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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.03.2025

Toller Krimi

Dunkle Asche
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Ein Cold-Case-Krimi der besseren Art. Vor dreißig Jahren ist eine junge Frau im Ferienhaus ihrer Eltern im beschaulichen Kalifornien in der Nähe von Kiel erstochen worden, bevor das Haus angezündet wurde. ...

Ein Cold-Case-Krimi der besseren Art. Vor dreißig Jahren ist eine junge Frau im Ferienhaus ihrer Eltern im beschaulichen Kalifornien in der Nähe von Kiel erstochen worden, bevor das Haus angezündet wurde. Der mutmaßliche Täter wurde aufgrund fehlender Beweise freigesprochen. Nach der Aussage eines Sterbenden wird der Fall neu aufgerollt und die beiden Kommissarinnen, beide mit Ecken und Kanten und nicht frei von Fehlern, sollen mit modernen Methoden die Tat aufklären. Dass die sympathische ortsansässige Kommissarin alle Zeugen und potenziellen Täter kennt und in den Fall verwickelt ist, mag ich zwar grundsätzlich nicht an Krimis, ist aber hier für die Handlung von herausragender Bedeutung und angemessen. So richtig modern ist die Polizeiarbeit nicht wirklich, nur eine DNA-Probe (die vor dreißig Jahren noch nicht ausgewertet werden konnte) führt zu Fortschritten in der Ermittlung und zu fast lawinenartig hereinstürzenden Ereignissen. Scheibchenweise wird klar, dass alle Zeugen damals gelogen haben und der Kreis der Tatverdächtigen sich immer mehr erweitert, bis dramatische Ereignisse zum Schluss den Täter überführen.

Das liest sich richtig gut, ist spannend und abgesehen von wenigen dramaturgisch bedingten Unwahrscheinlichkeiten, die der Spannung dienen, in sich logisch. Die letzten 180 Seiten habe ich nachts durchgelesen, weil ich nicht aufhören konnte.

Der Name des Autors, Jona Thomsen, ist laut Klappentext ein Pseudonym eines erfolgreichen deutschen Schriftstellers. Gern würde ich wissen, um wen es sich dabei handelt, und hoffe, es mithilfe moderner Methoden herauszufinden.

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Veröffentlicht am 29.07.2024

Tolles Buch

Die Toten von Veere. Ein Zeeland-Krimi
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Nachdem der Autor des letzten von mir gelesenen Krimis sich an den von ihm beschriebenen Gewalttaten förmlich berauschte, kommt „Die Toten von Veere“ trotz vieler Toter angenehm ruhig daher.
Dem Autor ...

Nachdem der Autor des letzten von mir gelesenen Krimis sich an den von ihm beschriebenen Gewalttaten förmlich berauschte, kommt „Die Toten von Veere“ trotz vieler Toter angenehm ruhig daher.
Dem Autor Marten Vermeer gelingt es, seinen Lesern den Schauplatz Zeeland einschließlich seiner jüngeren Geschichte wunderbar nahe zu bringen. Die handelnden Personen werden einfühlsam mit ihren Vorzügen und Fehlern, insbesondere Vorurteilen beschrieben.
Oberthema ist die Fremdenfeindlichkeit, die in den Niederlanden in den letzten Jahren immer deutlicher zum Vorschein tritt. Es gibt drei bzw. vier Handlungsstränge. Zum einen geht es um den Widerstand der niederländischen Bevölkerung gegen die deutschen Besatzer im Jahr 1944, dann um einen toten rechten Journalisten, um ein vor zehn Jahren vermisstes Mädchen mit Migrationshintergrund und um einen vermissten ehemals rechten Mann, der für den Verfassungsschutz gearbeitet hat und im Zeugenschutzprogramm lebte.
Diese Themen werden vom Autor geschickt abwechselnd aufgegriffen und es wird erst spät klar, wie sie zusammenhängen. Der historische Fall dient wohl eher dazu, den Leser mit dem Schauplatz vertraut zu machen. Die mit der Vermisstenmeldung befasste sympathische Hoofdinspecteurin hat gerade im Dienst einen Drogendealer mit Migrationshintergrund erschossen und soll aus der Schusslinie der Medien gebracht werden, was nicht wirklich gelingt. Eine Kollegin mit Migrationshintergrund und der Leiter der Ortspolizei passen gut ins Ermittlungsteam, zu dem über den toten Journalisten noch eine etwas überzeichnet dargestellte junge Rechtsmedizinerin stößt. Nicht zu vergessen ein streunender Hund, der als Running Gag seinen Beitrag zur Aufklärung der Fälle leistet. Das eine oder andere ist etwas zu dick aufgetragen, wie in vielen Krimis führen Alleingänge zu schwierigen Situationen und ein guter Schuss Laienpsychologie ist auch vorhanden. Aber es liest sich gut mit sowohl ernsten als auch amüsanten Passagen.
Am Schluss sind alle Fälle aufgeklärt, das Gesetz hat gesiegt und der Epilog lässt vermuten, dass ein zweiter Band in Arbeit ist.

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Veröffentlicht am 11.04.2024

Phänomenal trotz aller Unwahrscheinlichkeiten

Die Dämmerung (Art Mayer-Serie 2)
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Mit hohen Erwartungen nahm ich den zweiten Band der „Art Mayer“-Reihe in die Hand. Und anders als oft erlebt wurden meine hohen Erwartungen überwiegend erfüllt.

„Zwangsadoption“ ist das zentrale Thema ...

Mit hohen Erwartungen nahm ich den zweiten Band der „Art Mayer“-Reihe in die Hand. Und anders als oft erlebt wurden meine hohen Erwartungen überwiegend erfüllt.

„Zwangsadoption“ ist das zentrale Thema des Thrillers, das mich auch aus persönlichen Gründen interessiert und durchaus realistisch beleuchtet wird. Dazu eigene Erfahrungen des Ermittlers Art Mayer, der im Heim aufgewachsen ist und der wichtigsten Nebendarstellerin Leo, die des Mordes an ihrer Adoptivmutter verdächtigt wird. Als Tochter aus reichem Haus rebelliert sie und engagiert sich bei den Klimaklebern. Weitere aktuelle Themen wie KI und der Krieg in der Ukraine spielen eine Rolle. Art, seine hochschwangere Kollegin Nele, das in prekären Verhältnissen aufwachsende Nachbarskind Milla werden trotz diverser Verfehlungen mit viel Empathie äußerst sympathisch dargestellt, ebenso Lea. Schlecht schneidet dagegen die Polizeiführung ab, die sogar die Ermittlungen teilweise behindert (weshalb kommt mir das bekannt vor?), so dass Art den Kriminalfall weitgehend im Alleingang lösen muss.

Wie schon im ersten Band ist ein lange zurückliegendes Ereignis Auslöser für eine Mordserie. Das wird in Form einer Aufnahme auf einer Musikkassette dramaturgisch sehr geschickt in die aktuelle Handlung eingeflochten. Eine offenbar beliebte Methode, die mir gerade in dem Thriller „Schatten im Glashaus“ begegnet ist, dort in Form eines Tagebuchs, und die dafür sorgt, den Spannungsbogen jederzeit aufrecht zu erhalten.

Die Auflösung des Falls erscheint letztlich wenig realistisch wie auch die Rolle des Bundeskanzlers und seiner Frau, was aber der prickelnden Spannung durchaus zuträglich ist.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Das Leben kehrt in der Nachkriegszeit zurück

In den Scherben das Licht
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„In den Scherben das Licht“ - ein passender Titel für diesen Roman von Carmen Korn, in dem es um die Sorgen und Not der Menschen nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, aber ebenso um ihren Mut, ihr Geschick ...

„In den Scherben das Licht“ - ein passender Titel für diesen Roman von Carmen Korn, in dem es um die Sorgen und Not der Menschen nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, aber ebenso um ihren Mut, ihr Geschick und ihren Ehrgeiz beim Wiederherstellen eines normalen Lebens geht.
Im Mittelpunkt des Romans stehen die Bewohner eines Hauses in Hamburg und ihre Bekannten (alle dem Theatermilieu bzw. dem Kulturbereich verbunden) und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen.
Korn erzählt chronologisch von 1946 bis 1955, wie sich das Leben der Protagonisten in diesen fast 10 Jahren ändert. Sie versuchen in der zerstörten Stadt zunächst mithilfe des Schwarzmarktes, am Leben zu bleiben. Ihre Familien sind durch den Krieg auseinander gebrochen. Die Menschen, eine interessante ziemlich bunte Mischung unterschiedlicher Typen mit ganz unterschiedlichen Biographien, wissen nicht, ob Angehörige und Bekannte noch leben bzw. was aus ihnen geworden ist.
Die Lebensverhältnisse verbessern sich. Das Haus wird wieder instand gesetzt, es gibt mehr zu essen, das kulturelle Angebot nimmt zu. Vermisste tauchen wieder auf. Alles wirkt durch Hinweise auf historische Ereignisse wie die Währungsreform, die Luftbrücke, die Neueröffnung von Theatern, Hotels, Restaurants und Geschäften wie auch auf Personen aus Politik und Kultur wie Ida Ehre authentisch.
Die Handlung ist zwar interessant, aber den Schreibstil fand ich gewöhnungsbedürftig. Die einzelnen Kapitel, 1-3 pro Jahr und immer auf einen Monat bezogen, werden in ungezählte kurze teilweise Dialog lastige Episoden unterteilt. Das wirkte auf mich etwas „zerstückelt“ und hat mir nicht gefallen.


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Veröffentlicht am 01.06.2025

Interessante (fiktive) Lebensgeschichte

Das Licht in den Wellen
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The American Dream oder ein modernes Märchen? Die Lebensgeschichte von Inge Matthiesen verläuft zu schön um wahr zu sein. Auch wenn es einen offenbar unschönen Grund dafür gibt, dass Inge ihr geliebtes ...

The American Dream oder ein modernes Märchen? Die Lebensgeschichte von Inge Matthiesen verläuft zu schön um wahr zu sein. Auch wenn es einen offenbar unschönen Grund dafür gibt, dass Inge ihr geliebtes Föhr kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs als 24jährige junge Frau in Richtung New York verlassen hat. Darauf weist der Autor Janne Mommsen gelegentlich hin, aber die Leser werden erst am Ende darüber informiert was geschehen ist.
Die Lebensgeschichte ist sehr interessant und lässt sich leicht und flüssig lesen. Über mehr als 400 Seiten reiht Janne Mommsen chronologisch (selten unterbrochen durch kurze Kapitel über die Schiffsreise der inzwischen 100jährigen Inge im Jahr 2022 mit ihrer Urenkelin nach New York) eine Geschichte bzw. Anekdote nach der anderen aneinander. Wie Inge an die Fahrkarte nach N.Y. kommt, wie sie auf dem Schiff eine Freundin findet, wie sie eine Anstellung in einem Feinkostgeschäft findet, ihren eigenen Kartoffelsalat kreiert, sich mit weiteren Personen anfreundet, die ihr zu einem eigenen Restaurant verhelfen usw. usw. Das fand ich nach den ersten ca. 100 Seiten doch etwas zu monoton erzählt und es kommt mir zu glatt, ja märchenhaft vor. Auch wenn nachvollziehbar ist, wie viel Arbeit (und hier und da Glück) hinter Inges Erfolg steht. Trotz dieser Einwände stelle ich fest, dass ich mich gut unterhalten fühlte.

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