Cover-Bild Schamlos

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15,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Gabriel in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
  • Genre: Kinder & Jugend / Sachbilderbücher
  • Seitenzahl: 168
  • Ersterscheinung: 11.02.2019
  • ISBN: 9783522305211
Amina Bile, Sofia Nesrine Srour, Nancy Herz

Schamlos

Maike Dörries (Übersetzer), Esra Røise (Illustrator)

Für Mädchen ab 12 Jahren. Und für alle Interessierten und Toleranten, die sich mit anderen Kulturen beschäftigen wollen.

Drei junge Frauen – Muslimas, Bloggerinnen, Feministinnen – beziehen Position: Wie fühlt es sich an, ständig zwischen den Erwartungen ihrer Familien, ihrer kulturellen Identität und ihrem Selbstverständnis, als Jugendliche in einem westlichen Land zu leben, hin- und hergerissen zu sein? Sie haben Diskussionen angeregt, Tabu-Themen öffentlich gemacht und zahlreiche sehr persönliche Geschichten gesammelt. Dabei ist ein bemerkenswertes Buch entstanden, ein mutiges Buch.

Dieses Buch ist ein Plädoyer für eine multikulturelle Gesellschaft!

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2019

Soziale Kontrolle

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Die drei jungen Frauen Amina Bile, Sofia Srour und Nancy Herz sehen sich selbst als Vorreiterinnen in ihrer Sache. Nämlich dem Kampf für ein schamloses und freies Leben für muslimische Mädchen. In ihrem ...

Die drei jungen Frauen Amina Bile, Sofia Srour und Nancy Herz sehen sich selbst als Vorreiterinnen in ihrer Sache. Nämlich dem Kampf für ein schamloses und freies Leben für muslimische Mädchen. In ihrem Buch führen sie Gespräche miteinander und brechen damit Tabus auf, die in der muslimisch geprägten Kultur noch weit verbreitet sind. Sie sprechen über Schwimmunterricht, den Hidschab, generell Kleidervorschriften, Doppelleben- und moral, Liebe, den Jungfernhäutchenmythos und vor allem über soziale Kontrolle.

Das Buch richtet sich an junge Mädchen und Jugendliche, die gerade herausfinden wollen, wer sie sind und wohin sie gehören, und sich zwischen mehreren Kulturen zurechtfinden müssen. Die Aufbereitung des Themas ist für diese Altersgruppe sehr gelungen. In kleine Lesehäppchen aufgeteilt und mit wunderschönen Illustrationen versehen wird "Schamlos" zu einem besonderen Leseerlebnis.

Was auffällt ist, dass dieses Buch extrem persönlich ist. Die Autorinnen geben tiefe Einblicke in ihr Leben. Ihre Erfahrungen, Reflexionen und Forderungen legen einen Grundstein für eine Debatte, die längst überfällig ist. Sie versuchen junge Menschen zu erreichen, um alten Mustern entgegenzuwirken. Sie greifen viele Themen auf, gehen jedoch nicht immer so in die Tiefe. Das ist manchmal schade. Jemand, der mit Vorurteilen dieses Buch liest, wird sich in manchen Vorurteilen bestärkt sehen. Die Abgrenzung davon, dass nicht jede muslimische Familie gleich funktioniert und jedes muslimische Mädchen die gleichen Erfahrungen macht, fehlte mir ein bisschen. Die Probleme, die die Autorinnen ansprechen, sind aber augenöffnend und ich habe selbst als nicht Muslimin viel dazugelernt.

Manche Texte und Gespräche fand ich persönlich besser als andere. Mit besser meine ich aussagekräftiger, informativer, interessanter. Im Grunde ist das ganze Buch aber stimmig. Neben den Gesprächen, die wirklich wie ein Chat aufgebaut sind, findet man auch Fotos, Grafiken und Listen und immer wieder "Ratschläge" für ehrbare Mädchen, die sehr lächerlich sein können, das alles rundet das Buch sehr gut ab. Unter sozialer Kontrolle verstehen sie den negativen gesellschaftlichen Druck in Minderheitsgemeinschaften, der durch die eigene Familie, aber auch andere angehörige dieser Minderheit ausgeübt werden kann.


Fazit

Das Leben von muslimischen Mädchen wird durch manche Mechanismen sehr erschwert. Die Autorinnen haben sich dem Thema "soziale Kontrolle" angenommen und versuchen, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie sehr sie eigentlich darunter leiden, wenn die Ehre der Familie und was andere denken viel mehr Wert ist als man selbst als Mensch. Als Einsteigerbuch in die Thematik findet man hier sehr persönliche Einblicke und Erfahrungen. Es ist wichtig, dass darüber geredet wird und muslimische Mädchen ihre Erfahrungen teilen können und die Autorinnen anderen mit ihren Geschichten helfen. Eine Leseempfehlung für jede*n!


Veröffentlicht am 06.11.2019

Empfehlenswert

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Bei diesem Buch hat mich zunächst das Cover sehr angesprochen. Sehr schön gestaltet, was beim EBook gar nicht so zu sehen ist, der untere Teil ist abnehmbar und dahinter verbirgt sich das gesamte Gesicht. ...

Bei diesem Buch hat mich zunächst das Cover sehr angesprochen. Sehr schön gestaltet, was beim EBook gar nicht so zu sehen ist, der untere Teil ist abnehmbar und dahinter verbirgt sich das gesamte Gesicht. Das ist schon mal sehr gelungen.

Gelungen finde ich auch, wie das Buch aufgebaut ist:
Die drei Autorinnen im Gespräch über die Themen, die sie interessieren und für die sie berühmt sind. Dazwischen gibt es Einschübe zu anderen, passenden Themen. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem muslimischen Mädchen in der westlichen Welt, wie es den Spagat zwischen Familie (teilweise sehr streng) und der offenen, aber leider manchmal auch vorurteilsbelasteten Gesellschaft schaffen soll, bzw. schaffen kann.
Ein Buch, das mich zum Denken animiert hat und das sicherlich einer Menge junger Muslimas helfen kann, ihren Weg zu finden.

Veröffentlicht am 24.08.2019

Prädikat besonders wertvoll!

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Es gibt so viele wirklich wichtige Bücher! Ich meine damit jetzt keine Bücher, die einen Hype erfahren und uns ein paar amüsante Lesestunden schenken, dann aber bald in der Versenkung des Bücherregals ...

Es gibt so viele wirklich wichtige Bücher! Ich meine damit jetzt keine Bücher, die einen Hype erfahren und uns ein paar amüsante Lesestunden schenken, dann aber bald in der Versenkung des Bücherregals verschwinden. Nein, ich meine Bücher, die den Horizont erweitern, die hängen bleiben und lange nachhallen.

Als ich über das tolle Cover von „Schamlos“ in den Verlagsvorschauen gesehen und die Inhaltsangabe gelesen habe, beschlich mich das Gefühl, dass es genau so ein Buch sein könnte.
„Schamlos“ ist zunächst einmal wirklich wundervoll aufgemacht und ich bin sicher, dass alleine das Cover viele Interessierte dazu animieren wird, es sich einmal genauer anzuschauen. Besonderer Clou ist für mich der besondere halbe Schutzumschlag, der der jungen Frau den Mund zu verbieten scheint. Darunter verbirgt sich eine eindeutige Geste, ein Mittelfinger, der sich all denen entgegenreckt, welche jungen Mädchen und Frauen gerade den Mund verbieten, sie mundtot machen wollen.

Die drei Autorinnen Amina Bile, Sofia Nesrine Srour und Nancy Herz sind Bloggerinnen, Feministinnen und Muslimas, welche selbst Erfahrungen mit negativer Sozialkontrolle machen mussten. Sie setzen sich als „Die schamlosen Mädchen“ dafür ein, dass das Thema negative soziale Kontrolle und damit verbundene Schamkultur ins Blickfeld der Gesellschaft gerät und vorhandene Strukturen aufgebrochen werden.

Zugegeben wird im Buch schwere Kost aufbereitet, die mich anhand der vielen realen Beispiele und Geschichten mehr als einmal mit einem dicken Klos im Hals hat schlucken lassen. Mit einer feministisch eingestellten Mutter damit aufgewachsen, dass das Thema Gleichberechtigung ohnehin auf dem Persönlichkeitskompass verankert ist, war es krass, welche Erfahrungen andere machen (müssen).

Wenn man nicht demselben Kulturkreis angehört, ist es oft schwierig, einen Einblick zu gewinnen, der nicht auf gängigen Klischees und Vorturteilen beruht. So kann ich auch die oft aufkommende Kritik verstehen, dass man sich als Außenstehender eigentlich kein richtiges Bild machen kann, es aber dennoch viele zumeist negative Vorurteile gibt, wie etwa zum Thema Kopftuch. Für mich als Nichtmuslima, die ohne konkreteren Bezug zu den Kulturkreisen bisher nicht wirklich einen tatsächlichen Einblick hatte, war es wirklich faszinierend und wichtig, durch das Buch einen Blick hinter die Kulissen gewinnen zu können.Es hat mir gezeigt, mit welchen Problemen man als junge Muslima konfrontiert wird.

Das Buch trifft für mich die ideale Balance zwischen der Aufbereitung des schweren Themas und der eingängigen Darstellungsweise. Es gibt kurze Episoden, in denen Betroffene von ihren Erlebnissen berichten, dann dürfen wir bei Gesprächen der Autorinnen quasi Mäuschen spielen. Durch diese interviewartigen Szenen wird man mit den meist schockierenden Erlebnissen als Leser nicht alleine gelassen sondern erfährt eine Einordnung durch Betroffene, die mitreden können, weil sie diese Art von negativer Sozialkontrolle im eigenen Kulturkreis vorfinden. Man entwickelt hierdurch ein besseres Verständnis für die Lebensweise vor allem junger Muslimas, mit denen man leider viel zu wenig derart intensiv in Kontakt kommt.

Das Buch trifft weiter die ideale Balance zwischen Aufklärung und Darstellung, ohne dabei zu wertend und urteilend zu werden. Es behandelt sensible Themen und stellt den Konflikt junger Muslimas dar, die zwischen traditionellen Werten der Familie und den Freiheiten der westlichen Welt stehen. Den Autorinnen gelingt es dabei, die Problematiken zu benennen ohne zu beschönigen, aber auch ohne zu urteilen und zu stigmatisieren.Sie zeigen dabei eine innere Kraft und Stärke, mit denen sie sich dafür einsetzen, dass das Thema negative soziale Kontrolle in den Fokus der Gesellschaft gerät und es Betroffenen erleichtert wird, gehört und wahrgenommen zu werden.

Mein Lesehorizont wurde dabei erweitert und ich durfte mit eigenen Vorurteilen kräftig aufräumen. Ich konnte für mich selbst viel durch das Buch mitnehmen und kann so einiges besser einschätzen. Diese Erfahrung wünsche ich noch viel mehr Lesern. Deshalb würde ich gerne jedem zurufen, dass er zu diesem Buch greifen soll, bevor er mit irgendwelchen Vorurteilen um die Ecke kommt.

Dieses Buch gehört für mich in jedes gut sortierte Bücherregal und ist für mich eins der wichtigsten des laufenden Buchjahres! Unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 09.08.2019

Super!

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Erstmal danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Es hat mich sehr gefreut, ein Buch von drei solch bemerkenswerten jungen Frauen lesen zu dürfen.
Es kostet sicher eine Menge Mut, so ehrlich und, ...

Erstmal danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Es hat mich sehr gefreut, ein Buch von drei solch bemerkenswerten jungen Frauen lesen zu dürfen.
Es kostet sicher eine Menge Mut, so ehrlich und, ja, auch schamlos zu sein.

Machen wir uns nichts vor: der Islam ist, wie alle Religionen, zutiefst patriarchal. Dennoch ist der Glaube für viele Frauen auf der Welt enorm wichtig und ich finde es gut, dass Dinge von der jüngeren Generation hinterfragt oder anders interpretiert werden.
Dass sich Glaube und Emanzipation nicht ausschließen müssen gefällt mir, auch wenn ich nicht religiös bin.

Eines der heißen Pflaster im Feminismus ist ja das Bedecken des Kopfes, es geht also um Kleidungsstücke wie den Hidschab.
Klar werden Frauen in bestimmten Ländern dazu gezwungen, sich zu bedecken. Die Lösung kann aber nicht sein, es Frauen zu verbieten, die es freiwillig tun, denn das ist eben auch nicht besser.
Im Buch wird ein Tweet von Omar Sakr zitiert, der mir dazu richtig gut gefällt und den ich hier unbedingt nochmal stehen haben will:

Women in the Middle East attacked
for not wearing hijab
Women in the West attacked
for wearing hijab
It's almost like women aren't the problem.

Ich finde, das trifft es ziemlich gut.
Mich bedrücken Geschichten von Frauen, die den Hidschab ablegen und dafür eingesperrt werden genauso sehr, wie die Geschichte vom Mädchen, dem eine Horde Jungs versuchen die Bedeckung vom Kopf zu reißen.
Beides ist widerlich, beides ist übergriffig, beides ist beschränkend, beides ist frauenfeindlich!
Ich finde die Position der drei Autorinnen hier übrigens super.
Sie sagen "hey, trag was dir gefällt und auch den Hidschab wenn du möchtest, aber bedenke, dass dich das nicht zum makellosen Engel oder Unschuldslamm macht und du dadurch auch nicht besser bist als Nicht-Hidschabis".
Und es wird klar und deutlich gesagt, dass es nicht vor Übergriffen und Vergewaltigungen schützt, sich zu bedecken, denn natürlich passieren diese schlimmen Dinge überall und können jeden Menschen treffen - ganz unabhängig davon, wieviel Stoff man grade am Körper trägt.

Beeindruckend finde ich außerdem, dass die Autorinnen ziemlich reflektiert wirken und ehrlich zu sich selbst sind. Sie ignorieren ihre Sozialisierung nicht und geben offen zu, dass ihnen Dinge wie beispielsweise im Bikini schwimmen oder ohne Kopfbedeckung aus dem Haus gehen schwer fallen - trotz Feminismus und trotz ihrer lauten Forderung nach Frauenrechten.

Angefeindet werden sie bei allem interessanterweise von zwei Seiten:
Die einen rufen, sie sollen sich in ihr Land verpissen, die anderen, sie wären zu verwestlicht und keine anständigen Muslimas.
"Für die einen sind wir zu norwegisch, für die anderen nicht norwegisch genug."
Ich kann mir dieses fürchterliche Gefühl nirgends richtig dazuzugehören nur vorstellen, aber es muss schrecklich sein.

Spannend war für mich, dass wir trotz aller Unterschiede ähnliche Erfahrungen in der Jugend gemacht haben, zum Beispiel beim Schwimmen. Auch ich habe irgendwann angefangen Shorts zu tragen und mit T-Shirt ins Wasser zu gehen, allerdings nicht, weil mich jemand attraktiv finden könnte und ich nicht die Aufmerksamkeit einer männlichen Person erregen wollte, sondern weil ich Angst hatte, nicht attraktiv genug zu sein.
Diese Phase ging irgendwann vorbei, trotzdem zeigt sie mir bis heute, dass wir alle unsere Fesseln haben, auf die eine oder andere Weise.

Ein bisschen mit Bauchschmerzen habe ich die Stellen über Familie und die Ungleichbehandlung von Mädchen und Jungen gelesen.
Bei "uns" im Westen gibt es noch eine Light-Version davon. Auch hier haben Söhne mehr Möglichkeiten, als Töchter.
Wörter wie "Schlampe", "Nutte" und "Hure", die einen deutlichen Bezug zu Sexualität und damit verknüpfter "Ehre" haben, sind auch bei uns (trotz eigentlichem generischen Maskulinum) feminin und werden fast ausschließlich für Frauen und Mädchen benutzt.
Für Jungs und Männer gibt es nichts Vergleichbares, die beliebteste Beleidigung ist "Hurensohn" - wobei da auch wieder eine Frau, die Mutter des Angesprochenen, als Hure beleidigt wird.
Dennoch beschreiben die drei Autorinnen auch Einschränkungen für Jungs und generell scheint die Kontrolle in muslimischen (oder vermutlich allgemein stark religiösen) Familien wahnsinnig hoch zu sein.
"Das ist eine ziemlich harte Macho-Kultur.", heißt es da. "Da ist nicht viel Raum für Gefühle und so was."
Ich persönlich wäre an so einem Teenie-Leben mit starken Einschränkungen, engen Regeln und einem völlig diffusen Ehrbegriff kaputt gegangen.

Ein großer Nachteil bei Religionen scheint die Abkehr von Wissenschaft zu sein. Psychische Erkrankungen werden z.B. mit "bete einfach mehr" abgetan, Depressionen mit Faulheit erklärt. Homosexualität, völlig normal im Menschen- und Tierreich, wird zur Sünde.
Aufklärung läuft komplett falsch, Jungfräulichkeit wird glorifiziert, Biologie wird nicht beachtet.
(Schönes Zitat hierzu:
"Heute weiß ich, dass das Jungfernhäutchen einfach eine elastische Schleimhautfalte ist, die noch nicht einmal alle Frauen haben, und niemand kann beweisen, dass ein Mädchen keine »Jungfrau« mehr ist, nicht einmal ein Arzt.")
Das ist schrecklich und ich kann bis heute nicht begreifen, wie man bewiesene Tatsachen ignorieren oder gar leugnen kann, um dann an etwas unbewiesenes und so abstraktes wie einen Gott zu glauben.

Abgesehen vom Inhalt hat das Buch auch eine sehr schöne Aufmachung. Es gibt neben den Gesprächen und Geschichten jede Menge Fotos, Zeichnungen und kleine Briefe, die die Autorinnen an ihr jüngeres Ich schreiben.
Mir hat alles ausgesprochen gut gefallen, einiges war mal wieder ein kleiner Augenöffner. Klare Leseempfehlung!

(Übrigens wundert es mich gar nicht, dass die norwegische Kultserie SKAM so oft erwähnt wird. Die ist ja auch toll und hat wahnsinnig starke Charaktere - nicht nur die Muslima Sana, sondern alle! (Die deutsche Adaption der Serie ist leider nicht so geil, das ist aber mein persönlicher Geschmack))

Veröffentlicht am 30.06.2019

eine bewegende Lektüre

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Drei Bloggerinnen, Feministinnen aber auch Muslima haben sich zusammengetan und ein doch sehr offenes Buch geschrieben.
„Passt nicht“ denkt ihr? Stimmt wohl auch. Zumindest theoretisch. Praktisch verhält ...

Drei Bloggerinnen, Feministinnen aber auch Muslima haben sich zusammengetan und ein doch sehr offenes Buch geschrieben.
„Passt nicht“ denkt ihr? Stimmt wohl auch. Zumindest theoretisch. Praktisch verhält es sich eher so, dass die drei Frauen zwar komplett unterschiedliche Charaktere aufweisen, aber auch eine Sache absolut nicht wollen – nämlich die Verurteilung ihrer Religion oder die Loslösung von ihren Familien.
Viele denken, dass „Schamlos“ vermutlich die für eher westliche Menschen schlimmen Dinge wie Ehrenmorde, Genitalverstümmelung, Zwangsehen und Jungfrauenprobe thematisiert, das ist jedoch eher bedingt so.
Nein, es geht auch um die kleinen Dinge, die sogenannte „negative soziale Kontrolle“. Um Menschen, die muslimischen Frauen vermitteln, dass sie Schande über ihre Familie bringen, wenn sie ihre Meinung kundtun, man ihren Hals sehen kann oder sie in der Öffentlichkeit eine Banane essen.
Darum, dass Frauen, die nicht jungfräulich in die Ehe gehen, nichts wert sind und Gewalt in der Ehe normal sei… Glaubt mir wenn ich euch sage, dass manche Stellen im Buch dermaßen wütend machen, dass es einem die Tränen in die Augen treibt!

Ich bewundere diese Frauen für das was sie tun und das aus vielen Gründen.
Zum einen, weil sie den Mut haben, für andere einzustehen. Jede, die eine Geschichte zu erzählen hat, kann dies tun und sie werden für sie da sein, in jeder benötigten Form. Selbst wenn die Quelle anonym bleiben will, verwenden sie diese Geschichten um wachzurütteln, aufzuklären und so vielleicht eine Besserung herbeizuführen.
Zum anderen, weil man ihre eigene Entwicklung nachvollziehen kann sowie die Tatsache, dass sie erst in die Frauen hineinwachsen mussten, die sie heute sind. Besonders tragisch ist dieser Punkt für mich, wenn ich dann lesen muss, dass man zwar versucht aus alten Mustern auszubrechen, man WEIß, dass man sich für bestimmte Dinge nicht schämen muss, aber sich dennoch bis heute nicht traut, einen Bikini zu tragen, weil die eingebläute Scham doch so tief sitzt… Oder einfach auch gar nicht schwimmen kann, weil der Schwimmunterricht komplett bekleidet eher noch mehr Scham und Isolation hervorruft als sowieso schon…
Aber am meisten bewundere ich sie, weil sie ein Leben zwischen den Stühlen führen – und dies bewusst gewählt haben. Während andere Muslime sie als schamlos, Nestbeschmutzer oder ähnliches sehen, stempeln andere sie als Wichtigtuer ab und begegnen ihnen mit Rassismus und Vorurteilen.

Für mich war „Schamlos“ eine bewegende Lektüre, von der ich mir wünsche, dass mehr Menschen sie lesen. Es ist so traurig und schön zu gleich, von den Wünschen und Träumen dieser Frauen zu lesen, die eigentlich nichts anderes wollen, als ein bisschen Toleranz und Akzeptanz. Sie möchten einfach nur Dinge, die für viele von uns alltäglich sind - wie sich selbst einen Mann aussuchen, sich verlieben dürfen, sich nicht verstecken müssen und vor allem das Recht auf eine freie Meinung zu haben. Und das nicht für sich, sondern für alle Frauen.
Ein redegewandtes und intelligentes Buch, das Mut machen soll und hoffentlich auch wird!