Einlassen auf Mythologie Pur
Ich habe lange über diese Rezension nachdenken müssen, weil ich während dem Leseprozess so viele unterschiedliche und widersprüchliche Gedanken zu diesem Buch hatte. Im Versuch, das möglichst anschaulich ...
Ich habe lange über diese Rezension nachdenken müssen, weil ich während dem Leseprozess so viele unterschiedliche und widersprüchliche Gedanken zu diesem Buch hatte. Im Versuch, das möglichst anschaulich wiederzugeben, beginne ich mal ganz von vorne.
Cover und Handlung
Das Cover hat mir gut gefallen, wenn ich es auch ein wenig seltsam fand, dass der Titel auf dem Buchrücken "falsch herum" gedruckt ist: Wenn man vor dem Bücherregal steht, kippt man den Kopf normalerweise nach links, um die Titel zu lesen, bei diesem Buch jedoch nach rechts – sehr ungewöhnlich. Den Farbschnitt fand ich passend und er hat direkt auf den Handlungsort "Wald" verwiesen. In den sogenannten Eisenwald - einen zu Beginn der Geschichte kargen und einsamen Ort – gelangt die Hexe Angrboda, nachdem sie von dem Göttergeschlecht der Asen dreimal verbrannt worden ist und ihr Herz verloren hat. Loki, ein immer zu Scherzen aufgelegter, jugendhaft wirkender Ase, der unter den anderen Göttern eine Außenseiterrolle hat, bringt Angrboda ihr Herz zurück. Er freundet sich mit ihr an, während die Hexe sich mithilfe ihrer neu gewonnen Freundin Skadi in einer Höhle häuslich einrichtet. Aus der späteren Liebesbeziehung von Angrboda und Loki gehen drei Kinder hervor, die, ebenso wie die Hexe selbst, Einfluss auf den späteren Verlauf des Weltenschicksals haben.
Meine Meinung
Ich hatte die Erwartung, viel Romantik und spannende Szenen zu lesen. Mehrere Bücher zur nordischen Mythologie habe ich bereits gelesen, die ich reizvoll und fesselnd fand. Grausamkeiten und Tragödien sind bei diesen Sagen zu erwarten, weshalb ich darauf eingestellt war. Überrascht war ich jedoch, wie wenig Emotionen durch den Schreibstil transportiert wurden, die dramatischen Ereignisse wurden nüchtern beschrieben und eher nacherzählt als lebendig gestaltet. Zu Beginn bereitete es mir deshalb Schwierigkeiten, mich in die Geschichte einzufühlen. Ungefähr nach der Hälfte des Buches hatte ich mich aber daran gewöhnt und erkannte, dass der Schreibstil gut in das Mythen-Genre passt und originaltreu die Stimmungen der ursprünglichen Sagen, die in einer rauen, mystischen Welt spielen, darstellt. Kleine Alltagssituationen und Gespräche der Personen machen die Erzählung anschaulich und erwecken die Mythen zum Leben. Mit den Charakteren hatte ich ebenfalls Schwierigkeiten, entwickelte aber mit der Zeit Mitgefühl für Angrboda und ihre Kinder. Der Charakter der Asen ist mir rätselhaft geblieben und mit Loki, der auf mich wie ein verzogenes Kind wirkte, konnte ich bis zum Schluss des Buches nicht viel anfangen. Er hat viele fragwürdige Entscheidungen getroffen, die beim Lesen Irritation und Wut in mir ausgelöst haben. Auch den angekündigten feministischen Aspekt des Buches konnte ich nicht erkennen, Angrboda sehe ich vielmehr als erst treue Gefährtin des sprunghaften Lokis und später als aufopferungsvolle Mutter. Zum Schluss des Buches hätte ich mir mehr Raum gewünscht, um alles Geschehene zu verarbeiten, besonders da auch zu Beginn des Buches alles eher sehr lang gedehnt wurde, als zu knapp beschrieben.
Zwingend auskennen muss man sich nicht in der Mythologie, hinten im Buch ist ein Glossar mit den wichtigsten Informationen zu finden, aber man sollte definitiv Mythologie mögen und bereit sein für mythische Wesen, erschreckende Zauber und ungefilterte Düsternis der beschriebenen Welt. Gegen Ende werden die Mythen leicht modifiziert, darauf sollte man gefasst sein.
Fazit
Wer nach Romantik gepaart mit Fantasy und Feminismus sucht, sollte vielleicht lieber zu einem anderen Buch oder Genre greifen. Wer aber auf der Suche ist nach einem Buch über die nordischen Mythen in Romanform mit nüchternem Schreibstil und Elementen wie Trauer, Dramatik, Magie und Persönlichkeitsentfaltung, ist bei diesem Buch genau richtig und wird Spaß beim Lesen haben!