Das Cover strahlt eindeutig Melancholie, Verzweiflung, vielleicht sogar Depression aus. Die Titelfigur schaut direkt den Betrachter an und ihre Gesichtszüge wirken ernst, vielleicht sogar traurig. Auch die Farbgebung ist eher gedeckt, was den düsteren Gesamteindruck verstärkt.
Die Leseprobe war sehr faszinierend und ganz anders, als die Bücher, die ich sonst lese. Es gibt Wechsel zwischen dem Jetzt und Heddas Vergangenheit, wobei direkt klar wird, dass ihr Vater ein besonderer Mensch ist, in vieler Hinsicht, und Hedda schon als Kind sehr offen war. Sie hat kein Problem damit, unbequeme Fragen zu stellen, Widersprüche reizen sie offenbar und sie geht gern und freiwillig in Konfrontationen. Auch im Jetzt spürt man das - ihrem Freund gegenüber ist sie stellenweise ziemlich ruppig und unfreundlich, aber es scheint ihm nichts auszumachen. Die Dynamik mochte ich gern, ich bin auch kein Mensch, der sich lieb und freundlich jedem unterordnet und stehe sehr zu meiner Meinung, auch, wenn sie anders ist als andere Meinungen. Das würde ich in einer Beziehung nicht anders machen als bei meinen Eltern und Schwestern.
Hedda ist am Beginn der Schwangerschaft, etwas, was ich mir noch nicht vorstellen kann (ich bin aber auch erst 17 Jahre alt), aber es deckt sich mit dem, was meine Mutter uns oft erzählt hat. Die Aufregung ganz am Anfang, wenn man noch niemandem außer dem Partner davon erzählt, die Unsicherheit und die Angst, dass etwas passieren könnte... Da bereits erwähnt wird, dass eine Fehlgeburt thematisiert werden wird, gehe ich davon aus, dass es sich um Heddas Schwangerschaft handeln wird. In meiner Familie sind wir zum Glück immer sehr offen mit solchen Themen. Meine Mutter hatte eine Fehlgeburt zwischen meiner ältesten und zweitältesten Schwester (wir sind 3 Töchter). Meine Tante hatte 3 Fehlgeburten und hat 2 Kinder. Schon recht früh erinnere ich mich daran, wie meine Mutter uns davon erzählt hat, wie sie sich gefühlt hat und wie schlimm es war. Aber auch, dass es ihr extrem wichtig war, immer offen damit zu sein. Sie hat gesagt, sehr viele ihrer Freundinnen haben ähnliche Erfahrungen gemacht und immer, wenn eine darüber gesprochen hat, gab es andere, die sich erleichtert gefühlt habe, weil auch sie darüber sprechen konnten - und wollten! Statistisch betrachtet, erleben sehr viele Frauen Fehlgeburten und noch immer ist es etwas, was wie eine Art "Versagen" gefühlt wird. Der eigene Körper konnte das Kind nicht "behalten", hat "versagt" - und dann kommt noch die Angst davor, dass das wieder passieren kann. Dass vielleicht etwas, das man getan oder nicht getan hat, die Fehlgeburt verursacht haben könnte. Ich finde, es ist ein wahnsinnig wichtiges Thema, auch - oder vielleicht sogar besonders dann! - wenn man wie ich noch jung und weit entfernt von Familienplanungen ist. Ich möchte später Kinder haben, auf jeden Fall, aber auch ich habe Angst vor einer solchen Situation und Respekt davor, was da auf mich zukommen könnte.
Auch aus diesem Grund möchte ich sehr gerne weiterlesen! Ich finde die Sprache des Romans sehr faszinierend und die Figuren, vor allem Hedda, spannend. Die bereits angedeuteten Konflikte - die Doktorarbeit, die Partnerschaft von Hedda und ihrem Freund, die Eltern, vor allem der Vater - sind vielversprechend und das Setting reizt mich sehr! Ich war letztes Jahr mit meiner Familie in Stockholm und bin seitdem echt ein Schweden-Fan!
Ich würde dieses Buch sehr, sehr gerne lesen - und am allerliebsten mit der tollen Lesejury Community, die es ja schrecklicherweise nicht mehr soo lange geben wird. Es wäre unfassbar schön, wenn ich in diese Runde kommen würde und das gemeinsame Lesen nochmal genießen kann und mich in der Leserunde einbringen kann!