Cover-Bild Die Nachbarin
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Insel Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Klassisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 335
  • Ersterscheinung: 16.04.2025
  • ISBN: 9783458644873
Elizabeth Jenkins

Die Nachbarin

Roman | Ein zeitloser Klassiker neu entdeckt | »Wo liest man schon Sätze so schön, dass man sie zweimal lesen möchte?« Hilary Mantel
Eike Schönfeld (Übersetzer)

»Weißt du denn so genau, in wen Männer sich verlieben?«

Dass ihr Mann Evelyn, wenn er am Wochenende aus London zur Familie aufs Land kommt, immer öfter mit Nachbarin Blanche plaudert, hat nichts zu bedeuten, da ist Imogen sich sicher. Schließlich ist die alleinstehende, bodenständige Blanche um einiges älter als die aparte, feinfühlige Imogen, stets in praktischen Tweed gekleidet und geht gerne jagen und fischen – eine Frau, die Imogen locker in den Schatten stellt. Doch als Evelyn immer mehr Zeit mit Blanche verbringt, muss sie sich fragen, ob sie sich da nicht täuscht …

Sind Schönheit und Jugend wirklich entscheidend, wenn wir uns verlieben? Elizabeth Jenkins’ Roman, 1954 erschienen und hier erstmals ins Deutsche übersetzt, begeistert mit einem herrlich wachen, ungewöhnlichen Blick auf diese Frage – eine mitreißende Entdeckung.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.07.2025

Landluft, Liebeswirren und eine Frau, die mehr draufhat als Imogen denkt

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Ich dachte ja, ich wäre gegen britischen Landadel-Charme immun. Pustekuchen! Die Nachbarin von Elizabeth Jenkins hat mich eiskalt erwischt. Da denkt man, man bekommt ein gemütliches Tee-mit-Scones-Romanchen, ...

Ich dachte ja, ich wäre gegen britischen Landadel-Charme immun. Pustekuchen! Die Nachbarin von Elizabeth Jenkins hat mich eiskalt erwischt. Da denkt man, man bekommt ein gemütliches Tee-mit-Scones-Romanchen, und dann sitzt man plötzlich mitten in einem psychologischen Katz-und-Maus-Spiel, bei dem ich stellenweise nicht wusste, ob ich lachen, weinen oder Imogen einfach mal schütteln soll.

Imogen – unsere Heldin, naiv, aber mit Herz – hat diesen Evelyn geheiratet. Ein Typ, der jedes Mal, wenn er aus London angerollt kommt, so tut, als würde er zufällig bei der burschikosen Nachbarin Blanche auf ein Pläuschchen vorbeistolpern. Blanche, die in Tweed gehüllt mit der Angelrute über die Felder marschiert, als wäre sie der heimliche Boss der Grafschaft. Ich hab’s gefeiert!

Das Schöne an diesem Buch: Jenkins schreibt nicht mit dem Holzhammer. Sie schleicht sich an, lässt Dialoge wirken und bringt einen dazu, an der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. Wer ist hier eigentlich das Problem? Imogen mit ihrer mädchenhaften Zartheit? Blanche mit ihrer robusten Natürlichkeit? Oder der Herr Gatte, der wie ein Eichhörnchen zwischen den beiden hin- und herspringt?

Es wird nie laut, nie kitschig, aber immer ein bisschen schräg und wunderbar britisch-skurril. Das hat mich fasziniert. Natürlich will man zwischendurch Imogen eine Portion Rückgrat und Blanche ein paar Manieren rüberschicken, aber genau das macht den Spaß aus. Es ist kein Drama mit Blitz und Donner, sondern ein leiser, aber umso fieserer Nadelstich ins Selbstbewusstsein.

Einen Stern ziehe ich ab, weil es manchmal doch etwas gemächlich vor sich hin plätschert – man will wissen, wann die Bombe endlich platzt, aber Jenkins lässt einen zappeln wie einen überforderten Forellenangler.

Fazit: Die Nachbarin ist wie ein charmant-vergifteter Tee bei einer britischen Lady – man merkt erst zu spät, dass man schon mittendrin steckt. Und das macht’s ziemlich genial.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Eine Ehe zerbricht

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England, anfangs der 1950er Jahre. Seit zwölf Jahren ist die feinfühlige, etwas verträumte Imogen mit dem wesentlich älteren, eher spröden Kronanwalt Evelyn verheiratet. Es war keine Liebesheirat, aber ...

England, anfangs der 1950er Jahre. Seit zwölf Jahren ist die feinfühlige, etwas verträumte Imogen mit dem wesentlich älteren, eher spröden Kronanwalt Evelyn verheiratet. Es war keine Liebesheirat, aber in der englischen Oberschicht durchaus passend. Das Paar bewohnt samt Personal ein Anwesen auf dem Lande, während Evelyn auch in London eine kleine Wohnung hat, die er seiner Arbeit wegen wochentags bewohnt. Mit Stolz präsentiert er bei Veranstaltungen und auf Festen seine hübsche, elegante junge Frau. Dann lernt das Paar die Besitzerin des Nachbar-Anwesens kennen, die ältere, eher reizlose Blanche. Sie versteht es, Evelyn mit langen Gesprächen über die Jagd, über Fischen, aber auch über Bankgeschäfte zu fesseln und sein Interesse zu wecken. Mehr und mehr verbringt er seine Zeit bei Blanche. Wie lange kann Imogen das hinnehmen und die Fassade einer glücklichen Ehe aufrecht erhalten?

Elizabeth Jenkins, geb. 1905 und gest. 2010 als 105jährige in Hampstead, London. Sie schrieb zahlreiche Romane, Biografien und Novellen, die sie zu einer der führenden Autorinnen Großbritanniens machten. Ihr Roman „The Tortoise and the Hare" aus dem Jahre 1954 wurde jetzt erstmals ins Deutsche übersetzt und erschien unter dem Titel „Die Nachbarin“ 2025 im Suhrkamp-Verlag.

Mit psychologischem Scharfsinn und sehr präzise beobachtet die Autorin das allmähliche Auseinanderbrechen einer Ehe. Mit viel Ironie behandelt sie die Themen Beziehung und Eifersucht und wirft dabei die Frage auf, wie gut man einen Menschen wirklich kennt. Ohne in Klischees zu verfallen schildert sie das weibliche Rollenverhalten der damaligen Zeit, beeinflusst vom herrschenden gesellschaftlichen Druck – und im Gegensatz dazu das männliche Benehmen mit seiner überheblichen Dominanz. Die Protagonisten sind sehr gut gezeichnet. Beide Frauentypen unterscheiden sich im Wesen ganz klar voneinander und auch alle anderen Figuren wirken lebensecht und authentisch.

Fazit: Ein ruhiger, ironischer Gesellschaftsroman mit psychologischem Tiefgang über Ehe und soziales Verhalten – auch heute noch interessant und lesenswert!

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Veröffentlicht am 06.05.2026

leiser und distanzierter Roman

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Der Roman spielt in England, in den 1950er Jahren und somit war der Einstieg für mich sprachlich und inhaltlich gewöhnungsbedürftig. Die Situationen und Dinge werden äußerst detailliert geschrieben, der ...

Der Roman spielt in England, in den 1950er Jahren und somit war der Einstieg für mich sprachlich und inhaltlich gewöhnungsbedürftig. Die Situationen und Dinge werden äußerst detailliert geschrieben, der Sprachstil wirkt in unserer Zeit sehr abgehoben und distanziert, sodass es auch schwierig ist, einen Bezug zu den Charakteren herzustellen. Die Handlung schreitet auch langsam voran und wirkt auch distanziert, wie aus der Beobachterinnenperspektive, als Leserin wird man nicht involviert. Imogen, Evelyn und der Nachbarin Blanche, die durch ihre unkonventionelle Art die Ehe der beiden Nachbarn in Schieflage bringt. Es werden auch feministische Ansätze eingebracht, allerdings alles andeutungsweise, leise und sensibel, allerdings nicht mitreißend oder aktivierend. Für mich war es eine interessante Leseerfahrung, allerdings habe ich mich mit dem Stil schwer getan und bis zum Schluss nicht ganz wohlgefühlt.