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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Berlin Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Tod, Trauer, Verlust
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 224
  • Ersterscheinung: 29.07.2021
  • ISBN: 9783827014337
Christian Dittloff

Niemehrzeit

Das Jahr des Abschieds von meinen Eltern | Über den Umgang mit dem Tod geliebter Menschen, Trauer und den Trost des Lesens

Ein Abschied voller Möglichkeiten

Die Eltern sterben binnen weniger Monate. Leben und Selbstbild des 35-jährigen Erzählers wirbeln durcheinander. Wie alles unter einen Hut bringen: Abschied, Arbeit, Liebe, Freundschaft und das Schreiben? Doch trotz der Überforderung sprudeln Rührung, Traurigkeit, Witz und großes Glück in ungeahnter Intensität. Christian Dittloff spürt dem Trauerjahr nach, verwebt bewegend, klug und humorvoll Autobiographisches, reflektierende Betrachtung und eine große Lust am Erzählen zu einem autofiktionalen Meisterwerk.
»Niemehrzeit« handelt von der prägendsten Beziehung des Lebens, vom Erwachsenwerden und nicht zuletzt vom Trost des Lesens.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.07.2021

Über das Private

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2018 verliert Christian Dittloff beide Eltern. Erst den Vater, wenige Monate später die Mutter. Doch erst mit dem Tod der Mutter ist er plötzlich 'Elternlos'. Schock und Ratlosigkeit sitzen tief. Aber, ...

2018 verliert Christian Dittloff beide Eltern. Erst den Vater, wenige Monate später die Mutter. Doch erst mit dem Tod der Mutter ist er plötzlich 'Elternlos'. Schock und Ratlosigkeit sitzen tief. Aber, keine Eltern mehr und Kinderlos - ist das vielleicht die große Freiheit? Dittloff weiß es nicht, aber manchmal fühlt es sich so an. Und, vielleicht doch lieber so, als wenn Pflegefall?

Dittloff beschäftigt sich in seinem Roman viel mit sich selbst und zeigt sich von seiner verwundbaren Seite. Er reflektiert über den Tod und die Zeit davor, forscht ein bisschen in der eigenen Geschichte und der seiner Eltern. Und schreibt von dem, auf das man sich nicht vorbereiten kann. Die plötzliche Überforderung mit Alltag und Bürokratie, das Leben, das irgendwie weitergeht, aber plötzlich eher vorbeizuziehen scheint. Er nimmt sich selbst zurück, findet große Hilfe im Schreiben und Lesen, in der Freundschaft und Liebe.

Dittloff hat einen bewegenden Roman über Trauer und Trost, Wut und Sprachlosigkeit geschaffen, gibt einen privaten Einblick in seine Zeit der Verarbeitung und Akzeptanz. Oft ratlos, viel rastlos, aber vor allem sehr intim und empathisch. Ein äußerst mitnehmendes Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 26.07.2021

Kann man dem Tod jemals den Stachel nehmen?

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Das Titelbild zeigt die Eltern des Autoren, Ingrid und Hans Jürgen Dittloff. Beide waren als Teenager zusammen, trennten sich dann wieder, waren anderweitig verheiratet, blieben kinderlos und kamen erst ...

Das Titelbild zeigt die Eltern des Autoren, Ingrid und Hans Jürgen Dittloff. Beide waren als Teenager zusammen, trennten sich dann wieder, waren anderweitig verheiratet, blieben kinderlos und kamen erst als nach Mitte 35jährige wieder zusammen. 1983 war Christian ihr erstes und einziges Kind, das in der Stadt an der Alster geboren wurde.

2018 war ein traumatisches Jahr für den Autoren, denn mit einem Abstand von nicht einmal 3 ½ Monaten verlor er erst seinen Vater ( 1943 ) und dann seine Mutter ( 1946 ).

Er liebte beide und sie ihn auch, obwohl sie etwas hilflos waren, das offen auszudrücken. Dafür zeigte sich diese in vielen anderen Gesten. Als der Vater, der an COPD litt, offenbar an einer Lungenentzündung starb, im Hospital, war das ein harter Schlag für Frau wie Sohn.

All die Formalitäten, die immense Bürokratie, die damit verbunden ist. Der Vater hatte zwar eine Liste erstellt, aber das ändert nichts an den Pflichten, auch wenn man sich waidwund am liebsten verkriechen will.

Seine Mutter, schon schwächelnd und kränkelnd, ja, dann krank, verwindet den Verlust gar nicht. Sie wird immer mehr der Welt entrückt, kappt selbst alle Fäden, die sie noch verbinden, resigniert seelisch und stirbt, noch in Kurzzeitpflege in einem Hamburger Altenheim.

Für den Tod der Eltern gibt es keine Generalprobe. Dieses "Stück" hat zugleich Premiere und wird nur einmal aufgeführt. Wirklich vorbereiten kann man sich darauf nicht. Man wird urplötzlich ins eiskalte Wasser geworfen und kann von Glück sagen, wenn man nicht ertrinkt oder an Unterkühlung stirbt. Mehr Leute, als dem Autoren zu dieser Zeit bewußt sein konnte, hielten seinen Kopf über die Wasserlinie.

Seine Lebensgefährtin, C., ist in diesem seinem Falle eine große, geduldige, empathische, ihn äußerst liebende Hilfe, weil auch sie selbst in jenem Jahr einige Schicksalsschläge erlitt.

Sehr gut finde ich, daß der Autor die landläufigen Meinungen und Ansichten über Trauer, auch die Erkenntnisse der Wissenschaft hinterfragt. Es gibt kein allgemeingültiges Schema für Trauer, die Intensität, gar Dauer. Manche entsprechen den Schemata, manche trauern gar nicht, manche reagieren paradox und bei anderen hört sie nie auf. Ich empfinde es als übergriffige Frechheit, daß Trauer, "die zu lange dauert", als pathologisch bezeichnet wird. Mit welchem Recht? Warum reagieren Freunde genervt? Sind diese dann überhaupt Freunde?

Das Buch ist melancholisch und assoziativ im Erzählstil, weil immer wieder Reminiszenzen auftauchen. Autofiktional, so nennt er das Buch, weil er bezüglich des Lebens seiner Eltern Leerstellen hat, die er mit imaginativer Kraft auffüllt.

Es ist mutig von ihm, so offen darüber zu schreiben und auch einzugestehen, was er falsch gemacht hat. Ich glaube, es gibt fast keinen, der im Angesicht des Todes Heißgeliebter nicht irgendetwas bereut.

Seine Traurigkeit ist greifbar und er ruft eine tiefe Resonanz bei der Leserschaft hervor. Denn zwangsläufig werden durch seine Art zu erzählen, Erinnerungen mannigfaltigster Art bei den Leser / innen erweckt. Wie er selbst schreibt, partizipiert man ohnehin bei der Rezeption, wird ein Teil des Buches, das dadurch wächst.

Das Buch ist aufwühlend, aber nicht bleiern. Tiefgründig und ruft ein profundes Echo beim Lesen hervor, daß sich wiederum auf den Autor zurück überträgt, wenn er von den Reaktionen der Leser / innen erfährt. Und das wird er wohl.

Er beschreibt prägnant, was in ihm psychisch vorgeht, und sich das auch nach außen auswirkt. Ich kann das alles nachvollziehen. Die Wut, die Traurigkeit, das Überbordende des Weinens und die Unfähigkeit selbiges zu tun, das Verkriechen, die Abwehr, die Kaskade der Erinnerungen ...

Er liest außerdem diverse Literatur, die Trauer und Tod tangieren, um zu entdecken, ob er sich reflektiert sieht und es ist eine großartige Hilfe für ihn. Nebenbei bekommt man dadurch sogar noch Literaturtipps! Klasse!

Allerdings stieß mir etwas auf, falls dies der Realität entsprechen sollte: Daß der Bestatter in einer Luxuskarosse vorfuhr — einem schwarzen Jaguar. Das ist pietätlos, weil Bestatter sowieso bei vielen im Ruf stehen, Abzocker zu sein. (2 Euro für ein Totenhemd im Einkauf, bis zu fünfzig Euro bei der Abrechnung für die Hinterbliebenen? Das stand in einem Enthüllungsbuch. Ich jedenfalls machte mit diesen Genossen keine gute Erfahrungen gemacht. Ich nehme mal an, es gibt Anständige, aber diese werden durch die anderen in Verruf gebracht! ) Wenn er mit solch einer Karre ankommt, "schreit" er geradezu: "Seht her, was ich mir mit den überteuert abgerechneten und unnötig aufgeschwatzten Leistungen mir anschaffen konnte!" Privat kann er fahren, was er will, aber beruflich?

Das ist im Buch nur ein Satz, also eigentlich eine Marginalie, ohne, daß der Autor dies bewertet. Nun wird sich der eine oder die andere fragen, warum ich solch einen Aufstand mache. Weil es mich nun einmal gewaltig stört, daß die Trauer Angehöriger ausgenutzt wird, um Geld zu machen. Wozu muß ein Sarg ausgekleidet sein, der Tote ein Kissen, Decke und Totenhemd benötigen? Ich habe dies alles hier erwähnt, weil das mal gesagt werden mußte.

Christian Dittloff jedenfalls hat hier ein Buch geschaffen, das ihm gewiß ebenso von therapeutischem Nutzen war, gleichzeitig ist es eine berührende Liebeserklärung, Elegie und Hymnus an seine verlorenen Eltern. Du kannst noch so alt sein als "Kind", wenn deine Eltern beide tot sind, ist die Kindheit endgültig Geschichte und du fühlst dich als Vollwaise. Ein eminentes Buch! Danke, Christian Dittloff!!! Danke, Berlin Verlag ( Piper )!!!

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Veröffentlicht am 15.08.2021

Der Trauer Raum geben

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Beinahe ein Jahr nach dem Tod seiner Eltern, die im Abstand von nur wenigen Monaten gestorben sind, beginnt Christian Dittloff mit der Arbeit an dem hier zu besprechenden Buch. Er beschreibt sein Trauerjahr ...

Beinahe ein Jahr nach dem Tod seiner Eltern, die im Abstand von nur wenigen Monaten gestorben sind, beginnt Christian Dittloff mit der Arbeit an dem hier zu besprechenden Buch. Er beschreibt sein Trauerjahr also im Rückblick, wobei man aber stets den Eindruck hat, er schriebe unmittelbar, genau während jener Zeit, in der er mit dem Verlust seiner Eltern konfrontiert wird, in der sein Leben aus dem Gleichgewicht gerät und er darum bemüht ist, seiner vielfältigen, auf ihn einstürzenden, Gefühle Herr zu werden. Die zeitliche Distanz zwischen der Niederschrift und dem Erleben und Verarbeiten der beiden so gravierenden Ereignisse in seinem Leben ist kaum zu spüren – und doch ist sie da! Muss da sein, denn Worte dieser Art findet man im Aufruhr und der Konfusion all der starken, wenn auch zum Teil nicht greif- und benennbaren Gefühle nicht, die kommen einem erst später, wenn man wieder rationaler Gedanken fähig ist. Die Trauer hatte bereits ihre Zeit, sie konnte – und musste! - gelebt, überwunden und allmählich umgewandelt werden, ohne freilich ganz zu verschwinden. Noch nicht, vielleicht nie. Zeit heilt alle Wunden? Ich bezweifle das. Es gibt Wunden, die heilen nie, selbst wenn der Schmerz im Laufe der Zeit nachlässt und es schließlich ermöglicht, mit ihm umzugehen, ihn in den Alltag zu integrieren, der sich auch nach den tiefgreifendsten Einschnitten in unserem Leben so unweigerlich wie tröstlich wieder einstellt, vielleicht in veränderter Form, vielleicht bewusster erlebt, bereichert durch den durchlittenen Schmerz über den Verlust und das, dessen man sich während der Trauerarbeit klar geworden ist.
Und genau diese letztere, um auf „Niemehrzeit“ zurückzukommen, teilt der Autor in mich überraschender Offenheit und in jeweils sehr detaillierten Momentaufnahmen mit seinen Lesern! Von dem Moment an, als nach der Nachricht vom Tode seines Vaters sein bisheriges Leben aus den Fugen gerät, über den nicht erwarteten rasch folgenden Tod seiner Mutter bis hin zur Auflösung des elterlichen Haushaltes in Hamburg. Nach außen geht das Leben in gewohntem Tempo weiter, kaum Raum lassend, um sich innerlich zu sortieren, seine Trauer herauszuschreien, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Da der Autor das einzige Kind seiner Eltern ist, ist es an ihm, die Beerdigungen zu organisieren und die ihm enorm lästigen, in unserer Gesellschaft aber unerlässlichen zahlreichen Anrufe mit Behörden zu tätigen, sich, was er erst einmal hinausschiebt, darüberhinaus um die persönlichen Besitztümer seiner Eltern zu kümmern. Gleichzeitig wird ihm zunehmend bewusst, wie wenig er im Grunde über seine Eltern und seine Wurzeln weiß, zumal gerade die Mutter, eine sehr eigene und eigenwillige Person, nur ungern über ihre eigene Kindheit und Familie gesprochen hatte. Dies war offensichtlich zu Lebzeiten der Eltern nie ein Problem für Christian Dittloff, wurde es aber mit ihrem Ableben, denn nun ist es unwiderruflich zu spät, ihnen Fragen zu stellen, so wie es zu spät ist, Zeit mit ihnen zu verbringen, Zeit, die man durchaus gehabt hätte – wenn man seine Prioritäten anders gesetzt hätte.
Vielen dürften Schuldgefühle dieser Art nicht unbekannt sein, der Autor aber spricht sie aus, stellvertreten sozusagen, ehrlich, ohne zu beschönigen. Und Szenen wie diese sind bezeichnend für das gesamte Buch; gerade denjenigen unter den Lesern, die bereits mit dem Tod eines nahen Angehörigen konfrontiert waren, werden sie sehr vertraut sein, genauso, wie sie das Auf und Ab der Gefühle, über die Dittloff schreibt, nur zu gut kennen werden.
Dennoch, und dies betont der Autor nicht nur einmal, jeder erlebt Trauer anders, geht anders damit um, ist letztend allein damit, mit seiner Untröstlichkeit – so empathisch ihm die Menschen aus seinem Umfeld auch begegnen mögen. Genauso wie der Betroffene den Weg aus der Trauer, so lange sie auch dauert – und da gibt es keine vorgeschriebene zeitliche Limitierung -, alleine gehen, seine eigenen Mechanismen finden muss. Der Autor fand Trost im Lesen und danach im Niederschreiben all dessen, was ihn bewegte in dem Jahr, das dem Tod seiner Eltern folgte, aber da er der schreibenden Zunft angehört, also ein Mann der Worte, sowieso ein Leser ist, war das sein persönlicher Weg, kann kein Allheilmittel sein. So wie „Niemehrzeit“ unverwechselbar und nicht übertragbar sein persönliches Buch ist - und es dabei auch um seine ganz persönliche Annäherung an seine Eltern geht, die er sozusagen posthum neu kennenlernt -, keineswegs ein allgemeingültiger Ratgeber und meiner Meinung nach auch kein Trostbuch für all diejenigen, die gerade den Tod eines ihnen Nahestehenden betrauern. Und da ich selbst zu dieser Gruppe gehöre, würde ich gerade für sie Christian Dittloffs unzweifelhaft hervorragend geschriebenes, berührendes, aufrichtiges und sehr intensives Buch erst nach einem gewissen zeitlichen Abstand empfehlen, nämlich erst dann, wenn die eigene, ganz und gar individuelle Trauerarbeit bereits weitgehend bewältigt wurde – so lange sie eben dauert!

Veröffentlicht am 09.08.2021

Niemehrzeit

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Ich sehe dieses Buch als ein Stück Trauerarbeit, bei dem der Autor mich als Leserin teilhaben lässt. Es ist ein sehr persönliches Buch, gespickt mit Erinnerungen und Anekdoten, aber auch Zweifel und Traurigkeit ...

Ich sehe dieses Buch als ein Stück Trauerarbeit, bei dem der Autor mich als Leserin teilhaben lässt. Es ist ein sehr persönliches Buch, gespickt mit Erinnerungen und Anekdoten, aber auch Zweifel und Traurigkeit haben einen berechtigten Platz.

Mit diesem Buch habe ich die nah beieinander verstorbenen Eltern des Autors durch seinen Blick ein klein wenig kennen lernen dürfen, habe über einige Marotten mitgeschmunzelt und die Vergangenheit der Eltern fragmentweise rekapituliert.

Obgleich der durchaus bedrückenden Thematik des Todes zweier für das Leben so zentraler Menschen und den sich daraus ergebenden Folgen für das Leben des Autors habe ich das Buch nicht als zu traurig oder trist wahrgenommen. Es scheint ein zutiefst ehrliches Buch zu sein, dass einen sehr nahen Blick in das Innere des Autors liefert - dafür meinen größten Respekt.

Die Auseinandersetzung mit dem Versterben beider Eltern ist für mich auch seltsam tröstlich, hat eine ganz eigene Leichtigkeit und ist für mich ein sehr gelungenes Abbild von Realität.

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