Ehrliche Emotionen
In dem Roman „verborgene Erinnerungen“ erzählt Michaela Abresch von zwei Frauen, die auf den ersten Eindruck keinerlei nennenswerte Gemeinsamkeiten erkennen lassen und zwei recht unterschiedliche Leben ...
In dem Roman „verborgene Erinnerungen“ erzählt Michaela Abresch von zwei Frauen, die auf den ersten Eindruck keinerlei nennenswerte Gemeinsamkeiten erkennen lassen und zwei recht unterschiedliche Leben an verschiedenen Orten führen, jedoch beide auf der Suche nach irgendeinem fehlenden Puzzleteilchen ihres Lebens, einem Gefühl von Heimat oder Verbindung suchen.
Dies ist zum einen Mella, eine junge Verlagsangestellte, die mit ihrer alleinerziehenden schwedischen Mutter in Deutschland aufgewachsen ist und zu Recherchearbeiten für ihren Verlag einige Wochen nach Gotland muss.
Die zweite Protagonistin ist Siri, eine junge Schwedin, die immer in ihrer Heimat gelebt hat, gerade ihre Adoptivmutter verloren hat und in deren Nachlass ein Foto findet, das ihr keine Ruhe mehr lässt.
Fast autobiographisch erzählt jede der beiden Frauen ihre Geschichte, diese werden im Buch jedoch interessanterweise leicht zeitversetzt präsentiert, immer wieder unterbrochen von zeitlich viel, viel älteren, in anderer Schrift gedruckten Liebesbriefen eines frisch verliebten, jungen schwedischen Paares.
Bald keimt der Verdacht auf, dass die Briefeschreiberin Mellas Mutter sein könnte und sie der Schlüssel zu den fehlenden Puzzleteilchen im Leben der beiden jungen Frauen sein könnte. Dies gibt Anlass zu allerlei Spekulationen, bis Mella und Siri in Schweden unwillkürlich aufeinandertreffen und sich die zwei Erzählstränge allmählich zu einem gemeinsamen vereinen und zu einem hoch emotionalen Ende führen, bei dem gerne mal ein Tränchen kullern darf.
Dennoch ist es kein kitschiges Happy End, sondern das Ergebnis einer berührenden Reise mit Protagonisten, deren Emotionen wirklich erfahrbar werden. Michaela Abresch gelingt es wunderbar, den Leser mit Worten zu fangen, in den Bann zu ziehen, nach Gotland mitzunehmen und sowohl Sorge und Angst als auch Herzenswärme perfekt zu vermitteln. Das einladende Cover mit schönen landschaftlichen Motiven tut sein Übriges, die anschauliche und lebensnahe Beschreibung der Orte vermittelt das Gefühl, direkt dabei zu sein.
Mit leichtem, flüssigem und anschaulichem Schreibstil gelingt es der Autorin, sehr genau unter die Fassade ihrer Protagonisten zu blicken, einen riesigen Spannungsbogen zu erschaffen und Emotionen wach werden zu lassen. Man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Es unterhält, berührt und regt zum Nachdenken über Offenheit, Aufgeschlossenheit und Ehrlichkeit gegenüber Gefühlen anderer an.