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Veröffentlicht am 09.11.2023

An Gott festhalten

Der Ozean in mir
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Gott kann heilen, davon ist Janice Braun fest überzeugt. Doch sie wird nicht von ihrer Depression geheilt. Das ist für sie schwer. Dennoch hält sie an Gott fest.

Als Kind ist sie fröhlich und unternehmungslustig. ...

Gott kann heilen, davon ist Janice Braun fest überzeugt. Doch sie wird nicht von ihrer Depression geheilt. Das ist für sie schwer. Dennoch hält sie an Gott fest.

Als Kind ist sie fröhlich und unternehmungslustig. Es gibt keinen erkennbaren Grund dafür, dass sich das im Laufe der Pubertät ändert. Spätestens während ihrer Lehre wird die Last so groß, dass Janice sie kaum noch ertragen kann. Und doch will sie sich niemandem anvertrauen, da sie nicht andere mit ihrem Leiden belasten will.

Es macht ihr Mühe morgens aus dem Bett zu kommen und zur Arbeit zu gehen. Sie denkt an Suizid, da sie das Leben als zu schwer empfindet. Als endlich jemand nachfragt, ob alles in Ordnung ist, ist das für sie ein Anlass Hilfe zu suchen.

Nach Jahren der Behandlung erlebt sie eine Phase, in der die Depression vollkommen verschwindet. Doch dann kehrt sie zurück. Dieses Mal wartet die Autorin nicht so lange, bis sie Hilfe annimmt. Inzwischen weiß sie besser, wie sie gut mit sich selbst umgehen kann, um die Auswirkungen der Depression zu mildern. Trotz der Schwere, die diese Krankheit in ihr Leben bringt, ist sie dankbar für all das Gute, mit dem Gott sie beschenkt hat.

Janice berichtet sehr offen über ihre Gefühle, Kämpfe, Zweifel, Ängste und Enttäuschungen im Zusammenhang mit ihrer Depression. Dabei wendet sie sich immer wieder ermutigend an ihre Leser. Sie rät Betroffenen, nicht mit den schweren Gefühlen allein zu bleiben. Zugleich ermutigt die Autorin ihre Leser mit der Botschaft, dass es selbst in der Verzweiflung wunderschöne helle Momente gibt, für die es sich lohnt zu leben.

Im Zentrum dieses Buchs stehen die Erfahrungen der Autorin. Es lässt sich leicht und schnell lesen. An einigen wenigen Stellen wundere ich mich über ihre Einstellung, da ich eine andere Überzeugung habe, aber ich glaube, dass dies bei einem ehrlichen Lebensbericht immer der Fall sein würde. Manche Leser könnten sich vielleicht an der Beschreibung ihres Berufs als Pastorin stören, doch sie ist nicht die leitende Pastorin einer Gemeinde, sondern gemeinsam mit ihrem Mann für die Jugendarbeit in ihrer Gemeinde, ICF Zürich, zuständig.

Obwohl dieses Buch für alle lesenswert ist, scheint die Autorin sich vor allem an junge Menschen zu wenden, die vielleicht erste Anzeichen einer beginnenden Depression bemerken und unsicher sind, wie sie damit umgehen sollen.

Besonders wertvoll an diesem Buch sind die letzten Kapitel, in denen Janice von ihrer lebendigen Gottesbeziehung erzählt; wie sie Gott im Alltag erlebt, wie wichtig er ihr ist, und welche Stütze diese Beziehung für sie ist.

Fazit: Gut geschrieben und wertvoll, zeigt dieses Buch wie es einem Menschen geht, der mit Depressionen kämpft. Sehr empfehlenswert, vor allem für junge Menschen. Dieses Buch kann auch gut an Menschen weitergegeben werden, die wenig mit dem christlichen Glauben zu tun haben.

Veröffentlicht am 08.11.2023

Von Pantoffelhelden mit Waschbärbauch

Männerüberraschung
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Fabian Vogt ist Autor, Theologe und Künstler. Im Buch „Männerüberraschung“ kombiniert er diese drei Berufungen. Das Ergebnis ist eine bunte Mischung aus Alltagserfahrungen, die zumeist auf einen tieferen ...

Fabian Vogt ist Autor, Theologe und Künstler. Im Buch „Männerüberraschung“ kombiniert er diese drei Berufungen. Das Ergebnis ist eine bunte Mischung aus Alltagserfahrungen, die zumeist auf einen tieferen Sinn hinweisen. Insgesamt fünfzig kurze Begebenheiten werden hier wiedergegeben, auf jeweils zwei Buchseiten. Die Beiträge lesen sich wie eine Zeitschriftenkolumne. Sie sind manchmal tiefsinnig, ein anderes Mal humorvoll oder auch albern.

Thematisch geht es vor allem um Ehe, Familie, Beruf und Freundschaft. Die wenigen Hinweise auf den Glauben sind dezent eingeflochten, oft in Verbindung mit den Berufserfahrungen des Autors als Pfarrer. Erlebnisse werden ehrlich geschildert, klingen manchmal ein kleines bisschen selbstherrlich und doch immer auch wieder demütig betroffen.

Zwischen diesen Geschichten finden sich abwechslungsreiche Doppelseiten zu bestimmten Themen wie Muskeln, Bärte oder Sex. Dort findet sich ein Sammelsurium an kuriosen Fakten, wie zum Beispiel die Stoffmenge, die für einen schottischen Faltenrock benötigt wird, oder der wissenschaftliche Grund, warum Frauen besser hören können als Männer.

Die Gedankenanstöße sind manchmal sehr hilfreich, zum Beispiel, wenn der Autor vom lästigen Ausmisten erzählt und dabei feststellt, dass diese Tätigkeit belebend sein kann, wenn sie mit einer bestimmten Einstellung erledigt wird. Interessant ist es zu lesen, wie sich ein Fallschirmsprung anfühlt. Und sehr viele Erlebnisse geben Lesern das wohltuende Gefühl: Bin ich also nicht der Einzige, der so denkt oder das erlebt!

Mich persönlich stören manche Zweideutigkeiten, aber vermutlich ist das bei einem Kabarettisten zu erwarten. Theologisch scheint dieses Buch am ehesten in der evangelischen Landeskirche beheimatet zu sein.

Fazit: Kurze Gedankenanstöße aus dem männlichen Alltag, die Fragen nach Sinn, Lebenskunst und Glauben aufwerfen. Bunt gemischt und mit nur wenigen Hinweisen auf den Glauben, könnte dieses Buch als Gesprächseinstieg bei kirchenfernen Freunden dienen.

Veröffentlicht am 07.11.2023

Christus macht frei, Gemeinden manchmal nicht

Sie predigten Wasser und tranken Wein
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Jana Schmidt ist nicht ihr echter Name. Was hat diese Frau wohl alles erlebt, dass sie sich entscheidet, ihre Erfahrungen unter einem Pseudonym zu veröffentlichen?

Ihre Kindheit ist nicht glücklich. Sie ...

Jana Schmidt ist nicht ihr echter Name. Was hat diese Frau wohl alles erlebt, dass sie sich entscheidet, ihre Erfahrungen unter einem Pseudonym zu veröffentlichen?

Ihre Kindheit ist nicht glücklich. Sie leidet darunter, keinen Vater zu haben, und fühlt sich von ihrer alleinstehenden Adoptivmutter nicht geliebt. Sie sehnt sich nach Geborgenheit und einem Zuhause.

Als Jana eines Nachts einen Pastor trifft, erzählt er ihr, dass seine Gemeinschaft ihr bei der Bewältigung ihrer Vergangenheit und Sucht helfen könne. Sie lernt die Gruppe kennen und darf dort einziehen. Schon bald merkt sie, hier geht es nicht nur um ihr Suchtproblem. Die Werte der Gruppe sickern immer mehr in ihr Denken ein.

Die Leiter der Gruppe scheinen einen direkten Draht zu Gott zu haben. Sie treffen alle wichtigen Entscheidungen für die Bewohner der Wohngemeinschaft. Da Jana auch viele positive Erlebnisse macht, bleibt sie jahrelang in dieser Gruppe und akzeptiert diese Entmündigung.

Schauplatz dieser Geschichte ist eine charismatische Freikirche, die nicht benannt wird. Die Ereignisse finden vor und nach dem Toronto-Segen im Jahr 1994 statt, sind aber in vielerlei Hinsicht kennzeichnend für religiösen Missbrauch, der auch in anderen Kontexten auftritt.

In diesem Buch erzählt die Autorin ihre Geschichte, vom ersten Kennenlernen der Gruppe bis zur schmerzhaften Aufarbeitung ihrer Erlebnisse nach dem Ausstieg. Ihre Geschichte wird immer wieder von der zweiten Autorin unterbrochen, einer Theologin und Beraterin. Martine Kessler kommentiert Janas Erlebnisse und weist auf die Elemente hin, die religiösen Machtmissbrauch darstellen.

Die Einschübe nehmen im Laufe der Erzählung ab, was beim Lesen eine Erleichterung ist. Es fällt durch diese Unterbrechungen schwer, sich auf Janas Geschichte einzulassen. Vermutlich wäre es besser gewesen, die Fachkommentare entweder nach jedem Kapitel oder in einem zweiten Teil des Buchs unterzubringen. Insgesamt sind diese Anmerkungen aber auf jeden Fall hilfreich und bereichernd.

Es ist wertvoll, von den Erfahrungen einer Betroffenen zu lesen. Die Autorin beschreibt sachlich ihre Erlebnisse und berichtet offen von ihren Gefühlen und Gedanken während ihrer Zeit in dieser religiösen Gruppe. In den letzten Kapiteln erzählt sie von dem langen Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben nach ihrem Ausstieg. Auch das ist eine große Hilfe, um Menschen zu verstehen, die Ähnliches erleben.

Fazit: Ein bewegender Bericht über das Erleben von religiösem Machtmissbrauch, der zeigt, wie erste Anfänge bald zu einer Abhängigkeit von Führungspersonen führen. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 23.10.2023

Wie wir negative Gedanken überwinden können

Am Tisch des guten Hirten
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Louie Giglio schreibt einem Freund eine lange Textnachricht, in der er seine Genugtuung über eine Situation ausdrückt, in der er endlich Recht bekommen hat. Gespannt wartet er auf die Antwort. Sein Freund ...

Louie Giglio schreibt einem Freund eine lange Textnachricht, in der er seine Genugtuung über eine Situation ausdrückt, in der er endlich Recht bekommen hat. Gespannt wartet er auf die Antwort. Sein Freund wird ihm sicher mit vielen Worten deutlich machen, dass er auf seiner Seite steht, sich mit ihm über den Sieg freut. Stattdessen erhält er nur die knappe Antwort: Gib dem Feind keinen Platz an deinem Tisch.

Nach seiner anfänglichen Enttäuschung beginnt Louie die Weisheit, die in diesen Worten steckt, zu schätzen. In diesem Buch erklärt er, wie wir von Feinden umgeben sind, in Form von Gedanken, die ihren Ursprung im Bösen haben. Angelehnt an den bekannten Psalm vom Guten Hirten, zeigt er, wie gut unser liebender Vater ist, der einen wunderbaren Tisch für uns bereitet hat. Er fordert uns auf, uns von falschen Gedanken zu befreien, damit wir die Gemeinschaft mit unserem Vater genießen können.

Der Autor zeigt anhand von vielen Beispielen aus dem Alltag, wie wir unsere Gedanken Christus unterordnen können, sowie es in 2. Korinther 10,5 steht. Dabei geht es sowohl um Gedanken, die ganz offensichtlich vom Bösen kommen, wie die Versuchung zu sündigen und den vielen Rechtfertigungen, die uns darin bestärken. Doch Louie Giglio spricht auch über subtilere Varianten von falschen Gedanken, wie Selbstmitleid oder das Gefühl, wertlos zu sein.

Das Wertvolle an diesem Buch ist, dass die Lösung, die der Autor anbietet, sehr konkret und leicht im Alltag umzusetzen ist. Wichtig ist zuerst einmal die Erkenntnis, dass wir selbst für unsere Gedanken verantwortlich sind. Dennoch können wir den Kampf nicht alleine gewinnen; wir benötigen die Hilfe unseres Guten Hirten. Der Autor untermauert seine Ratschläge mit vielen Bibelstellen und ermutigt seine Leser, diese Wahrheiten fest im Kopf zu verankern und den Blick bewusst auf Christus zu richten, anstatt auf die zerstörerischen Gedanken.

Dieses Buch ist vermutlich aus einer Predigt hervorgegangen. Der Schreibstil ist einfach und enthält Wiederholungen, wie es bei einer Ansprache zu erwarten wäre. Beim Lesen wirkt das manchmal etwas ermüdend. Doch die Weisheit, die dieses Buch enthält, ist trotzdem hilfreich und wertvoll, vor allem für Menschen, die gegen Versuchungen ankämpfen oder mit anderen schädlichen Gedanken heruntergezogen werden.

Fazit: Dieser Ratgeber zeigt deutlich, wie unsere Gedanken unser Leben beeinflussen, und macht Mut, mit Gottes Hilfe die Kontrolle über unsere Gedanken zu übernehmen und so im Glauben zu wachsen. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 18.10.2023

Oft in den sozialen Medien zu lesen – aber ist es wahr?

Leb deine Wahrheit und andere Lügen
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„Nur die Liebe zählt“ – das klingt doch christlich, oder? Und wie ist es mit, „Gott will nur, dass du glücklich bist“? Heute sind so manche Sprüche weit verbreitet, doch bei genauerem Hinsehen erweisen ...

„Nur die Liebe zählt“ – das klingt doch christlich, oder? Und wie ist es mit, „Gott will nur, dass du glücklich bist“? Heute sind so manche Sprüche weit verbreitet, doch bei genauerem Hinsehen erweisen sie sich als Irrtum. Die Autorin dieses Buchs nimmt zehn solcher Aussagen unter die Lupe.

In ihrer Jugend war Alisa Childers Teil einer angesagten Mädchenband. Nach einem Glaubenskurs, in dem biblische Aussagen angezweifelt wurden, hinterfragte sie ihren Glauben. Bei ihrer intensiven Suche nach Antworten erkannte die Autorin, wie zuverlässig die Bibel ist. Seitdem ist es ihr ein Anliegen andere aufzuklären, denn es gibt so viele gefährliche Halbwahrheiten.

In diesem Buch geht es vor allem um die Aussagen von drei Frauen, die durch erfolgreiche Bücher und Podcasts eine Stimme unter Christen haben. Rachel Hollis, Jen Hatmaker und Glennon Doyle sind sich in ihrer Verkündigung eines selbstverliebten Evangeliums einig; Zitate in diesem Buch zeigen, dass sie und andere aufrufen das eigene Glück zu suchen und selbstbestimmt zu leben, zur Not auch auf Kosten anderer. Alisa Childers stellt diese Aussagen biblischen Wahrheiten gegenüber. Sie zeigt, dass das Leben als Christ nicht immer rosig ist. Dabei macht sie aber deutlich, wie befreiend die Erkenntnis ist, dass ich nicht meines eigenen Glücks Schmied sein muss. Und auch wenn manche biblische Wahrheiten auf dem ersten Blick unangenehmer klingen als die neuen verbreiteten „Wahrheiten“, ist das Leben mit Jesus jeden Preis wert.

Jedes Kapitel beginnt mit Erfahrungen aus dem Leben der Autorin. Das ist manchmal spannend, wenn sie beispielsweise vom Besuch eines Frauengefängnisses in Lateinamerika erzählt. Andere lange Anekdoten scheinen weniger zum Thema des Kapitels zu passen. An vielen Stellen verweist sie auf Filme, deren Inhalte ausführlich widergegeben werden. Dadurch kommt das eigentliche Anliegen des Buchs manchmal nicht so gut zur Geltung. Doch diese Erzählweise ist vielleicht für jüngere Menschen und für solche, die noch wenig über den Glauben wissen, interessant.

Ihre Erfahrungen mit einer Essstörung nehmen recht viel Raum ein. Das ist sicherlich gut für Menschen, die mit ähnlichen Problemen kämpfen, überrascht jedoch, da die Buchbeschreibung etwas anderes erwarten lässt. Trotz dieser Mängel ist das Thema dieses Buchs wichtig. Es ist bewundernswert, wie die Autorin die Wahrheit klar benennt. Dabei weist sie auch immer wieder darauf hin, dass Christsein auch Leid beinhalten kann. Herausfordernd ist ihre Anfrage, ob ihre Leser sich schon so sehr ihrer Umgebung angepasst haben, dass sie keinen Widerspruch erleben.

Fazit: Leicht zu lesen und unterhaltsam weist die Autorin in diesem Buch auf zehn Sätze hin, die in den sozialen Medien kursieren, und hinterfragt ihren Wahrheitsgehalt. Sehr empfehlenswert, vor allem für junge Menschen und Anfänger im Glauben.