Die Leseprobe und der Klappentext haben bei mir direkt das Gefühl ausgelöst, dass „Chaos“ kein klassischer Familienroman wird, sondern eher eine Geschichte über Menschen, die versuchen, irgendwie Kontrolle ...
Die Leseprobe und der Klappentext haben bei mir direkt das Gefühl ausgelöst, dass „Chaos“ kein klassischer Familienroman wird, sondern eher eine Geschichte über Menschen, die versuchen, irgendwie Kontrolle über ihr Leben zu behalten, obwohl innerlich längst alles ins Wanken geraten ist. Besonders spannend finde ich dabei die Mischung aus alltäglichen Problemen (Masterarbeit, Schwangerschaft, Beziehung) und dieser fast schon überlebensgroßen Figur des Vaters, der scheinbar überall Chaos hinterlässt, ohne selbst je wirklich stillzustehen.
Hedda wirkt auf mich impulsiv und ich bin auf ihre "semiguten Entscheidungen" gespannt, könnte sehr interessant werden. Man merkt in der Leseprobe schnell, dass sie vieles stärker empfindet als andere Figuren um sie herum. Besonders die Szenen rund um das Schloss und ihre Enttäuschung darüber, dass vieles dort nur „Kulisse“ ist, fand ich sehr aussagekräftig. Für mich steckt darin auch die Frage, wie viel in ihrem eigenen Leben eigentlich echt ist und wie viel nur Fassade oder Wunschvorstellung.
Die Dynamik zwischen Hedda und Björn fand ich ebenfalls spannend, weil beide sehr unterschiedlich wirken. Während Hedda emotionaler und sprunghafter erscheint, wirkt Björn eher kontrolliert und rational. Dadurch entsteht schon früh eine unterschwellige Spannung zwischen ihnen, gerade im Hinblick auf die Schwangerschaft. Ich habe das Gefühl, dass sich diese Unterschiede im Verlauf der Geschichte noch deutlich zuspitzen werden.
Am neugierigsten macht mich aber tatsächlich der Vater. Schon durch die kurzen Einblicke bekommt man den Eindruck, dass er eine enorme Präsenz hat und gleichzeitig jemand ist, der andere Menschen mit in seinen Strudel zieht. Ich finde es spannend, dass Hedda scheinbar vieles an ihm ablehnt und trotzdem gewisse Verhaltensweisen oder Denkweisen übernommen hat. Dieses familiäre Weitergeben von Chaos und „semiguten Entscheidungen“ klingt nach einem sehr interessanten zentralen Thema des Romans.
Insgesamt hat die Leseprobe bei mir viele Fragen ausgelöst, ohne zu viel vorwegzunehmen. Genau das mag ich bei einer Leserunde besonders, weil man gemeinsam spekulieren und Entwicklungen beobachten kann. Ich würde sehr gerne weiterlesen und herausfinden, ob Hedda es schafft, sich von den Dynamiken ihrer Familie zu lösen oder ob sie am Ende doch mehr ihrem Vater ähnelt, als ihr lieb ist.