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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2025

Das ist doof!

Tilly stinkt's!
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Tilly ist ein kleines Stinktiermädchen, dem – wie Menschenkindern – so manches stinkt. Zum Beispiel, wenn das Eis auf den Boden fällt oder jemand ewig lange schaukelt, obwohl Tilly auch gerne schaukeln ...

Tilly ist ein kleines Stinktiermädchen, dem – wie Menschenkindern – so manches stinkt. Zum Beispiel, wenn das Eis auf den Boden fällt oder jemand ewig lange schaukelt, obwohl Tilly auch gerne schaukeln würde. In diesen Fällen benutzt Tilly ihren „Stinkezauber“, der allerdings alle in ihrer Umgebung das Weite suchen lässt. Plötzlich ist gar niemand mehr da, der mit ihr spielen möchte, und Tilly ist traurig. Ihre Mutter weiß allerdings Rat, wie sie es schafft, aus etwas Doofem etwas Gutes zu machen und nicht so oft zu stinken!
Ich habe dieses Buch meinem dreijährigen Enkel vorgelesen und es ist momentan sein Lieblingsbuch. Die Illustrationen sind sehr goldig und drücken die Emotionen von Tilly und ihren Freunden gut aus. In den einzelnen Situationen können sich Kinder gut wiederfinden, schließlich hat jeder schon einmal erlebt, dass ein anderer den schönen, hohen Bauklötzchenturm umgestoßen hat!
Ein wirklich schönes, kindgerechtes Buch, das Kindern zeigt, dass man seine Emotionen steuern kann und ihnen nicht hilflos ausgeliefert ist.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Argwöhnisch beobachtet

Coast Road
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In der Kleinstadt Ardglas an der irischen Küste wird jeder Fremde misstrauisch beäugt. Als der erfolgreiche Geschäftsmann Shaun Crowley vor Jahren Colette, eine auffällig große und gutaussehende Frau, ...

In der Kleinstadt Ardglas an der irischen Küste wird jeder Fremde misstrauisch beäugt. Als der erfolgreiche Geschäftsmann Shaun Crowley vor Jahren Colette, eine auffällig große und gutaussehende Frau, heiratete, die zudem Dichterin war, gab es lange Zeit kein anderes Gesprächsthema. Doch die Ehe ging in die Brüche, Colette zog nach Dublin und mit einem anderen Mann zusammen. Die gemeinsamen Söhne musste sie bei Shaun zurücklassen. Nachdem auch diese Beziehung nicht gutging, ist sie wieder da und lebt zur Miete in einem heruntergekommenen Feriencottage an der Coast Road. Sie hält sich mehr schlecht als recht durch Schreibwerkstätten finanziell über Wasser. Shaun verbietet ihr den Kontakt zu ihren Söhnen, worunter der Jüngste, Niall, sehr leidet. Der mittlere will von seiner Mutter nichts mehr wissen, der älteste studiert und lebt nicht mehr in Ardglas. Colette versucht verzweifelt, Niall zu sehen und bekommt dabei Hilfe von Izzy, der Frau eines Lokalpolitikers, die heimliche Treffen arrangiert. Doch sie werden beobachtet und Izzys Mann verbietet ihr den Umgang mit Colette, nachdem Shaun ihm offen damit gedroht hat, seine politische Karriere zu sabotieren. Colette ist verzweifelt, trinkt zu viel und lässt sich auf eine Affaire ein, die ihr zum Verhängnis wird.
„Coast Road“ spielt in Irland Mitte der 1990er Jahre. Es ist erschreckend zu lesen, wie wenig Rechte die Frauen damals in Irland hatten. Scheidung war nicht möglich, Frauen, die abtreiben wollten, mussten heimlich nach England fahren. Ohne Einwilligung des Ehemanns konnte eine Frau noch nicht mal ein Geschäft eröffnen, dazu war die Unterschrift ihres Ehemanns erforderlich.
Ich fand die Atmosphäre in diesem Buch bedrückend und sehr eindrücklich beschrieben. Obwohl ich manche von Colettes Entscheidungen nicht nachvollziehen konnte, hatte ich Verständnis für ihre Fehlentscheidungen und sie tat mir sehr leid in ihrer Einsamkeit und Sehnsucht nach ihren Kindern. Man macht es sich zu leicht zu sagen, sie hätte ihre Familie ja nicht zu verlassen brauchen. Das Buch hat mich sehr beeindruckt und beschäftigt mich immer noch. Ein äußerst gelungener Debütroman mit einem ausgefallenen Cover, das mir im Buchladen sofort aufgefallen wäre.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Schritt für Schritt zurück ins Leben

Von hier aus weiter
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Nach dem Tod ihres Mannes ist Marlene vor allem eines: wütend. Wie konnte er sie ganz allein zurücklassen? Um ihre Wut zu betäuben, schluckt sie Tabletten. Am liebsten hätte sie überhaupt keinen Kontakt ...

Nach dem Tod ihres Mannes ist Marlene vor allem eines: wütend. Wie konnte er sie ganz allein zurücklassen? Um ihre Wut zu betäuben, schluckt sie Tabletten. Am liebsten hätte sie überhaupt keinen Kontakt zu der Außenwelt, doch zu Rolfs Beisetzung muss sie wohl oder übel gehen. Obwohl es ein trauriger Anlass ist, beschreibt Ann Pasztor die Situation dermaßen komisch, dass ich ein paarmal laut lachen musste. Zum Beispiel als die in schwarzen Kitteln steckenden Enkelkinder inbrünstig „O-o-p-a Rolf“ zur Melodie von George Harrisons „My sweet Lord“ singen.
Da ihre Dusche kaputt ist, ruft Marlene kurz darauf einen Installateur, der sich als früherer Schüler der pensionierten Grundschullehrerin herausstellt. Jack erzählt ihr, dass er im Moment in seinem Bus schläft, woraufhin Marlene ihm ihr Gästezimmer anbietet. Was als Lösung für eine Nacht gedacht war, entpuppt sich als gutes Arrangement für beide Seiten, zumal Jack sich als hervorragender Koch herausstellt. Dass Marlene außerdem Gesellschaft hat, ist ein weiterer positiver Nebeneffekt, der sie peu à peu aus ihrer Passivität reißt. Als Wally, eine frühere Freundin, zu der sie seit vielen Jahren den Kontakt verloren hatte, anruft, um ihr mitzuteilen, Rolf habe einen Brief für Marlene bei ihr hinterlegt, beschließt Marlene, zu Wally nach Wien zu fahren und den Brief abzuholen.
Ich habe „Von hier aus weiter“ von der ersten bis zur letzten Seite gern gelesen. Es war mein erstes Buch der Autorin, deren Schreibstil und Humor mir ausgezeichnet gefallen. 5 Sterne und Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 23.01.2025

Die Macht der Musik

Für Polina
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Die junge Fritzi Prager wird während eines Italienaufenthalts bei einem One-Night-Stand ungewollt schwanger. Es steht für sie außer Frage, dass sie das Kind bekommt. Bei der Entbindung lernt sie Günes ...

Die junge Fritzi Prager wird während eines Italienaufenthalts bei einem One-Night-Stand ungewollt schwanger. Es steht für sie außer Frage, dass sie das Kind bekommt. Bei der Entbindung lernt sie Günes kennen, die beinahe zeitgleich die kleine Polina zur Welt bringt. Die Frauen werden Freundinnen und auch die Kinder verbindet bald trotz ihrer vollkommen unterschiedlichen Wesensarten eine enge Freundschaft. Hannes Prager ist ein stiller, verträumter Junge, während Günes‘ Tochter Polina voller Energie und Wagemut steckt.
Schon bald stellt sich heraus, dass Hannes ein ungewöhnliches musikalisches Talent besitzt. Ohne jemals Klavierunterricht bekommen zu haben, setzt er sich an den alten Flügel in der Villa des Landschaftspflegers Heinrich, wo Fritzi eine Unterkunft gefunden hat, und beginnt, zuvor gehörte Musikstücke zu spielen. Schon als Kind komponiert Hannes. So schreibt er beispielsweise ein Stück, das Polinas Wesen ausdrückt und seine Art ist, ihr seine Zuneigung zu zeigen.
Mit vierzehn verliebt sich Hannes in Polina, die in ihm allerdings nur einen guten Freund sieht, doch durch tragische Umstände werden die beiden getrennt und verlieren den Kontakt zueinander. Anstatt sein musikalisches Talent zu pflegen, arbeitet Hannes als Klavierträger und lernt dabei den Kollegen Bosch kennen, der zu seiner engsten Bezugsperson wird. Obwohl er versucht, Polina zu vergessen, gelingt es ihm nicht. Als sein Talent zufällig entdeckt wird, beschließt Hannes, Polina mit Hilfe seines eigens für sie komponierten Werks wiederzufinden.
„Für Polina“ ist ein wunderschönes, bewegendes Buch über Liebe, Abschied, Kummer, Glück und Freundschaft und vor allem die Macht der Musik, Menschen zu berühren und Dinge in Gang zu setzen. Ich habe Hannes‘ Hochs und Tiefs mit ihm durchlebt und gemeinsam mit ihm auf ein Wiedersehen mit Polina gehofft. Eine wunderschöne Liebesgeschichte, die alle Emotionen anspricht. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 05.12.2024

Ein passender Titel

Wohnverwandtschaften
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Als ich den Titel dieses Buchs zum ersten Mal gelesen habe, war ich etwas ratlos, was mit „Wohnverwandtschaften“ gemeint ist. Nach der Lektüre finde ich, es ist ein äußerst passender Titel.
Das Buch handelt ...

Als ich den Titel dieses Buchs zum ersten Mal gelesen habe, war ich etwas ratlos, was mit „Wohnverwandtschaften“ gemeint ist. Nach der Lektüre finde ich, es ist ein äußerst passender Titel.
Das Buch handelt von einer Wohngemeinschaft in Hamburg. Keine Studenten-WG, die Bewohner sind alle schon mitten im Berufsleben bzw. pensioniert. Da ist zunächst Jörg, dem die Wohnung gehört. Nach dem Tod seiner Frau traf er den Entschluss, die überzähligen Zimmer zu vermieten. Jörg ist 68 und sein großer Traum ist es, mit dem Bulli nach Georgien zu fahren. Murat, sein Mitbewohner, ist immer gut gelaunt, spielt Fußball, liebt seinen Schrebergarten und bekocht mit Leidenschaft die WG. Anke ist Schauspielerin, doch mit Anfang 50 sind die Rollenangebote dünn gesät, was ihrem Selbstwertgefühl sehr zusetzt. Als Letzte ist die Zahnärztin Constanze nach der Trennung von ihrem Freund in die WG gezogen. Übergangsweise, wie sie sagt, doch dann wachsen ihr die anderen mehr und mehr ans Herz und es sieht nicht so aus, als ob sie nach etwas anderem sucht.
Überhaupt ist der Zusammenhalt zwischen den vier Personen sehr eng. Als Jörg nach einer Operation nicht mehr der Alte ist und sehr vergesslich wird, kümmern sich die anderen rührend um ihn, sie fühlen sich wie eine Familie. Jörgs Sohn lebt in Frankreich und bekommt überhaupt nicht mit, wie es um seinen Vater steht.
Die Geschichte wird aus dem Blickwinkel der einzelnen WG-Bewohner erzählt. Der Leser hat daher einen Wissensvorsprung vor den anderen. Das Thema fortschreitende Demenz wird sehr einfühlsam behandelt. Ein Buch über Freundschaft, die oft enger sein kann als Familienbande. Uneingeschränkte Leseempfehlung von mir.

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