Die Autorin hat Talent zum Schreiben, doch leider konnten mich der Roman und seine Figuren zu keinem Moment berühren
Ilse ist seit vielen Jahren mit dem rothaarigen Antonio verheiratet und hat mit ihm zwei Kinder. Während Hanna bereits im Teeniealter ist, hängt der zehnjährige Tom noch sehr an seiner Mutti und versucht ...
Ilse ist seit vielen Jahren mit dem rothaarigen Antonio verheiratet und hat mit ihm zwei Kinder. Während Hanna bereits im Teeniealter ist, hängt der zehnjährige Tom noch sehr an seiner Mutti und versucht sie dazu zu überreden, nicht zum 40.Geburtstag ihrer besten Freundin Elissa nach Sylt zu fahren, wo sie ein paar Tage bleiben möchte. Doch Toni bestärkt Ilse in ihrem Wunsch einmal auszuspannen, mit ihrer Freundin ungestört klönen zu können und so fährt Ilse tatsächlich. Das Essen, das für Elissas Geburtstagsparty gekocht wird, kommt vom knackigen und gut aussehenden Koch Oke, der zwar zunächst recht wortkarg ist, aber dann zunehmend aufblüht, als er in Ilse eine Feinschmeckerin erkennt. Obwohl Oke um die zehn Jahre jünger ist als Ilse, fühlt sie sich von Oke angezogen. Doch was hat das zu bedeuten? Eigentlich dachte Ilse bis vor kurzem, dass sie eine glückliche Ehe führt und ihren Mann über alles liebt. Ist das nur der Wunsch nach etwas Neuem, oder was steckt dahinter? Als sie wieder zu Hause angekommen, befürchten muss, dass Toni ebenfalls auf Freiersfüßen tappt, kommt sie das erste Mal so richtig ins Grübeln…
Meine Einschätzung:
„Mein Leben in 80B“ handelt von einer Ehefrau, die eigentlich all das hat, was andere sich wünschen; allerdings hat sich in den Jahren in denen sie verheiratet ist, ein wenig die Alltagsroutine eingeschlichen und so überdenkt sie ihre Ehe schließlich, als sie den bedeutend jüngeren Oke kennen lernt, der sie bewundert, was ihr unheimlich schmeichelt.
Im Grunde fand ich die Ausgangssituation des Romans sehr interessant, doch leider hat mir die Umsetzung des Ganzen dann doch nicht so sehr zugesagt, wie ich es mir gewünscht hätte.
Zum einen hatte ich das Problem, dass ich sowohl Ilse als auch ihre Freundin Elissa als recht unsympathische Charaktere empfunden habe, die von allen agierenden Figuren in diesem Buch die meisten Romanpassagen beherrschen. Vor allem Elissas Rat an Ilse, sie solle sich auf ihrem 40.Geburtstag mal ruhig austoben und eventuell sogar eine Affäre eingehen, fand ich ziemlich seltsam. Keine echte Freundin würde so etwas ihrer besten Freundin raten, sondern sie erst einmal darin bestärken über ihr Leben und ihre Beziehung/Ehe nachzudenken. Auch Ilses Verhalten, als sie befürchtet, dass ihr Mann fremdgeht, konnte ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Zuerst ihre Schmollerei und dann am Ende dieser Wutanfall, den sie wenige Tage später in seinem Beisein bekommt, anstatt ihn erst einmal von ihrem Verdacht zu erzählen und ihn zu fragen, ob er wirklich eine Affäre hat… das war für meinen Geschmack dann doch zu konstruiert, als wolle die Autorin auf Biegen und Brechen versuchen, zusätzliche Eheprobleme zu schaffen, wobei die Auflösung des Ganzen dann auch unheimlich schnell und unspektakulär abgehandelt wurde.
Im Grunde fehlt es dem Roman an tiefgründigen Gesprächen zwischen dem Ehepaar; auch wenn die Romanidee interessant war, hat sich die Autorin leider zuviel mit unwichtigen Nebensächlichkeiten aufgehalten (zum Beispiel die Aufzählung diverser Dessous, da Ilse in ihrer Freizeit Dessous auf Dessous-Parties verkauft, die Sache mit ihrer dünnen und unsympathischen ehemaligen Mitschülerin Sylvia, oder auch Ilses Shoppingbummel auf Sylt bei dem sie verschiedene Läden besucht, der für Lokalkolorit sorgen soll, leider aber für mich sehr langweilig zu lesen war) und den wirklich wichtigen Dingen (Ilses Seelenpein weil sie sich zu einem anderen hingezogen fühlt, ihrem schlechten Gewissen Toni und ihren Kindern gegenüber und die Aussprache zwischen Ilse und Oke) zu wenig Seitenzahlen gewidmet.
Die Autorin hat Talent zum Schreiben, doch leider konnten mich der Roman und seine Figuren zu keinem Moment berühren. So ist es leider nur nette Strandlektüre geworden, bei der man als Leser Tiefgang vermissen wird, was ich sehr schade fand.
Ein Pluspunkt dagegen sind die interessanten Rezepte auf den letzten Seiten des Romans