Leserunde zu "Close to Home" von Michael Magee

Eine herzzerreißende Ode an Belfast, Familie und Freundschaft
Cover-Bild Close to Home
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(22)
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Michael Magee (Autor)

Close to Home

Roman

Mit gerade mal 22 Jahren steht Sean an einem Scheidepunkt. Aufgewachsen im von der Wirtschaftskrise erschütterten Belfast, inmitten von Arbeitslosigkeit, Tristesse und den schwelenden Nachwirkungen der Nordirland-Konflikte, scheint sein Traum, Schriftsteller zu werden, vollkommen unerreichbar. Stattdessen hängt er fest in einem Teufelskreis aus Partys und Drogen - bis er im Rausch einen jungen Mann niederschlägt und vor Gericht landet. Erst jetzt findet er die Kraft, sein Leben neu zu sortieren. Wie konnte er zu dem Menschen werden, der er ist, der ihm aber doch so fremd ist? Eine offenherzige, gleichermaßen raue wie zarte Selbsterkundung, zutiefst berührend in ihrer Verletzlichkeit.

Timing der Leserunde

  1. Bewerben 18.09.2023 - 08.10.2023
  2. Lesen 16.10.2023 - 05.11.2023
  3. Rezensieren 06.11.2023 - 19.11.2023

Bereits beendet

Schlagworte

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Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 11.11.2023

Close to home

2

Sean, mitte zwanzig, besitzt einen Abschluss in englischer Literatur und lebt in Belfast. Seine Mutter leidet an ihrer traumatischen Vergangenheit; alleinerziehende Mutter inmitten der Nordirlandkonflikte. ...

Sean, mitte zwanzig, besitzt einen Abschluss in englischer Literatur und lebt in Belfast. Seine Mutter leidet an ihrer traumatischen Vergangenheit; alleinerziehende Mutter inmitten der Nordirlandkonflikte. Seans Bruder wurde von seinem Vater als Junge vergewaltigt. Zwar hat er eine Ehefrau und Kinder, doch das hindert ihn nicht daran, alles vergessen zu wollen und ständig irgendwo zu feiern. Sean wohnt mit seinem besten Freund in einer WG und versucht sich mit seinem Job über Wasser zu halten. Nachts vergisst er sich in Alkohol und Drogen, tagsüber versucht er ein einigermassen normales Leben zu führen - bis er wegen Körperverletzung vor Gericht kommt.
Eine berührende Geschichte über die Suche nach einem besseren Leben

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Veröffentlicht am 08.11.2023

NO HOME

2

Ein Roman mit einer bedrückenden Stimmung sowie bewegender Geschichte, die einen bis zum Ende hin nicht loslässt. Das Buch ist von einer tiefen Verzweiflung geprägt und vermittelt authentisch sowie emotional ...

Ein Roman mit einer bedrückenden Stimmung sowie bewegender Geschichte, die einen bis zum Ende hin nicht loslässt. Das Buch ist von einer tiefen Verzweiflung geprägt und vermittelt authentisch sowie emotional die Nachwirkungen der Nordirland-Konflikte.

Der Autor überzeugt mit einem wundervollen Schreibstil der Einen in die Handlung hineinzieht und Einen die Gedankengänge sowie Gefühle des Protagonisten zu 100% nachvollziehen lässt. Mein einziger Kritikpunkt ist der, dass die wörtliche Rede ohne Anführungszeichen war, was besonders zu Beginn sehr anstrengend zu lesen gewesen ist.

Alles in allem also ein gut geschriebenes Buch mit einem ernsten und auch etwas erdrückenden Thema.

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Veröffentlicht am 06.11.2023

Verlorene Kindheit in Nordirland

3

Sean wächst in Belfast auf, sein ganzes Umfeld ist von den Nachwehen des Nordirlandkonfliktes geprägt, überall sind Schmerzen und Leid spürbar, was durch einen Blick auf das Cover nur unterstrichen wird. ...

Sean wächst in Belfast auf, sein ganzes Umfeld ist von den Nachwehen des Nordirlandkonfliktes geprägt, überall sind Schmerzen und Leid spürbar, was durch einen Blick auf das Cover nur unterstrichen wird. Der Roman ist geprägt von den vielfältigen Verletzungen der ProtagonistInnen sowie ihrem teilweise destruktiven Umgang mit diesen.

Im Gegensatz zu anderen Charakteren bringt Sean einen Uni-Abschluss mit, der aber im sozialen Brennpunkt wenig zählt, zumal auch ihm selbst die Kraft zu fehlen scheint, sich dem Strudel des Elends zu entziehen. Er lässt sich treiben und Dinge einfach geschehen, bevor er schließlich versucht, die ersten Schritte zu gehen, um sein Leben aktiv in eine andere Richtung zu beeinflussen.

Als Leser habe ich einerseits das Gefühl, mittendrin im Geschehen zu sein, Sean quasi über die Schulter schauen zu können, und doch bleibt eine eigenartige emotionale Distanz und Losgelöstheit spürbar, die sehr gut das geschilderte Empfinden Seans widerspiegelt, welches den ersten Part des Buches über dominiert.

Das Buch setzt weniger auf einen klassischen Handlungsaufbau, sondern zeigt einen temporären Ausschnitt aus Seans Leben, ohne sich um eine künstliche Einleitung oder ein fingiertes/klar umrissenes Ende zu bemühen, was total zum Inhalt und der Stimmung des Buches passt, es ist durchweg realistisch und teilweise bedrückend und deprimierend lebensnah, lässt ebenso wie das Leben selbst auch viele Fragen offen.

Ich finde das Buch insgesamt sehr gelungen, der Schreibstil ist unterhaltsam, der Inhalt insbesondere für am Nordirlandkonflikt oder prekären Lebenssituationen interessierte Menschen absolut empfehlenswert. Es wird nicht moralisiert/belehrt, sondern feinfühlig eine authentisch wirkende Lebensrealität/-erfahrung dargestellt, wie sie nicht nur für Belfast, sondern für viele von gewaltsamen Konflikten und/oder Perspektivlosigkeit geprägte Orte charakteristisch ist.

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Veröffentlicht am 06.11.2023

Teufelskreis

3

Sean ist 22 Jahre alt, ohne Aussicht auf eine positive Zukunft. Er hat zwar einen Uni-Abschluss in der Tasche, bekommt aber keinen Job. Er lebt in einem Stadtteil von Belfast in dem die Menschen in Armut ...

Sean ist 22 Jahre alt, ohne Aussicht auf eine positive Zukunft. Er hat zwar einen Uni-Abschluss in der Tasche, bekommt aber keinen Job. Er lebt in einem Stadtteil von Belfast in dem die Menschen in Armut leben. Die Nachwirkungen der Nordirland-Konflikte sind noch spürbar. Sean jobbt in einem schlecht bezahlten Job in einem Nachtclub. Er träumt davon Schriftsteller zu werden. Noch hängt er in einem Teufelskreis aus Partys und Drogen fest und landet schließlich vor Gericht, weil er einen Mann niedergeschlagen hat.

Michael Magee gelingt es sehr gut die hoffnungslose Lebenssituation von Sean und seinem Umfeld einzufangen. Seans Mutter leidet unter Angstzuständen. Seit ihrer Jugend ist sie auf Valium. Die Schüsse und Anschlägen der IRA belasten sie noch heute. Seans älterer Bruder Anthony hängt ebenfalls voll durch. Er wurde in seiner Kindheit missbraucht.

‚Close to home‘ ist ein gut geschriebenes Debüt eines talentierten Autors. Die Zeichnungen von Sean und seinen Freunden kommen realistisch rüber. Das wilden Partyleben ist ein Ausdruck der Trostlosigkeit, ein Ablenken und zeigt doch die Verletzlichkeit. Das Kriegstrauma der Eltern und Großeltern wirkt in der nachfolgenden Generation nach. Meinen vollen Respekt hat Mairead, sie kommt ebenfalls aus diesem Milieu, doch sie scheint die Kurve bekommen zu haben. Sie versucht sich eine bessere Zukunft aufzubauen. Dem Autor gelingt es, die Leser mitzunehmen. Die Atmosphäre ist fast durchweg bedrückend, gezeichnet von Perspektivlosigkeit. Die Suizidrate in den vom Nordirlandkonflikt betroffenen Gebieten ist noch 20 Jahre Friedensprozess sehr hoch. Eigentlich kein Wunder, wenn man keine positive Wende für sein Leben sieht.

Mein Lieblingssatz: Der äußere Eindruck trügt oft. Erlaub dir kein schnelles Urteil über jemanden.‘

Fazit: Ein gutgeschriebenes Debüt, doch die beschriebene Atmosphäre ist kaum zu ertragen. Kein Buch, dass ich ein zweites Mal lesen möchte.

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Veröffentlicht am 19.11.2023

Sehr eindrücklich

1

𝐂𝐥𝐨𝐬𝐞 𝐭𝐨 𝐇𝐨𝐦𝐞 - 𝐌𝐢𝐜𝐡𝐚𝐞𝐥 𝐌𝐚𝐠𝐞𝐞 [𝐑𝐞𝐳𝐞𝐧𝐬𝐢𝐨𝐧𝐬𝐞𝐱𝐞𝐦𝐩𝐥𝐚𝐫]

»𝖤𝗌 𝗀𝗂𝗇𝗀 𝗀𝖺𝗇𝗓 𝗌𝖼𝗁𝗇𝖾𝗅𝗅. 𝖨𝖼𝗁 𝗁𝖺𝖻𝖾 𝗓𝗎𝗀𝖾𝗅𝖺𝗇𝗀𝗍 𝗎𝗇𝖽 𝗀𝖾𝗍𝗋𝗈𝖿𝖿𝖾𝗇, 𝗎𝗇𝖽 𝖾𝗋 𝗂𝗌𝗍 𝗎𝗆𝗀𝖾𝖿𝖺𝗅𝗅𝖾𝗇.« (𝖲.9)

Mit diesen Worten beginnt Michael Magee Seans Geschichte zu erzählen, ...

𝐂𝐥𝐨𝐬𝐞 𝐭𝐨 𝐇𝐨𝐦𝐞 - 𝐌𝐢𝐜𝐡𝐚𝐞𝐥 𝐌𝐚𝐠𝐞𝐞 [𝐑𝐞𝐳𝐞𝐧𝐬𝐢𝐨𝐧𝐬𝐞𝐱𝐞𝐦𝐩𝐥𝐚𝐫]

»𝖤𝗌 𝗀𝗂𝗇𝗀 𝗀𝖺𝗇𝗓 𝗌𝖼𝗁𝗇𝖾𝗅𝗅. 𝖨𝖼𝗁 𝗁𝖺𝖻𝖾 𝗓𝗎𝗀𝖾𝗅𝖺𝗇𝗀𝗍 𝗎𝗇𝖽 𝗀𝖾𝗍𝗋𝗈𝖿𝖿𝖾𝗇, 𝗎𝗇𝖽 𝖾𝗋 𝗂𝗌𝗍 𝗎𝗆𝗀𝖾𝖿𝖺𝗅𝗅𝖾𝗇.« (𝖲.9)

Mit diesen Worten beginnt Michael Magee Seans Geschichte zu erzählen, dabei fühlt es sich an, als hätte man aus Versehen zurückgespült, würde nach der Fernbedienung greifen und das Geschehen im Zeitraffer verfolgen, zusehen, wie die Menschen brüllen, unruhig werden und dann ist da Sean, der sich aus dem Getümmel befreit und vor der Polizei zum Stehen kommt.
In wenigen Sekunden befinden wir uns dann in einer heruntergekommen WG in Belfast. Die Wände sind mit Schimmel bedeckt, der Boden von Klamotten und Fast Food Verpackungen übersäht. Mittendrin Sean und sein Freund Ryan auf der Suche nach der nächsten Party.

Die Wirtschaftskrise in Belfast hat die Arbeitslosenzahl ansteigen lassen und eine Perspektivlosigkeit in den Menschen geschürt, dass selbst Sean mit seinen 22 Jahren schon lange aufgehört hat zu träumen und sich stattdessen auf Partys zudröhnt, um der Tristesse zu entkommen. Zwischen Selbstreflexion und Gleichgültigkeit begleitet man seine Gedankengänge, die sich je nach Tagesverfassung ändern.

»𝖬𝖺𝗇 𝗄𝖺𝗇𝗇 𝗇𝗂𝖼𝗁𝗍 𝖾𝗐𝗂𝗀 𝗇𝗎𝗋 𝖯𝖺𝗋𝗍𝗒 𝗆𝖺𝖼𝗁𝖾𝗇, 𝗎𝗇𝖽 𝗐𝖾𝗇𝗇 𝗂𝗆𝗆𝖾𝗋 𝗐𝖾𝗇𝗂𝗀𝖾𝗋 𝖪𝗎𝗆𝗉𝖾𝗅𝗌 𝗓𝗎𝗆 𝖬𝗂𝗍𝖿𝖾𝗂𝖾𝗋𝗇 𝖽𝖺 𝗌𝗂𝗇𝖽, 𝗄𝗈𝗆𝗆𝗍 𝖾𝗌 𝖾𝗂𝗇𝖾𝗆 𝗏𝗈𝗋, 𝖺𝗅𝗌 𝗄ä𝗆𝖾 𝗆𝖺𝗇 𝗇𝗂𝖾 𝗆𝖾𝗁𝗋 𝖽𝖺 𝗋𝖺𝗎𝗌. 𝖠𝗅𝗌 𝗈𝖻 𝗆𝖺𝗇 𝖿ü𝗋 𝖽𝖾𝗇 𝖱𝖾𝗌𝗍 𝗌𝖾𝗂𝗇𝖾𝗌 𝖫𝖾𝖻𝖾𝗇𝗌 𝗆𝗂𝗍 𝖽𝖾𝗇𝗌𝖾𝗅𝖻𝖾𝗇 𝖽𝗋𝖾𝗂 𝗈𝖽𝖾𝗋 𝗏𝗂𝖾𝗋 𝖫𝖾𝗎𝗍𝖾𝗇 𝗂𝗇 𝗂𝗋𝗀𝖾𝗇𝖽𝖾𝗂𝗇𝖾𝗆 𝖫𝗈𝖼𝗁 𝗁𝗈𝖼𝗄𝗍, 𝗌ä𝗎𝖿𝗍, 𝗄𝗈𝗄𝗌𝗍, 𝗂𝗆 𝖯𝗎𝖻 𝖺𝖻𝗁ä𝗇𝗀𝗍, 𝖻𝗂𝗌 𝗄𝖾𝗂𝗇𝖾𝗋 𝗆𝖾𝗁𝗋 𝗓𝗎𝗆 𝖱𝖾𝖽𝖾𝗇 𝖽𝖺 𝗂𝗌𝗍.« (𝖲.21)

Eines Tages bekommt Sean einen Brief, indem steht, dass er vor Gericht eingeladen wird. Die Körperverletzung vor wenigen Wochen hat Konsequenzen und er sieht sich gezwungen sein Leben und seine Entscheidungen zu überdenken.

Michael Magee hat in »Close to Home« eigene Erfahrungen verarbeitet und bringt einen dazu über Klassenzugehörigkeit und seine eigene Herkunft nachzudenken.
Dadurch, dass das Buch ohne Umschweife beginnt, kommt man sehr gut in die Geschichte rein und kann sich gut in Seans Lage hineinversetzen. Im weiteren Verlauf des Buchs bekommt man einen Einblick in seine Kindheit und in das komplizierte Beziehungsgeflecht zu seinem Bruder. 

Anfangs hat mich das Buch fesseln können. Seans Lebensrealität wurde sehr eindrücklich beschrieben und ich konnte seine Zerrissenheit nachempfinden. Nach einer Weile gab es für mich jedoch zu viele Wiederholungen. Es war beinahe so, als würde man mit Sean in diesem Teufelskreis stecken und einfach nicht herauskommen. Vielleicht war auch genau das die Intention des Autors, aber mir kam das zu langatmig vor und es hat meine Motivation weiterzulesen verringert.

Fazit: Insgesamt konnte mich das Buch nicht überzeugen. Es war mir zu langatmig und die Spannung hat gefehlt. Dafür mochte ich Seans Gedanken und seine Entwicklung, die vor allem zum Ende hin an Tempo zugenommen hat. Ich empfehle es denjenigen, die melancholische Bücher mögen und mehr über die Folgen des Nordirland-Konflikts erfahren möchten.

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