Cover-Bild Die Frau, die allen davonrannte
8,99
inkl. MwSt
  • Verlag: btb
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Ersterscheinung: 13.06.2016
  • ISBN: 9783641165383
Carrie Snyder

Die Frau, die allen davonrannte

Roman
Cornelia Holfelder-von der Tann (Übersetzer)

Eine Farm am Ende der Welt wird zum Mittelpunkt
eines ganzen Lebens.


Dass Aganetha Smart einst eine kühne Pionierin war, ist in dem Altenheim, in dem sie sitzt, niemandem bewusst. Als zwei junge Leute auftauchen, um sie zu interviewen, sagt sie bereitwillig zu. Trotz ihrer Gebrechlichkeit sehnt sie sich nach Abenteuer. Und auch wenn ihre Erfolge weitestgehend in Vergessenheit gerieten, erinnert sie selbst sich noch sehr genau daran. Als junge Läuferin gewann sie eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Es war ein revolutionärer Sieg, Frauen durften in dieser Kategorie zum ersten Mal teilnehmen. Doch so sehr Aganetha sich bemühte, vor ihrer Vergangenheit konnte sie nicht davonlaufen – ebenso wenig wie vor den Konventionen ihrer Zeit.

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Frau, die allen davonnrannte

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Der Roman beginnt mit der Schilderung, wie die einhundrrtvierjährige Aganetha Smart in ihrem Rollstuhl im Altenheim sitzt und über den Verfall ihres Körpers sinniert. Schnell ist klar, das sich in dem ...

Der Roman beginnt mit der Schilderung, wie die einhundrrtvierjährige Aganetha Smart in ihrem Rollstuhl im Altenheim sitzt und über den Verfall ihres Körpers sinniert. Schnell ist klar, das sich in dem hinfälligen Körper ein wacher Geist bewegt. Die Monotopie wird durchbro-chen, als Aganetha von zwei jungen Leuten aus dem Altenheim geholt wird, vorgeblich um einen Film mit ihr zu drehen. In Rückblicken wird nun das bewegte Leben von Aggie geschil-dert, welche olympisches Gold mit der kanadischen Mannschaft als Läuferin gewonnen hat, im weiteren Leben jedoch einige Hürden zu überwinden hat. Der Roman endet mit einer für den Leser überraschenden Offenbarung, welche jedoch logisch für das ganze Leben von Aggie ist.
Die Autorin hat mit Aggie und deren Familiengeschichte einen tollen Roman geschrieben, welcher durch die genauen Kennnisse der Autorin zu den Zulassungen von Frauen in der damaligen Zeit bei Leichtathletikwettbewerben und den Trainingsbedingungen rundum stim-mig ist. Auch die Beschreibung der Arbeitsbedingungen und der Wohnsituation ist authentisch und sorgt zusammen mit dem Schreibstil für ein gelungenes Lesevergnügen.
Der Stammbaum zu Beginn des Buches ist hilfreich, und das Cover schafft es, die junge Ag-gie und die alte Farm gelungen zu verbinden und gleichzeitig noch das Rennen Aggies dar-zustellen.
Ein Roman, welcher nicht nur Sportlerinnen anspricht.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Tolle, bewegende Geschichte

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Welche Frau liest nicht gerne Bücher über eine starke Frau? Das dachte ich mir, als ich dieses Buch zur Hand nahm.
Die Geschichte handelt von Aganetha, die mittlerweile über 100 Jahre alt ist und im Altenheim ...

Welche Frau liest nicht gerne Bücher über eine starke Frau? Das dachte ich mir, als ich dieses Buch zur Hand nahm.
Die Geschichte handelt von Aganetha, die mittlerweile über 100 Jahre alt ist und im Altenheim ist. Doch ihr Leben war sehr aufregend und bewegend. Sie gewann als erste Frau olympisches Gold im 800 Meter-Lauf.
Das Buch beginnt mit der Kindheit Aganethas. Schon hier wird klar, dass sie es nicht leicht hat. Denn die Familie musste schon viele Schicksalsschläge wegstecken. Doch Aggie macht erste Berührungen mit ihrem Hobby: Dem Laufen.
Nach und nach taucht der Leser in das Leben von Aggie ein. Allerdings ist das Buch nicht chronologisch erzählt. Diese Sprünge waren für mich anfangs sehr verwirrend und ich musste mich erst daran gewöhnen. Das lag unter anderem auch daran, dass manchmal aus Dinge angespielt wird, die man als Leser noch gar nicht weiß. Und dann hatte ich immer das Gefühl, etwas überlesen zu haben. Auf der anderen Seite machte diese Form des Erzählens die Geschichte natürlich auch spannend.
Außerdem gibt es immer wieder Blenden in die Gegenwart, also die Aggie von heute. Hier fand ich es wirklich beeindruckend, wie der "Verfall" der alten Dame geschildert wurde. Von der Olympionikin zur alten, fast blinden Dame im Rollstuhl.
Das ganze Buch war einfach nur bewegend. Aganetha erlebt so viele Höhen und Tiefen. Sie verliert und überlebt so viele geliebte Menschen... ich habe beim Lesen richtig mitgefiebert.
Die Sprache des Buches ist relativ frei von Emotionen. Es sind eher Schilderungen, wie man sie in Biografien vermutet. Der Schreibstil passt super zum Charakter der Protagonistin, die auch eher ruhig und gefasst ist.
Ich war so in der Geschichte aufgegangen, dass ich wirklich dachte, es handelt sich um eine echte Lebensgeschichte. Erst durch das Nachwort wurde mir klar, dass es reine Fiktion war. Wenn ich ehrlich bin, hat mich das etwas enttäuscht :) Ich habe mich so verbunden mit Aggie gefühlt...
Insgesamt ist das Buch wirklich toll, wenn auch nicht unbedingt leichte Kost. Weil ich manchmal ein paar Probleme hatte, die Sprünge in der Geschichte zu verankern, bekommt das Buch von mir 4 Sterne!

Veröffentlicht am 25.05.2019

Immer nur Laufen

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Die 104jährige Aggie Smart lebt schon lange in einem Seniorenheim. Fast alle, die sie kannte sind tot und sie bekommt eigentlich nie Besuch. Versunken ist sie in ihre eigene Welt. Doch die Überraschung ...

Die 104jährige Aggie Smart lebt schon lange in einem Seniorenheim. Fast alle, die sie kannte sind tot und sie bekommt eigentlich nie Besuch. Versunken ist sie in ihre eigene Welt. Doch die Überraschung über die Ankunft zweier junger Leute, die sie zu einem Ausflug mitnehmen wollen, dringt zu ihr durch. Ein Film soll über sie gedreht werden und dazu soll sie einige Schauplätze ihres langen Lebens wiedersehen. Obwohl Aggie sich kaum noch äußern kann, ist sie angetan von der Abwechslung und der Erinnerungen, die durch die Fragen der Filmleute ausgelöst werden.

Die erfundene Aganetha Smart war einmal eine die erste kanadische Läuferin, die im 800m Lauf eine Olympische Goldmedaille holte. Sie steht für etliche Pinonierinnen, denen Laufwettbewerbe zunächst nicht erlaubt waren, die sich aber doch durchkämpften. Aggie wollte immer nur Laufen. Schon als Kind war sie die Flinkste von allen. So ein richtiger Wettkampftyp wurde sie nicht, die Freundschaft war ihr wichtiger. Sie stammte aus einer großen Familie, deren Mitglieder entweder sehr früh starben oder recht betagt wurden. Das brachte viel Leid über die Überlebenden, zu denen auch Aggie gehört, die nun als einzige übrig blieb.

Während des Ausflugs erinnert sich Aggie immer wieder an ihre Familie, ihre Kindheit, ihre sportliche Karriere, an die Lebenden und die Toten und ihr Geheimnis. Gerade zu Beginn ist es nicht ganz einfach, den Gedankensprüngen ihres alten Gehirns zu folgen. Vorwärts und Rückwärts muss man sich die Geschichte zusammensetzen, die eine nicht geringe Tragik entfaltet. Laufen ist alles für Aggie, auch Verzicht. So richtig öffnen kann sie sich nicht und so findet sie nur wenige Freunde und eine Familie bleibt ihr versagt. Obwohl man Aggie als eher schwierige nicht unbedingt Persönlichkeit empfindet, die irgendwie immer gedämpft wirkt, der die uneingeschränkte Freude fehlt, entwickelt man doch viel Sympathie für ihre Fortschrittlichkeit und die Kraft, die sie im wahrsten Sinne des Wortes am Laufen hält.


Veröffentlicht am 26.09.2016

Die Frau, die allen davonrannte

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Carrie Snyder erzählt in ihrem Roman Die Frau, die allen davonrannte mehrere Geschichten auf einmal. Es gibt viele Handlungsstränge, die nacheinander oder nebeneinander laufen, viele die zusammenhängen, ...

Carrie Snyder erzählt in ihrem Roman Die Frau, die allen davonrannte mehrere Geschichten auf einmal. Es gibt viele Handlungsstränge, die nacheinander oder nebeneinander laufen, viele die zusammenhängen, kompliziert sind, bewegen, berühren und die die Hauptprotagonistin Aganetha Smart zu der gemacht haben, die sie heute ist: Eine alte Dame, 104 Jahre alt, Olympiasiegerin von 1928. Die verschiedenen Geschichten sind sehr komplex aufgebaut und werden in zwei Zeitsträngen erzählt: Heute und damals.

Auf der einen Seite ist da die junge Aganetha; sie hat eine große Familie, ist aufgewachsen mit Tod, Verlusten, zwei Weltkriegen und Prüfungen, die sie schon als kleines Mädchen prägten. Dann ist da die ältere Aganetha; von zuhause weggezogen, verliebt in einen anderen Athelten, Olympiasiegerin. Die Verbindung der beiden Geschichten in der Gegenwart bringt Kaley – eine junge Läuferin, die die 104-Jährige aus dem Altenheim entführt, die sich für Aganethas Leben interessiert, alles wissen und erfahren möchte um selbst eine erfolgreiche Sportlerin zu werden.

Das alles klingt natürlich wahnsinnig emotional und berührend, schließlich hat die Hauptprotagonistin einiges erlebt, viel Unglück überstanden, hart trainiert und lange gekämpft – wohl bemerkt in einer Zeit, in der Frauen nicht denselben Status hatten wie heute. Der Stammbaum der Familie Smart am Anfang des Buches ließ schon darauf schließen, dass die Familie stark beleuchtet wird, dass ein durchgängiges Folgen der Ereignisse aufgrund vieler Charaktere schwierig sein würde. Und genauso war es für mich auch.

Es gibt viele Zeitsprünge, deren genaue Ordnung und Bedeutung für mich nicht wirklich erkennbar waren und das Buch für mich auch komplizierter machten, als es unbedingt notwendig gewesen wäre. Der rote Faden wurde beeinträchtigt, Spannung ging verloren und Emotionen blieben leider nur oberflächlich.

Trotzdem ist Die Frau, die allen davonrannte ein wunderschönes Buch, das einen nachdenklich zurücklässt. Mich vor allem, da ich es zur Zeit der Olympischen Spiele in Rio gelesen habe. Heute ist es selbstverständlich, dass Frauen bei verschiedenen Disziplinen antreten; auch 800 m Laufen. Aganetha war stark, diszipliniert und scherte sich nicht um Konventionen oder Traditionen. Und genau als solche wurde sie auch von mir wahrgenommen. Eine sehr starke, wundervoll umgesetzte Hauptprotagonistin.

Carrie Snyders Schreibstil hat mir im großen und ganze gut gefallen. Vom Stil her ließ sich das Buch flüssig und leicht durchlesen. Allerdings war ich auch oft verwirrt, weil für mich nicht immer deutlich wurde, wer gerade an einem Dialog beteiligt ist, wer was sagt. Die vielen Zeitsprünge haben diesen Eindruck noch verschlimmert.

Die Gestaltung des Buchcovers gefällt mir. Die Verbindung von Aganethas altem (dem Hof) und ihrem neuen Leben (die Läuferin) finde ich gut gewählt und ergibt nach dem Lesen umso mehr Sinn.

Fazit
Die Frau, die allen davon rannte ist ein schönes Werk mit einer starken Botschaft, das leider in der Ausführung bezüglich Chronologie und Eindeutigkeit leicht schwächelt. Obwohl mir zwischendurch die Spannung und die Ordnung fehlten, konnte es mich aufgrund der starken Hauptprotagonistin sehr berühren.