Frühstücksfernsehen
Vielversprechendes Setting, vielversprechender Trope: Konkurrenzkampf bei den Morgennachrichten. Schade nur, dass die eine Partei gar nichts vom Konkurrenzkampf weiß. So wird aus Enemies-to-lovers eher ...
Vielversprechendes Setting, vielversprechender Trope: Konkurrenzkampf bei den Morgennachrichten. Schade nur, dass die eine Partei gar nichts vom Konkurrenzkampf weiß. So wird aus Enemies-to-lovers eher ein “unsympathischer-Kollege-rafft-sich-endlich-und-ist-attraktiv”.
Der angekündigte “Banter” (das scheint so ein Modewort der Branche zu sein, das laut nach einem Gemecker schreit!) beläuft sich auf platte Sprüche in teilweise sehr künstlich wirkenden Dialogen zwischen dem unsympathischen Kollegen und einer Protagonistin, die charakterlich so blass bleibt wie das Cover farbenfroh ist.
Statt großer Emotionen hat das Buch bei mir eher Augenverdrehen verursacht, wenn sich die Autorin mal wieder in zu vielen Details verzettelt. Anschauliche Beschreibungen schön und gut, aber ich muss nicht Farbe, Material und Stil von jedem verdammten Kleidungsstück jeder verdammten Person im Raum kennen, und schon gar nicht jedes dazugehörige Accessoire (mit Farbe, Material und Stil). Auch dass frau beim Shoppen an einer Drogerie vorbeigekommen ist, und noch Tampons gekauft hat, ist echt nicht sooo relevant.
Ich persönlich mag keine Spitznamen in Büchern. Schon gar nicht zu einem Zeitpunkt der Bekanntschaft, zu dem man sich in deutschen Büros vermutlich noch siezen würde. Auch die Wahl des Namens... eher ungünstig. Wenn mein Kollege mich “Angel” nennen würde, stünde ich jedenfalls beim Personalrat auf der Matte.
Auch etwas befremdlich: Im Jahr 1998 mit “E-Mail for you” war der "anonyme-Chatfreunde-Plot" echt unschlagbar. 2025 ist er aber langsam auserzählt. Vor allem, weil er IMMER auf dieselbe Art abläuft. Sie schreiben seit DREI Jahren, ohne Austausch von Infos, sind dadurch BESTE Freunde, dann checkt ER, dass sie sich im echten Leben kennen, er wartet auf den richtigen Zeitpunkt für die Wahrheit, sie findets vorher raus und dann ist DRAMA. Und natürlich ist das alles NIE auf den ersten zehn Seiten vorhersehbar.
In diesem Fall wirkt der Trope sogar, als sei er nachträglich noch in die Story eingeflochten worden, um den obligatorischen 3-Act-Breakup schreiben zu können.
Fazit: Ein sehr buntes Cover, das mich ohne den vielversprechenden Klappentext nicht angesprochen hätte. Einen Klappentext, der nicht hält, was er verspricht.
Und einen Schreibstil, der zu viel will und zu wenig transportiert.
Eben wie das Frühstücksfernsehen.
Wir nehmen uns wichtiger, als wir tatsächlich sind, wir unterhalten nebenher, aber man käme auch ohne uns aus.
Danke an netgalley für das Rezensionsexemplar!