sein Heimatdorf ...

"Es ist so schön hier, so friedlich", sagte Leni leise. "Man kann kaum glauben, dass so schreckliche Dinge passieren."

Wollseifen in der Eifel, 1919 - der Kriegsheimkehrer Albert kommt in sein Heimatdorf zurück. Nicht nur ihn hat der Krieg schwer gezeichnet. Mit der Kutsche bringt sein Vater ihn zurück auf den Hof, und im Tempo einer Kutschfahrt erzählt Anna Maria Caspari eine beeindruckende Geschichte. Ruhig und unaufgeregt beschreibt sie das dörfliche Leben und die sozialen und politischen Veränderungen in der Zeit zwischen 1919 und 1949. Dabei gelingt es ihr, den realen Schauplatz Wollseifen mit einer fiktiven Bevölkerung zu beleben. Im Mittelpunkt steht eben jener Albert mit seiner Familie, aber nach und nach führt die Autorin auch andere Personen ein.

Das Tempo ist so ereignisreich oder ereignislos, wie das damalige Dorfleben, in dem es vor allem körperlich anstrengende Arbeit gab. Schon die Kinder mussten mit anpacken, und die Jahreszeiten gaben den Rhythmus vor. Es gab weder Elektrizität noch ein Wasserklosett, ein Telefon und ein Auto waren die große Ausnahme. Das Leben in einem Eifeldorf hatte damals noch weniger mit dem Leben in Köln oder Berlin zu tun als heute. Und so ist auch die Erzählung nicht hektisch, sondern unaufgeregt. Erzählt wird, was in Erinnerung bleibt, Geburten, Hochzeiten, Todesfälle. Das Leben ist karg und die Menschen nehmen ihr Schicksal an.

Die große Politik wirkt sich auch auf das Dorfleben aus, Krieg, Inflation, der Versailler Vertrag mit seinen Grenzziehungen, aber es sind eben hier nicht die vielbeschworenen Goldenen Zwanziger. Die Außenwelt begegnet uns durch die Tagebuchaufzeichnungen des Dorflehrers. Sie gefallen mir als stilistisches Mittel sehr gut, da sie noch einmal eine andere Perspektive einfließen lassen. Auch die kleinen Zeitsprünge in der Erzählung finde ich passend.

Unberührt vom aufkommenden Nationalsozialismus bleibt das Dorf nicht. Ein NSDAP-Mitglied der ersten Stunde lässt sich in Wollseifen nieder und trägt - fiktiv - mit dazu bei, dass in unmittelbarer Nähe die sogenannte Ordensburg Vogelsang errichtet wird. Für Wollseifen bringt dies zwar zunächst einen wirtschaftlichen Aufschwung, am Ende aber nur Unheil. Vor allem aber verändert sich der einst gegebene Zusammenhalt der Dörfler. Caspari beschreibt, wie der Nationalsozialismus das Dorf schleichend spaltet, und die Menschen sich immer weniger trauen, offen miteinander zu sprechen. Wie Gewalt und Willkürakte zunehmen, und es dadurch immer gefährlich wird, wie zuvor füreinander einzustehen und miteinander zu leben.

Die persönlichen Schicksale werden erzählt und sie sind bewegend - Krieg, Gewalt, Euthanasie, Rassenwahn. Caspari beschreibt auch hier fast schon sachlich und lässt dadurch der Leserschaft Raum für eigenes Empfinden und eigene Emotionen.

Anna Maria Caspari hat mit ihrem Erstlingswerk “Ginsterhöhe” einen Roman geschaffen, der ganz in der Tradition der Antikriegsliteratur steht. Man merkt dem Buch an, dass sie sich eingehend mit der ungewöhnlichen Geschichte des Dorfes beschäftigt hat. Ergänzt wird der Roman durch sehr schön gestaltete Umschlagklappen mit alten Fotos von Wollseifen und einer Karte der Region.

"Ginsterhöhe" ist der erste Teil einer Trilogie. Band 2 mit dem Titel "Perlenbach" erscheint im Juli 2023 und steht bereits auf meiner Wunschliste. Band 1 erhält von mir eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 18.01.2023

Einfach Liebe - warum kann es nicht einfach sein?

Die Liebe an miesen Tagen
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Ein Roman über die Liebe? Droht da nicht jede Menge Kitsch zwischen zwei Buchdeckeln, seichtes Dahinplätschern auf rosaroten Wolken?

Ewald Arenz mach bereits mit dem Titel "Die Liebe an miesen Tagen" ...

Ein Roman über die Liebe? Droht da nicht jede Menge Kitsch zwischen zwei Buchdeckeln, seichtes Dahinplätschern auf rosaroten Wolken?

Ewald Arenz mach bereits mit dem Titel "Die Liebe an miesen Tagen" klar, dass seine Erzählung nicht diesem Klischee folgt. Das hätte man bei Arenz aber auch nicht erwartet. Der Autor ist spätestens seit " Alte Sorten" bekannt für seine sensible und poetische Sprache, für authentische Figuren mit all ihren Ecken und Kanten, und dafür, dass die Realität vor seinen Büchern nicht halt macht.

"Die Liebe an miesen Tagen" ist ein Beziehungsroman über Menschen, die mitten im Leben stehen, und dennoch das Wagnis einer neuen Liebe eingehen. Wie tief kann man sich fallen lassen, wenn man bereits Beziehungen durchlebt hat, kein Neuling mehr in Liebesdingen ist?

Es geht um Clara und Elias, die sich begegnen und ineinander verlieben. Clara ist Ende 40, Fotografin, verwitwet und Elias, Schauspieler und ein Jahrzehnt jünger, und voller Lebensgier. Ewald Arenz erzählt eine wunderschöne Liebesgeschichte, beschreibt zwei Menschen, die sich fallen lassen, und doch immer wieder reflektieren. Beiden ist gemein, dass sie mit der Sprache jonglieren, sich selbst offenbaren, ihre Ängste und Hoffnungen zum Ausdruck bringen.

Doch es wäre nicht Arenz, wenn das alles wäre. Seine Protagonisten sind authentisch, Menschen mittleren Alters, die einem Beruf nachgehen, die familiär gebunden sind , die Probleme bewältigen müssen wie Arbeitslosigkeit oder Erkrankungen naher Angehöriger - und noch viel mehr.

Man denkt immer, es trifft einen nicht. Tut es aber. Und dann denkt man, dass man dem Schicksal seine Schuld doch bezahlt hat und es einen dann nicht mehr trifft. Weil das erste Mal schon so unfair war. Aber es trifft einen doch. Ein zweites Mal und dann vielleicht auch ein drittes Mal, und es hört überhaupt niemals auf, weil es dem Schicksal oder Gott oder dem Leben einfach scheißegal ist, wie oft es dich trifft. " (S. 338)

Und das alles in einem Buch von 378 Seiten? Hier zeigt sich die Erzählkunst von Ewald Arenz, der spielerisch und dennoch feinfühlig auch die dramatischen und unvorhergesehenen Ereignis beschreibt, manchmal detailreich, dann wieder mit herbem, fast sarkastischen Humor, aber immer berührend, intensiv und lebensnah.

Ich habe mich wohlgefühlt bei der Lektüre. Abgerundet wird das Leseerlebnis durch das sehr schön gestaltete Cover, einen Buchdeckel mit einem haptisch erfahrbaren Stillleben, und - zu meiner Freude - einem Lesebändchen.

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Veröffentlicht am 14.12.2022

Verschachtelte Hommage an irischen Whiskey und die Literatur der Grünen Insel

Ein Schuss Whiskey
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Nun also der Whiskey, und nicht irgendein Whiskey sondern der irische, denn:

1297 - Robert Savage of Bushmills kredenzt seinen Truppen >> a mighty draught of uisce beatha

Nun also der Whiskey, und nicht irgendein Whiskey sondern der irische, denn:

1297 - Robert Savage of Bushmills kredenzt seinen Truppen >> a mighty draught of uisce beatha<<, um die Kampfmoral zu heben. Die erste schriftliche Erwähnung von Whiskey - in Irland!"
Carsten Sebastian Henn hat seine schreibende Tätigkeit als Weinjournalist begonnen. Und er möchte sein Wissen teilen. Dies ist ihm bereits mit der kulinarisch-vinophilen Serie um den Spitzenkoch und Hobbydetektiv Julius Eichendorff hervorragend gelungen. Henn hat dabei ein ganz eigenen Stil entwickelt, der sich nicht an die üblichen Grenzen der Realität hält, und zum Teil bizarre, aber immer wieder unterhaltsame Geschichten zu Papier gebracht, an deren Ende ein nicht ganz ernstzunehmender Kriminalfall gelöst, vor allem aber die Leserschaft wieder sehr viel über Weinbau und Kulinarik gelernt hat.

In dieser Tradition steht nun auch die Trilogie um das Hochprozentige, Nach "Der Gin des Lebens" und "Rum oder Ehre" wird dieses Projekt nun abgeschlossen durch "Ein Schuss Whiskey". Wir begleiten den jungen Krimiautor Janus Rosner auf einer skurrilen Mörderjagd durch Dublin. Dabei begegnen wir der irischen Literatur, der irischen Mentalität und natürlich dem irischen Whiskey. Dass der fast eine größere Rolle spielt als der eigentliche Fall muss man mögen. Die Handlung ist verschachtelt und ich gebe zu: es hat etwas gedauert, bis ich mit dem Buch warm geworden bin. Augenzwinkernd könnte man meinen, dass das Buch ein bisschen unleserlich sein möchte wie die Ulysses von James Joyce. Kleine Parallelen tauchen immer wieder auf zur großen Literatur. Ein wenig Böll, der darf ja nicht fehlen, wenn es um Irland geht. Und natürlich der großartige Beckett. Ein wenig Wissen um die irische Literatur kann nicht schaden, wenn man das Buch verkosten möchte.

Fazit: Ich habe mich gut amüsiert, viel über den irischen Whiskey gelernt, und mich gedanklich auf eine kleine Irlandreise begeben.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Mörderisches Urlaubsfeeling

Mörderisches La Rochelle
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Maximilian Rosar, alias Jean-Claude Vinet, hat seine Reihe um Commissaire Chevalier 2024 mit dem 2. Band "Mörderisches La Rochelle" gelungen fortgesetzt. Diesmal wird er aus dem Urlaub zurückgerufen, um ...

Maximilian Rosar, alias Jean-Claude Vinet, hat seine Reihe um Commissaire Chevalier 2024 mit dem 2. Band "Mörderisches La Rochelle" gelungen fortgesetzt. Diesmal wird er aus dem Urlaub zurückgerufen, um einen brutalen Dreifachmord aufzuklären. Wie schon der 1. Band "Tod in La Rochelle" entführt uns auch dieses Buch an die Atlantikküste und bezaubert mit französischen Flair. Vinet versteht es großartig, die Landschaft zu beschreiben, die französischen Gewohnheiten, die Küche; er lässt französische Redensarten einfließen - und so kommt schnell ein Urlaubsfeeling auf. Genau wir Clément Chevalier bewegt sich die Leserschaft somit zwischen dem wohligen Strandleben und der Aufklärung eines blutigen Verbrechens. Der Spannungsbogen ist hoch und bietet mit gelungenen Plot Twists eine gute Unterhaltung. Es darf mitgerätselt werden. Dass dabei manches Mal nicht nach Vorschrift gearbeitet wird, kann ich in einem Krimi gut verschmerzen. Es ist ja keine Reportage.

Interessant, wenn auch klischeehaft, sind auch die Einblicke in die französische Gesellschaft. Ich kann nicht beurteilen, in wieweit dies der Realität entspricht.

Durch die persönlichen Erlebnisse des Kommissars, seiner Familie und seiner Kollegen wird gekonnt eine Reihenbindung erzeugt. Man möchte wissen, wie es weiter geht. Stark finde ich die Rückblicke auf Chevaliers Vergangenheit. Die Figur ist mir dadurch näher gerückt. Nun wird mir auch im Hinblick auf den 3. Band, den ich 2025 gelesen habe, einiges klarer. Ich kann der Leserschaft deshalb nur empfehlen, mit dem 1. Band anzufangen. Sonst bleibt vieles im Unklaren.

Auch hier hätte ich mich wieder über eine Übersichtslandkarte gefreut und über ein paar weniger Tippfehler. Den halben Stern Abzug gibt es aber für eine inhaltliche Unklarheit. Ein Mitarbeiter der Polizei ist selbst tief in den Fall verstrickt, wird aber dennoch nicht abgezogen. Das hätte im Lektorat wirklich auffallen müssen.

Insgesamt jedoch ein gelungenes Buch, dass ich in wenigen Tagen verschlungen habe.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Die dunkle Seite einer Frau im Rampenlicht

Düsteres Tal
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Clara Lofthus ist eine Frau im Rampenlicht. Als UNICEF-Mitarbeiterin in Nairobi rettet sie Kinder, als ihre Vorzeigeschule von Terroristen überfallen wird. Zurück in Oslo übernimmt sie als gefeierte Heldin ...

Clara Lofthus ist eine Frau im Rampenlicht. Als UNICEF-Mitarbeiterin in Nairobi rettet sie Kinder, als ihre Vorzeigeschule von Terroristen überfallen wird. Zurück in Oslo übernimmt sie als gefeierte Heldin erneut den Posten der Justizministerin, den sie schon einmal innehatte. Sie ist Mutter zweier Söhne und hat einen Partner, der ihr bedingungslos den Rücken freihält. Doch schnell wird klar, dass diese Lichtgestalt auch dunkle Seiten hat.

Die Autorin Ruth Lillegraven zeigt einen mitreißenden Schreibstil. In kurzen Kapiteln und mit wechselnder Perspektive begegnen wir Clara als Ich-Erzählerin, ihrem Partner Axel und dem Journalisten Heier jeweils aus der Perspektive eines personalen Erzählers. Dadurch ergibt sich eine mehrdimensionale Sichtweise und ein interessanter Spannungsbogen. Die Charaktere sind allerding zumindest in diesem dritten Teil doch recht eindimensional. „Düsteres Tal“ ist nämlich das Finale einer Triologie um Clara Lofthus. Der Roman lässt sich dennoch auch ohne Vorkenntnisse gut lesen. Ich hätte mir trotzdem gewünscht, die anderen Teile vorab zu kennen. Vielleicht wären mir die Beweggründe und Abgründe der Titelheldin und der anderen Protagonist*innen dann noch verständlicher gewesen. So erscheint Clara kalt und skrupellos und Axel leichtgläubig und aufopferungsvoll bis zur Selbstaufgabe, ohne dass klar wird, warum das so ist.

„Düsteres Tal“ wird vom List-Verlag als Thriller vermarktet, ist aus meiner Sicht aber eher ein Spannungsroman mit den typischen Merkmalen eines Nordic Noir Krimis. Lillegraven lässt uns hinter die Maske einer scheinbar perfekten Politikerin blicken, und was wir dort sehen, ist düster. Untermalt wird dunkle Atmosphäre, insbesondere im letzten Teil des Buches, durch die norwegische Landschaft. Titel und Cover des Buches passen perfekt zum dunklen Geschehen. Die Autorin stellt unter Beweis, dass es keiner blutdurchtränkten Seiten oder unrealistischer Actionszenen bedarf, um pure Spannung zu erzeugen.

Mein Fazit: Ein schnell gelesener Pageturner, den ich weiterempfehle und mit 4,5 Sternen bewerte. Vielleicht wären es mit Kenntnis der Vorgängerbände glatte 5 Sterne geworden.

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