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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2023

Schlechte Träume

Hope's End
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"Mit einem Buch ist man nie einsam. Niemals."

Hope's End ist ein einsam gelegenes Herrenhaus an der Atlantiksteilküste von Maine, in dem sich vor mehr als fünfzig Jahren ein schreckliches Familiendrama ...


"Mit einem Buch ist man nie einsam. Niemals."

Hope's End ist ein einsam gelegenes Herrenhaus an der Atlantiksteilküste von Maine, in dem sich vor mehr als fünfzig Jahren ein schreckliches Familiendrama ereignet hat. Die damals siebzehnjährige Lenora Hope wird danach verdächtigt, ihre Eltern und auch ihre Schwester brutal ermordet zu haben. Was aber wirklich in dieser schicksalhaften Oktobernacht im Jahr 1929 passiert ist, bleibt jahrzehntelang ungeklärt. Doch nun will die inzwischen 71jährige Lenora, die nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt und nur noch mithilfe einer Schreibmaschine kommunizieren kann, ihrer neuen Pflegerin Kit McDeere alles erzählen. Ein lange aufgeschobenes spätes Geständnis?

Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt, zum einen in der Jetztzeit aus der Sicht von Kit und andererseits als Bericht via Schreibmaschinentext aus den  Erinnerungen von Lenora.

Sechs Personen, in einer vom Absturz bedrohten Villa, jeder von ihnen hat sein eigenes dunkles Geheimnis.
Es entwickelt sich ein Katz- und Maus-Spiel mit Lügen und gegenseitigen Verdächtigungen.

Die Geschichte überrascht regelmäßig durch einge unerwartete Offenbarungen und Wendungen, Langeweile kommt hier niemals auf. Auch aufgrund des durchweg angenehmen Schreibstils ist das Buch schnell und flüssig zu lesen.

Mit "Hope’s End" liefert der Autor Riley Sager einen spannungsgeladenen und atmosphärischen Roman ab, der aber weit weniger Thriller ist als sein letztes Buch "NIGHT – Nacht der Angst".
Die Hauptprotagonistin Kit McDeere ist sympathisch charakterisiert, gerne durchlebt man mit ihr dieses fesselnde Abenteuer. Für meinen Geschmack deutlich übertrieben gelassen warten alle Beteiligten äußerst geduldig ab, ob und wann denn die Klippe abbricht und Hope’s End mit sich reißt.

Der finale Showdown kommt etwas übermäßig dramatisch daher und wirkt arg konstruiert und kaum glaubwürdig. Das stört aber den Gesamteindruck nur minimal, deshalb:

Leseempfehlung. Spannende Lesekost, die mich gut unterhalten konnte.

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Veröffentlicht am 04.10.2023

Sünden aus der Vergangenheit

Taubenschlag
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"Ich habe zu spät erkannt, dass ich die Büchse der Pandora geöffnet hatte."

Deutsch-dänische Zusammenarbeit: Rudi Lehmann und Lykke Teit ermitteln in ihrem zweiten gemeinsamen Fall.
Drei Morde in Flensburg, ...


"Ich habe zu spät erkannt, dass ich die Büchse der Pandora geöffnet hatte."

Deutsch-dänische Zusammenarbeit: Rudi Lehmann und Lykke Teit ermitteln in ihrem zweiten gemeinsamen Fall.
Drei Morde in Flensburg, Kiel und Lübeck innerhalb kürzester Zeit: die Opfer in einem Sessel gefesselt, brutal gefoltert und durch einen Schuss ins Herz getötet. Warum wurde den Leichen eine blutverschmierte tote Taube in den Schoss gelegt? Erste Spuren führen das CYPOL Ermittlerduo weit zurück in die deutsche Vergangenheit: in die Zeit der deutsch-deutschen Trennung und der allgegenwärtigen Bespitzelung der DDR Bürger durch die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit.

Der ruhige und angenehme Schreibstil macht es leicht, recht zügig durch die   zweiundsiebzig überschaubar kurzen Kapitel zu fliegen. Der Spannungsbogen ist dabei jederzeit hoch, es gibt keine unnötigen Längen. Die Handlung gipfelt letztendlich dann in einem furiosen, spektakulärem Finale. Gut gemacht!

Mit sehr viel psychologischem Spürsinn und Feingefühl entwickelt das stets sympathische Ermittlerteam eine ganz eigene und ehrliche Dynamik. Sowohl  Lykke als auch Rudi sind glaubwürdig charakterisiert, ihre Handlungen stets nachvollziehbar.

Dennis Jürgensen ist es gelungen, das dunkle Kapitel deutscher Stasi-Vergangenheit in eine sowohl fesselnde aber gleichzeitig auch ungemein komplexe Kriminalgeschichte einzubinden.

Routiniert erzählte Krimikost mit einem souverän auftretendem Ermittlerteam: uneingeschränkte Leseempfehlung für alle Krimifans mit Interesse an zeitgeschichtlichen Hintergründen.
Beim nächsten, und damit dritten Teil der Serie (den es hoffentlich geben wird) bin ich definitiv wieder mit dabei..

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Veröffentlicht am 02.09.2023

Öko Thriller

Der Wald
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"Sie würde nicht in diesem Wald sterben: Die Welt musste vom Projekt Silva erfahren."

Im Jahr 2006 macht sich die Archäo-botanikerin Waverly Park auf die Suche nach der prähistorische Urpflanze.
In der ...


"Sie würde nicht in diesem Wald sterben: Die Welt musste vom Projekt Silva erfahren."

Im Jahr 2006 macht sich die Archäo-botanikerin Waverly Park auf die Suche nach der prähistorische Urpflanze.
In der Jetztzeit versucht der Pflanzen-Neurobiologe Marcus Holland das Rätsel einer mysteriösen, äußerst gefährlichen und aggressiven neuen Pflanzenart zu lüften.
Obwohl die beiden Handlungsstränge zeitlich 17 Jahre auseinanderliegen, finden sie dennoch sehr schnell zusammen. Wer oder was steckt hinter der Assassina incognita?

Der neue Öko-Thriller von Tibor Rode ist mit viel Spannung geschrieben. Fast einhundert schnell zu lesende, kurze und packende Kapitel treiben dabei die Geschichte temporeich voran. Man fliegt förmlich durch die Handlung. Das beschriebene Szenario erscheint glaub-haft, der wissenschaftliche Hintergrund ist offensichtlich gründlich recherchiert.

Die Gestaltung des Buchcovers passt ebenso ganz hervorragend zum Inhalt des Buches: eine invasiv rankende Pflanze die eine Betonwand sprengen kann. Durch die erhabene Prägung wächst sie quasi aus dem Buchdeckel heraus und erscheint - wie auch der Buchtitel - dreidimensional; eine sehr gelungene haptische Spielerei.

Der Hauptprotagonist Marc Holland ist sehr glaubwürdig charakterisiert und wirkt sympathisch. Man begleitet ihn gerne auf seine "Forschungsreise", die ihn in die USA und nach China führt.
Auch in die Perspektive von Waverly, die einige überaus dramatische Ereignisse erleben muss, kann man sich gut hineinversetzen. Etwas schwerer fiel mir dies bei Ava, da mir zunächst nicht klar war, welche entscheidende Rolle sie in diesem Thriller einnimmt.

Zum Ende hin wird mir persönlich der Thriller dann aber leider deutlich zu reißerisch und übertrieben spektakulär; etwas weniger Action wäre mir hier viel realistischer erschienen.

Leseempfehlung: "Der Wald" ist ein außergewöhnlicher Thriller der ganz besonderen Art für alle, die Geschichten mit wissenschaftlichen Hintergrund mögen. Wie der Autor selbst schreibt: "Nahezu alles Unglaubliche an dieser Geschichte ist wahr."

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Veröffentlicht am 29.08.2023

Die Lügen einer Kindheit

Wellenkinder
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"Ich habe nicht viel gelernt in meinem Leben. (...) Aber, dass Gelegenheiten nicht wiederkommen, das schon."

Der Roman "Wellenkinder" erzählt parallel auf verschiedenen Zeitebenen die außergewöhnlichen ...


"Ich habe nicht viel gelernt in meinem Leben. (...) Aber, dass Gelegenheiten nicht wiederkommen, das schon."

Der Roman "Wellenkinder" erzählt parallel auf verschiedenen Zeitebenen die außergewöhnlichen Schicksale von drei scheinbar sehr unterschiedlichen Personen:
Als Kind flieht Margit 1945 mit ihrer Familie aus Königsberg nach Berlin und erlebt dort die Gründung der DDR und die damit einhergehende sozialistische Aufbruchstimmung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begeistert mit.
1970 misslingt Oda die Flucht aus eben diesem totalitären Staat und sie landet in einem sozialistischen Gefängnis.
In der Gegenwart wird Jan in seine alte Heimat nach Rügen gerufen, wo er sich um seinen totkranken Vater kümmern muss. Hier überrollt ihn seine eigene Vergangenheit.

Der Erzählstil von Liv Marie Bahrow überzeugt und zieht den Leser tief in eine ruhig und in leisen Tönen unaufgeregt erzählte Geschichte.
Die Charaktere wirken allesamt sehr glaubwürdig, die anrührenden Schicksale sind fesselnd und lebendig beschrieben.

Nur sehr langsam werden die drei einzelnen Handlungsstränge nach und nach miteinander verwoben und die einzelnen Puzzleteilchen fügen sich zu einem Gesamtbild zusammen.
Immer wieder spürt man, dass die Autorin selbsterlebtes Wissen bezüglich der zeitgeschichtlichen Ereignisse und der beschriebenen politischen Ordnung in die Handlung dieses historischen Romans einbringt.
Das wirkt sehr glaubwürdig.

Lesempfehlung für alle, die Lust haben, ein Stück unpopulärer deutscher Geschichte authentisch mitzuerleben.
Mich haben die "Wellenkinder" auf eine abwechslungsreiche und gleichzeitig ungemein unterhaltsame Reise in die Vergangenheit mitgenommen.

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Veröffentlicht am 09.08.2023

Ich habe dich gesehen

Der Trip – Du hast dich frei gefühlt. Bis er dich fand.
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"Die moralische Bewertung einer Tat hängt immer vom Blickwinkel ab, den man auf sie hat."

Wo ist Fabian, was ist vor zwei Jahren wirklich passiert? Auf der Suche nach ihrem verschwundenen Bruder stößt ...


"Die moralische Bewertung einer Tat hängt immer vom Blickwinkel ab, den man auf sie hat."

Wo ist Fabian, was ist vor zwei Jahren wirklich passiert? Auf der Suche nach ihrem verschwundenen Bruder stößt die forensische Psychologin Evelyn Jancke auf eine heisse Spur und muss sich selbst die Frage stellen: ist Fabian wohlmöglich der mit Hochdruck gesuchte Campingplatz-Serienmörder?

Mithilfe ihres guten Freundes und Ex-Partners Hauptkommissar Gerhard Tillmann beginnt für Evelyn eine nervenaufreibende Mörderjagd.
Leider fehlt es dabei der Hauptfigur etwas an Tiefgang und Empathie; manche ihrer Entscheidungen wirken da sogar unrealistisch, sodass eine Identifikation mit ihr in einigen Situationen nur schwer möglich ist.

Dennoch gelingt es Arno Strobel auch in diesem Thriller wieder, Urängste bei uns Lesern anzustoßen und uns auf einen Psycho-Trip durch menschliche Abgründe mitzunehmen.

Oftmals enden die kurzen Kapitel mit einem fiesen Cliffhanger, der einen dazu verführt, "nur noch einen Abschnitt" zu lesen, um dann doch atemlos dabei zu bleiben. Pageturner!

Regelmäßig werden in kursiver Schrift die Gedanken und "Rechtfertigungen" des Campingplatz-Mörders eingefügt.
Rachelust, brennender Hass und Verzweiflung haben den guten Teil seiner Seele absterben lassen...

Im letzten Drittel des Buches nimmt der Thriller durch eine mysteriöse, genre-typische Storywendung noch mal richtig Fahrt auf, es beginnt "eine emotionale Höllenfahrt am Rande des Wahnsinns".

Viel zu schnell ist der "Trip" dann aber leider auch schon vorüber. Der neue Strobel liefert ganz genau das, was man von ihm erwartet: solide und routinierte Thrillerkost auf hohem Niveau. Und das erstaunlich weit weniger blutig und brutal als eigentlich erwartet.

Leseempfehlung.

Spannende Unterhaltung nicht nur für Camping-Freunde..

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