Cover-Bild Wohin du auch gehst
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25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 416
  • Ersterscheinung: 23.07.2025
  • ISBN: 9783257073553
Christina Fonthes

Wohin du auch gehst

Michaela Grabinger (Übersetzer)

Bijoux wird nach Unruhen in Kinshasa als Teenager zu ihrer Tante Mira nach London geschickt. Hier verliebt sie sich zum ersten Mal – in eine Frau. Vor ihrer religiösen Tante muss sie das verbergen, doch sie ahnt nicht, dass auch diese ein Geheimnis vor ihr hat: den wahren Grund dafür, dass sie vor vielen Jahren von Afrika nach Europa kam, in ein Land, in dem sie sich immer noch nicht zu Hause fühlt. Bijoux weiß: So wie Tante Mira will sie nicht enden. Und trifft eine Entscheidung.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2025

Auf der Suche nach der eigenen Identität

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Mit zwölf Jahren wurde Bijoux, nach den Unruhen in Kinshasa, zu ihrer Tante Mira nach London geschickt. Das Mädchen erlebt die Tante als eher unnahbar und kalt, dafür ist sie aber sehr aktiv in einer religiösen ...

Mit zwölf Jahren wurde Bijoux, nach den Unruhen in Kinshasa, zu ihrer Tante Mira nach London geschickt. Das Mädchen erlebt die Tante als eher unnahbar und kalt, dafür ist sie aber sehr aktiv in einer religiösen Gemeinschaft. Als junge Frau verliebt Bijoux sich in eine Frau, doch Tante Mira lehnt gleichgeschlechtliche Liebe vehement ab, genauso wie sie es in ihrer religiösen Gemeinschaft erlebt. Bijoux muss sich entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten will. Dabei erfährt sie nach und nach den wahren Grund, warum sie vor vielen Jahren von Afrika nach Europa kam...

Diese Geschichte verknüpft viele Themen zu einem äußerst vielschichtigen Roman. Wie vielschichtig die Erzählung ist, deckt sich erst nach und nach auf, bis hin zu einem großen Geheimnis kurz vor den letzten Seiten. Mich hat zunächst der historische Hintergrund fasziniert, kannte ich doch nicht sehr viel aus dem afrikanischen Land Zaire bzw. Kongo. Auch die Migrationsgemeinschaften in Frankreich sowie in England sind äußerst gelungen wiedergegeben. Spannend sind die Lebenswege der Frauen in dieser Geschichte, sie ahnen dabei selbst nicht, wie stark sie sind. Sogar Mira, anfangs eher unsympathisch dargestellt, konnte ich nach und nach gut verstehen. Durch die wechselnden Perspektiven konnte ich mich gut in die Charaktere hineinfinden und die erzählten Probleme gut nachvollziehen. Überhaupt erscheint mir der Roman sehr authentisch, da die Autorin Christina Fonthes hier sicherlich aus eigenen Quellen schöpft. Als übergreifendes Thema (von mehreren) zeigt sich hier die Suche nach der eigenen Identität, und hier hat das Buch mir mit seiner Vielschichtigkeit imponiert.

Mich hat dieser Roman immer mehr in seinen Bann ziehen können, so dass ich das Buch unbedingt weiter empfehlen möchte. Ich vergebe alle 5 möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 21.10.2025

Anspruchsvoll

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"Wohin du auch gehst" von Christina Fonthes ist ein fesselnder Roman, der die Schicksale zweier Frauen aus Kinshasa über mehrere Generationen hinweg beleuchtet. Die Autorin verwebt geschickt die Lebenswege ...

"Wohin du auch gehst" von Christina Fonthes ist ein fesselnder Roman, der die Schicksale zweier Frauen aus Kinshasa über mehrere Generationen hinweg beleuchtet. Die Autorin verwebt geschickt die Lebenswege von Mira und Bijoux, wodurch der Leser die komplexen Zusammenhänge ihrer Erfahrungen und Herausforderungen nachvollziehen kann.

Die Erzählung thematisiert die Schwierigkeiten, die Frauen in patriarchalischen Gesellschaften erfahren, und beleuchtet die Auswirkungen von Machtmissbrauch, Vorurteilen und religiösen Normen. Fonthes gelingt es, politische und soziale Kontexte einzubinden, die das Leben der Protagonistinnen prägen. Der flüssige Schreibstil und die abwechselnden Perspektiven halten die Spannung hoch und ermöglichen ein tiefes Eintauchen in die Materie.

Die emotionalen Schilderungen der Charaktere und ihrer Lebensumstände sind eindringlich und bleiben im Gedächtnis. Das Buch ist zwar leicht zu lesen, behandelt jedoch komplexe und schmerzhafte Themen, die zum Nachdenken anregen. "Wohin du auch gehst" ist eine bedeutende Erzählung, die die Realität vieler Frauen in Kinshasa widerspiegelt und eine absolute Leseempfehlung darstellt.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Wichtiges Stück Geschichte

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Wow - an dieses Buch hatte ich keine bestimmten Erwartungen, fand einfach, dass der Klappentext sehr spannend klang und außerdem das Cover ansprechend. Ich habe bisher noch wirklich wenig über Einwanderungsgeschichte ...

Wow - an dieses Buch hatte ich keine bestimmten Erwartungen, fand einfach, dass der Klappentext sehr spannend klang und außerdem das Cover ansprechend. Ich habe bisher noch wirklich wenig über Einwanderungsgeschichte gelesen, weshalb ich ziemlich nichtsahnend an "Wohin du auch gehst" herangegangen bin. Spoiler: wurde ziemlich umgehauen, auf die positive Weise, aber direkt vorab, schaut euch die content notes an, das hier ist keine leichte Kost.
Wir verfolgen die Geschichte zweier Frauen in zwei Zeitebenen: Bijoux, die Anfang der 2000er in London nach ihrer Identität sucht, und Mira, ihre Tante, deren Weg wir von ihrer Heimat Zaïre (heute die Demokratische Republik Kongo) als junges Mädchen bis nach London zum Bijoux-Zeitstrang begleiten. Nach und nach kommt so ans Licht, was die beiden Frauen verbindet, es wird aber auch sehr deutlich, wodurch sie gespalten werden, und Themen wie Glaube, Sexualität und Familie sind hierbei zentral. Mich hat vor allem Mira sehr gefesselt und wie wir nach und nach verstehen lernen, wie ihre beiden alter Egos zu Beginn der Geschichte am Ende zusammenpassen. Aber auch Bijoux, die repräsentativ für junge Menschen mit Einwanderungsgeschichte stehen, die selbst noch hautnah Unruhen, Krieg, instabile politische Verhältnisse und Angst um zurückgebliebene Familie erleben, hat mir einige Gedankenanstöße gegeben und ist eine wichtige literarische Stimme.
Trotz der insgesamt eher drohenden, düsteren Stimmung eröffnet die Geschichte durchaus auch sehr hoffnungsvolle, farbenfrohe und humorvolle Momente.
Wen das jetzt überzeugt hat, der sollte "Wohin du auch gehst" unbedingt lesen - beachtet dabei aber bitte folgende content notes:
Krieg, Queerfeindlichkeit, (religiöser) Fanatismus, sexuelle Gewalt, Krankheit, Tod

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Augenöffnend

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Mit Büchern in fremde Länder und Kulturen zu reisen, ohne dabei die Sicherheit des eigenen Sofas verlassen zu müssen, ist ein Privileg, das ich viel zu selten nutze. Bei diesem Buch würde ich es aber mehr ...

Mit Büchern in fremde Länder und Kulturen zu reisen, ohne dabei die Sicherheit des eigenen Sofas verlassen zu müssen, ist ein Privileg, das ich viel zu selten nutze. Bei diesem Buch würde ich es aber mehr als nur ein wenig empfehlen, denn es hat mir die Augen geöffnet, in mehr als einer Hinsicht.

Christina Fonthes erzählt die Geschichte von Mira und Bijoux, zwei Generationen einer Familie, die in den unruhigen Zeit der politischen Umwälzung Kinshasas versucht, ihren Weg zu finden und dabei über Umwege in London landet.

Nicht nur, dass wir mit diesen beiden Frauen eine Unmenge an Schicksalsschlägen verfolgen müssen, bekommen wir einen tiefen Einblick, was es heißt, als Frau in Kinshasa (und später Kongo) aufzuwachsen. Wie eng die Familienbande und -zwänge sind, die aus einer lebenslustigen, eigenwilligen Frau wie Mira, eine so gläubige, engstirnige Person zu machen.

Gerade diese krassen Brüche zwischen den verschiedenen Zeitebenen, auf denen wir die beiden Frauen beobachten, haben mich sehr beeindruckt. Insgesamt hat mich das Buch gepackt und mitgerissen und mich zum Schluss etwas zerstört wieder ausgespuckt.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Ein fein erzähltes und emotional unglaublich starkes Debüt

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Das war ein sehr unerwartetes Highlight! Geschichten, die über mehrere Zeitebenen hinweg und aus verschiedenen Perspektiven heraus erzählt werden, gefallen mir generell sehr gut. Und doch bin ich ohne ...

Das war ein sehr unerwartetes Highlight! Geschichten, die über mehrere Zeitebenen hinweg und aus verschiedenen Perspektiven heraus erzählt werden, gefallen mir generell sehr gut. Und doch bin ich ohne besondere Erwartungen in die Lektüre gegangen.

Was gleich zu Beginn und auch im Verlauf immer wieder deutlich wird: Christina Fonthes hat eine ganz besondere Stimme, die mich gleichermaßen gepackt wie berührt hat. Sie schreibt sprachlich zugänglich und authentisch, behält sich aber stets eine angenehme Sensibilität bei. Außerdem hat sie ein echtes Händchen für kleine Hints, die nicht zu viel von der Handlung vorwegnehmen und später makellos wieder eingefangen werden.

Auch thematisch ist dieser Roman meisterinnenhaft! Ganz zentral geht es um familiären Druck, Religion, Kultur, Identität und Queerness. Fonthes erzählt ehrlich und echt, schafft es aber auch, Schmerzhaftes nur so weit auszuerzählen, dass es sich beim Lesen nicht traumatisch anfühlt. Emotional hat mich die Geschichte trotzdem an so vielen Stellen tief berührt und manchmal regelrecht zerrissen!

An den Figuren gibt es ebenso nichts auszusetzen! Sowohl Bijoux als auch ihre Tante Mira sind vielschichtige Figuren mit einer komplexen Geschichte und einer ebenso komplexen Beziehung zueinander. Besonders der Umgang von Eltern mit ihren Kindern ist in diesem Roman oft unglaublich schmerzhaft! Gleichzeitig verpasst es die Autorin nicht, ihren Lesenden auch heilsame Elemente zu schenken - ganz besonders in Form weiblicher Solidarität und Stärke.

Ich konnte wirklich einige Geschehnisse der Erzählung erahnen und doch war ich zutiefst bewegt, wenn sie dann entsprechend aufgeklärt wurden. Das spricht in meinen Augen für Fonthes’ großes Talent! Die Autorin schreibt so gut, dass sie auf überflüssige Spannungselemente getrost verzichten kann. Durch das geschickte Vermitteln kongolesischer Geschichte habe ich auch wirklich viel über die Demokratische Republik Kongo, früher Zaire, gelernt.

Der einzige Punkt, den ich zumindest ambivalent sehe, ist die Verwendung verschiedener Lingala-Begriffe und -Sätze. Einerseits trägt sie extrem zur Authentizität der Geschichte bei und die Kursivschreibung sowie das angeschlossene Glossar sind hilfreiche Tools. Andererseits konnte ich mir die Übersetzungen trotzdem so schlecht merken, dass ich ständig noch einmal nachsehen musste, was meinen Lesefluss behindert hat.

Ich bin aber viel zu begeistert von diesem bemerkenswerten Debüt, als dass ich irgendetwas von der Wertung abziehen würde. Es ist in vielerlei Hinsicht eine Geschichte über Befreiung und ihr Schluss einfach nur ein Paukenschlag. Lest unbedingt diesen spannenden, feinfühligen und auch schmerzhaften Roman!

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