Leserunde zu "Blankenese - Zwei Familien, Zeitensturm" von Michaela Grünig

Das große Finale der bewegenden Hamburger Familiengeschichte
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Michaela Grünig (Autor)

Blankenese - Zwei Familien

Zeitensturm | Ein fesselnder Roman über eine Generation im Aufbruch, über Ideale, Verrat und die Macht familiärer Bande – bewegend und hochaktuell

Spuren im Gestern, Hoffnung im Morgen

Hamburg, 1968. Ein Riss geht durch Deutschland, die neue Generation befindet sich im Konflikt mit der alten. Auch Ulrike Casparius, eine angehende Journalistin, sympathisiert mit der Studentenbewegung und rebelliert gegen ihre Eltern. Ihre sensible Schwester Sabine sucht verzweifelt nach Anerkennung und findet sie in einer Gruppe Hippies und Hausbesetzer, denen sie sich anschließt. Dort werden große Pläne für eine bessere Zukunft geschmiedet. Als einer ihrer Freunde erfährt, dass sie mit Kurt Jacobson verwandt ist, der für die Bundesanwaltschaft arbeitet, ruft dies die RAF auf den Plan. Und plötzlich wird aus Gedankenspielen tödlicher Ernst ...

Bester Schmökerstoff: packend, berührend, opulent

Das Finale der großen Hamburger Familiengeschichte

Timing der Leserunde

  1. Bewerben 07.07.2025 - 27.07.2025
  2. Lesen 11.08.2025 - 31.08.2025
  3. Rezensieren 01.09.2025 - 14.09.2025

Bereits beendet

Schlagworte

Amnesia Female Empowerment Sad/emotional Starke Frauen 20. Jahrhundert Forbidden Love Friends to Lovers Age Gap Intrigen und Verrat 60er-Jahre Hamburg Generationenkonflikt Studentenrevolution Studentenbewegung Moral Loyalität Liebe Familienbande Schmöker Zeitgeschichte deutsche Geschichte Elterngeneration neue Wege starke Frauen Emanzipation Freiheit spannend interessant mitreißend berührend Saga

Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 14.09.2025

Lesehighlight! Ein krönender Abschluss der Zeitenwende-Reihe!

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Michaela Grünigs Roman „Blankenese-Zwei Familien-Zeitensturm“ war für mich ein krönender Abschluss der Trilogie, der mich mit den Geschehnissen rund um die vielschichtigen Charaktere und dem geschichtlichen ...

Michaela Grünigs Roman „Blankenese-Zwei Familien-Zeitensturm“ war für mich ein krönender Abschluss der Trilogie, der mich mit den Geschehnissen rund um die vielschichtigen Charaktere und dem geschichtlichen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen der sechziger und siebziger Jahre voll in den Bann gezogen hat! Der fesselnde, empathische und bildgewaltige Schreibstil der Autorin hat diese Geschichte zu einem ganz besonderen Leseerlebnis gemacht. Es war unglaublich spannend die nächste Generation der Familien Casparius und Jacobson auf ihren schicksalhaften Wegen zu begleiten. Wie gut wurde hier bitte auch unsere Deutsche Geschichte und der gesellschaftliche und politische Wandel der damaligen Zeit mit in ihr Leben eingebaut. Michaela Grünig ist es hervorragend gelungen sehr authentisch, realitätsnah und exzellent recherchiert, Themen wie den Kampf gegen das Vergessen und Gerechtigkeit, die 68er Studentenbewegung, die Entwicklung und die furchtbaren Geschehnisse rund um die RAF, sowie deren Verfolgung, Eindämmung und Verurteilung, die Diskussionen um den § 218, das beginnende Umweltbewusstsein und noch so vieles mehr mit den Geschehnissen und Handlungen ihrer Figuren zu verknüpfen.

Die drei sich abwechselnden Erzählstränge von Sabine und Ulrike Casparius und Kurt Jacobson sind von der Thematik und ihren unterschiedlichen Wesensarten und Facetten her so fesselnd, dass ich stetig auf die Weiterentwicklung der jeweiligen Geschehnisse hin gefiebert habe. Viele überraschende Wendungen sorgten dafür, dass ich ein Wechselbad der Gefühle durchlebte und die Geschehnisse die unterschiedlichsten Emotionen bei mir ausgelöst haben. Als sich im letzten Drittel die Ereignisse dramatisch und tragisch zu entwickeln begannen, konnte ich das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen. Tief ergriffen haben mich zum Schluss schließlich noch die Worte von Ulrikes Tochter Felicitas, die mich zu Tränen gerührt und bewegt haben.

Michaela Grünig hat ihre Haupt- und Nebencharaktere unglaublich lebendig mit all ihren Schwächen und Stärken erschaffen, die mich dadurch tief in ihr Seelenleben und in ihr Handeln hineingezogen haben. Besonders getriggert hat mich Sabine, die mit ihrer Unsicherheit, ihrem fehlenden Selbstwertgefühl, ihrer Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung und dem Gefühl gebraucht zu werden, sehr gut dargestellt wurde. Ulrike, ist der Typ moderne und offene junge Frau, die den konservativen Zwängen ihrer gut situierten Familie entflieht, hilfsbereit ist, ein gutes Herz hat, ihre Bestimmung sucht und dabei gute und schlechte Lebenserfahrungen machen muss. Kurt ist ein Familien- und Herzensmensch, dem ich sehr viel Respekt gezollt habe für seinen übergroßen Einsatz im privaten und beruflichen Bereich.

Mein Fazit:

Ein vielschichtig und hervorragend erzählter Abschlussband einer Familiensaga, für den ich eine unbedingte Leseempfehlung ausspreche und 5 Sterne vergebe. Michaela Grünig versteht es wirklich sehr gut in ihrem Roman Kontraste darzustellen, ob es die Unterschiede im Familienleben sind, die Lebensweisen oder die politischen Ansichten und Überzeugungen. Das macht es spannend und abwechslungsreich für den Leser.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Bewegendes Epos über Liebe, Verrat und politische

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Michaela Grünigs Romanreihe „Blankenese – Zwei Familien“ beleuchtet eindrucksvoll die vielfältigen Beziehungen und Konflikte zweier Hamburger Großbürgerfamilien vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen ...

Michaela Grünigs Romanreihe „Blankenese – Zwei Familien“ beleuchtet eindrucksvoll die vielfältigen Beziehungen und Konflikte zweier Hamburger Großbürgerfamilien vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen und politischen Wandels der Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre. Die Autorin verwebt historische Ereignisse – von den Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs über die Studentenbewegung der 68er bis hin zur RAF – nahtlos mit den Lebenswegen ihrer Protagonistinnen und Protagonisten. Die Einflüsse der großen Zeitgeschichte auf das private Erleben werden dabei nicht nur behauptet, sondern in den alltäglichen Auseinandersetzungen der Figuren lebendig und nachvollziehbar gemacht.

Besonders überzeugend gestaltet Grünig die inneren und äußeren Konflikte zwischen Tradition und Moderne, familiärer Erwartung und individuellem Aufbruch. Beispielhaft dafür steht Ulrike, die als Reederstochter zunächst fest im konservativen Milieu Blankeneses verwurzelt scheint, sich aber im Zuge der Studentenproteste und ihrer Beziehung zu Lars Kessler zunehmend emanzipiert. Ebenso differenziert und realitätsnah sind auch andere zentrale Charaktere angelegt: Die Gefühlslage Sabines, geprägt von Einsamkeit trotz materiellen Überflusses, oder die deutliche Ablehnung von Lars durch Ulrikes Mutter wirken schlüssig und spiegeln authentische soziale Dynamiken wider.

Einen besonderen Stellenwert erhält im Roman das gesellschaftliche Klima der Bundesrepublik der sechziger und siebziger Jahre. Zu den zentralen Themen zählen der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, die Rolle und Emanzipation der Frau, die Sexualmoral im Wandel, die Protestbewegungen der Studierenden, die Angst vor linkem Terrorismus und die Reibungen im Familienalltag. Grünig vermeidet dabei einfache Gegensätze, sondern zeigt vielmehr die komplexen Abstufungen individueller wie kollektiver Konflikte auf. So werden sowohl die Beweggründe von RAF-Mitgliedern als auch die existenziellen Ängste der Opfer und ihrer Angehörigen differenziert beleuchtet.

Der sprachliche Stil des Romans erweist sich als gleichermaßen anschaulich wie emotional, ohne ins Sentimentale abzugleiten. Die detaillierte Charakterzeichnung, die Einbindung in tatsächliche historische Ereignisse und die Betonung der Generationenkonflikte tragen maßgeblich zur Authentizität und zeitlosen Relevanz des Romans bei.

Insgesamt ist „Blankenese – Zwei Familien“ ein vielschichtiger Gesellschaftsroman, der nicht nur die Komplexität familiärer Beziehungen, sondern auch die großen politischen und sozialen Transformationsprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte überzeugend literarisch verarbeitet. Für Lesende mit Interesse an historischer Belletristik mit psychologischer Tiefe und gesellschaftskritischem Anspruch ist dieses Werk uneingeschränkt empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 12.09.2025

Das Finale hat mich zu Tränen gerührt

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Dieses Buch erschien 2025 in der Bastei Lübbe AG und beinhaltet 475 Seiten.
„Spuren im Gestern, Hoffnung im Morgen“
Wir befinden uns in Hamburg im Jahr 1968. Durch Deutschland geht ein Riss, die neue Generation ...

Dieses Buch erschien 2025 in der Bastei Lübbe AG und beinhaltet 475 Seiten.
„Spuren im Gestern, Hoffnung im Morgen“
Wir befinden uns in Hamburg im Jahr 1968. Durch Deutschland geht ein Riss, die neue Generation befindet sich im Konflikt mit der alten. Ulrike Casparius ist angehende Studentin und sympathisiert mit der Studentenbewegung und rebelliert gegen ihre Eltern. Sabine, ihre sensible Schwester, sucht verzweifelt nach Anerkennung und findet diese in einer Gruppe Hippies und Hausbesetzer, denen sie sich anschließt. Da werden dann große Pläne für eine bessere Zukunft geschmiedet. Einer ihrer Freunde erfährt, dass sie mit Kurt Jacobsen verwandt ist, der für die Bundesanwaltschaft arbeitet. Dies ruft die RAF auf den Plan. Aus Gedankenspielen wird plötzlich tödlicher Ernst… Dies ist ein fesselnder Roman über eine Generation im Aufbruch, über Ideale, Verrat und die Macht familiärer Bande, der bewegend und hochaktuell ist.
Nachdem ich die ersten beiden Teile der Reihe „Blankenese - Zwei Familien“ echt verschlungen habe, musste ich nun unbedingt erfahren, was im Finale der großen Hamburger Familiengeschichte passieren wird. Wieder einmal hat es die Autorin geschafft, mich von der ersten Seite an sofort mitten ins Geschehen der Handlung zu katapultieren. Die Zeit, die hier beschrieben wurde, ist die Zeit des Aufbegehrens der Jugend. Sonja will unbedingt, dass die Reederei in den Händen der Familie bleibt. Doch leider hat der einzige Sohn überhaupt kein Interesse daran. Ulrike, die ältere Tochter ist Studentin und ehrlich, ich mag sie persönlich, ganz besonders, denn sie versucht, ihren eigenen Weg zu finden und macht genau das Gegenteil von dem, was ihre Eltern, besonders ihre Mutter, von ihr erwarten. Sabine, die jüngere Schwester hat so ihre eigenen Probleme und ich habe mit ihr gelitten, gebangt und gehofft. Immer wieder erfahre ich, dass die Kinder Sonjas und Friedrichs sehr wenig Liebe von ihren Eltern erhalten haben. Sie haben mehr mit sich zu tun, wie viele andere der Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Niemand hätte gedacht, dass Sabine sich dann so entwickelt… Kurt Jacobsen hat eine tolle Familie, um die er sich rührend kümmert. Dabei hat er sich zur Aufgabe gemacht, für die Bundesstaatsanwaltschaft zu arbeiten und sowohl für die Gerechtigkeit der Juden als auch gegen die RAF zu kämpfen. Für ihn und seine Familie ist es sehr gefährlich. Und Michael, der „Kleine Junge aus dem KZ“ geht auch seinen Weg. Für ihn habe ich mich besonders gefreut. Doch dann geschieht ein großes Unglück… Man, was habe ich geweint. Die Tränen flossen nur so. Also, haltet unbedingt Taschentücher bereit! Mich hat dieses Finale echt begeistert und ich bin nun etwas traurig, dass diese Familiengeschichte nun leider zu Ende ist. Ich habe sehr viel über die RAF erfahren und glaube, dass es vieler Recherchen bedurfte, um so eine stimmige Geschichte zu Papier zu bringen. Es handelt sich um eine spannende, aufregende, fesselnde und packende Geschichte mit vielen Hintergrundinformationen über die Zeit von 1968 bis 1977. Ich empfehle sie sehr gern weiter. Die Autorin Michaela Grünig hat hier sehr viel Herzblut in diese Geschichte gesteckt. Das merkt man auf jeder Seite, in jeder Zeile. Die Protagonisten sind mir sehr ans Herz gewachsen und Sonja gegenüber stehe ich nun versöhnlich gegenüber. Einfach nur toll und mit einem Ende, mit dem ich nicht wirklich nicht gerechnet habe. Die Geschichte geht zu Herzen. Mich hat die Autorin Michaela Grünig auch dieses Mal wieder begeistert, fasziniert und komplett überzeugt.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Packendes Finale

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Mit „Zeitensturm“ endet die Blankenese-Saga und für mich war das Buch ein gelungener Abschluss.

Die Geschichte setzt Ende der 1960er-Jahre ein, mitten in einer Zeit voller Umbrüche, Proteste und gesellschaftlicher ...

Mit „Zeitensturm“ endet die Blankenese-Saga und für mich war das Buch ein gelungener Abschluss.

Die Geschichte setzt Ende der 1960er-Jahre ein, mitten in einer Zeit voller Umbrüche, Proteste und gesellschaftlicher Spannungen. Besonders spannend fand ich, wie die beiden Schwestern Ulrike und Sabine so unterschiedliche Wege einschlagen: Ulrike ist selbstbewusst und ehrgeizig. Sabine ist sensibel und auf der Suche nach Anerkennung. Sie erlebt einige Schicksalsschläge, wird immer labiler und gerät dadurch in die Kreise der RAF. Gerade dieser Kontrast hat die Figuren für mich sehr lebendig gemacht.

Michaela Grünig gelingt es wieder einmal, die Atmosphäre der Zeit einzufangen. Historische Ereignisse werden mit der Handlung verflochten. Dennoch bleibt die Geschichte familiär, emotional und authentisch. An der ein oder anderen Stelle hätten die Ausführungen gerne auch etwas detaillierter sein dürfen. Das betrifft insbesondere Nebencharaktere, die man bereits aus den vorherigen Bänden kennt.

Der Schreibstil liest sich flüssig, die Kapitel haben eine angenehme Länge und die Spannung zieht sich bis zum Ende durch. Besonders gut hat mir gefallen, dass man nie genau weiß, wohin die Geschichte führen wird. Einige Wendungen sind dramatisch.

Ein packender Abschluss der Familiensaga. Wer die ersten beiden Bände mochte, sollte sich diesen dritten Teil auf keinen Fall entgehen lassen.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Zeitensturm

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„Zeitensturm“ ist der dritte Band der Trilogie „Blankenese - Zwei Familien“ von Michaela Grünig. Die Familien Casparius und Jacobson sind in den 60ern angekommen und zeigen uns die vielschichtigen Probleme ...

„Zeitensturm“ ist der dritte Band der Trilogie „Blankenese - Zwei Familien“ von Michaela Grünig. Die Familien Casparius und Jacobson sind in den 60ern angekommen und zeigen uns die vielschichtigen Probleme dieser Zeit.
Obwohl ich die ersten beiden Bände vor geraumer Zeit gelesen hatte, kam ich gut in die Geschichte hinein, was nicht zuletzt an dem ausführlichen Personenverzeichnis lag.
Der Roman beginnt mit der Beerdigung von John und Leni, den Protagonisten aus dem ersten Band. Schon hier zeigen sich die verschiedenen Charaktere der jetzigen Generation: Sonja wirkt als Erbin der Reederei und Unternehmerin hart und unnahbar. Auf die Töchter Ulrike und Sabine hat das unterschiedliche Wirkung: Während sich Ulrike zunächst trotzig in die linke Szene nach Berlin flüchtet und das genaue Gegenteil Ihres Elternhauses sucht, sondert sich Sabine ab und zieht sich zurück. Unterschiedlicher können Schwestern kaum sein. Ihr Bruder Albrecht hält sich eher aus allem raus und zieht im weiteren Verlauf ins Ausland. Er spielt keine größere Rolle mehr im Roman.
Auch Kurt, Sonjas Cousin, treffen wir auf der Beerdigung wieder. Er arbeitet mittlerweile als Jurist in der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen und wohnt mit Fanni und zwei Söhnen in Ludwigsburg. Im Verlauf des Romans wechselt er zur Bundesanwaltschaft und arbeitet dort gegen die RAF.
Michaela Grünig lässt ihre Protagonisten genau da leben und arbeiten, wo sie auf die Besonderheiten der 60er treffen. So treibt Ulrike sich auf den Studentendemonstrationen herum und wir können die Entwicklung ihres Freundes Lars zur linken Terrorszene verfolgen. Der Konflikt mit ihrem Elternhaus wird anfangs sehr deutlich, aber als angehende Journalistin versucht sie trotzdem, alle Seiten neutral zu sehen. Als Lars immer radikaler wird, kehrt sie nach Hamburg zurück und arbeitet in der Reederei, später dann als Journalistin.
Sabine kämpft zunächst mit Schulproblemen und wechselt dann auf ein Eliteinternat. Dort findet sie zwar endlich Freunde, aber auch diese Beziehungen enden im Drama. Abtreibung und Homosexualität waren damals noch verboten, und der Leser erlebt mit, welche Probleme sich daraus ergeben. Später landet Sabine in der Hausbesetzerszene und wird erneut von Freunden enttäuscht. Im weiteren Verlauf gerät sie durch Ulrikes Exfreund Lars in die Kreise der RAF und wird tief in terroristische Taten verstrickt. Im Nachwort erfahren wir, dass ihr Charakter an die RAF-Terroristin Susanne Albrecht angelehnt ist, die ebenfalls in einer wohlsituierten Familie in Blankenese aufgewachsen ist.
Das, was wir durch Kurts Arbeit über ehemalige Nazis in führenden Positionen der jungen Bundesrepublik erfahren, hat mich wirklich überrascht: Der Krieg ist seit etwa 20 Jahren zu Ende und die Alliierten haben jahrelang versucht, Kriegsverbrecher und Nationalsozialisten zu enttarnen und zu bestrafen. Trotzdem rutschen immer wieder Täter durch das Raster und es gibt Gesetze, die eine Bestrafung einfach verbieten. Menschen wie Beate Klarsfeld haben immer wieder auf ehemalige SS-Täter aufmerksam gemacht, und auch Kurt, dessen Bruder Michael als ehemaliger KZ-Häftling emotional stark betroffen ist, zeigt uns aus seiner Perspektive, wie hilflos er diesem Dilemma gegenübersteht.
Besonders berührt hat mich Michaels Trauma. Aus dem „Jungen aus dem KZ“ ist ein erwachsener Mann geworden, der das Erlebte nie mehr loswird. Umso mehr hat es mich gefreut, dass er in Ulrike seine Seelenverwandte findet und die beiden ein Paar werden.
Insgesamt ist dieser dritte Teil der Trilogie sowohl gesellschaftlich/politisch als auch erzählerisch sehr gelungen. Ich konnte nicht alle Entwicklungen nachvollziehen, aber insgesamt habe ich mit allen Protagonisten mitgefiebert und mich sehr gut unterhalten gefühlt. Dabei hat Michaela Grünig zum Nachdenken angeregt und den Blick auf die aktuelle politische Situation geschärft.
Eine klare Leseempfehlung von mir.

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