Leserunde zu "Before we were innocent" von Ella Berman

Drei Freundinnen fahren in Urlaub, nur zwei kehren zurück
Cover-Bild Before we were innocent
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Ella Berman (Autor)

Before we were innocent

Roman | Ein aufwühlender Roman über die tiefen, komplexen Bindungen unter Teenagern und wie sie unser Leben prägen

Elina Baumbach (Übersetzer)

Wenn du zwischen Wahrheit und Freundschaft wählen musst

Bess ist überrascht, als ihre Freundin Joni plötzlich vor ihrer Tür steht. Seit sie vor zehn Jahren von jeglicher Mittäterschaft am Tod ihrer Freundin Evangeline freigesprochen wurden, haben sie sich nicht mehr gesehen. Nun bitte Joni Bess um einen Gefallen. Sie braucht ein Alibi. Bess hat keine andere Wahl, als Ja zu sagen. Denn sie ist Joni noch etwas schuldig. Und sie beginnt sich zu fragen, ob damals wirklich alles so war, wie sie immer glaubte ...

Ein Coming-of-Age-Roman über tiefe, komplexe Freundschaften und wie sie unser Leben prägen

»Dieser packende Roman liest sich wie ein True-Crime-Fall. « REESE WITHERSPOON

Timing der Leserunde

  1. Bewerben 24.03.2025 - 30.03.2025
  2. Lesen 07.04.2025 - 24.04.2025
  3. Rezensieren 25.04.2025 - 09.05.2025

Bereits beendet

Schlagworte

pola KulturPass AktionKulturpass coming of age Geheimnisse Tod Teenager Freundschaft:Frauenfreundschaft:queer feministisch Verlust Familie Selbstfindung Social Media spannend düster Literarische Unterhaltung

Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 26.04.2025

Wer wir sind, wenn niemand zusieht

6

Mit dem Roman "before we were innocent" von Ella Berman habe ich mich seit Ewigkeiten an eine Geschichte ohne Lovestory, dafür mit einem rätselhaften Tod, gewagt.
Spoiler: Ich habe es zu keiner Sekunde ...

Mit dem Roman "before we were innocent" von Ella Berman habe ich mich seit Ewigkeiten an eine Geschichte ohne Lovestory, dafür mit einem rätselhaften Tod, gewagt.
Spoiler: Ich habe es zu keiner Sekunde bereut.

Like what?! Diese Story liest sich besser als jeder Thriller, den ich vor Jahren verschlungen habe. Aber alles zu seiner Zeit. Ihr fragt euch sicher, worum es überhaupt geht.

Bess lebt seit dem Tod ihrer Freundin Evangeline völlig abgeschieden in einem kleinen Örtchen namens San Jacinto Mountains inmitten einer Wüstenlandschaft. Sie hat es satt, sich ihrer Vergangenheit stellen zu müssen, welche medial komplett ausgeschlachtet wurde. Nach vielen Jahren des Alleinseins klingelt plötzlich Joni, ebenfalls Teil der 3er-Freundschaft, an der Tür und bittet sie um einen Gefallen. Jahrelang nicht mehr gesehen, reißt die Begegnung der einstigen Freundinnen alte Wunden auf und Bess fragt sich, was genau eigentlich damals alles passiert ist, was die Freundschaft derartig zerstören konnte.

Ich kann an dieser Stelle mit meinen Lobeshymnen fortfahren. Für mich war es ein rundum gelungenes Buch. Wir haben sehr starke Charaktere, wir haben ein super ansprechendes Setting mit wechselnden Orten aufgrund der Zeitsprünge, und wir haben eine fesselnde Story, die zwiebelartig entschält wird und somit Stück für Stück für die nötige Spannung sorgt.
Mit jedem Kapitel erfahren wir mehr, doch nur so viel, wie es für den Moment nötig ist. Genügend Spielraum also, um selbst "aktiv" zu werden und sich das Geschehene auf unterschiedliche Arten und Weisen vorzustellen. Das mochte ich besonders.

In der gesamten Geschichte dominiert der Charakter von Bess. Diese ist in der Ich-Perspektive geschrieben, wir erhalten also intensive Eindrücke ihrer Gefühlswelt. Trotzdem werden die Nebencharaktere derart detailliert beschrieben, dass auch sie eine gute Figur von der Autorin erhalten und uns auch deren Beweggründe nachhaltig interessieren. Allen voran Joni.
Egoistisch, direkt, mit Hang zur Wut. Das beschreibt sie wohl ganz gut. Dagegen agiert Bess unsicher, ängstlich und will bloß keine Veränderungen zulassen. In der Mitte von ihnen Evangeline: in sich gekehrt, kontrollsüchtig und aufbrausend. Eine absolute Todeskombi, wenn ihr mich fragt.
So kommt es wohl, wie es kommen muss. Doch lest bitte selbst!

Ella Berman ist auf jeden Fall eine talentierte Autorin, die mich mit diesem Buch auf ihre Seite ziehen konnte. Das Thema Freundschaft wird hier auf eine sehr ehrliche, schmerzhafte Art dargestellt, wie sie in ihren Jugendjahren wohl häufiger vorkommt. Ich erinnere mich an viele Situationen aus der Vergangenheit und glaube wirklich, dass man mit zarten 16 Jahren noch so viel aufgebrachter, leidenschaftlicher und manchmal auch im Kopf-Aus-Modus handelt.

Mein Highlight der Story: Joni's Artikel ab Seite 425.

Ich werde gerne an diese Geschichte zurückdenken und ziehe daraus den Schluss, dass Fehler machen zum Menschsein dazugehört.

"Es fühlt sich so an, als würde ich um jemanden trauern, den ich nie kennenlernen dufte."

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Veröffentlicht am 26.04.2025

Packend, atmosphärisch und nachdenklich stimmend

4

Die drei Freundinnen Bess, Joni und Evangeline reisen nach ihrem Highschool Abschluss zusammen nach Griechenland um ihren letzten gemeinsamen Sommer zu verbringen, bevor sie sich für den weiteren Lebensweg ...

Die drei Freundinnen Bess, Joni und Evangeline reisen nach ihrem Highschool Abschluss zusammen nach Griechenland um ihren letzten gemeinsamen Sommer zu verbringen, bevor sie sich für den weiteren Lebensweg trennen werden. Die Stimmung ist zunächst gut, wird dann aber immer angespannter, vor allem als Evangelines Bruder Theo mit ein paar Freunden zu Besuch kommt. Nachdem die Jungen wieder abgereist sind, ist die Stimmung komplett dahin und es kommt nach einer Party zu einem schlimmen Unfall, bei dem Ev stirbt.
10 Jahre später steht Joni auf einmal bei Bess vor der Tür, nachdem sie sich jahrelang nicht gesehen haben, und bittet sie um einen Gefallen...
Die Geschichte ist ruhig geschrieben und hat mich von Beginn an gefesselt. Die Spannung zwischen den Mädchen wird sehr gut sichtbar und auch, wie schwierig das Verhältnis ist.
Beide Stränge sind gut miteinander verwoben - und vor allem der Vergangenheitsstrang 2008 hat mich richtig begeistert!
Die Geschichte ist rätselhaft und nichts ist, wie man anfangs denkt. Ich bin die ganze Zeit dabei geblieben und war mit vielen Abschlüssen am Ende sehr zufrieden, nur der eine offene Schlussteil hat mich leider etwas gestört.
Alles in allem aber ein wirklich empfehlenswertes Buch einer Autorin, die ich auf jeden Fall im Auge behalten werde!

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Zwischen Wahrheit und Schuld

5

Before We Were Innocent ist ein vielschichtiger Roman, der sich gekonnt zwischen psychologischem Spannungsroman und Coming-of-Age-Drama bewegt. Im Mittelpunkt stehen drei junge Frauen, deren Sommerfreundschaft ...

Before We Were Innocent ist ein vielschichtiger Roman, der sich gekonnt zwischen psychologischem Spannungsroman und Coming-of-Age-Drama bewegt. Im Mittelpunkt stehen drei junge Frauen, deren Sommerfreundschaft tragisch endet – und deren Leben dadurch für immer verändert wird.

Die Geschichte entfaltet sich auf zwei Zeitebenen, 2008 und 2018, was der Handlung viel Tiefe und Dynamik verleiht. Stück für Stück setzt sich ein Bild zusammen, das immer wieder neue Fragen aufwirft. Gerade diese Ungewissheit macht einen Großteil der Spannung aus.

Teilweise zieht sich die Handlung etwas, vor allem in Szenen, in denen scheinbar wenig passiert – doch genau diese Passagen spiegeln gut das Innenleben der Protagonistin wider und bauen langsam aber sicher die emotionale Spannung auf. Gleichzeitig werden gesellschaftliche Themen eindringlich behandelt.

Ein stiller, aber fesselnder Roman, der weniger durch Action als durch emotionale Tiefe, psychologische Spannung und starke Figuren überzeugt. Wer Geschichten mag, bei denen man zwischen den Zeilen lesen muss und sich auf moralische Grauzonen einlassen kann, wird Before We Were Innocent mit Sicherheit nicht so schnell vergessen.

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Veröffentlicht am 09.05.2025

Vor und nach der Unschuld

0

Ella Bermans Roman, dessen Titel bezeichnenderweise im Original gelassen wurde, da die Doppeldeutigkeit wohl kaum ins Deutsche hätte übertragen werden können, ist das Porträt einer schwierigen, belasteten ...

Ella Bermans Roman, dessen Titel bezeichnenderweise im Original gelassen wurde, da die Doppeldeutigkeit wohl kaum ins Deutsche hätte übertragen werden können, ist das Porträt einer schwierigen, belasteten Freundschaft zwischen drei, später dann zwei Frauen. Als Teenager reisen Evangeline, Joni und Bess gemeinsam auf die Kykladen. Der unbeschwerte Sommertrip im Jahr 2008 zwischen Schulabschluss und College endet in einer Tragödie und hat erdrückende Konsequenzen. Zehn Jahre später treffen Joni und Bess wieder aufeinander, da Joni dringend die Hilfe ihrer Jugendfreundin benötigt. Zwischen Verpflichtung, Schuldgefühlen und Manipulation gefangen, lotet Bess bei dieser neuerlichen Zusammenkunft die Abgründe und Sicherheiten ihrer damaligen und heutigen Beziehung zu Joni aus und taucht tief in den Schlund der Vergangenheit hinab.

Ella Berman, die bereits in „Das Comeback“ eindrucksvoll bewiesen hat, dass sie es versteht, widersprüchliche und undurchsichtige Figuren zu konzipieren, bleibt sich auch in diesem Roman treu. Während die Erzählerin Bess für den Leser recht transparent zu sein scheint, treten in Bezug auf Evangeline und vor allem Joni starke Ambivalenzen zutage und man fragt sich gemeinsam mit Bess zunehmend, wie stark die eigene Perspektive von Wunschvorstellungen, persönlicher Wahrnehmung und fehlgeleiteter Erinnerung beeinflusst wird.

Der Roman ist trotz seiner wie ein Kriminalfall anmutenden Handlung eher ein beklemmender Blick auf Jugendsünden, unreifes Verhalten, Schuld, Teenagerzickerei, schädliche Bindungen und Eifersüchteleien unter Frauen. Wie unter einem Mikroskop deckt Berman Schicht für Schicht die ungesunden Aspekte von zwischenmenschlichen Beziehungen auf und wirft sie gleichzeitig in den gnadenlosen Kosmos von Sensationsjournalismus, Internetforen und sozialen Medien. So beinhaltet der Text neben der Analyse einer fehlgeleiteten Freundschaft auch einen ernüchternden und schonungslosen Kommentar auf das Nachrichtenklima unserer modernen Welt, das zumindest in Bess Fall einen ausgeprägten psychologischen Rückzug zur Folge hat.

„Before we were innocent“ spielt mit dem Gedanken von Unschuld, macht aber deutlich, dass in menschlicher Kommunikation und Interaktion wohl niemand wirklich fehlerfrei durchs Leben gehen kann. Ella Berman ist ein fesselnder Coming-of-Age-Roman gelungen, der unbequem und nachdrücklich das Fundament und die Dauer von Vertrautheit und Verbindung diskutiert. Wer gern in die Untiefen von Frauenfreundschaften abtaucht und sich an Figuren erfreuen kann, die einen über Motivation, Aufrichtigkeit und Manipulation rätseln lassen, wird mit dieser Lektüre bestens versorgt.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Wahrheit, Schuld und Erwachsenwerden

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Before We Were Innocent ist ein fesselnder Roman, der Leserinnen von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. Die Geschichte entfaltet sich in wechselnden Zeitebenen, was nicht nur für Abwechslung sorgt, ...

Before We Were Innocent ist ein fesselnder Roman, der Leserinnen von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. Die Geschichte entfaltet sich in wechselnden Zeitebenen, was nicht nur für Abwechslung sorgt, sondern auch die emotionale Tiefe der Figuren unterstreicht und verschiedene Perspektiven auf zentrale Ereignisse ermöglicht. Gerade diese Struktur trägt dazu bei, dass man die Komplexität der Charaktere nach und nach begreift – und dabei immer wieder eigene Einschätzungen hinterfragen muss.
Im Zentrum steht Bess, deren Suche nach Zugehörigkeit und Identität in ihrer Jugend fast schmerzlich nachvollziehbar ist. Ihre taktische Anpassung an die Dynamiken der Freundesgruppe mit Ev und Joni zeigt eindrücklich, wie manipulierbar und gleichzeitig manipulativ Gruppenzugehörigkeit sein kann – besonders in den turbulenten Teenagerjahren. Ev bleibt dabei eine ambivalente Figur: selbstbewusst, aber schwer greifbar, mit vielen inneren Widersprüchen, die man nie ganz durchschaut. Joni wiederum schwankt zwischen Kontrolle und Loyalität.
Der zentrale Wendepunkt des Romans – der Tod von Ev – erschüttert nachhaltig. All das wird so atmosphärisch und glaubhaft geschildert, dass man als Leser
in kaum Luft bekommt. Besonders gelungen ist dabei auch die medienkritische Ebene: Die sensationshungrige Berichterstattung, die Teenager zu Schuldigen stilisiert, wirkt wie ein Spiegel gesellschaftlicher Verantwortungslosigkeit.
Trotz aller Dunkelheit ist der Roman auch eine Geschichte über Reue, Heilung und Selbstermächtigung. Bess’ emotionaler Weg über ein ganzes Jahrzehnt hinweg, ihre langsame Rückkehr ins Leben – all das wirkt glaubwürdig, berührend und stark.

Before We Were Innocent ist ein intensiver Roman über toxische Freundschaften, die Fragilität von Wahrheit, Schuld und das Erwachsenwerden. Er stellt unbequeme Fragen und gibt nicht auf alles eine Antwort – gerade das macht ihn so nachhallend. Ein Buch, das lange im Gedächtnis bleibt.

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