Cover-Bild Das wirkliche Leben
(16)
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere

Klicken Sie hier, um den Weitersagen-Button zu aktivieren. Erst mit Aktivierung werden Daten an Dritte übertragen.

14,99
inkl. MwSt
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 24.04.2020
  • ISBN: 9783423436908
Adeline Dieudonné

Das wirkliche Leben

Roman
Sina de Malafosse (Übersetzer)

Die geheime Macht der Beute

Eine Reihenhaussiedlung am Waldrand, wie es viele gibt. Im hellsten der Häuser wohnt ein zehnjähriges Mädchen mit seiner Familie. Alles normal. Wären da nicht die Leidenschaften des Vaters, der neben TV und Whisky vor allem den Rausch der Jagd liebt.

In diesem Sommer erhellt nur das Lachen ihres kleinen Bruders Gilles das Leben des Mädchens. Bis eines Abends vor ihren Augen eine Tragödie passiert. Nichts ist mehr wie zuvor. Mit der Energie und der Intelligenz einer mutigen Kämpferin setzt das Mädchen alles daran, sich und ihren Bruder vor dem väterlichen Einfluss zu retten. Von Sommer zu Sommer spürt sie immer deutlicher, dass sie selbst die Zukunft in sich trägt, wird immer selbstbewusster – ihr Körper aber auch immer weiblicher, sodass sie zusehends ins Visier ihres Vaters gerät.

Weitere Formate

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.10.2020

Der Glaube an dich selbst

0

Das wirkliche Leben von Adeline Dieudonné habe ich vor einigen Tagen beendet und musste es erst mal Ruhen lassen.

Die Geschichte beginnt damit, dass die Familie und ihr Zuhause beschrieben wird, zuerst ...

Das wirkliche Leben von Adeline Dieudonné habe ich vor einigen Tagen beendet und musste es erst mal Ruhen lassen.

Die Geschichte beginnt damit, dass die Familie und ihr Zuhause beschrieben wird, zuerst erscheint alles normal. Doch dann wird erwähnt, dass es 4 Schlafzimmer gibt. Eins für die Eltern, eins für die Protagonistin, eins für ihren Bruder und eins für die Kadaver. Der Vater hegt eine Leidenschaft für die Jagd und Whiskey und schnell wird klar, dass der Rest der Familie vor seinen Agressionen zurückschreckt.
Nach dem Unfall in der Siedlung ist nichts mehr wie zuvor und vorallem der Bruder leidet sehr darunter.

Der Schreibstil der Autorin ist zwar einfach, aber dafür sehr bildhaft und erzählend. Durch meine Thriller bin ich eigentlich Blut und solche Sachen gewöhnt, die Tierquälerei war mir dann aber teilweise zu viel.
Die Protagonistin versucht ihrem Bruder sein Lachen wieder zurückzugeben, aber wie so oft kommt das wirkliche Leben dazwischen und er wendet sich seinem Vater und der dunklen Seite zu.

Alles in allem war das Buch gut, besonders imponiert hat mir jedoch der Glaube der Protagonistin, irgendwann ihr Ziel der Freiheit zu erreichen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.07.2020

Erschreckend, aufwühlend, brutal und doch faszinierend

0

Der Roman “Das wirkliche Leben" von Adeline Dieudonné ist im dtv Verlag auf 240 Seiten erschienen. Die Geschichte beginnt in einer tristen Reihenhaussiedlung am Waldrand und erzählt von einem zehnjährigen ...

Der Roman “Das wirkliche Leben" von Adeline Dieudonné ist im dtv Verlag auf 240 Seiten erschienen. Die Geschichte beginnt in einer tristen Reihenhaussiedlung am Waldrand und erzählt von einem zehnjährigen Mädchen und seiner Familie. Alles erscheint auf den ersten Blick normal – bis auf die Eigenschaften des Vaters, der mit seinen Aggressionen und seiner Leidenschaft zur Jagd und zum Whisky, aus dem Rahmen fällt. Eines Tages passiert ein tragischer Unfall, der das Mädchen und ihren vier Jahre jüngeren Bruder traumatisiert und das Lachen in dem Reihenhaus erstummen lässt.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr eindrücklich und einfach gehalten, teilweise auch sehr bildhaft. Manche Szenen sind mir allerdings schon fast zu bildhaft und brutal. Ich lese gern und viele Thriller und habe auch kein Problem mit Blut und Brutalität, aber das Ausmaß an Tierquälerei war mir einfach zu viel. Ich habe öfter überlegt das Buch beiseite zu legen, aber die Spannung, die die Autorin erzeugt, hat mich durchhalten lassen.
Gerade bei den Szenen der Tierquälerei hat mich die Emotionslosigkeit der Protagonistin etwas verwundert. Rückblickend wirkt das aber auch konsistent mit der Realität, die sie sich schafft und ist erklärbar, durch die verstörende Tragödie. Sie und ihr Bruder waren immerhin Kinder und ohne Rückhalt in der Familie, sind solche Szenen mit Sicherheit nur sehr schwer zu verarbeiten. Ihr Bruder hat sich dem Dunklen und damit seinem Vater zugewandt wohingegen sie sich ganz der Veränderung der Ereignisse widmet.
Die Geschichte selbst hat mich fasziniert und gefesselt und insbesondere das Ende hat mich überrascht und passt sehr gut in die Erzählung. Manche Entwicklungen in der Story haben mir allerdings etwas zu offensichtlich Klischees bedient. Zusammenfassend kann ich das Buch empfehlen, würde aber eine Trigger-Warnung empfehlen. So hat es mich persönlich an einem Sonntag ziemlich aufgewühlt und entsetzt zurückgelassen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2020

Wie es sich lebt, wenn die Seele getötet wurde

0

Seit einigen Monaten scheint es, als würden mich Bücher über mißbrauchte Kinder regelrecht von sich aus suchen. So auch der Debütroman von Adeline Dieudonné, "Das wirkliche Leben".

Es ist kein sexueller ...

Seit einigen Monaten scheint es, als würden mich Bücher über mißbrauchte Kinder regelrecht von sich aus suchen. So auch der Debütroman von Adeline Dieudonné, "Das wirkliche Leben".

Es ist kein sexueller Mißbrauch, der hier geschieht. Doch Mißbrauch ist so vielfältig wie das Leben selbst. In diesem Buch mißbraucht ein Ehemann und Vater seine Ehefrau und seine Kinder, damit er sich selbst gut fühlt und seine Gewaltbereitschaft sowie sein Frust ein Ventil haben.

"Bei uns zu Hause gab es vier Schlafzimmer. Meines. Das meines Bruders Gilles. Das meiner Eltern. Und das der Kadaver." So ist der Einstieg in diesen Roman. Die Protagonistin erzählt rückwirkend über das schwierige Familienleben in dem Haus ihrer Eltern in der Reihenhaussiedlung.

Ihren Vater beschreibt sie sehr anschaulich. Vor meinem inneren Auge entstand ein großer und massiger Mann, der sich als Alleinherrscher fühlte und seine Abende vorm TV-Gerät mit viel Alkohol verbrachte. Seine einzige Leidenschaft war die Jagd - vor allem das Großwild hat es ihm angetan. Das Trophäenzimmer welches die Kinder nicht betreten durften, in dem auch der Stoßzahn eines Elefanten lag, zeugte von seinen Erfolgen. Doch irgendwo in diesem Monster war auch eine zarte Seite. Manchmal legte er eine Schallplatte auf, hörte ein ganz bestimmtes Lied und heulte wie ein kleines Kind. Der Quäler hatte auch eine gequälte Seite. Leider erfahren wir bis zum Schluss nicht, was es mit diesem Lied auf sich hat. Seine Familie hielt er sich zu seiner Bequemlichkeit. Seine Frau, seine Kinder hatten ihm das Leben angenehm zu gestalten. Jederzeit, auch wenn er nicht anwesend war, stand er drohend im Hintergrund seiner Frau und den Kindern. Die Mutter wird Amöbe genannt. Jemand der nie richtig anwesend war, jedoch immer bereit, die Gewalt ihres Ehemannes zu ertragen, wenn er seine Wut ausleben wollte. Und das kommt recht oft vor, zeigte sich schon Tage im voraus. Wie ein Schatten ihrer selbst geht sie durch den Alltag. Nur ihre Ziegen im Garten hauchen ihr Leben ein. Dort fühlt sie sich, ist lebendig.

Die beiden Kinder stehen wie ein geparktes Auto zwischen allem. Sie sind da, spielen im Leben der Erwachsenen jedoch eine untergeordnete Rolle. Sie durften mal gerade eben den Raum ausfüllen, der noch übrig blieb.

Ein Unglück, das beide Kinder ansehen und durchleben mussten, brachte die Veränderung. Da die Eltern unfähig waren ihren Kindern Trost zu spenden, ihnen zur Seite zu stehen, übernahm die Schwester die Rolle von Vater und Mutter gleichzeitig. Sie nahm ihr eigenes Leben, als auch das ihres kleinen Bruders in ihre Hände weil sie erkennen musste, dass nur sie etwas zum Guten verändern könnte. Es war auch eine Sache des eigenen Überlebens. Doch wenn die Eltern so versagen, sind die Möglichkeiten eines jungen Mädchens begrenzt. Bei dem Unglück schien nicht nur der nette Eisverkäufer gestorben zu sein, sondern auch die Seele ihres kleinen Bruders. Seine Seele starb bei Anblick der Explosion, wogegen die Seele der Mutter schon eine lange Zeit zuvor unter den ewigen Schlägen und verbalen Mißhandlungen ihres Ehemannes verkümmerte, bis nichts mehr davon übrig war. Beide scheinen gleichermaßen leblos zu funktionieren.

Es ist schon eine sehr seltsame Familie, die uns die Autorin da präsentiert. An seinem Sohn bekam der übermächtige Vater erst ab dem Moment Interesse, als ihn dieser zu seinen Schießübungen begleiten konnte. Nach einiger Zeit war der Sohn treffsicherer als der Vater. Und als Leser erwartet man nach etwa 3/4 des Buches auf den großen Knall in dieser eigenartigen Familie.

Für mich bleibt die Frage, ist diese Familie tatsächlich ein Einzelfall? Da ich mich in letzter Zeit - angeregt durch einen Tatsachenbericht - mit Kindes/mißhandlung/ mißbrauch befasse, komme ich immer mehr zur Überzeugung, dass es mehr solcher schwierigen Familienverhältnisse gibt, als ich mir je vorstellen konnte. Dieser Roman beschreibt lediglich eine Art von Mißbrauch, der jedoch in vielen Facetten daherkommen kann.

Weshalb ich dann doch ein 3/4 Sternchen abzog liegt daran, dass es für mich hie und da eine Länge gibt, Dinge zwar kurz angesprochen, aber von der Autorin nicht weiter verfolgt wurden.

Auf jeden Fall ist dies ein lesenswerter Roman.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.05.2020

Nie wieder Beute sein

0

Ein unglaubliches Romandebüt ist der Autorin Adeline Dieudonné hier mit “Das wirkliche Leben” gelungen.
Erzählt wird vom Familienleben aus der Sicht der älteren Tochter im Rückblick. Als die Geschichte ...

Ein unglaubliches Romandebüt ist der Autorin Adeline Dieudonné hier mit “Das wirkliche Leben” gelungen.
Erzählt wird vom Familienleben aus der Sicht der älteren Tochter im Rückblick. Als die Geschichte beginnt ist sie 10 Jahre alt, hat einen jüngeren Bruder, den sie sehr liebt, einen Vater, der trinkt und jagen geht und eine Mutter, die so anteilslos ist, dass sie als Amöbe bezeichnet wird.
Alles spielt in einer unscheinbaren Reihenhaussiedlung, die den perfekten Rahmen für das Geschehen bildet.
Die beiden Kinder erleben einen Vorfall, der ihr Leben von einer Minute zur anderen prägt und ändert. Komplett und unwiderruflich. Das Mädchen muss stark um ihr Glück, ja um ihr Leben kämpfen und vor allen Dingen auch um ihren Bruder. Das geschieht auf sehr vielfältige Weise.
In dem Buch geht es um Gewalt, um Brutalität, um das Erwachsenwerden und auch um Träume, grosse und kleine. Es ist mit klaren, erschütternden Worten geschrieben und brennt sich ins Gedächtnis ein. Trotz all der Gewalt und Tristesse gibt es am Ende doch Hoffnung.
Für mich ist es ein großartiges Buch über das Leben in all seinen Facetten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 20.05.2020

Angst und Faustschläge statt Liebe

0

Ein namenloses Mädchen erzählt über das Leben ihrer Familie, die eigentlich alles andere als normal ist. Der Vater verbringt seine Freizeit vor dem Fernseher, trinkt regelmäßig Whisky und ist ein leidenschaftlicher ...

Ein namenloses Mädchen erzählt über das Leben ihrer Familie, die eigentlich alles andere als normal ist. Der Vater verbringt seine Freizeit vor dem Fernseher, trinkt regelmäßig Whisky und ist ein leidenschaftlicher Jäger. Ein Zimmer im Haus ist nur mit seinen Jagdtrophäen vollgestopft. Die Mutter ist eine unscheinbare Frau, die sich um das Haus kümmert und schreckliche Angst vor ihrem jähzornigen Mann hat. Das Mädchen liebt über alles ihren vier Jahre jüngeren Bruder Gilles mit seinem Milchzahnlächeln. Eines Abends passiert ein schrecklicher Unfall, der das Leben der ganzen Familie verändert.

Diese Geschichte, die zuerst ein bisschen langweilig klingt, wird von Seite zur Seite spannender, die geschilderten Ereignisse wirken immer bedrohlicher. Das Mädchen, trotz ihres zarten Alters, ist eine aufmerksame Beobachterin und eine scharfsinnige Erzählerin. Sie findet deutliche, scharfe Worte um das Verhalten ihrer Eltern zu kritisieren.
So nennt sie ihren Vater einen Koloss, dessen Hände „den Kopf eines Kükens leicht abschlagen konnten“ (Zitat Seite 9). Ihre Mutter ist für sie „eine Amöbe“, die in ständiger Furcht vor ihrem Mann lebt und nur für das Zubereiten von Mahlzeiten zuständig ist.
Mit dem Fortschreiten der Geschichte merkt man, dass diese Kritik gerechtfertigt ist. Es wurde aber auch offensichtlich, dass vor allem das heranwachsende Mädchen ein normales Zuhause vermisst, die Elternliebe, Zuwendung, Wärme und Herzlichkeit.
Als der Vater eines Tages „mein Schatz“ zu ihr sagt, erzählt sie: „Ich hatte das Gefühl, mein Herz würde gleich explodieren.“… „Die beiden kleinen Wörter schwirrten wie Glühwürmchen in meinen Ohren und flogen von dort hinunter in meine Brust, wo sie mehrere Tage lang leuchteten.“ (Zitat Seite 42)
Nach dem schrecklichen Unfall verfällt Gilles zuerst in eine Art Schockstarre. Dann beginnt er alle Tiere in der Gegend zu quälen und gerät dabei immer mehr unter den Einfluss des Vaters. Diese Ereignisse und die Worte der Geschichtenerzählerin Monica: »Es gibt Leute, die verdüstern euch den Himmel, stehlen euer Lachen oder setzen sich mit ihrem ganzen Gewicht auf eure Schultern, um euch am Fliegen zu hindern. Von solchen Menschen haltet euch bloß fern.“ (Zitat Seite 16) rütteln das Mädchen wach.
Als sie selbst dann von dem Vater zur Beute erklärt wurde, erkennt sie, dass sie zwar die Zeit nicht mehr zurückdrehen, dafür aber die Zukunft verändern kann.
„Das wirkliche Leben“ ist eine bewegende Geschichte über das scheinbar glückliche Leben, das in Wirklichkeit aber nur von Gewalt, Machtausübung, Dominanz, Furcht und Schrecken bestimmt ist. Die Bilder dieses grausamen Lebens sind erschütternd, manche Szenen sind kaum zu ertragen.
Diese dramatische Geschichte - packend geschrieben, hoch emotional, voller ausdruckstarken Bildern, die oft sprachlos machen - hat mich total in ihren Bann gezogen. Denn die Autorin weiß, wie man die Herzen der Menschen erreichen kann: „Geschichten sind dazu da, alles hineinzupacken, was uns Angst macht. Denn so können wir uns sicher sein, dass es nicht im wirklichen Leben passiert.«
Dem kann man nichts mehr hinzufügen!
Meine Empfehlung: das Buch unbedingt lesen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere