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Veröffentlicht am 18.10.2022

Schwache Umsetzung einer interessanten Thematik

Freiheitsgeld
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Es kommt höchst selten vor, dass ich negative Rezensionen schreibe – immerhin weiß ich nur zu gut, was es heißt, sein ganzes Herzblut in ein Buchprojekt zu stecken. Doch bei „Freiheitsgeld“ komme ich nicht ...

Es kommt höchst selten vor, dass ich negative Rezensionen schreibe – immerhin weiß ich nur zu gut, was es heißt, sein ganzes Herzblut in ein Buchprojekt zu stecken. Doch bei „Freiheitsgeld“ komme ich nicht umhin, meine ehrliche Meinung zu kommunizieren; denn ich kann die guten Bewertungen, die einen weiteren, „typischen Eschbach“ in den Himmel loben, nicht ganz nachvollziehen.

Warum hat mir „Freiheitsgeld“ nicht gefallen?

Das hat mehrere Gründe und ich möchte zuerst erläutern, welche Aspekte in Herrn Eschbachs Werk durchaus Potenzial gehabt hätten: Wir werden in das Jahr 2064 mitgenommen, in dem die Menschen von einem bedingungslosen Grundeinkommen leben (hier „Freiheitsgeld“ genannt). Viele Arbeiten werden von Robotern übernommen, daher steht es den Bürger/innen frei, eine andere Tätigkeit zu übernehmen oder sich im Privaten künstlerisch auszudrücken. Im Verlauf der Handlung kommen immer wieder neue Erkenntnisse ans Licht, welche die Sinnhaftigkeit des „Freiheitsgeldes“ infrage stellen. Natürlich dürfen auch die üblichen Morde nicht fehlen, welche die Handlung erst ins Rollen bringen.

Theoretisch hätte daraus ein interessantes und spannendes Werk werden können. Das bedingungslose Grundeinkommen bietet genügend Gesprächsstoff und auch die von Herrn Eschbach dargestellte, zukünftige Welt ist durchaus realistisch aufgebaut. Ebenso ist sein Schreibstil gewohnt flüssig, wenn mir persönlich auch viele Erklärungen zu dialoglastig waren. Allerdings gibt es da mehrere Haken:


- Die Spannung baut sich erst sehr spät auf, weil anhand verschiedener Paarkonstellationen in das Jahr 2064 eingeführt werden soll. Im Endeffekt stellt sich heraus, dass sowohl das Geplänkel zwischen den Paaren als auch die Morde eher nebensächlich waren. Das hat mich wirklich verärgert, weil ich mich durch 250 Seiten quälen musste, die mir am Ende überflüssig vorgekommen sind.

- Leider wurden die Charaktere in meinen Augen sehr klischeehaft gezeichnet und schaffen es kaum, Sympathien aufzubauen. Da hätten wir das typische Heimchen am Herd (Lina), den ambitionierten Versorger der Familie (Valentin) und eine zu anfangs taff wirkende Frau, die sich irgendwann in ihrer Fixiertheit auf Kinder verliert (Franka). Ich könnte mit dieser Aufzählung fortfahren, werde aber jede/m dazu raten, sich selbst ein Bild zu machen.

- Innerhalb der Handlung werden viele Fragen aufgeworfen, die entweder in einem langen Dialog aufgearbeitet werden (was mir dann doch zu einfach ist), oder gar keine Erwähnung mehr finden. Immer wieder werden Handlungsstränge angeschnitten, die meinem Empfinden nach im Sand verlaufen und nichts zur Haupthandlung beitragen. Auf der anderen Seite waren viele Wendungen vorhersehbar, was ich von Herrn Eschbach so gar nicht kannte.


Die eingestreuten Themen zur Überwachung der Bürger*innen und dem Aufarbeiten der Klimakatastrophen fand ich durchaus interessant. Ich verstehe auch, was Herr Eschbach mit seinem Werk bezweckt – viele Aspekte verfolgen einen nach dem Lesen länger, sodass sich jede/r eigene Gedanken dazu machen kann. Doch die Umsetzung hat mich wirklich enttäuscht. Leider konnte ich dem „neuen Eschbach“ nicht das gewünschte Lesevergnügen abgewinnen und werde mich daher eher wieder älteren Werken des Autors zuwenden.

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Veröffentlicht am 31.10.2017

Wenig überzeugende Schatzjagd nach Indien

IMMORTAL - DER UNSTERBLICHE
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Eckdaten

Titel: IMMORTAL – Der Unsterbliche
Autor: Krishna Udayasankar
Verlag: Luzifer-Verlag (31. Oktober 2017)
Preis: 2,99 € (eBook), 13,95 € (Taschenbuch) à 400 Seiten

Inhalt

Ein Professor, der nicht ...

Eckdaten

Titel: IMMORTAL – Der Unsterbliche
Autor: Krishna Udayasankar
Verlag: Luzifer-Verlag (31. Oktober 2017)
Preis: 2,99 € (eBook), 13,95 € (Taschenbuch) à 400 Seiten

Inhalt

Ein Professor, der nicht sterben kann, auf der Suche nach dem Stein der Weisen…

Als Krieger namens Asvattama geboren, verbüßt der heutige Professor Bharadvaj die Strafe des ewigen Lebens. Mit der Annahme verschiedener Identitäten verdingt er sich nun als Historiker, welcher es aufgegeben hat, das Geheimnis hinter seiner Unsterblichkeit lüften zu wollen.
Doch plötzlich steht die junge Maya Jervois vor seiner Tür, die ihn mit nichts anderem beauftragt, als nach dem Stein der Weisen zu suchen – dem Stein, der das Rätsel seines Daseins lösen könnte.
Eine Schatzjagd voller Gefahren beginnt, denn der Professor und Maya sind nicht die Einzigen, die das Geheimnis des „Varja“ lüften wollen…

Cover

Das in recht dunklen Tönen gehaltene Cover verspricht eine Geschichte voller Abenteuer und Geheimnisse. Durch die indisch angemuteten Ornamente und Gebäude im Hintergrund fühlt man sich sofort nach Indien versetzt. Ein schönes Cover voller Mystik!

Einschätzung

Ein zynischer Professor der nicht altert, skrupellose Gegner und eine Schatzjagd, die einen mit glänzenden Augen an Gold denken lässt…
Nicht zuletzt wegen besagter Schatzjagd und dem indischen Setting habe ich mich an „IMMORTAL“ gewagt, denn beides hat mich schon immer fasziniert.

Mit einem recht brutalen Prolog landet der Leser direkt im Geschehen und lernt den Professor kennen, welcher sich aus einer brenzligen Situation befreit. Schon von Beginn an fallen die komplizierten Orts- und Götternamen ins Auge, die sich durch den gesamten Roman ziehen. Eine gute Gelegenheit, um mehr über Indiens Götterwelt zu recherchieren – doch mit der Zeit wird der Lesefluss dadurch gewaltig gehemmt.

Die Charaktere, neben dem Professor vor allem Maya Jervois und Manohar, konnten mich in ihrer Authentizität nicht überzeugen. Bharadvaj, der gerne über sein viertausend Jahre andauerndes Leben philosophiert und komplizierte Zusammenhänge in Sekunden herstellt, bekommt durch diese Charakterzüge nicht nur den Hauch eines amerikanisierten Bad Boys, sondern wirkt durch seine Überlegenheit auch sehr arrogant. Nur zu gerne lässt er seine Mitreisenden darüber rätseln, wo die nächsten Teile des „Varja“ zu finden sind. Und trotz seiner langen Lebensspanne sowie der daraus resultierenden Menschenkenntnis zweifelt er keine Sekunde an der Ehrlichkeit Maya Jervois‘.
Eben genannte konnte bei mir keine Sympathie erringen. Aufgrund ihres Berufs hatte ich mir eine toughe Frau erhofft, die sich selbst zu helfen weiß. Allerdings vermittelt Jervois eher den Eindruck einer angegriffenen Diva, die mit Manohar um die Gunst des Professors konkurriert und sich bissige Wortgefechte liefert…
Als Mitarbeiter/Freund von Bharadvaj konnte Manohar noch die meisten Sympathiepunkte erringen. Er versteht seinen Job und wirkt kompetent, bis er sich auf das Gunstgerangel mit Jervois einlässt.

Die Gesamthandlung weist durchweg einen roten Faden auf und ist dank des flüssigen Schreibstils mit einigen Spannungsmomenten gespickt. So war die Jagd nach dem Stein der Weisen durchaus interessant und auch das Setting der alten, indischen Tempel konnte positiv überraschen. Doch die schnellen Schlussfolgerungen des Professors, gefolgt von häufigen Rückblenden in seine Vergangenheit, lassen den Leser oft verwirrt zurück.

In der Tat sind die Grundansätze von „IMMORTAL – Der Unsterbliche“ nicht schlecht. Mit einer interessanten Idee und einem schönen Setting hat Krishna Udayasankar die richtigen Grundbausteine gelegt. Leider konnten mich weder Charaktere noch Umsetzung der Handlungsstränge wirklich überzeugen.
Ein teilweise unterhaltsamer Ausflug in die indische Götter- und Schatzwelt, daher von mir 2/5 Sternen.