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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.12.2024

Ein wenig schräg

Bad Vöslau in Flammen
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In diesem, ihrem 4. Fall müssen Toni und Willi Polorny den Radius ihrer Ermittlungen beträchtlich erweitern. Das passt dem ziemlich lethargischen, um nicht zu sagen, faulen Willi (@ Biene Maja) zunächst ...

In diesem, ihrem 4. Fall müssen Toni und Willi Polorny den Radius ihrer Ermittlungen beträchtlich erweitern. Das passt dem ziemlich lethargischen, um nicht zu sagen, faulen Willi (@ Biene Maja) zunächst einmal gar nicht. Erst die Aussicht auf steirische Spezialitäten und ein Liebeswochenende in Graz lässt ihn gemeinsam mit Ehefrau Toni und der Katzinger samt Anhang über den Semmering fahren, nur um anschließend einen Abstecher nach München zu machen.

Was ist passiert, dass Willi & Antonia ihr geliebtes Revier verlassen?

Als ein seit längerer Zeit leer stehendes Hotel mitten in den Weinbergen Vöslaus in Flammen aufgeht und ein Toter gefunden wird, liegt es nahe, an „heiß abtragen“ zu denken. Die Freizeitpolizisten, wie Chefinspektorin Olivia Wehli ihre verhasste (und illegale) Konkurrenz nennt, ziehen recht bald die richtigen Schlüsse. Daran sind nicht nur Willis Spezl Sprengnagel (ein echter Polizist), der Ermittlungsergebnisse völlig ungeniert mit den Pokornys teilt, sondern auch Heidrun „Stasi“ Zwatzl schuld. Mit ihrer Spionageausrüstung made in der Ex-DDR spioniert sie ihren Nachbarn hinterher und deckt so manches Komplott auf.

Meine Meinung:

Diesmal haben mich die Pokornys und da vor allem Willi ein wenig genervt. Als Leserin der ersten Stunde kenne ich die diversen Vorlieben des verfressenen Willi nun zur Genüge. Neben gutem Essen und Trinken spielen das Whirlpool und Sextoys eine wichtige Rolle. Angesichts der täglichen Gasthausbesuche frage ich mich, wovon leben die Beiden eigentlich? Denn Willi ist arbeitslos und Toni arbeitet nur wenige Stunden in der Bibliothek. Mag sein, dass sie geerbtes Vermögen unter die Leute bringen. Auch die mehrfache Erwähnung des alten Nokia ist lästig, denn inzwischen ist es hinlänglich bekannt, dass Willi den Telefonierknochen nicht gegen ein modernes Smartphne tauschen will. Aber, vielleicht kann der Ausblick auf die Zukunft, mit der dieser Regional-Krimi schließt, ihn eines Besseren belehren.

Neu ist Sophie Katzinger, die Zwillingsschwester der schrulligen Alten, die nach langen Jahren der schwesterlichen Funkstille todkrank nach Vöslau geholt wird und dank Berties „Kräutertee“ einige gute Tage verbringen kann.

Grundsätzlich mag ich die schrägen Typen, die sich hier tummeln, doch diesmal hat Autor Norbert Ruhrhofer, so finde ich persönlich, ein wenig zu dick aufgetragen.

Fazit:

Für mich persönlich ist der Krimi ein wenig zu gewollt schrill und voll mit Wiederholungen, daher gibt es diesmal nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 25.11.2024

Wenig Neues

Alles klar beim Haar?
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„Alles klar beim Haar?“ ist ein Sachbuch von Hautärztin Dr. med. Alice Martin und Dr. med. Lucia Schmidt. Es ist in vier große Kapitel aufgeteilt.

Anatomie und Vielfalt der Haare
Haarprobleme und deren ...

„Alles klar beim Haar?“ ist ein Sachbuch von Hautärztin Dr. med. Alice Martin und Dr. med. Lucia Schmidt. Es ist in vier große Kapitel aufgeteilt.

Anatomie und Vielfalt der Haare
Haarprobleme und deren Therapie
Haarpflege und Kosmetik
Ernährung für die Haare

Zunächst gibt es einen kleinen Theorieteil, bevor sich die Autorin mit haarigen Problemen beschäftigt. Interessant finde ich das Kapitel Haarpflege und Kosmetik, das im Anhang durch eine Liste mit Zusatzstoffen in Haarpflegemitteln ergänzt wird. In all diesen Kapiteln wird mit einigen Mythen und Legenden aufgeräumt.

Fazit:

Für mich persönlich ist hier wenig Neues zu erfahren gewesen, daher gibt es 3 Sterne.

Veröffentlicht am 01.11.2024

Hat mich diesmal nicht ganz überzeugt

Wiener Künstlermord
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In seinem dritten Kriminalroman lässt Michael Ritter im Dunstkreis der Wiener Secession ermitteln. Man schreibt das Jahr 1917 und der Erste Weltkrieg wird trotz der (halbherzigen) Bemühungen von Kaiser ...

In seinem dritten Kriminalroman lässt Michael Ritter im Dunstkreis der Wiener Secession ermitteln. Man schreibt das Jahr 1917 und der Erste Weltkrieg wird trotz der (halbherzigen) Bemühungen von Kaiser Karl, der nach dem Tod von Franz Joseph nun regiert, Frieden zu schließen, noch ein Jahr weitergehen und Tausende Opfer fordern.

Michael Sterner, einer der Künstler wird erstochen aufgefunden und eines seiner Kunstwerke, die Plastik einer bronzenen Gänse ist verschwunden. Blöderweise haben Sterner kurz zuvor mit dem Präsidenten der Secession lautstark gestritten, daher zählt er für den jungen Kommissar Hechter zu den Hauptverdächtigen.

Nun soll Kriminaloberinspektor Dr. Otto Fried, auf Drängen seines ehemaligen Schulfreundes und nunmehrigen Präsidenten der Wiener Künstlervereinigung Secession, Ferdinand Schmutzer, nur ungern nach. Zum einem ist er auf Urlaub und zum anderen hat sein junger Kollege Hechter den Fall als leitender Ermittler übertragen bekommen. Allerdings ist Dr. Fried schon ein wenig neugierig und stellt gemeinsam mit seinem ebenfalls beurlaubten Assistenten Novak, die eine oder andere Nachforschung auf eigene Faust an.

Gleichzeitig plagen ihn private Sorgen, denn Max, sein Schwiegersohn, ist eben aus dem Lazarett entlassen worden und zieht bei Dr. Fried und seiner Tochter Amalia ein. Im Schlepptau hat er Josef Wurmer, der ihm angeblich das Leben gerettet hat und sich dabei die Hände schwer verletzt hat. Dabei sind seine Hände sein größtes Kapital ist der ebenso Künstler wie der Tote.

Als Wurmer dann noch in einer Branntweinlaune erklärt, dass er und Sterner ein homosexuelles Verhältnis hatten, lenkt dies Dr. Frieds Überlegungen in eine ganz andere Richtung. Doch Hechter will von seinem Hauptverdächtigen nicht abrücken ...

Meine Meinung:

Dieser dritte Fall für Dr. Otto Fried hat mir nicht ganz so gut gefallen wie die beiden Vorgänger („Wiener Hochzeitsmord“ und „Wiener Machenschaften“).

Mir ist nicht ganz klar, warum Fried und Novak ihren Urlaub nicht abbrechen können. Die aktuell gültige Regelung, dass nicht konsumierte Urlaubstage mit Jahresende verfallen, wird es wohl nicht sein.

Bei ihren privaten Recherchen stolpern Fried und Novak ein bisschen durch die Geschichte. Tja, so ganz ohne die Helferleins im Büro, die für Akteneinsicht etc. geht es eben doch nicht. Hechter, zuvor noch ein sympathischer Kerl, zeigt nun Ehrgeiz und Ambitionen für höhere Weihen. Ob die Zusammenarbeit in Zukunft gut gehen wird?

Der zweite Handlungsstrang rund um Schwiegersohn Max, der ja schon im ersten Fall eine Rolle gespielt hat, sowie um Josef Wurmer hat mich da fast mehr interessiert. Die mehrfache Erwähnung der sauberen Verbände an seinen Händen hat mich auf seine Spur gelockt. Wurmer ist das, was man in Wien einen Strizzi nennt. Immer wieder in Geldnöten, ist er für Kartenspiel und Branntwein gerne zu haben. Rücksichtslos manipuliert er Max und nützt dessen Naivität und Vertrauen aus. Und ja, der Krieg bringt bei den meisten das Schlechteste zum Vorschein.

Ich bin schon neugierig, ob und wie es mit Dr. Otto Fried, seiner Tochter Amalia und Schwiegersohn Max weitergeht. Die nächsten Herausforderungen mit der Niederlage im Krieg, dem Zerfall der Donaumonarchie und der Spanischen Grippe stehen schon vor den Toren.

Fazit:

Nicht ganz so eloquent wie die beiden anderen Fälle, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 01.11.2024

Habe hier anderes erwartet

Unversehrt. Frauen und Schmerz
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»Ein Mann bekommt Schmerzmittel. Eine Frau etwas für die Nerven.«

Eva Biringer nimmt sich eines Themas an, das lange nicht im Fokus war: Schmerzen aus Sicht der Frauen.

Es geht hier nicht nur um die ...

»Ein Mann bekommt Schmerzmittel. Eine Frau etwas für die Nerven.«

Eva Biringer nimmt sich eines Themas an, das lange nicht im Fokus war: Schmerzen aus Sicht der Frauen.

Es geht hier nicht nur um die unterschiedlichen Arten von Schmerzen, sondern um den Umgang damit. Jahrzehntelang werden Schmerzen bei Frauen ignoriert ("Da musst du durch") und/oder mit Tabletten zugedröhnt. Ursachenforschung wurde selten betrieben. Frauen haben zu funktionieren. Punkt, aus, basta!

Der rote Faden, der sich durch die 9 Kapitel des Buches zieht, ist die Lebens- und Leidensgeschichte ihrer Großmutter, die ihr gesamtes Leben an chronischen Schmerzen gelitten hat.

Schmerz in Worte fassen
Wie der Schmerz in unsere Welt kam
Uns wird Schmerz bereitet
Unser Körper bereitet uns Schmerz
Unserem Schmerz wird nicht geglaubt
Unser Schmerz wird betäubt
Wir bereiten unserem Körper Schmerz
Unser Schmerz wird begehrt
Reclaim the Pain

Das Buch zeigt auf, wie weiblicher Schmerz unterschätzt, übergangen und abgewertet wird.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist anders, als ich erwartet habe. Das beginnt schon beim Cover, das man genau betrachten muss. Auf den ersten Blick suggeriert es genau das Gegenteil, was der Klappentext verspricht: Die Verletzlichkeit vonFrauen.

Ich dachte an ein Buch, das sich mit Gendermedizin beschäftigt. Die wird hier nur gestreift, dafür driftet die Autorin häufig in feministische Agitation ab, was an sich nichts Böses ist, mich aber hier gestört hat.

Stellenweise polarisiert das Buch, vor allem dann, wenn die Autorin wertet. So werden Frauen, die Boxen als „wütend = gut“ dargestellt, jene die im Fitnessstudio bei „Bauch-Bein-Po“ ihren Körper trainieren als „traurig = schlecht“, klassifiziert. Da lese ich eine gewisse Stutenbissigkeit heraus, die ich schon überwunden geglaubt habe. Frauen, die ihre Geschlechtsgenossinnen abwerten statt stärken, haben ausgedient. Es genügt, wenn wir Frauen uns gegen das Patriarchat wehren müssen, da braucht es markige Ansagen von anderen Frauen nicht zusätzlich.

Ich stimme der Autorin zu 100% zu, wenn sie vehement fordert, dem weiblichem Schmerz mehr Raum zu geben, Frauen zuzuhören und sie ernst zunehmen. Allerdings kann nicht allen ihren Thesen und Aussagen beipflichten.

Die Empfehlung, in Begleitung eines Mannes (es muss nicht einmal der eigene Partner sein) zur gynäkologischen Untersuchung zu gehen, um vom männlichen Frauenarzt ernst genommen zu werden, erinnert doch schon ein wenig an das Frauen verachtende Weltbild mancher Regime. Echt, das soll helfen? Wollen wir das wirklich? Also ich nicht.

Fazit:

Da ich hatte auf Grund des Klappentextes einen stärkeren medizinischen Bezug erwartet habe und deshalb enttäuscht bin, bewerte ich das Buch mit 3 Sternen.

Veröffentlicht am 30.10.2024

Im Krieg gibt es nur Verlierer

Die Niederlage des Siegers
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Als am 7. Oktober 2023 die Nachrichten über die, von der Hamas als „Operation al-Aqsa-Flut“ bezeichneten, Angriffe auf Israel die Nachrichten beherrschten, war mein erster Gedanke: Haben die Geheimdienste, ...

Als am 7. Oktober 2023 die Nachrichten über die, von der Hamas als „Operation al-Aqsa-Flut“ bezeichneten, Angriffe auf Israel die Nachrichten beherrschten, war mein erster Gedanke: Haben die Geheimdienste, von denen es in Israel ja mehrere gibt, geschlafen? Wie kann es sein, dass ein so hoch gerüsteter Staat, die Vorbereitungen zu einem solchen Angriff nicht mitbekommt? Mein zweiter war, Benjamin Netanjahu wird die Tötung der 200 in den Händen der Hamas befindlichen Geiseln als Kollateralschaden verbuchen, die Anhänger der Hamas töten sowie die palästinensische Bevölkerung aus ihren Wohngebieten vertreiben und die Infrastruktur zerstören.

Nun ein Jahr danach, ist zu sehen, dass ziemlich genau das eingetreten ist. Zwar scheint es noch Verhandlungen um das Leben der Geiseln zu geben, viel Hoffnung habe ich nicht, denn Netanjahu scheint wild entschlossen, Israels Staatsgebiet auf Kosten der Palästinensischen Gebiete auszudehnen. Nun dreht sich die Spirale der Gewalt schneller als je zuvor. Dabei werden, von allen am Konflikt beteiligten Parteien, die Register der Propaganda gezogen und über wechselseitige Gräueltaten berichtet.

Daher dachte ich, das vorliegende Buch „Die Niederlage des Siegers“ von Ex-Geheimdienstmitarbeiter Jacques Baud wird ein wenig Licht ins Dunkel der Geheimdienste und ihr mögliches Versagen bringen. Leider wurde ich hier enttäuscht, denn wie der Autor zwischendurch ein Mal kurz erwähnt, hat er dieses Thema mit dem selben Titel bereits 2003 (allerdings nur auf französisch „La Guerre asymétrique ou la Défaite du vainqueur“) veröffentlicht und nur den aktuellen Ereignissen angepasst.

Ganz so unvoreingenommen wie auf der Rückseite des Buches vom Verlag angegeben, finde ich den Autor nicht. Er stellt allerlei Theorien in den Raum, nachprüfbare Quellenangaben liefert er nur wenige. Er verweist auf zahlreiche Nachrichten auf You Tube oder X (vormals Twitter). Seriöse Angaben sind möglicherweise gar nicht möglich. Abgebildete Screenshots von TV-Nachrichten sollen vermutlich so etwas wie Authentizität vermitteln. Leider sind die Abbildungen nur etwas größer als eine handelsübliche Briefmarke.

Allerdings hat der Autor mit seiner Feststellung, dass der Staat Israel unter Benjamin Netanjahu wiederholt das Völkerrecht bricht und gegen mehrere UN-Resolutionen verstößt, recht. Noch akzeptieren die meisten Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft Israels Vorgehen. Doch wie lange noch? Junge amerikanische Juden, die sich für einige Monate in den Dienst der israelischen Armee gestellt haben, kehren desillusioniert nach Hause zurück, weil sie nicht mehr, an die zuvor als „gerechte Sache“ verkauften Kämpfe glauben. Dieses in die Unglaubwürdigkeit Schlittern, ist wie der Buchtitel so treffend sagt: „Die Niederlage des Siegers“, wobei es bei diesem Krieg nur Verlierer gibt.

Wie es wohl im Nahen Osten weitergehen wird? Der Flächenbrand auf die Nachbarstaaten hat sich Richtung Libanon schon ausgebreitet? Würde ein anderer Ministerpräsident anders handeln?

Der letzte Ministerpräsident, der aktiv an einer friedlichen Zwei-Staatenlösung für Israel und die Palästinensischen Bevölkerung gearbeitet hat, war Jitzchak Rabin, der am 4. 11. 1995 von einem Mitglied einer ultraorthodoxen Partei bei der Veranstaltung „Ja zum Frieden, Nein zur Gewalt“ ermordet worden ist.

Fazit:

Es fällt mir schwer, dieses Buch zu bewerten, da ich viel zu wenig weiß oder nachprüfen kann. Der eine oder andere Gedanken ist es wohl wert, sich damit näher zu beschäftigen. Nach langem Abwägen gibt es 3 Sterne.