Ja, ja und ja!
Das Cover und die grundlegende Gestaltung des Buches sprechen mich total an. Ich lese gern Bücher aus dem Genre Gothic Fantasy und schätze auch die detailverliebte Aufmachung. Auch die Gestaltung im Buch, also die der Seiten und Kapitelanfänge, sind sehr gelungen. Der Klappentext verrät mehr als die Leseprobe, daher kann man schon die ersten Zusammenhänge herstellen bzw. Personen und Geschehnisse zuordnen. Schon zu Beginn des Buches gibt es eine tolle Ausführung zu den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, dem Glossar, den Glyphen und Gottheiten. Die Landkarte dazu ist ebenfalls cool. Über diese Kleinigkeiten freue ich mich tatsächlich immer sehr. Sie geben dem Buch bzw. der Welt direkt mehr Tiefe und Bedeutung. Toll, dass Autorinnen diese Chance nutzen. Auch die dargestellte Fremdsprache ich Prolog lässt die Welt authentischer wirken. Ich frage mich da, welche Sprachen sich entweder die Autorin oder die Übersetzung zum Vorbild genommen haben. Ich meine einen romanischen Einfluss herausgelesen zu haben. Und Manno Mann war der Prolog allein schon heftig. Es wird bereits ein düsterer und dunkler Ton für den Fortgang der Geschichte gesetzt. Ich persönlich mag dieses Anstrich in Büchern des Genre sehr. Das Existenzialistische, das Trost- und Aussichtslose... Es zeigt auch sehr gut, in welch grausamer Welt wir uns befinden. Auch formuliert die Autorin aus, wodurch die Familie in diese schreckliche Situation geraten ist. Diese Andeutungen werden auch in der Gegenwart und von der Protagonistin gemacht bzw. deutlich formuliert. Dieses Aufzeigen von patriarchalen Strukturen, misogynem Verhalten und schlussendlich Frauenfeindlichkeit wird selten so offen und scharf geschildert. Damit ist man als Leserin gleich eingenordet und weiß, in was für einer Welt wir uns bewegen. Die ersten Szenen mit Maevyth sind still, aber aussagekräftig. Sie ist ein Findelkind, geächtet von der Dorfgemeinschaft und am Scheideweg für ihr weiteres Leben. Die böse Stiefgroßmutter, der wohlmeinende Großvater, der abwesende neutrale und mittlerweile tote Vater, die einvernehmliche Schwesternliebe zu Aleysia. All das ist ein schönes Spiel mit bekannten Klischees. Manche sind wahr, andere in abgewandelter Form und wieder andere treffen schlicht nicht zu. Ich empfinde das als einen tollen Umgang mit den Möglichkeiten, die einem das Geschichtenschreiben bietet. Wie schon angedeutet gefällt mir der Ton und die scharfe Beobachtung der Protagonisten. Die Grausamkeit des Sacton Cain wird offen beschrieben. Nicht selten wird das weniger deutlich angedeutet. Da kommt mir eine Hexendoku in den Sinn. Die Grausamkeiten, die zu dieser Zeit oder im Mittelalter gegenüber Frauen und einem geringeren Teil Männern angetan wurden, finden nicht oft Widerhall in Büchern. Auch die Sprache der Autorin bzw. der Übersetzung bringt eine Schwere oder etwas getragenes in die Geschichte und fördert damit die Stimmungswelt. Von der Handlung an sich gibt die Leseprobe nicht viel Preis. Wir lernen Maevyth, ihre Umstände und die Geheimnisse, die es aufzudecken gilt, kennen. Allein schon die schwarze Rose bei ihr im Korb. Ein Versprechen auf mehr! Die Szene mit der magischen Briefantwort hat mir auch gut gefallen. Ich kann mir fast vorstellen, dass ein/e Dryadivir dahintersteckt. Bei wandelnden, schlauen Bäumen muss ich direkt an "Herr der Ringe" denken. Diese Idee aufzugreifen bzw. in ein Buch einzubinden gefällt mir. Insbesondere da oftmals gängige Fantasyelemente herangezogen werden und selten originellen Ideen Raum gegeben wird. Die letzten Sätze der Leseprobe und der Klappentext verheißen, dass in naher Zukunft eine Verbannung stattfinden wird und diese vermutlich Maevyth zum Gang (oder zur Flucht?) in den Wald führt. Dort wird sie auf Zevander treffen und dann ist wirklich alles möglich. Zevanders Geschichte interessiert mich auch brennend. Was seinem Bruder angetan wurde, ist schrecklich. Was er erleiden musste, ist schrecklich. Ich hoffe, dass er dafür Rache genommen hat oder nehmen wird. Ich frage mich, was aus seiner Familie geworden ist und welche dunklen Pläne der Magus hatte oder hat. Insgesamt baut das Buch eine vielversprechende Spannung wie Welt auf, in die ich am besten direkt eintauchen möchte :-)