Bevor wir unschuldig waren!
Wer den Titel des Buches auf deutsch übersetzt, könnte da schon stutzig werden. Wie kann man unschuldig werden ( und nicht einfach sein) und was muss passiert sein, dass man es vorher nicht war?
Diese ...
Wer den Titel des Buches auf deutsch übersetzt, könnte da schon stutzig werden. Wie kann man unschuldig werden ( und nicht einfach sein) und was muss passiert sein, dass man es vorher nicht war?
Diese Fragen werden hier nicht einfach plump beantwortet, streng genommen werden sie gar nicht beantwortet, aber die Autorin schafft es, dass vermutlich jeder Leser und jede Leserin am Ende eine eigene Vorstellung davon hat.
Dabei handelt es sich um eine ganz leise Geschichte, die sehr aufwühlend, weil so echt und nachvollziehbar ist.
In zwei Zeitstrahlen wird hier erzählt, was aus verschiedenen Leben wird, wenn einem in frühen Jahren ein Vorfall aus der Bahn wirft, der alles verändert. Und welche Auswirkungen echte, von den Medien herbeizitierte und vor allem erlebte Schuld auf verschiedene Menschen und deren Familien haben können.
Am Ende gibt es kein Ende, weder für die Protagonisten noch für die Lesenden. Aber es gibt Erkenntnisse und die Antwort darauf, wie man (wieder) unschuldig werden kann.
Das Buch liest sich sehr flüssig und unaufgeregt. Es macht einen zwischendrin betroffen und nachdenklich, vielleicht manchmal melancholisch in seine eigene Jugend zurück blickend. Aber trotzdem kann man durch das Setting unter den Reichen und Schönen genügend Abstand wahren, um sich nicht selber zu sehr identifizieren zu können. War zumindestens bei mir so. Der Spannungsbogen ist geschickt durch den kompletten Roman gezogen, so dass es trotz der Ruhe nie langweilig wird, man möchte schon genau wissen, wer da was getan hat und was nicht.
Ein Coming-of-Age Roman der anderen Art, von der Stimmung her ( nicht vom Inhalt) vielleicht in Richtung Stand by Me - Die Geschichte eines Sommers von Stephen King.
Bisher für mich einer der besten Romane des Jahres!