Cover-Bild Löwen wecken
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16,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Kein & Aber
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 432
  • Ersterscheinung: 28.04.2016
  • ISBN: 9783036959405
Ayelet Gundar-Goshen

Löwen wecken

Ruth Achlama (Übersetzer)

Ein Neurochirurg überfährt einen illegalen Einwanderer. Es gibt keine Zeugen, und der Mann wird ohnehin sterben – warum also die Karriere gefährden und den Unfall melden? Doch tags darauf steht die Frau des Opfers vor der Haustür des Arztes und macht ihm einen Vorschlag, der sein geordnetes Leben komplett aus der Bahn wirft.

Wie hätte man selbst in einer solchen Situation gehandelt? Diese Frage schwebt über dem Roman, der die Grenzen zwischen Liebe und Hass, Schuld und Vergebung und Gut und Böse meisterhaft auslotet.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.01.2023

Wenn eine einzige Entscheidung dein Leben auf den Kopf stellt ...

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Highlight! Ein Albtraum wird wahr! „Nur noch ein bisschen Dampf ablassen“ denkt sich der überarbeitete Arzt nach Ablauf seiner anstrengenden Schicht. „Einmal das SUV in der Wüste kreischen lassen!“ Doch ...

Highlight! Ein Albtraum wird wahr! „Nur noch ein bisschen Dampf ablassen“ denkt sich der überarbeitete Arzt nach Ablauf seiner anstrengenden Schicht. „Einmal das SUV in der Wüste kreischen lassen!“ Doch dann taucht aus dem Nichts ein Mensch auf, aus dem Nichts … wo kam der her? Der unverkennbar dumpfe Aufprall verheißt nichts Gutes. Es gibt keine Zeugen, niemand hat ihn gesehen und so trifft Etan eine verhängnisvolle Entscheidung, die sein Leben für immer verändern wird. Spätestens als jedoch eine Zeugin auftaucht, weiß man als Leser, dass Dr. Etan Grier einen großen Fehler gemacht hat …
Mit „Löwen wecken“ – übrigens mein erster Roman der Autorin – begebe ich mich auf eine Reise nach Israel, und zwar nicht in die wunderbare Stadt Jerusalem, die ich selbst schon einmal besuchen durfte, sondern nach Be‘er Sheva im Süden Israels, die Hauptstadt der Negev Wüste. Eine Art Zwangsversetzung hat die Etans Familie mitsamt seiner Frau Liat und den zwei jungen Söhnen dorthin verschlagen, worüber Etan alles andere als glücklich ist. Doch sein Plan, die Wüste in spätestens zwei Jahren wieder verlassen zu können, stirbt mit jenem desaströsen Abend. Es bricht einem als Leser das Herz miterleben zu müssen, wie der Arzt in einen Strudel der Unwahrheiten und Vertuschungen gesaugt wird, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Er baut ein Lügengerüst um sich auf um alle Aufträge erfüllen zu können und das Familienleben intakt zu halten, doch schnell stößt er an seine Grenzen. Die Mauern bröckeln, er ist am Ende seiner Kräfte. Die Autorin schafft in ihrem Roman eine solch spannende Atmosphäre, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte zu Lesen. Bis zum Schluss habe ich gefiebert, gehofft und gebangt. Die bildhafte Sprache in Kombination mit der Eindringlichkeit der Geschichte haben mich derart in den Bann gezogen, dass ich mich nach Beendigung erstmal sammeln und runterkommen musste. Von mir gibt es für dieses äußerlich eher unscheinbare Buch begeisterte fünf von fünf Sternen mit einer absoluten Leseempfehlung. Das war bestimmt nicht meine letzte Reise nach Israel. Der nächste Roman von Ayelet Gundar-Goshen liegt schon bereit. Ein Autorenname, den ich mir merken werde.
P.S.: Ein kleiner Nachsatz … ich war überrascht zu lesen, in welchem Ausmaß auch Israel mit illegalen und legen Einwanderern zu kämpfen. Ein interessanter Einblick in eine fremde Welt.

Veröffentlicht am 14.04.2021

Die Erdkugel auf ihrer richtigen Bahn

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Du begreifst nie, wie komplex die Wirklichkeit ist, solange du nicht versuchst, dir eine alternative Wirklichkeit zu schaffen. Und da war schon was dran, an dem, was er erzählte, etwas, das ihn vom klaren ...

Du begreifst nie, wie komplex die Wirklichkeit ist, solange du nicht versuchst, dir eine alternative Wirklichkeit zu schaffen. Und da war schon was dran, an dem, was er erzählte, etwas, das ihn vom klaren Territorium der Lüge entfernte.“

Inhalt

Etan Grien ist Arzt, liebender Ehemann und Familienvater und war Zeit seines Lebens immer prinzipientreu. Doch als er eines Nachts auf dem Nachhauseweg einen Menschen überfährt, gerät seine so alltägliche, normale Welt vollkommen durcheinander. Etan begeht Fahrerflucht, nachdem er sich kurz versichert hat, dass er dem Eritreer, der vor ihm im Wüstensand liegt nicht mehr helfen kann. Schlagartig wird ihm bewusst, dass er nun lügen muss oder für sein Vergehen alles verliert, was ihm lieb und teuer ist. Als am nächsten Morgen eine dunkelhäutige Frau vor seiner Tür steht und ihm seine verlorene Geldbörse überreicht, die sie bei ihrem tödlich verletzten Mann gefunden hat, begreift Etan, dass er so leicht nicht aus der Situation herauskommen wird, denn die Fremde hat alles, was sie braucht, um ihn zu erpressen und Etan beginnt ein gefährliches Doppelleben, welches ihn bald schon an seine Grenzen bringt …

Meinung

Viel zu lange schon lag dieses Buch auf meinem SUB und nun habe ich es im Rahmen einer Challenge endlich zur Hand genommen und mich in die ferne und auch nahe Welt der Lügen, des Betrugs und der schicksalhaften Begegnungen vorgewagt und mich gemeinsam mit den Hauptprotagonisten auf eine psychologische Reise in ihr Inneres gewagt.

Dieser Roman benötigt nicht allzu viele Zutaten, um seine Durchschlagskraft zu entwickeln, denn eigentlich ist es nur dieser kurze Moment, der Katalysator, den es braucht, um eine Kette an Ereignissen auszulösen, die dieses Buch in vielschichtigen Gedankengängen nach und nach freilegt.

Es sind zwei wesentliche Merkmale, die diese Erzählung so verstörend und gleichzeitig menschlich machen: zunächst ist es das Dilemma eines bisher nie negativ in Erscheinung getretenen Mannes, der sich plötzlich mit der vernichtenden Frage konfrontiert sieht, wieso er zu so einer Tat überhaupt fähig ist, er der nie gelogen hat, der immer auf der Seite der Guten stand und selbst viel Wert auf Integrität und Ehrlichkeit legt. Und dann ist es noch die Gegenseite, die zu Wort kommt, in Form einer Fremden, die bisher niemand wahrgenommen hat, die eine von tausenden Flüchtlingen ist, die in der Masse verschwinden, deren Leben noch nie einfach, schön und voller kleiner Wunder war.

Beide Gegenpole treffen aufeinander und müssen feststellen, dass es dieses Dogma zwischen Recht und Gerechtigkeit nicht gibt. Doch während Etan mit der Entwicklung seines eigenen Charakters zum vermeintlich schlechteren hadert, besinnt sich Sirkit, die Unfallzeugin eines anderen, wohlwissend, dass ihr Handeln immer eine Reaktion beim anderen auslösen wird und sie damit erstmals in ihrem Leben die Macht hat, eine Veränderung willentlich herbeizuführen.

Die in Tel Aviv lebende Autorin Ayelet Gundar-Goshen formt hier ein äußerst interessantes, leicht nachvollziehbares Gedankenkonstrukt zweier Menschen, die ein dunkles Geheimnis teilen, aus dem bald schon neue Entwicklungen entstehen. Dabei wechselt sie gekonnt die Erzählperspektiven, mal aus der männlichen, dann wieder der weiblichen Sicht und sie verwebt die Ereignisse so dicht und massiv, dass auch die Nebenprotagonisten unfreiwillige Zuschauer werden bzw. dazu verdammt sind, unwissend zu bleiben, ungeachtet ihrer Fähigkeit die zahlreichen Veränderungen wahrzunehmen. Im Hintergrund läuft beim Leser ein ganzer Film ab, der sich weniger auf die einzelnen Szenen konzentriert, sondern vielmehr auf die emotionale Ebene, die ungesagten Worten, die nur erdachten Möglichkeiten und den Wunsch, zumindest einem der Protagonisten beizustehen und sei es nur moralisch, selbst wenn das auf Grund der eindeutigen Indizien unverantwortlich erscheint.

Fazit

Ich bin begeistert von dieser Charakterstudie, die ganz nebenbei ein buntes Spektrum an Gedanken und Gefühlen wachrüttelt und vergebe gerne 5 Lesesterne für diese Ausnahmegeschichte. Das Beste daran – sie ist universell, übertragbar und egal wie realitätsnah sie auch sein mag, die Handlungen aller sind nachvollziehbar, empathisch und längst nicht so undenkbar, wie vermutet.

Der Kerngedanke hinter der manchmal abenteuerlichen Erzählung ist wie ein Fels, zunächst steht man vor einer schier unüberbrückbaren Wand, aber je länger man hinschaut, desto mehr Wege werden sichtbar und irgendwann scheint es sogar möglich das Massiv zu umgehen oder zu erklimmen. Es muss einfach wieder möglich sein, dass sich die Erdkugel eines Menschen in der richtigen Bahn bewegt, auch wenn man vorher glaubte, in einem vollkommen anderen Universum gelandet zu sein. In diese Situation darf man als Leser auf gut 400 Seiten eintauchen und wenn man das Buch zuklappt, bleibt nachhaltige Begeisterung für eine kleine Idee und ihre mannigfaltige Entwicklung.

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Veröffentlicht am 01.05.2020

Erschütternd und relevant

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Toll geschrieben! Zwischendurch allerdings ein wenig langatmig. Das Thema ist hochrelevant für unsere heutige Zeit.

Toll geschrieben! Zwischendurch allerdings ein wenig langatmig. Das Thema ist hochrelevant für unsere heutige Zeit.

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Veröffentlicht am 16.09.2021

Zwischen den Welten

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Neurochirurg Etan führt ein geregeltes Leben: Er ist mit der Kriminalbeamtin Liat verheiratet, hat zwei kleine Söhne und ein schickes Haus in der israelischen Wüstenstadt Beer Scheva. Doch eine kleine ...

Neurochirurg Etan führt ein geregeltes Leben: Er ist mit der Kriminalbeamtin Liat verheiratet, hat zwei kleine Söhne und ein schickes Haus in der israelischen Wüstenstadt Beer Scheva. Doch eine kleine Entscheidung stellt sein Leben auf den Kopf: Nach einer Nachtschicht beschließt, er mit seinem Jeep noch durch die Wüste zu rasen – just for fun. Und fährt dabei einen Mann um, einen eritreischen Einwanderer, der zwar nicht sofort tot ist, aber doch keine Chance hat, zu überleben. Als Arzt ist sich Etan sicher – wie er sich ebenso sicher ist, dass sein Leben ruiniert sein wird, wenn er nun Krankenwagen und Polizei ruft. Also stiehlt er sich vom Unfallort nach Hause.
Doch in jener Nacht war nicht nur das Unfallopfer unterwegs, sondern auch dessen Ehefrau Sirkit. Und die sucht Etan auf und macht ihm ein Angebot, dass er nicht ablehnen kann: Er soll illegale eritreische Einwanderer nachts in einer leerstehenden Werkstatt behandeln – sonst verrät sie ihn. Mit großem Widerwillen lässt sich Etan auf diesen Deal ein, während seine Frau Liat und ihre Kollegen versuchen, den Unfallfahrer zu finden.

Israelis, Eritreer und Beduinen – das ist mal wieder ein Roman, der mir eine neue Welt eröffnet hat, aber gleichzeitig auch in ganz anderen Ecken der Erde spielen könnte. Er handelt von Menschen verschiedener Kulturen, die zwar in direkter Nachbarschaft zueinander leben, sich jedoch sehr fremd sind. Etan und Sirkit wären sich ohne den Unfall nie begegnet und bilden jetzt eine Zweckgemeinschaft. Ist Annäherung so möglich?

Ayelet Gundar-Goshen hat einen schonungslosen und desillusionierenden Roman geschrieben. Etan ist nicht besonders sympathisch, aber auch kein schlechter Mensch – genau wie Sirkit, mit der es das Leben nicht gut gemeint hat. Auf der einen Seite wollte ich wissen, wie es mit beiden weitergeht, auf der anderen Seite hatte ich kaum Hoffnung auf ein annähernd gutes Ende. Und so hatte der Roman zwar Sogwirkung, hat mich aber auch mitgenommen. Was bleibt, ist die alte Erkenntnis, dass eine Lüge meist die nächste nach sich zieht sowie der Vorsatz, seinen Mitmenschen etwas aufmerksamer zu begegnen.

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