Starker Auftakt, schwächerer Kern – ein Thriller mit Licht und Schatten
Der Einstieg in Das Event fällt mir unglaublich leicht. Der Prolog ist atmosphärisch dicht, ein wenig schaurig und weckt sofort meine Neugier. Auch der spätere Zeitsprung nimmt dieser Stimmung nichts, ...
Der Einstieg in Das Event fällt mir unglaublich leicht. Der Prolog ist atmosphärisch dicht, ein wenig schaurig und weckt sofort meine Neugier. Auch der spätere Zeitsprung nimmt dieser Stimmung nichts, denn die ersten Szenen mit Leandra und Maxi funktionieren für mich richtig gut.
Der Schreibstil ist locker, flüssig und bildhaft, sodass ich sofort in der Geschichte ankomme. Die kurzen Kapitel und die wechselnden Perspektiven bringen Tempo hinein und geben mir das Gefühl, nah an allem dran zu sein.
Was mir besonders gefällt, sind die vielen kleinen Zeitsprünge innerhalb der Kapitel. Sie sind klar markiert, etwa „zwei Stunden später“ oder „am nächsten Tag“, und sie sorgen dafür, dass unnötige Längen wegfallen. Gerade in Bezug auf die Ermittlungsarbeit wirkt das für mich erstaunlich realistisch. Die Handlung bleibt dadurch in Bewegung, ohne sich in Details zu verlieren.
Je weiter ich lese, desto stärker merke ich allerdings, wie sich die Geschichte von ihrem spannendsten Element entfernt. Das Event, das mich eigentlich am meisten gereizt hat, rückt immer weiter in den Hintergrund. Das verlassene Inselhotel hätte so viel Potenzial für eine beklemmende, unheimliche Atmosphäre gehabt, aber es bleibt eher Kulisse als Herzstück der Handlung. Die Anklänge an „The Shining“ blitzen nur kurz auf und verschwinden dann wieder.
Stattdessen werden es immer mehr Handlungsfäden. Leandras Kinderwunsch, ihre Klinikbesuche, Maxis familiäre Konflikte, die Machtstrukturen der Adlers, die Opferperspektiven, das Inselgeschehen. Für sich genommen könnte jeder dieser Stränge spannend sein, aber zusammen wirken sie überfrachtet. Ich verliere irgendwann das Gefühl dafür, worauf die Geschichte eigentlich hinausläuft. Die Figuren bleiben für mich leider blass, ich kann weder zu Leandra noch zu Maxi eine echte Verbindung aufbauen. Manche ihrer Entscheidungen wirken widersprüchlich, weil ihre Emotionen und Beweggründe nur angerissen werden. Ihre Entwicklungen hingegen sind logisch, wenn auch ein bisschen befremdlich für mich.
Und trotzdem passiert etwas Merkwürdiges.
Ich lese weiter und sogar gern.
Obwohl mich die inhaltliche Entwicklung nicht überzeugt, hat das Buch einen Sog, den ich nicht ganz greifen kann. Vielleicht liegt es am Tempo oder an der Hoffnung, dass die vielen Fäden am Ende doch noch zusammenfinden. Möglicherweise aber auch daran, dass die Grundidee so stark ist, dass ich ihr bis zuletzt hinterherlaufe. Dieses widersprüchliche Gefühl begleitet mich durch das ganze Buch. Ich bin irritiert, aber ich kann nicht aufhören zu lesen.
Die Spannung ist insgesamt eher ruhig. Es gibt Momente, die mich kurz begeistert jubeln lassen, aber sie bleiben selten. Manche Wendungen überraschen mich, andere wirken eher so, als sollten sie unbedingt für Aufregung sorgen, ohne dass die Geschichte wirklich darauf hinsteuert. Gegen Ende wird alles etwas unübersichtlich, und ich schließe das Buch mit einem Gefühl, das irgendwo zwischen Neugier, Verwirrung und leichter Enttäuschung liegt. Nicht, weil es schlecht wäre, sondern weil es so viel mehr hätte sein können.
Fazit:
Das Event hat großes Potenzial, doch die vielen Handlungsstränge lassen den Fokus unterwegs verloren gehen. Die starke Grundidee bleibt bis zum Schluss eher eine Verheißung als ein tragender Kern. Und trotzdem lese ich das Buch fast in einem Rutsch, denn die Erzählung übt eine anhaltende Faszination aus, der ich mich kaum entziehen kann.