Handlung: In "The Girl Who Fell Beneath the Sea" erzählt Axie Oh inspiriert von der koreanischen Mythologie eine märchenhafte Geschichte über Mitgefühl, Mut und das Ringen mit dem eigenen Schicksal. Das Buch beginnt mit einer starken Prämisse, als sich Mina bereits im ersten Kapitel in einer Geisterwelt voller Rätsel, Gefahren und göttlicher Intrigen wiederfindet. Allerdings ist die Handlung im ersten Drittel leider sehr undurchsichtig und ich hatte erstmal Schwierigkeiten in die Geschichte hineinzufinden. Denn das Worldbuilding und die Handlung sind nur spärlich erklärt und überlassen viel der eigenen Fantasie. Zusätzlich zu den offenen Fragen ist auch das Erzähltempo zunächst sehr gemäßigt und zieht sich wie ein träger Fluss durch das Buch. Erst im späteren Verlauf der Geschichte entfaltet sich die Handlung und setzt sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen, das interessante Themen wie die Beziehung zwischen Menschen und Göttern, das Spannungsverhältnis zwischen Schicksal und freiem Willen und die Kraft von Geschichten als Wahrheitsträger aufgreift und eine schöne Botschaft sendet.
Schreibstil: Axie Ohs Schreibstil ist sanft, unschuldig und farbenfroh - fühlt sich also mit seiner märchenhaften Atmosphäre beinahe an, als lese man ein Kinderbuch. Mit der bunten Geisterstadt unter Wasser mit einem lebendigen Markt, einem prächtigen Korallenpalast, Fischen am Himmel und ruhigen Gärten malt sie ein wunderschönes, ruhiges Bild, das an die Welten von Studio Ghibli erinnert. Bereits das wunderschöne Cover lädt zum Träumen ein und deutet an, was das Buch bereit hält: Lotusblüten, ein Geisterfluss, wallenden Gewändern, prachtvolle Tempel und natürlich Fabelwesen der asiatischen Mythologie wie Drachen oder Seeschlangen.
Figuren: Im Vordergrund der Geschichte steht die 16jährige Mina, die ab Seite 1 ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt, um die zu retten, die sie liebt und deren Mut, Entschlossenheit und Willensstärke sie zu einer interessanten Protagonistin machen. Doch obwohl die Geschichte aus ihrer Ich-Perspektive erzählt wird, bleibt sie merkwürdig unnahbar. Ihre innere Entwicklung ist spürbar, aber oft wird mehr erzählt als gezeigt, wodurch eine tiefere emotionale Bindung fehlt. Auch Nebenfiguren wie Shin, Namgi und Kirin sind interessante Charaktere mit eigenen Geheimnissen, doch ihre Motive und Beziehungen zu Mina bleiben aufgrund der Kürze des Romans eher oberflächlich. Besonders die Liebesgeschichte wirkt überhastet – es fehlt an emotionaler Tiefe, sodass die Verbindung zwischen Mina und Shin nicht wirklich greifbar wird. Auch die Nebenfiguren, darunter andere Bräute des Meeresgottes, Minas Familie und kleinere Gottheiten, sind zwar charmant, aber oft nicht mehr als Staffage. Obwohl ich die Geschichte gerne verfolgt habe und auch gerne in die magische Welt des Meeresgotts eingetaucht bin, blieb ich so emotional eher auf Abstand.
Die Zitate
"Nothing extraordinary is ever done out of reason or logic, but because it´s the onyl way for your soul to breathe."
"I have no control how others might measure my worth, but stories and myths I´m familiar with. Stories and myths are my blood and breath. And for this one I can already see a pattern forming, like a melody woven through myth."
"The Sea God isn´t angry, Mina. He´s lost. He´s waiting, in his palace far beyond this world, for someone brave enough to find him.”
"I´ve never seen anything more beautiful. I´ve never seen anything more terrifying. The wonders of this city reveal an undeniable truth: I have entered a new world - a world of dragons, of gods with unfathomable powers, of assassins who move unseen through the shadows, where your voice can be transformed into a bird and then stolen, and where no ine I love can ever reach me."
"I almost wish my soul were a bird again, then I could fly away from here, and no one - no gods, not even me - would be able to feel how I feel now. Stranded in another world, by my own choice, with no hope of saving the ones I love."
Fazit
In "The Girl Who Fell Beneath the Sea" erzählt Axie Oh eine märchenhafte Geschichte über Mut, Schicksal und die Macht von Geschichten, eingebettet in eine von koreanischer Mythologie inspirierte Geisterwelt, die visuell beeindruckt, aber erzählerisch durch ein gemächliches Tempo, oberflächliche Charaktere und ein teilweise undurchsichtiges Worldbuilding an Tiefe verliert.